Mitteilung, vorgetragen auf dem III. Nationalkongress der Association Française d’Audio-Psycho-Phonologie, Pau, Mai 1976*, von* Dr. Jean Raynaud*, Neuropsychiater, Hôpital des Armées Toulouse.*

Das Problem des Zugangs zur Sprache durch die semiologische Untersuchung und die therapeutische Entwicklung eines Stotterns und einer Psycho-Neurose unter dem Elektronischen Ohr.

Einleitung

Erst seit kurzer Zeit Anwender des Elektronischen Ohres, habe ich in meiner jüngsten Praxis gewählt, zwei komplexe, noch in Entwicklung befindliche Fälle vorzustellen. Sie schienen mir geeignet, die theoretischen Probleme aufzuwerfen, welche die Inwerksetzung der auf den Ideen und Methoden Prof. Tomatis’ gegründeten therapeutischen Techniken hervorrufen.

In dieser theoretischen Perspektive wollte ich den Annäherungsmodus des Stotterns auf jene weniger offenkundigen und bisher weniger unterschiedenen Sprachstörungen ausweiten, die für mich fortan die Psycho-Neurosen darstellen. Ich habe so parallel die Entwicklung eines Stotterfalls und die einer Psycho-Neurose untersucht, indem ich zu zeigen versuchte, dass diese nur eine diskretere Desorganisation der Sprache darstellt, die jedoch durch die audio-psycho-phonologische Annäherung, die die Wirksamkeit der Kur unter dem Elektronischen Ohr gestattet, nicht weniger offenkundig ist.

Aus dem Buch von Borel-Maisonny und Pichon habe ich den Begriff der lingui-spekulativen Unzulänglichkeit zurückbehalten, durch den beim Stotterer „der Übergang der aus den sinnlichen Erinnerungen hervorgegangenen geistigen Bilder zur Darstellung und zum Ausdruck durch die Worte zutiefst gestört wäre". Sie drücken diese Idee ebenfalls so aus: „Welcher Art ihre Intelligenz im übrigen auch sein mag, sie haben Mühe, sich ihr Denken selbst in der Welt der Sprache zu formulieren." Die Therapeutik wäre nach diesen Autoren eine Wiedererziehung des sprachlichen Denkens.

Durch diese Idee der lingui-spekulativen Unzulänglichkeit, durch experimentelle Sachverhalte und Hypothesen Prof. Tomatis’ bezüglich der Sprache, habe ich versucht, parallel zum Stotterfall semiologisch das Problem einer Psycho-Neurose zu analysieren, die man so — in geringerem Maße als das Stottern — als eine lingui-spekulative Unzulänglichkeit betrachten kann; die Therapeutik unter dem Elektronischen Ohr kann auch hier als eine Wiedererziehung des sprachlichen Denkens ins Auge gefasst werden.

Beobachtung 1 — M… Robert: Stottern und Familiendrama

Vorstellung

Es handelt sich um einen 19-jährigen Burschen, ledig, freiwillig in ein Pionierregiment eingetreten, im Beruf des Maurers tätig, der — nach 9 Monaten Dienst in der Armee — in unserem Dienst wegen eines ersten generalisierten epileptischen Anfalls hospitalisiert wurde.

Eher klein gewachsen, mit recht gewöhnlichem und wenig ausdrucksvollem, glattem und ohne verratende Mimik versehenem Gesicht, lächelt er wenig, vermeidet den Blick. Die verbale Mitteilung ist auf gewaltige Weise durch ein sehr ausgeprägtes Stottern behindert: seine Rede ist nur eine Folge langer Suspensions-Perioden der Rede, mit klonischer Wiederholung irgendeiner Silbe inmitten des Wortes, bis zur tonischen Blockade mit vielfältigen Synkinesien. Er bewegt den Kopf, lehnt sich leicht nach vorn, bläht die Backen und die Lippen bei jeder klonischen Hervorbringung — um schließlich, nach der Blockade, jäh seine Rede zu entkorken zur Hervorbringung seines Satzendes.

Die also sehr synkopierte Rede besteht vor allem aus langen Stillen, gefüllt von seinen tonischen Blockaden. Der Ausdruck ist arm, mit sehr kurzen und sehr einfachen Sätzen, wobei sich der Gesprächspartner darauf reduziert sieht, nur möglichst kurze Antworten zu erbitten.

Familiengeschichte

Die psychiatrische Untersuchung weist die folgenden Sachverhalte auf: er hat in seiner Kindheit erst mit 4 oder 5 Jahren gesprochen, da er der Älteste in einer zweiköpfigen Geschwisterschaft ist. Er gilt als Linkshänder, doch er schreibt mit der rechten Hand. Er hat sein Abschlusszeugnis erlangt.

Ein katastrophischer Sachverhalt beherrscht die Erzählung seines Lebens: als er 16 Jahre alt war, hat sein Vater mit Hammerschlägen, sodann mit einem Strick erwürgt, seine Mutter und seine jüngere Schwester getötet. Er weiß nicht, wo sein Vater sich gegenwärtig befindet. Er selbst wohnt bei seinen Großeltern mütterlicherseits, die sich seit dem Drama um ihn kümmern. Er hatte mit seinem Vater eine Klempnerlehre gemacht, doch seit dem Drama musste er sich zum Beruf des Maurers wenden, und sodann hat er beschlossen, sich in die Armee einzuschreiben — in der er begann, sich unwohl zu fühlen.

Die neurologische Untersuchung ist normal. Die klassischen Erforschungen erlauben es, im EEG generalisierte degradierte Spitzen-Wellen festzuhalten. Eine gasförmige Enzephalographie und eine Szintigraphie erlaubten, jede organische Schädigung auszuschließen. Niveau-Tests zeigten einen IQ von 83, ohne signifikante Verschlechterung.

Die Hörprüfung, die bei seinem Eintritt in den Dienst durchgeführt wurde, zeigt eine bedeutende beidseitige Hypakusis von Schallempfindungstyp, ab etwa 8 000 Hz beginnend, mit vollständiger und beidseitiger Unmöglichkeit der Frequenzdiskriminierung. Die ORL-Untersuchung schloss auf einen kongenitalen Ursprung der Schwerhörigkeit.

Entwicklung unter dem Elektronischen Ohr

Mit seiner Zustimmung wurde eine Kur mit dem Elektronischen Ohr Mitte Dezember begonnen. Es wurde keine sehr offenkundige Reaktion während der gesamten ersten Phase der Behandlung verzeichnet, in der die gefilterte Musik drei Stunden täglich verabreicht wurde, abgesehen von einigen Klagen der Müdigkeit. In der 50. Sitzung, nach Rückkehr von einer kurzen Weihnachtsgenesung bei seinen Großeltern mütterlicherseits, nach einer schlaflosen Nacht, zeigte er einen Anfall im Lauf seiner Musiksitzung.

In der 70. Sitzung ging man zur Phase der klanglichen Geburten über. Diese Phase gestattete es, präziser den neuen Ausdruck einer Aggressivität gegenüber seinen Großeltern mütterlicherseits festzustellen, denen er vorwarf, seine Freiheiten einzuschränken, gegen die er sich an Weihnachten erhoben hatte. Er berichtet ab dieser Zeit von wiederholten Albträumen, stets zum gleichen Thema, in denen er sich auf der Suche nach seinem Vater sieht und in denen er von seinen Großeltern daran gehindert wird.

Parallel etabliert sich eine deutlichere Übertragung gegenüber den weiblichen Bildern des Dienstes, denen er sich zuwendet, um ihnen den Zeitungsartikel vorzulegen, den er besitzt und der das Verbrechen seines Vaters beschreibt. Er wird eine der Pflegerinnen bitten, ihm zu helfen, seinen Vater wiederzufinden. Er will im übrigen den Klempnerberuf wieder aufnehmen, den ihn sein Vater zu lehren begonnen hatte. Schließlich ist es mir, an den er sich wenden wird, indem er mir den Zeitungsartikel über den Tod seiner Mutter bringt und lesen lässt.

Schon zu dieser Zeit etablierten sich leichtere Beziehungen für ihn; sein Blick war belebter und lebendiger, und er erschien viel freier in seinen alltäglichen Beziehungen. Man begann die aktiven Sitzungen der Vokalisierung und der Verbalisierung ab der 185. Sitzung, das heißt Mitte Februar. Er schloss sich diesen Sitzungen sehr gut an und brachte Bewusstheit und Schwung mit. Er wurde rasch auf seinem rechten Ohr lateralisiert. Sehr rasch gelangte er dahin, durchaus zufriedenstellende Vokalisierungen wiederzugeben, ebenso wie die Zischlaute. Er stottert praktisch nicht unter dem Elektronischen Ohr, wobei die Übungen jedoch komplexe Wörter und Texte umfassen.

Diese Periode ist von einem gewissen Enthusiasmus geprägt, in Beziehung zu den anderen zu treten: dort wird er anfangen, mit hospitalisierten Kameraden auszugehen, am Tiercé zu spielen (und zu gewinnen), in einen Nachtclub mit zufällig begegneten Leuten auszugehen.

Analyse

M… Robert scheint hier eine Schlüsselsituation seiner psycho-motorischen Entwicklung geliefert zu haben. In seinem Gang zur Sprache, geteilt zwischen einer Mutter, die ihn auf die geistigen Bilder vor der Sprache zurückführt, und einem Vater, der mit Gewalt und ohne Nuancen die Semantik aufzwingen will, deren Träger er ist, haben die in Anspruch genommenen neuronalen Konditionierungen — vokale Feed-back-Systeme — auf antagonistische Weise gespielt, aufgrund der affektiven Diskordanz des elterlichen Paares.

Sein Stottern drückt im Akt des Sprechens nur die doppelte Anregung aus, die verzögert von einer Hemisphäre im Verhältnis zur anderen eintrifft, Ursprung der klono-tonischen Störung. Wenngleich er sich dank der Therapeutik unter dem Elektronischen Ohr auf dem Weg zu einer harmonischeren Dominanz der linken Hemisphäre (welche die Semantik befehligt) über die rechte Hemisphäre (die ihrerseits die gesamte mentale Bildlichkeit außerhalb der Sprache integriert) befindet, scheint er noch weit von dieser idealen Sprache entfernt, die aus einer harmonischen Dominanz einer Hemisphäre über die andere hervorgeht.

Die Komitialität, die manchmal noch erwacht, scheint uns das Zeichen zu sein, dass diese Reorganisation einer harmonischen zerebralen Dominanz nicht leicht ist.

Die enorme affektive Forderung, die täglich in all seinem Schritt ausgedrückt wird, legt schließlich große Schwierigkeiten in der Mutterbeziehung nahe: die Albträume haben als konstant wiederholte Thematik die der unmöglichen Begegnung des Vaters, wegen der durch die Großeltern mütterlicherseits dargestellten Mutter.

Die Idee einer rein funktionellen Depression des Zuhörens, gebunden an eine zutiefst gestörte mütterliche Beziehung, scheint uns heraufgerufen werden zu müssen, um seine Hypakusis zu erklären.

Beobachtung 2 — G… Aimé: Psycho-Neurose und „linke Stimme"

Vorstellung

G… Aimé ist gegenwärtig 46 Jahre alt. Unteroffizier im Ruhestand, nachdem er sein Recht auf langwierigen Urlaub erschöpft hat, ist er seit 1967 zu 70 % wegen schweren und widerspenstigen depressiven Syndroms und zu 40 % wegen Folgen einer amöbischen Kolitis pensioniert.

Aus einer geeinten Familie mit 2 Söhnen, von denen er der Ältere ist, hervorgegangen, beschreibt er sich als seinem Vater näher — einem technischen Angestellten bei der PTT, vor einigen Jahren verstorben —, erlebt als einfach und gut, liebevoller als eine Mutter, im Haushalt, der es an Wärme gefehlt hätte, zu sehr von der täglichen Beschäftigung in Anspruch genommen, ein wenig tyrannisch, noch am Leben. Er wird das Wort „frust" verwenden, um sie global zu kennzeichnen — was für ihn zu bedeuten scheint: dumm autoritär. Seine psycho-motorische Entwicklung war normal; er ist Rechtshänder.

Seine Karriere in der Armee ist eng mit den Indochina- und Algerienfeldzügen verbunden. Er ist gut beurteilt und gut angepasst in allen verschiedenen Stellungen, die er hatte. Er ist eifrig, präzise, akribisch, der Perfektion zugeneigt und autoritär — Eigenschaften, die in seinen Funktionen geschätzt werden. Lange Zeit, vor allem in den Außenoperationsgebieten und im operationellen Klima, fühlt er sich vollkommen wohl.

Ab 1959 wird er zu sehr mit seiner Arbeit beschäftigt, überprüft im Übermaß deren Details, wird darob unruhig, steht nachts auf. Er wird mehrfach für die amöbische Kolitis hospitalisiert. Bei seiner Rückkehr in das Mutterland wird er 1966 hospitalisiert, depressiv, traurig, abgemagert. Seit dieser Zeit, in seiner Neurose authentifiziert durch die Erlangung einer Rente, oszilliert er zwischen Krankenhaus, Behandlungen und Beziehungen, die mit Therapeut und medizinischem Personal geknüpft werden, und der geschlossenen Welt seines Geburtshauses, wo er zurückgezogen, untätig, mit seiner verwitweten Mutter lebt: spät rekonstituiertes ödipales Paar und nicht ohne Konflikte.

Das Gesicht und die linke Stimme

Mittlerer Größe, eher klein, hat er Haltungen, die von Nüchternheit, Maß und mechanischer Wiederholung geprägt sind, die durch die zeitlichen Imperative rhythmisiert werden. Sein Gesicht ist wenig ausdrucksvoll, erstarrt, im allgemeinen traurig, ohne je ein Lächeln. Seine Stimme ist atonisch, schlecht klangvoll, monoton, eher tief; die Klangfarbe ist gedämpft. In den Sprachgesten ist der Körper unbeweglich.

Er verwendet nur seine linke Gesichtshälfte zum Sprechen, wobei seine Maske rechts erstarrt und atonisch bleibt; links hingegen beleben sich die linke Stirnhälfte und der Mundwinkel fast ausschließlich bei der Rede, und dies auf sehr offenkundige, fast karikaturhafte Weise. Man kann behaupten, dass er ständig mit seiner linken Stimme spricht.

Seine Rede situiert sich stets auf derselben Ebene: auf die Weise der Klage beschreibt er mit großer Genauigkeit, wie aus der Ferne und vom Standpunkt des Beobachters, seine Symptome. Er versäumt nicht, deren Dauerhaftigkeit, ihren dramatisch zwingenden Charakter zu behaupten, wie ein Übel, das ihn schmerzt, eine unheilbare Krankheit, gegen die er nichts vermag — die er im Leiden erträgt und ihr gegenüber seine Luzidität, seine Pseudo-Objektivität bewahrt.

Er beschreibt so detailliert all die zwanghaften Zweifel und Überprüfungen, gegen die er nichts vermag und um die sein Leben organisiert ist: eine ganze Welt von Obsessionen, die sich auf die Hähne, die Türen, die Wahl von Hemden im Geschäft (mit denen er nie zufrieden ist und die er bei der Heimkehr zerreißt), die zu sendenden Briefe, die Verwaltungsschritte erstrecken. Wenn er den Zug nimmt, kauft er die Fahrkarte acht Tage im voraus, findet sie schlecht abgestempelt, zerstört sie, kauft eine zweite. Sein Zahnersatz im Waggon: „und wenn er ihn in die Toilette würfe?"

Dazu kommt eine sehr starke Aggressivität, die er als gefährlich gegenüber den Menschen um ihn beschreibt und die wegen Nichtigkeiten ausgelöst wird: es ist dann eine heftige Lust zu schlagen, die er im allgemeinen nicht in die Tat umsetzt, die er aber in der dem Vorfall folgenden Nacht wiederkäut, wobei er selbstverständlich schlaflos bleibt.

Kriegs-Albträume

Die Beziehung wird nach zwei Monaten Hospitalisierung einen spontaneren und affektiv reicheren Charakter annehmen, durch den Bericht dramatischer Albträume, die sich oft seit 1966 wiederholen und auf authentisch erlebte Kriegssachverhalte zurückführen. Er sagt von sich: „Ich habe den Eindruck, mich selbst zu zerstören, anstatt mich dagegen zu verteidigen."

Die wieder erlebte Szene ist stets dieselbe: er hatte den Befehl erhalten, einen Gefangenen niederzuschießen; er bezeichnet einen dazu freiwilligen Soldaten; der Soldat verwundet den Gefangenen nur; er selbst erledigt den Verwundeten mit einer Kugel in den Kopf — doch er wacht in dem Augenblick auf, in dem der Pistolenschuss knallt und der Mann, der den Schuss erwartet, ihn anschaut.

Entwicklung unter dem Elektronischen Ohr

Eine Kur mit dem Elektronischen Ohr wird ihm vorgeschlagen; er nimmt sie an. Die Sitzungen mit gefilterter Musik erweisen sich rasch als wirksam. In der 7. Sitzung empfindet er sehr beängstigt eine Empfindung des Verlustes, der Empfindungslosigkeit seiner rechten Körperhälfte — die sich später auch links ergeben wird. Dazu kommt eine gewisse Mühe beim Sprechen, ein Kribbeln auf der rechten Seite des Mundes.

Er unterstreicht auch, spontan und zu seiner großen Verwunderung, dass sich seit Beginn der Kur sein intestinaler Transit normalisiert hat: er hat weder Durchfall noch Verstopfung mehr. Dieser Sachverhalt ist um so bemerkenswerter, als er bis dahin sehr anspruchsvoll für die Behandlung seiner Kolitis war, unzufrieden mit den verschiedenen Bismutpräparaten, die ihm verschrieben wurden, und unaufhörlich darüber krittelte.

Die Behinderung auf der Höhe des Körpergefühls wird sich um die 40. Sitzung herum mildern. Nichts weiter Bemerkenswertes wird sich bis zur aktiven Phase der Verbalisierung-Vokalisierung der Behandlung ereignen, die nach 128 Sitzungen Musik und klanglicher Geburt eingeführt wird. Er drückt meistens eine athematische Angst aus, in Krisen, auf die Weise des Vorwurfs und nichts weiter. Die Phase der Vokalisierung-Verbalisierung wird seine Angst noch akzentuieren, und er wird erhebliche Schwierigkeiten erleben.

Angesichts seiner geringen Kooperation und seines geringen Enthusiasmus werden die Zischlaut-Sitzungen gestoppt. Er wird zu diesem Zeitpunkt sehr aggressiv gegen mich, beschuldigt mich, ihm den Misserfolg der Behandlung anzulasten. Schließlich werden die Sitzungen wieder aufgenommen, und er wird zugeben, dass er in sich eine Art Zurückhaltung hatte, die Übungen zu machen.

Man verzeichnet jedoch gegenwärtig — wo seine Behandlung nicht abgeschlossen ist — eine Verbesserung in seinen Beziehungen, von anderen Kranken festgestellt, eine größere Leichtigkeit, zu kommunizieren, den Sachverhalt, dass er häufiger in die Stadt ausgeht (worauf er bis dahin völlig verzichtet hatte). Er wird selbst zugeben, dass er etwas besser schläft, entspannter ist. Doch wenn es ihm besser geht, behauptet er, dass es daran liegt, dass es ihm „in bestimmten Augenblicken so schlecht geht". Wenn er in die Stadt geht, sagt er selbst, dass „es gegen seinen Willen ist".

Analyse

Die Schwierigkeiten G…s können im üblichen klinischen Rahmen als psycho-neurotische Störungen beschrieben werden, die eine schwere obsessionelle Neurose mit paranoiden Charakterzügen vermuten lassen. Die analytische Perspektive gestattet es, die sado-masochistischen Züge der Verhaltensweisen zu unterstreichen, was eine Regression auf das Stadium der sphinkterischen Konditionierungen einschließt.

Für uns, in der Perspektive der Hypothesen Prof. Tomatis’ und der Entwicklung dieses Falles unter dem Elektronischen Ohr, deuten wir den Fall G… Aimé als eine zunächst auditive Dyslateralisierung und eine Bequemlichkeit — die wir funktionell nennen werden, das heißt eingeschrieben in den neuronalen Kreisen —, in einer linken audio-phonatorischen Kontrolle zu verharren. Diese Bequemlichkeit scheint uns nicht ohne Intentionalität, und setzt eine rechte hemisphärische Dominanz voraus.

Man kann so vermuten, dass G…s Sprache und somit sein Denken — als direkt von der Sprache abhängig — zu stark von der Welt der geistigen Bilder geprägt erscheinen, hier stark vom Sado-Masochismus durchtränkt.

So hat G… nach den anfänglichen Konditionierungen der Kindheit, in denen die Mutter durch ihre Stimme eine bestimmende Rolle spielt, diese im Gefolge des konflikthaften Anstoßes der Adoleszenz verlassen, wobei er gleichwohl seine Männersprache ausgearbeitet hatte — denn er gelangt zu einer Möglichkeit der Rede, die im Verhältnis zu unserem Stotterer zufriedenstellend ist. In der Armee ohne Zweifel wollte er auf unbewusste Weise diese sado-masochistische Welt seiner Kindheit wiederfinden, durch die reglementarischen Strengen und die Unterwerfungs-Beherrschungs-Situationen, welche die strenge militärische Hierarchie gestattet, vor allem in Kriegszeiten.

In Friedenszeiten führt ihn die Unangemessenheit seiner inneren Sprache an die weniger unruhigen Zeiten zur depressiven Dekompensation, mit tiefer Angst und Wiederauftauchen traumatisch wirkender Albträume, die ihn auf einen schweren sado-masochistischen Akt zurückführen, in einem sehr bedeutsamen Erleben.

Vergleichende Synthese

Im Gegensatz zu unserem Stotterer funktioniert hier der Sprachapparat — doch er bringt eine Rede hervor, die permanent unterworfen ist, schief gemacht durch die libidinöse Welt der archaischen Vorstellungen der Kindheit, der Regressionen im psychoanalytischen Sinn, in jene Zeit, in der die Mutter noch allmächtig war, vor der wahren Sprache durch die Worte. Wahre lingui-spekulative Verzerrung, in der die Rede unendlich nur ein schlecht beherrschtes Unbewusstes ausdrückt und schließlich beim anderen stets dieselben Antworten hervorruft, wie zur Zeit der schlechten Konditionierung der ersten Lebensmonate. Dies unterstreicht, falls es nötig wäre, die Bedeutung der Mutter und ihrer Weise zu lieben — das heißt zu kommunizieren — schon und vielleicht vor der Geburt mit ihrem Kind.

Unser Stotterer ist seinerseits bei einer Art absoluterer Spaltung zwischen der Welt der Worte und der der Vorstellungen geblieben — Spaltung, die ebenfalls neuronal eingeschrieben ist und sich durch die silbische Verdoppelung ausdrückt, die schließlich aus einer abgehackten und synkopierten Rede eine Art Unter-Sprache macht, eine Art ständigen Aufrufs an die Fürsorge des anderen unter Ignorierung der Worte. Ist das nicht auf sehr offenkundige Weise die Weise der anfänglichen Mitteilung zwischen Mutter und Kind? — wobei das Drama hier darin besteht, den anderen mit der Mutter identifizieren zu wollen.

Auf eine neue semiologische Annäherung hin

Diese beiden Fälle werfen uns das Problem einer neuen semiologischen Annäherung an die Sprache und an die Rede auf, durch die klinischen Sachverhalte, die aus der Kur unter dem Elektronischen Ohr hervorgehen, durch die Entdeckungen und Hypothesen Prof. Tomatis’ — die in Einklang mit den jüngsten Untersuchungen zur Spezialisierung der Hemisphären, zur Rolle des Corpus callosum, zum Problem der hemisphärischen Dominanzen stehen.

Diese Annäherung sollte berücksichtigen:

  1. Das Problem des Zuhörens, das heißt das vom Ohr erreichte Funktionsniveau und seine Veränderungen im Lauf einer Kur, welche auch immer sie sei, sehr gut von der Hörprüfung analysiert.

  2. Die Untersuchung der Sprache in allen ihren rhythmischen, melodischen, phonischen und schließlich semantischen Bestandteilen.

So sollte es möglich sein, die gesamte Semiologie der Sprachstörungen — vom Stottern bis zur Schizophrenie — in einer objektiven Annäherung und in einer entwicklungsmäßigeren Perspektive neu zu überprüfen, angesichts der Wirksamkeit der Kur, wie es die beiden beschriebenen Beobachtungen nahelegen.

Das hat zur Folge:

  1. Jede seelische oder psycho-motorische Störung als eine Mitteilungsstörung zu betrachten — das heißt als eine lingui-spekulative Desintegration oder Verzerrung.

  2. Nicht mehr einen semiologischen Standpunkt und einen therapeutischen Standpunkt aufrechtzuerhalten, die in den klassifikatorischen und nosographischen Haltungen der klassischen Psychiatrie zu oft divergieren. Die Entwicklung unter dem Elektronischen Ohr scheint nämlich ein untrennbares Ganzes, zugleich analytisch und entwicklungsmäßig, zu sein.

Doch das setzt voraus, dass man als Ziel dem, was nicht mehr nur eine Therapeutik, sondern eine Wiedererziehung ist, ein zu erreichendes Ideal bestimmt: jenes der Mitteilung unter rechter Selbstkontrolle, ideale Potentialität, zu der jeder Mensch gelangen können soll.

Man verlässt hier den Begriff der Norm, der Anpassung an das Reale — die mehr oder weniger implizite Referenz jedes therapeutischen Schrittes — um den eines Ideals in der gesprochenen Mitteilung anzunehmen, einer idealen Dimension der individuellen Sprache.

Schluss: die Heilung als Weg

Es handelt sich hier um eine entscheidende theoretische Position, unserer Ansicht nach physiologisch begründet ausgehend von den experimentellen Sachverhalten, die von Prof. Tomatis aufgewiesen wurden — die so eine Art Übergang von der wissenschaftlichen, medizinischen Beobachtung und von der therapeutischen Beschäftigung zum Einlassen auf einen Schritt zu einer dem Menschen transzendenten Wesenheit gestattet: die Sprache. Perspektive, die sich in eine idealistische Deutung des menschlichen Verhaltens einreiht.

Doch schließlich, wenn man in den psychiatrischen Schritt eingebunden ist, ist man nicht — mehr oder weniger implizit oder offenkundig, in der Weise, wie man sich an den psychiatrischen Sachverhalt selbst wendet — Träger der Ideologie, die man vermittelt und die sich mehr oder weniger klar auf die im Hinblick auf die „Heilung" eingegangene Beziehung auswirkt? Das ist ein grundlegender Sachverhalt im täglichen Anliegen jedes Arzt-Psychiaters. Und die rasende Medikalisierung des Problems in unserem System verhindert nicht, dass die Entwicklung der klinischen Fälle stets durch die theoretischen und ideologischen Grundlagen des Therapeuten beeinflusst wird. Die Bedeutung des Sachverhalts durch die medizinische Pseudo-Neutralität herunterspielen zu wollen, löst die Frage nicht.

So also kann die Heilung nicht mehr als ein ein für alle Mal zu erwerbendes Ziel bestimmt werden — sondern als ein Weg, offen auf etwas anderes… eine Dimension des Bewusstseins, gesteigert und zu steigern, die in einem gegebenen Augenblick dem medizinischen Feld entgeht.

— Dr. Jean Raynaud, Neuropsychiater, Hôpital des Armées Toulouse. Mitteilung auf dem III. Nationalkongress der AFAPP, Pau, Mai 1976.