Klinische Forschungsnotiz zu 18 Hörprüfungen (TE) von Stotternden, im Rahmen des Audio-Psycho-Phonologischen Befundes (BAPP). Anonymes Dokument aus dem AFAPP-Bestand, mutmaßlich einem Kliniker des Tomatis-Netzwerks zuzuschreiben (der Verfasser zitiert „Tomatis" in der dritten Person) — 1970er-1980er Jahre.

Zusammenstellung der auf der Höhe der Hörprüfungen im BAPP bei Stotternden beobachteten Konstanten: eine geschlossene Selektivität, die Verzerrungen verbirgt; eine flache Luftleitung (CA) in zwei Dritteln der Fälle; eine Kuppel oder eine Spitze in der Sprachzone, die eine Beziehungsstörung zum Vater verrät; Spitzen bei den hohen Frequenzen (8000 Hz CA, 4000 Hz CO), welche die Suche nach der idealen Mutter bezeichnen; Skotom-Spitzen um 500-750 Hz, die auf die anale Phase verweisen. Verdichtete Zusammenfassung eines Protokolls zur klinischen Deutung des Stotterns aus der Sicht der Audio-Psycho-Phonologie.

Untersuchung von 18 Hörprüfungen Stotternder

Man kann feststellen, dass man auf der Höhe der TE im BAPP bei Stotternden sehr häufig gewisse Konstanten wiederfindet.

1. Im Ganzen „schöne", aber trügerische Kurven

Im allgemeinen weisen die TE keine großen Verzerrungen auf. Es sind sogar oft Kurven, die der idealen Kurve recht nahe kommen.

Indes, je „schöner" die Kurve, desto wahrscheinlicher ist es, sich vor einer geschlossenen Selektivität zu befinden. Im Maße, wie die Behandlung voranschreitet, öffnet sich die Selektivität (übrigens recht rasch), und dann ist es, dass man die Verzerrungen auf der Kurve in Erscheinung treten sieht. Dies erklärt zum Teil, dass manche Tests am Ende der Kur weniger gut erscheinen — vom Standpunkt der Kurve aus — als jener des BAPP.

Auf der Höhe dieser Schließung der Selektivität sind daher die folgenden Deutungen festzuhalten:

  • Verfangung an der Mutter, an der Vergangenheit.

  • Weigerung, sich seines Ohres zu bedienen.

  • Mangel an Analyse.

  • Keine Inbetriebsetzung des vestibulären Integrators.

2. Flache CA

In 12 von 18 Fällen findet sich eine flache CA (in 5 Fällen auf beiden Ohren; in 5 Fällen nur rechts; in 2 Fällen nur links).

Diese flache CA spielt in der Tat in etwa dieselbe Rolle wie eine geschlossene Selektivität, insofern sie jede Analyse verhindert.

3. Kuppel oder Spitze in der Sprachzone

Ein Merkmal, das sich in 16 von 18 Fällen wiederfindet, ist das Vorhandensein entweder einer kuppelförmigen CO oder einer sehr ausgeprägten Spitze in der Sprachzone. Diese Spitze oder diese Kuppel bestätigt, dass in fast allen Fällen eine Beziehungsstörung zum Vater und somit zur Sprache vorliegt:

  • Die Sprache ist hypertrophiert, doch zugleich…

  • … zutiefst aggressiv gegenüber dem Vater.

  • Die Sprache kann nicht als Mittel des Dialogs verwendet werden. Sie hat keinen Wert der Mitteilung. Es findet zugleich Suche und Nicht-Begegnung statt im Verhältnis zum väterlichen Bild.

In dem Fall, in dem die CA, ebenso wie die CO, glockenförmig ist, können zudem die folgenden Deutungen vorgebracht werden:

  • Hyper-Intellektualisierung.

  • Möglichkeit eines Ekzems.

4. Spitzen in den hohen Frequenzen

Man findet sehr häufig eine Spitze in den hohen Frequenzen: entweder bei 8000 Hz für die CA oder bei 4000 Hz für die CO. Verteilung, beobachtet an den 18 Fällen:

CA (8000 Hz)CO (4000 Hz)
R + LRLRLR + L
Anzahl der Fälle101214997

(Es gibt nur 3 Fälle, in denen keine der Kurven ansteigend ist.)

Diese Spitzen haben fast immer (vor allem rechts) als Erklärung:

  • Eine sehr starke Suche nach der Mutter; sie beweisen, wie stark die affektive Forderung gegenüber dem Stotternden ist. Es ist gleichwohl zu präzisieren, dass diese Spitzen in der CO häufig von Skotomen vorangegangen sind, die meist einen Wunsch nach Abbruch mit der Mutter zeigen. Der Wiederanstieg deutet sodann eher auf die Suche nach der idealen Mutter, dem mütterlichen Bild, als auf die Abhängigkeit von der wirklichen Mutter hin.

  • Die Spitzen bedeuten gleichermaßen, dass der Stotternde häufig ein aggressives Verhalten annimmt, sei es sehr ausgedrückt (CA), sei es latent, verschleiert (CO), sei es beides. Die Aggressivität scheint also eine starke charakterliche Komponente des Stotternden zu sein.

5. Skotom-Spitze-Paarung bei 500/750 Hz

Ein letzter Punkt, der uns aufgefallen ist, betrifft das Bestehen:

  • entweder eines Skotoms bei 500 Hz mit einer Spitze bei 750 Hz,

  • oder einer Spitze bei 500 Hz und eines Skotoms bei 750 Hz.

Sei daran erinnert, dass wir uns hier vom somatischen Standpunkt aus in der intestinalen Zone befinden; und vom analytischen Standpunkt aus in der analen Sphäre. Nun aber kann man bemerken, dass die gesamte Problematik der Retention und des Ausdrucks häufig mit dem Stottern in Verbindung gebracht worden ist. Tomatis erklärt im übrigen, dass das Stottern mit einer während der analen Phase aufgetretenen Blockade (zwischen 2 und 4 Jahren) in Verbindung stünde.

6. CO weniger hoch als CA

Aufgefallen ist uns auch der Sachverhalt, dass die CO fast stets weniger gut als die CA war, was eine schlechte Kontrolle auf der Höhe des Körpers beweist. Dies wird bestätigt durch den Sachverhalt, dass die Audiolaterometrie nahezu immer entweder links oder in der Mitte liegt.

— Klinische Notiz aus dem AFAPP-Bestand, undatiertes und unsigniertes Dokument. Archivdokument aus dem Netzwerk der Audio-Psycho-Phonologie.