Chronologie
Diese Chronologie versammelt die datierten Eckpunkte des Lebens und Werks von Alfred Tomatis (1920-2001). Sie ist als Ergänzung zur Biographie zu lesen, die den fortlaufenden Bericht liefert. Wo ein auf der Website verwahrtes Dokument einen Eckpunkt belegt, wird der Link zu den Archiven angegeben. Manche Daten sind nur annähernd bekannt: sie werden in diesen Fällen mit der den Quellen angemessenen Vorsicht angegeben.
Herkunft und Ausbildung
- Ende Dezember 1919 / 1. Januar 1920 — Geburt in Nice. Das Personenstandsregister verzeichnet den 1. Januar 1920; Tomatis wird in seiner Autobiographie behaupten, einige Tage früher, Ende Dezember 1919, geboren zu sein. Er kommt als ausgeprägte Frühgeburt, im sechsten Monat und zwei Wochen, zur Welt.
- Um 1931 — Im Alter von elf Jahren wird er auf Entschluss seines Vaters allein nach Paris geschickt, um seine Schulausbildung fortzusetzen.
- 1940er Jahre — Medizinstudium in einem besetzten Paris. In den Sanitätsdienst einberufen, dient er als Bataillonsarzt, wird einem Jugendarbeitslager (Chantier de jeunesse) zugewiesen und engagiert sich in der Résistance als Verbindungsagent. Er besteht die Aufnahmeprüfung für die Externatsstellen der Pariser Krankenhäuser, erwirbt naturwissenschaftliche Zertifikate an der Sorbonne und bildet sich namentlich bei dem Neurologen André Thomas aus.
- Unmittelbar nach dem Krieg — Doktor der Medizin. Er wählt die Oto-Rhino-Laryngologie als Fachgebiet.
Die grundlegende Entdeckung und das Elektronische Ohr
- 1947 — Im Kontakt mit Sängern in stimmlicher Not und mit dem Lärm ausgesetzten Arbeitern formuliert Tomatis den Satz, der am Anfang seines gesamten Werkes stehen wird: Ein Subjekt vermag stimmlich nur das wiederzugeben, was es zu hören imstande ist — „man singt mit dem Ohr".
- Anfang der 1950er Jahre — Entwicklung der ersten, noch rudimentären Geräte des Elektronischen Ohrs, die auf manuellen Umschaltungen beruhen.
- 1952 — Tomatis wird aus dem Krankenhausdienst entfernt, in dem er tätig war — seinem eigenen Bericht zufolge nicht wegen eines ärztlichen Fehlverhaltens, sondern weil er seine Arbeiten selbst vorgetragen hatte.
- 1952-1954 — Beiträge zum Bulletin der SFECMAS: dynamische Audiometrie, führendes Ohr, Berufsschwerhörigkeit. → Bulletins SFECMAS 1952-1954
- 1954 — Durch die Einführung elektronischer Schaltglieder in das Gerät verleiht Tomatis dem Elektronischen Ohr seine endgültige Gestalt — und seinen Namen.
Der Tomatis-Effekt und die Verbreitung der Methode
- 1957 und 1960 — Mitteilungen vor der Académie nationale de médecine in Paris. → Mitteilungen an die Académie de médecine
- Ende der 1950er Jahre — Experimenteller Nachweis der von Tomatis herausgearbeiteten Prinzipien — der „Tomatis-Gesetze" — mit dem Physiologen Raoul Husson und dem Laboratorium für Physiologie der Sorbonne unter Leitung von Professor Monnier. Das Ganze wird unter der Bezeichnung „Tomatis-Effekt" bei der Académie des sciences und der Académie nationale de médecine hinterlegt.
- Ab den 1950er Jahren — Entwicklung der Audio-Psycho-Phonologie (APP). Zunächst für Sänger und Stimmstörungen gedacht, wird sie schrittweise auf Sprach- und Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen und den Fremdsprachenerwerb ausgedehnt. Die Methode verbreitet sich international, und in zahlreichen Ländern entstehen entsprechende Zentren.
- 1972 — II. Kongress für Audio-Psycho-Phonologie, Paris. → Kongresse und Kolloquien
- 1972-1977 — Gespräche mit dem Journalisten Alain Gerber, erschienen in SON Magazine. → Interviews mit Alain Gerber
Kontroversen und letzte Jahre
- 1977 — Erscheinen von L’Oreille et la Vie, seinem bekanntesten Buch, das autobiographische Erzählung und Darstellung seiner Forschungen verbindet. Im selben Jahr wird Tomatis aus der ärztlichen Standesliste (Ordre des médecins) gestrichen.
- Letzte Jahrzehnte — Tomatis räumt der Psychologie sowie einer philosophischen und spirituellen Reflexion einen wachsenden Stellenwert ein — ein Weg, der ihn zur Konversion zum Katholizismus führt.
- 1988 — Eine ehemalige Patientin strengt im Anschluss an als erfolglos empfundene Sitzungen eine Klage an.
- 1993 — Verurteilung wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde.
- 25. Dezember 2001 — Alfred Tomatis stirbt in Carcassonne. Er ruht auf dem Friedhof von La Conte.
Nach 2001 — das Nachleben
- Ab 2001 — Die Fortführung des Werkes war seinem Sohn Christian Tomatis und seinem Mitarbeiter Thierry Gaujarengues anvertraut worden, den Begründern der Gesellschaft Tomatis Développement. Die Methode setzt ihr Dasein in mehreren Strängen fort — Gesellschaften, Berufsverbänden, unabhängigen Praktikern.
- 2017 — Kolloquium zum sechzigjährigen Bestehen des Tomatis-Effekts. → Kongresse und Kolloquien
Eckpunkte und Quellen
Die hier zusammengestellten Daten sind aus der Biographie — selbst gestützt auf die Autobiographie L’Oreille et la Vie — und aus den in den Archiven der Website verwahrten Dokumenten gewonnen. Wo die Quellen nur eine annähernde Datierung erlauben, wird der Eckpunkt mit einer vorsichtigen Formulierung („um", „Anfang der …er Jahre") angegeben. Diese Chronologie wird in dem Maße präzisiert werden, in dem die Primärquellen die Eckpunkte bestätigen oder berichtigen.