Grundlegendes Dokument von Dr A.A. Tomatis, achtundvierzigseitige Ausgabe, herausgegeben von der Société d’Audio-Psycho-Phonologie (4 rue Cozette, 80000 Amiens) im Juni 1974. Dieser Band versammelt die Äußerungen, die Tomatis anlässlich des IIIe Internationalen Kongresses für Audio-Psycho-Phonologie (Antwerpen 1973) gemacht hat, nach einem langen Frage-Antwort-Gespräch mit seinen Schülern. Das Werk präsentiert zunächst die Durchführung des Hörtests (Suche nach den Schwellen in Luft- und Knochenleitung, Studie der Räumlichkeit, Studie der Selektivität, Suche nach dem dominanten Ohr durch Audio-Lateromètre), dann liefert es — in zweiundzwanzig Fragen — die klinische und symbolische Interpretation des Tests: ideale physiologische Kurve, Dreiteilung Eingeweideheit / Sprache / Spiritualität, mütterliche Lesart (linkes Ohr) und väterliche Lesart (rechtes Ohr), somatische Entsprechungen (125 Hz = Sexualität, 250 Hz = Dickdarm, 500 Hz = Dünndarm, 1 000 Hz = Magen…), Differentialdiagnose der Schallleitungs-, Wahrnehmungs- und Misch-Schwerhörigkeiten, Lesart der Kurven des Depressiven und Hörhaltungen für Hohe. Ständige Referenz des Praktikers seit fünfzig Jahren.

*BETRACHTUNGEN ZUM HÖRTEST

von
A. A. TOMATIS

SOCIÉTÉ D’AUDIO-PSYCHO-PHONOLOGIE
4, rue Cozette — 80000 Amiens

Juni 1974*


Äußerungen, gesammelt im Verlauf des IIIe Internationalen Kongresses für Audio-Psycho-Phonologie (Antwerpen 1973) nach einem Gespräch mit Professor Tomatis.

In seinem Werk „Éducation et Dyslexie" hat Professor Tomatis den Hörtest als den wichtigsten Test des audio-psycho-phonologischen Inventars vorgestellt und als jenen, der die Hörmöglichkeiten des Subjekts bestimmen muss: Selbsthören und Hören des Anderen. Im Verlauf der Seiten, die er ihm im Kapitel mit dem Titel „Audio-Psycho-Phonologisches Inventar" gewidmet hat, hat er die verschiedenen Prüfungen definiert, die diesen Test zusammensetzen. Wir werden also nur rasch in Erinnerung rufen, worin sie bestehen und wie sie durchgeführt werden.

Für ausführlichere Details verweisen wir Sie auf das Werk von Professor Tomatis: „Éducation et Dyslexie", Editions ESF, Sammlung „Sciences de l’Éducation".

I. — Durchführung des Hörtests

a) Suche nach den Schwellen

Um diesen Test durchzuführen, bedienen wir uns eines Geräts, das einen Frequenzgenerator namens „Hearing Test" enthält, der reine Töne aussendet, die sich von 125 bis 8 000 Hertz, oktavweise, unter Durchgang durch die Werte 1 500, 3 000 und 6 000 Hertz erstrecken, und dessen Intensität in 5-dB-Schritten von –10 bis +100 dB variieren kann.

Dieser Test hat das Ziel, 4 Parameter zu bestimmen:

Es handelt sich darum, einerseits die minimalen Hörbarkeitsschwellen in Luftleitung zu suchen, wobei der Klang durch die Vermittlung von Hörern in den äußeren Gehörgang eindringt; andererseits die durch Knochenleitung erhaltenen Schwellen mit Hilfe eines Vibrators, der den Mastoid anregt. Die Ergebnisse werden auf zwei Rastern festgehalten, die der Kurve des rechten Ohrs und jener des linken Ohrs entsprechen. Es ist anzumerken, dass der Platz dieser beiden Diagramme umgekehrt ist, wobei die rechte Kurve links und die linke Kurve rechts ist, gemäß einem in der Physiologie gewöhnlich angewandten Beobachtungsverfahren.

Auf den Abszissen trägt man die Frequenzen von 125 bis 8 000 Hertz auf und auf den Ordinaten die Intensitäten in Dezibel, die von oben nach unten gelesen werden. Man erhält so zwei Luftkurven, jene des rechten und jene des linken Ohrs, im Allgemeinen in Blau dargestellt, und zwei Knochenkurven, im Allgemeinen mit rotem Stift gezeichnet. Wenn keine Farben eingreifen, zeigt man die Luftkurve (CA) durchgehend und die Knochenkurve (CO) gestrichelt an.

b) Studie der Räumlichkeit

Bei der Suche nach den Schwellen vermerkt man zugleich die Fähigkeit des Ohrs, die Klänge im Raum zu lokalisieren. Die Inversionen oder Verwechslungen von Klängen werden auf der Ebene jeder Frequenz durch einen kleinen Strich am unteren Ende jedes der Raster vermerkt. Um diese Verwechslungen oder Inversionen von Klängen zu sammeln, wird das Subjekt bei der Suche nach den Schwellen gebeten, die Hand auf der Seite zu heben, von der es den Klang hört, und beide Hände zu heben, wenn es den Klang von beiden Seiten hört oder wenn es die Richtung nicht bestimmen kann.

c) Studie der Selektivität

Diese Untersuchung hat das Ziel, die Öffnung oder Schließung der auditiven Selektivität zu erkennen. Diese Selektivität wurde von Professor Tomatis als die Fähigkeit definiert, die ein Ohr besitzt, eine Frequenzvariation innerhalb eines Klangspektrums wahrzunehmen und den Sinn dieser Variation zu verorten.

Um diese Prüfung durchzuführen, vollzieht man für jedes Ohr in Luftleitung und bei einem Niveau von etwa 40-60 Dezibel einen Frequenzdurchlauf, im Allgemeinen von den Hohen ausgehend, und man bittet das Subjekt anzugeben, ob der wahrgenommene Klang höher, tiefer oder gleich hoch wie der vorhergehende ist.

Die Fehler werden oben am Raster auf der Ebene der schlecht analysierten Frequenzen angezeigt, und die Blockierung der Selektivität wird in schraffierten Strichen ab der tiefsten Frequenz angezeigt, die mit einem Strich markiert wurde.

d) Suche nach dem dominanten Ohr

Die letzte Prüfung des Hörtests wird mit Hilfe des Audio-Lateromètre durchgeführt. Diese Studie erlaubt es, den Lateralisierungsgrad des Subjekts zu messen, zu beziffern. Es ist in seinem Werk „Éducation et Dyslexie", dass Professor Tomatis den Audio-Lateromètre und seine Verwendung beschreibt (Seite 129). Wir werden hier nicht darauf zurückkommen, indem wir uns begnügen, nur anzumerken, dass zwei Zahlen auf dem Diagramm angezeigt sind, jene des linken Ohrs (das heißt jene rechts), die je nach auditiver Lateralisierung variiert. Wenn diese zugunsten des linken Ohrs erfolgt, werden wir auf dem diesem Ohr entsprechenden Diagramm (das heißt dem Diagramm rechts) eine Zahl von 10 bis 40 haben. Wenn diese Zahl 50 beträgt, gibt es keine auditive Dominanz. Wenn sie größer als 50 ist, dominiert das rechte Ohr.

So finden wir uns nach der Durchführung des Hörtests in Anwesenheit zweier Raster, die je zwei Kurven enthalten, eine blaue und eine rote (oder eine durchgezogene Kurve und eine gestrichelte Kurve), ergänzt durch die Angabe der Inversionen oder Verwechslungen von Klängen, durch Daten zur Selektivität und gleichzeitig durch zwei Zahlen, die der Audio-Lateromètre-Prüfung entsprechen.

Diesen Test korrekt aufzuzeichnen genügt nicht. Es geht dann darum, ihn angemessen zu interpretieren, was eine lange Praxis erfordert.


II. — Interpretation des Hörtests

Dieser Verlauf ist schwer zu verwirklichen. Es ist einer der zugleich komplexesten und doch ganz und gar grundlegenden Teile der Theorien und Forschungen von Professor Tomatis für die gute Anwendung der im Bereich der Audio-Psycho-Phonologie verwendeten Techniken.

Wir werden durch den Wechsel von Fragen und Antworten dennoch versuchen, das Problem zu klären und einzukreisen.

Erste Frage

Könnten Sie uns genau definieren, was Sie unter einem Hörtest verstehen, und uns angeben, welche grundlegenden Unterschiede es zwischen einem Hörtest und einem Audiogramm geben kann?

Professor Tomatis: Ich denke in der Tat, dass es einen wichtigen Unterschied zwischen einem Audiogramm und einem Hörtest gibt. Das Material, das dieser auf verschiedenen Ebenen bringt, erlaubt es, eine beträchtliche Menge von Elementen zu sammeln, die dem geübten Kliniker eine wertvolle Substanz für die Erstellung der Diagnose liefern.

Dieser Test unterscheidet sich vom einfachen Audiogramm, das gewissermaßen das Hören des Subjekts misst. Dieses letzte Ergebnis interessiert uns gewiss, aber es ist nicht das wesentliche gesuchte Element. In der Tat wiederhole ich noch einmal, dass es geboten ist, das Zuhören vom Hören zu unterscheiden. Hören impliziert nicht deswegen die Anwesenheit eines bewussten Feldes. Hören heißt gewissermaßen einen Klang oder eine Botschaft erleiden, die an uns gerichtet ist. Zuhören heißt wollen, diesen Klang oder diese Botschaft zu erfassen. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Haltungen.

Die Audiometrie ist sicher nicht zu vernachlässigen, aber der Geist, mit dem sie durchgeführt wird, kann die Interpretationen variieren lassen je nach klinischem oder psychologischem Beitrag, den sie uns zur Verfügung stellen kann. Diese Prüfung bleibt wesentlich in der das Hören betreffenden Untersuchung. Sie ist für den Otologen eine grundlegende Untersuchung, von der aus sich die ätiologischen Daten einer Störung der Hörfunktion abzeichnen. Von ihr hängt überdies die Prognose ab, die die Art der medizinischen oder chirurgischen oder prothetischen oder gar wiedererzieherischen Therapie lenken wird. Man kann also von diesen Daten ausgehend die Pflegeregeln anwenden, die zur Wiederherstellung einer beschädigten Funktion bestimmt sind.

Der Hörtest weiß diese Informationen in den Rahmen eines psychologischen Prozesses zu integrieren, der es erlaubt, zu erkennen, ob das Subjekt die Materialien, die es auf der Wahrnehmungsebene zur Verfügung hat, verwenden will oder nicht. Jeder kennt diese so oft wiederholten Leit-Motive: „sie haben Ohren und hören nicht; sie hören, aber sie wissen nicht zuzuhören". Es gibt eine Gradierung, die sich zwischen Hören und Zuhören einrichtet; und der Hörtest erlaubt es gerade, die Verwendung zu kennen, die ein Subjekt aus seinem Hören machen kann. Das Audiogramm liefert eine bestimmte Kurve, aber es zeigt nicht deswegen an, ob das untersuchte Individuum sich wirklich dieser Kurve bedienen kann, um mit den anderen durch seine Selbstkontrolle zu kommunizieren. In Sachen Sehen haben Sie die gleichen Gradierungen. Sie können sich vor einem perfekten Auge befinden, vor der besten Netzhaut der Welt; das wird Ihnen jedoch nicht erlauben zu erkennen, ob das Subjekt wohl mit dem Gewehr zielen kann oder ob es zu malen weiß. Es gibt also eine Dimension der Gnosie, die ein ergänzendes Datum bringt. So stellt man in der Audio-Psycho-Phonologie fest, dass eine schlechte Kurve sehr wohl genutzt werden kann und dem Subjekt Hörmöglichkeiten bringt, die vielen Guthörenden vorenthalten sind. Ich habe Leute gesehen, die, wenn man sich auf ihr Audiogramm stützt, als taub gelten und denen es jedoch gelingt, zuzuhören, indem sie ihre Aufmerksamkeit fixieren. Es gibt also eine Dimension der Aufmerksamkeit, der Zustimmung, die sich im Zuhören einrichtet, eine Bewusstwerdung, die sich mit dem Hören selbst verschränkt. Der Hörtest befindet sich also auf einer höheren Ebene als der des Audiogramms selbst. Er ist vor allem ein psychologischer Test, während das Audiogramm eine Prüfung physiologischer, ja anatomischer Ordnung bleibt.

Zweite Frage

Sie betrachten also, dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen Hören und Zuhören gibt?

Professor Tomatis: Ja, ich denke, es ist notwendig, diese beiden wesentlich verschiedenen Funktionen unterscheiden zu können, obwohl sie sich offenbar auf identischen Terrains entwickeln. Wenn es wahr ist, dass die eine und die andere dieser beiden Fähigkeiten ein und dasselbe Gebiet abdecken, ist es nichtsdestoweniger wahr, dass sie in ihrer Handlungsweise divergieren, in Funktion der zugrunde liegenden Motivationen. Hören ist das Ergebnis einer Wahrnehmung, die auf eine von außen kommende Stimulation antwortet. Zuhören gründet sich gewiss auf eine Stimulation, die ihre Quelle außen nimmt, aber innerlich, absichtlich gesucht werden muss. Die Begriffe von Aufnehmer, Wahl, Filter werden dann erscheinen. Das bewusste Element wird so zum wesentlichen Faktor, auf dem der ganze Unterschied zwischen diesen beiden Aktivitäten beruht, die sich parallel entwickeln und von denen die eine, das Zuhören, sich auf einer höheren Ebene befindet, da sie ein spezifisches Merkmal des Menschen auf seinem menschlichen Weg ruft.

Sehen und Sehen-Wollen sind zwei völlig verschiedene Mechanismen, der zweite verwendet den ersten. Sehen-Wollen heißt zielen. Es ist ebenso für Hören und Zuhören. Das Zuhören ergibt sich aus dem Hören-Wollen und ist dem Zielen äquivalent. Das Zuhören ist für das Ohr, was das Zielen für das Auge ist. Diese Unterscheidung muss ständig im Geist des Audio-Psycho-Phonologen präsent sein. Es ist an ihm zu wissen, durch die Ergebnisse hindurch, die ihm die reine Audiologie bietet, die psychologischen Daten zu bewahren, die es ihm erlauben werden, seine Diagnose zu erstellen und seine Handlungsweise zu lenken.

Dritte Frage

Sie haben in mehreren Ihrer Veröffentlichungen von einer idealen Kurve gesprochen, die jene zu sein schiene, zu der jedes Ohr tendieren sollte, um gut zuzuhören. Diese Kurve hat einen aufsteigenden Verlauf zwischen 500 und 2 000 Hz, der einer Steigung von etwa 6 bis 18 dB/Oktave entspricht, dann eine Kuppel zwischen 2 000 und 4 000 Hz, und dann einen leichten Abfall. Diese Kurve finden wir übrigens in Ihrem Buch „L’Oreille et le Langage", wenn Sie vom musikalischen Ohr sprechen. Vielleicht könnten Sie uns sagen, was dieser Kurve auf physiologischer Ebene entspricht?

Ideale physiologische Kurve

Ideale physiologische Kurve: regelmäßiger Anstieg zwischen 500 und 2 000 Hz (Steigung von etwa 6 bis 18 dB/Oktave), Kuppel zwischen 2 000 und 4 000 Hz, leichter Abfall danach.

Professor Tomatis: Auf der Ebene der reinen Physik zeigt sie die Antworten des Ohrs an, wenn dieses gut funktioniert. Sie entspricht in der Tat der Wegel-Kurve, sogenannte „Zitronenkurve", umgekehrt. In der Tat ist die Wegel-Kurve die Antwortkurve, die erhalten wird, wenn auf den Abszissen die Frequenzen und auf den aufsteigenden Ordinaten die Intensitäten aufgetragen werden. Eine erste Schwelle erhält man im unteren Teil nach einem Minimum, das in den tiefen Frequenzen bei etwa 40-50 dB beginnt, dann die Abszissenkurve zwischen 2 000 und 3 000 Hz tangiert und in den Hohen zwischen 8 und 10 000 Hz wieder ansteigend auf 40-50 dB wird. Diese Kurve ergänzt sich und nimmt den Zitronenverlauf an — gemäß dem bildlichen Ausdruck, den man ihr verleiht, wenn man Klänge wachsender Intensität sendet und dann eine Kurve der Maximalschwellen erhält, die sich dort bestimmen, wo das Ohr zu leiden beginnt, daher der Name „Schmerzschwellen".

Wegel-Zitronenkurve

Wegel-Kurve, sogenannte „Zitronenkurve": Hörbarkeitsfeld, unten begrenzt durch die Hörbarkeitsschwelle und oben durch die Schmerzschwelle.

Diese Schwellen beginnen in den Tiefen ebenfalls bei 50-60 dB, schließen sich der ersten Kurve an, dann erreichen sie 120 bis 130 dB zwischen 2 000 und 3 000 Hz, um danach in den Hohen abzustürzen, indem sie sich ebenfalls der ersten Kurve anschließen.

Die Mittellinie, die sich bei etwa 50-60 dB befindet und linear ist, stellt eine sogenannte „Munsen-Zone" dar. Sie antwortet der Dynamik des Ohrs, das heißt seiner optimalen Funktionszone ohne Verzerrungen. In allen anderen Zonen, wie man sehen kann, wirkt das Ohr wie ein Filter, dessen Steigungen variabel sind in Funktion der Intensität, mit einem Drehort zwischen 1 000 und 2 000 Hz. Um diese in der Lesart der Schemata stets schwer zu integrierenden Verzerrungen abzumildern, haben die Amerikaner die Audiogramme vom Typ jener, die wir alle verwenden, standardisiert, indem sie das Wegel-Bild umgekehrt haben und die Minima aufrichteten, um eine gerade Linie zu erhalten. Diese Normen bewahren dennoch eine bevorzugte Zone zwischen 1 000 und 2 000 Hz (es ist der Buckel, den wir wohl kennen), trotz der Kompensationen von 30 bis 40 dB, die auf der Kurve, in den Tiefen und Hohen, gewährt werden.

Es gibt also eine Art ideale physiologische Kurve, die zu suchen ist. Aber glauben Sie nicht, dass es Ihnen, wenn Sie sie erworben haben, gegeben sein wird, das bewusste Feld zu erreichen. Jedoch ist es sicher, dass, wenn Sie dieses außergewöhnliche Ohr nicht haben, Sie Gefahr laufen, nicht Musiker zu sein, keine Qualitätsklänge reproduzieren zu können. Wenn ein Geiger dieses Ohr nicht hat, wird er nicht spielen können. Anders gesagt, ist es unentbehrlich für den, der eine bestimmte Ebene erreichen muss, aber das ist nicht genug.

Ich denke also, dass es sich um eine physikalisch-akustische Antwortkurve handelt, deren Anwesenheit für die Ausarbeitung der Hörprozesse notwendig ist. Warum existiert sie nicht bei allen Individuen? In der Tat haben die Kinder bei der Geburt sie in Potentialität. Aber die Dramen des Lebens, die affektiven Stöße, die elterlichen, sozialen Verbote und manchmal die physiologischen Misere führen dazu, dass das Kind sich der Hörwelt verschließt, dem Kommunikationsuniversum. In seinem Verlangen, nicht mehr zuzuhören, führt es Verzerrungen ein, Fadings; es verlängert die Antwortkreise, um sich von jenen entfernen zu können, die es leiden lassen, von jenen, denen es nicht begegnen will. Aber es bleibt Gefangener seiner „Schnürchen", seiner „Tricks", die es ihm in einem bestimmten Augenblick erlaubt haben, sich gegen die Aggressionen der äußeren Welt zu wehren. Es wird sich so in einer geschlossenen Sitzung wiederfinden, aus der es nicht mehr herauskommen kann. Auf der Ebene des Hörtests bemerkt man dann Verzerrungen, Lücken im Vergleich zur idealen Kurve, die in jedem Individuum zugrunde liegt. Es geht also darum, diese Verzerrungen aufzurichten, diese Lücken zu unterdrücken, durch angepasste Techniken, die dazu bestimmt sind, das in seinen Nicht-Hör-Ketten gefangene Wesen zu befreien.

Der Erwerb dieser idealen Kurve entspricht der Harmonisierung des Spiels der beiden Mittelohrmuskeln, die es erlauben, ständig den Innendruck der Labyrinthbläschen zu regeln, indem die Phänomene der geringsten Impedanz eingreifen. Man nennt Impedanz in der Elektroakustik oder Mechanik den Mindestwiderstandsprozess. Es gilt also, im ganzen Verlauf des Klangs durch das Ohr Orte minimaler Impedanz zu finden, die es erlauben, eine ideale Antwort zu erhalten. Nun trifft es sich, dass der gesamte Hörapparat, vom äußeren Gang bis zum inneren Bläschen, dieser idealen Kurve entspricht. Das ist ein Naturwunder, eines mehr! Das menschliche Ohr ist also gemacht, angepasst, modelliert, um zu hören und zuzuhören. Die Verzerrungen, die sich einrichten, die Blockaden, die sich konstituieren, die Defizite, die erscheinen, sind nur da, um die Motivation zu bremsen, den Austausch zu verhindern, den Dialog zu stören, die Kommunikation zu trüben.

Vierte Frage

Wenn man auf diese ideale Weise zuhört, die einer bestimmten Spannung der Hammer- und Steigbügelmuskeln entspricht, erhält man, nach Ihren Schriften, eine Dämpfung der Tiefen und eine feine Wahrnehmung der Hohen. Welches ist also die Rolle des Trommelfells in diesen Hörprozessen?

Professor Tomatis: Das Trommelfell setzt sich in einen bestimmten Spannungszustand, um die Rolle einer Stimmgabel zu spielen, die den ganzen Schädelkasten durch die Vermittlung des Sulcus tympani schwingen lässt. Es ist der gesamte Schädelkasten, der schwingt und der den Klang zum Labyrinthbläschen überträgt, und nicht die Gehörknöchelchenkette, die man gewohnt ist, als Klangvehikel zu betrachten. Die Gehörknöchelchenkette ist ein Ensemble, das die Rolle eines Adapters, eines Regulators und nicht eines Übermittlers spielt.

Die Leitung des Klangs durch die Luft, dann durch den Knochen muss also auf ergänzende Weise studiert werden, damit man im Folgenden die Hörhaltung des Subjekts bestimmen kann.

Fünfte Frage

Welchen Unterschied gibt es also zwischen der Luftkurve und der Knochenkurve?

Professor Tomatis: Sie tun gut daran, mir diese Frage zu stellen, die sehr wichtig ist. Ich werde Ihnen sofort antworten, dass die Luftkurve erlaubt zu präzisieren, wie das Subjekt die äußere Welt hört, und insbesondere den Anderen, seinen Gesprächspartner, denjenigen, der mit ihm spricht. Die Knochenkurve gibt Auskunft darüber, wie das Subjekt sein inneres Leben hört, sein vegetatives Universum, sein Gewissen. Es ist die Kurve des Selbsthörens, der Selbstkontrolle, des inneren Hörens.

In der Tat dürfte es nur eine einzige Kurve geben, die der Verbindung der beiden Hörarten entspricht: dem äußeren Hören und dem inneren Hören. Es gibt in Wirklichkeit nur eine wahre ideale Kurve. Man hat absichtlich die Eichungen der beiden Kurven (Luft und Knochen) verschoben, um die verschiedenen Antworten unterscheiden und die Verzerrungen interpretieren zu können. Wenn das Hören perfekt ist, vermischen sich die Luft- und Knochenkurven, aber um die Analyse der Ergebnisse zu erleichtern, hat man parallele Kurven festgelegt, wobei die Luftkurve oberhalb der Knochenkurve sein muss.

Parallele Luft- und Knochenkurven

Hörideal: Die Luftkurve (CA) muss sich oberhalb der Knochenkurve (CO) befinden, parallel zueinander. Jeder Abstand Luft-Knochen offenbart ein Dilemma zwischen äußerem Hören und Selbsthören.

Es ist offensichtlich, dass dieses Ergebnis selten erworben ist. Man stellt meistens Verzerrungen zwischen den beiden Kurven fest, und diese Abstände sind sehr interessant zu beobachten. Ich bedauere wirklich, dass viele unter den Hörspezialisten diese Unterschiede nicht beachten, die jedoch sehr wertvolle Elemente für die Erstellung der Diagnose bringen. Wenn es eine Verzerrung zwischen den beiden Hörarten gibt, wenn es also ein Problem im Inneren des Wesens selbst gibt, stellt man unregelmäßige Abstände zwischen der Luftleitung und der Knochenleitung fest, die anzeigen, dass das Subjekt von außen anders hört als für sein Inneres Leben. Es gibt eine Verschiebung, es gibt ein Dilemma. Man kann sich vor einer sehr guten Kurve des äußeren Hörens (Luftleitung) befinden und im Selbsthören (Knochenleitung) wichtige Verzerrungen haben; umgekehrt können sich die Störungen auf der Ebene der Luftleitung abzeichnen, während die Knochenleitung ein inneres Hören von großer Qualität anzeigt. Es ist also wichtig, die relative Position einer Kurve im Verhältnis zur anderen zu studieren, wobei die Luft-Knochen-Abstände (CA/CO) in diesem Fall Kompensationen übersetzen.

Sechste Frage

Welche Haltung ist also vor einem Hörtest auf der Ebene der Interpretation einzunehmen? Welches sind die Auskünfte, die uns die Luftkurve und die Knochenkurve bringen können, und welches sind die Überlegungen, die man aus dem Studium des Diagramms des rechten Ohrs und jenes des linken Ohrs ziehen kann?

Professor Tomatis: Es ist offensichtlich, dass diese Analyse nicht global, fast augenblicklich, gemacht werden kann, außer nach einer großen Praxis. Es ist mit dem Hörtest wie mit allen anderen Tests. Seine Interpretation erfordert ein langes, geduldiges, minutiöses Lernen, damit sich jenseits der Anhäufung der gesammelten Auskünfte die globale Vision dessen abzeichnet, was diese Prüfung zu bringen vermag. In der Tat muss mit der Zeit der erfahrene Tester mit einem einzigen Blick die Gesamtheit der aufeinanderfolgenden Pläne erfassen können, die sich unter dem Schema der erhaltenen Kurven abzeichnen, damit eine Synthese die Erstellung der notwendigen Schlussfolgerungen erlaubt. Aber ist dies nicht das Charakteristikum aller Tests, die man in der Psychologie verwendet?

Vor einem Hörtest ist es also geboten, mehrere Parameter zu betrachten und ihre Beziehungen zueinander zu studieren. Wir werden beginnen, einige davon zu nehmen, deren Analyse wir anhand präziser Beispiele vertiefen werden. Wir sind so in Anwesenheit verschiedener Daten, an die ich Sie zu erinnern mir erlaube:

  • Luftkurve (CA)

  • Knochenkurve (CO)

  • Verhältnis zwischen CA und CO für jedes Ohr

  • Verhältnis zwischen CA und CO von einem Ohr zum anderen.

Um tiefer in dieser Interpretationsarbeit zu gehen, werden wir neue Analyseelemente angehen, die sich einerseits auf die Bedeutung des Diagramms des linken Ohrs (jenes, das rechts auf unseren Schemata ist) und des Diagramms des rechten Ohrs (links auf den Schemata) und andererseits auf die Dreiteilung jedes der Diagramme in Funktion der Frequenzen beziehen.

  • Alles, was Beziehung zum linken Ohr hat, entspricht der Affektivität, dem Anhaften an die Vergangenheit, an die Mutter. Die Linke ist die Mutter, Sie wissen es seit langem.

  • Alles, was Beziehung zum rechten Ohr hat, entspricht der Dynamik, dem Werden, dem Vater. Die Rechte ist der Vater; auch da lehre ich Sie nichts.

2°) Hervorhebung verschiedener Zonen innerhalb jedes Diagramms

Es ist geboten, jedes Diagramm in drei Zonen zu teilen, die wir nacheinander von 125 bis 8 000 Hz studieren werden. Diese Klangbänder verteilen sich folgendermaßen:

  • Von 125 bis 1 000 Hz

  • Von 1 000 bis 3 000 Hz

  • Von 2 000 bis 8 000 Hz

Sie entsprechen verschiedenen Faktoren, die ich Ihnen hier schematisiere.

  1. die Zone, die von 125 bis 1 000 Hz geht, ist jene, die sich auf das körperliche Element und insbesondere die Eingeweidemachung des Wesens bezieht, auf sein Ego, sein Unbewusstes.

  2. die Zone, die von 1 000 bis 3 000 Hz geht, ist wesentlich jene der Sprache, der Kommunikation mit dem anderen.

  3. die folgende Zone, die von 3 000 bis 8 000 Hz geht, das heißt jene, die sich in der Zone der Hohen, der hohen Obertöne befindet, ist jene, die der Spiritualität, der Intuition, dem Ideal des Subjekts, seinen Bestrebungen entspricht.

Frequenzdreiteilung Eingeweideheit-Sprache-Spiritualität

Frequenzdreiteilung der beiden Diagramme: physische Eingeweideheit (125-1000 Hz), Sprache / Logik / Emotivität (1000-3000 Hz), Spiritualität / Intuition (3000-8000 Hz).

3°) Präzisierungen zur Zone der Eingeweideheit

Sie werden bei Ihren Interpretationen immer dieser Verteilung auf der Ebene der beiden Ohren und in einem Verhältnis von einem zum anderen Rechnung tragen müssen, da die Bedeutung der Analysen des linken Ohrs anders sein wird als die des rechten Ohrs auf symbolischer Ebene. So muss die Zone rechts auf dem Diagramm des rechten Ohrs (Spiritualität) auf eine bestimmte Weise betrachtet werden im Verhältnis zur Zone rechts auf dem Diagramm des linken Ohrs (das jedoch ebenfalls der Spiritualitätszone entspricht). Damit Sie besser verstehen können, was ich Ihnen gerade erkläre, werden wir uns auf einige Beispiele stützen. Aber zuvor möchte ich Ihnen bestimmte Präzisierungen zur sogenannten „Eingeweideheits"-Zone geben, jene, die den tiefen Klängen entspricht. Wir werden verschiedene Territorien unterscheiden:

  • bei 125 Hz ist es die Sexualität

  • bei 250 Hz der Dickdarm

  • bei 500 Hz der Dünndarm

  • bei 1 000 Hz der Magen

Kommen wir nun zu den Beispielen:

1°) Wenn Sie sich vor zwei Kurven mit Spitzen links und nicht rechts befinden, können Sie bereits schließen, dass das Subjekt eine Dynamik lebt, die seiner Affektivität nicht folgt. Es lebt fast außerhalb seiner selbst, außerhalb seines tiefen Selbst. Das kann unter bestimmten Umständen vorkommen. Nehmen wir an, dass ein Subjekt einen Raum betreten hat, in dem Erstickungsgase waren, und dass es plötzlich einen Asthmaanfall hatte wegen dieser vorübergehenden Vergiftung. Sie können dann eine Modifikation seiner Stimme feststellen und, wenn Sie ihm einen Hörtest abnehmen, eine Veränderung seiner Kurven: eine Spitze bei 1 500 Hz am rechten Ohr, während am linken Ohr nichts geschieht.

Spitze bei 1500 Hz am OD - vorübergehendes Asthma

Beispiel: Spitze bei 1 500 Hz nur am rechten Ohr — vorübergehender Asthmaanfall, ohne zugrunde liegende affektive Blockade (unten). Oben zwei Referenzkurven.

Hingegen, wenn ich eine Spitze bei 1 500 Hz, am OG und am OD habe, weiß ich, dass es sich um einen asthmatischen Zustand handelt (oder zumindest ein allergisches Terrain) auf einer affektiven Blockade. Es gibt ein Problem mit der Mutter. Da es sie nicht angreifen kann, wird das Subjekt bei sich das traumatisieren, was es als die Mutter integriert hat, hier den Atembaum. Es kann ein Lungenasthma machen (Erstickung) oder ein Larynx-Asthma (trockener Husten, vor allem nachts) oder ein Nasenasthma (Heuschnupfen, Rhinitis usw.).

2°) Ich nehme ein anderes Beispiel. Ich stelle eine Spitze bei 250 Hz rechts und links fest. Es handelt sich also um eine Störung auf der Ebene des Dickdarms bei einem Subjekt, das somatisch (OD) eine Colitis affektiven Ursprungs (OG) lebt.

Spitze bei 250 Hz - Dickdarmstörung

Beispiel: Spitzen bei 250 Hz rechts und links — Colitis affektiven Ursprungs (OG), rechts somatisiert (OD).

Wenn diese Spitze bei 250 Hz nur auf dem Diagramm des OG und nicht auf dem Diagramm des OD erscheint, bedeutet das, dass es eine zugrunde liegende Colitis affektiven Ursprungs gibt (Verletzlichkeit auf der Ebene des Dickdarms), die im Augenblick nicht manifestiert ist, da die Spitze auf dem Diagramm des OD nicht präsent ist, die aber Gefahr läuft, von einem Augenblick zum anderen aufzutauchen.

Wenn hingegen diese Spitze bei 250 Hz sich nur auf dem Diagramm des OD bemerkbar macht, bedeutet das einfach, dass das Subjekt am Vortag schlecht gegessen hat, dass es Bauchweh hat. Es lebt diese Störung nicht auf affektiver Ebene. Es ist keine tiefe Reaktion.

Spitze bei 500 Hz - Dünndarm

Spitze bei 500 Hz: Dünndarmstörung. Je nachdem, ob die Spitze nur am OD (am Vortag schlecht gegessen), nur am OG (latente affektive Verletzlichkeit) oder an beiden (somatisiertes affektives Leiden) erscheint, weicht die Lesart ab.

3°) Als drittes Beispiel nehmen wir eine Kurve mit einer Spitze bei 500 Hz. Ich weiß dann, dass das Subjekt ein Problem auf der Ebene seines Dünndarms hat. Ich kann diese Kurven auf die gleiche Weise wie zuvor interpretieren, je nachdem, ob die Spitze sich auf beiden Diagrammen zugleich oder nur auf dem des OG und auf dem des OD manifestiert.

Es ist interessant anzumerken, dass es also einen Reaktionsunterschied auf den Diagrammen gibt, je nachdem, ob es sich um den Dickdarm oder den Dünndarm handelt. Es gibt sogar einen bemerkenswerten Unterschied auf der vokalen Ebene in Funktion dieser Störungen. Wenn man gut geübt ist, kann man, nur indem man die Stimme eines Subjekts hört, wissen, ob es an seinem Dickdarm oder seinem Dünndarm leidet. Das ist normal, da es sich auf der audio-vokalen Ebene um verschiedene Durchlassbänder handelt. Es ist mir vorgekommen, mit gastroenterologischen Kollegen Experimente an der auf Magnetband aufgenommenen Stimme ihrer Patienten zu machen. Beim Anhören dieser konnte ich sagen, auf welcher Ebene das Subjekt auf verdauungsmäßiger Ebene litt, und dies fast ohne Fehlerprozentsatz. Ich dachte dann, dass man, indem man die Stimme des Subjekts modifiziert, sicherlich seinen Verdauungszustand verbessern könnte. Aber das ist eine andere Sache, auf der ich mich heute nicht ausführlicher äußern werde. Ich fahre fort, Ihnen Beispiele zu geben.

4°) Wenn Sie nun eine Spitze bei 1 000 Hz haben, sind Sie in Anwesenheit einer Störung, die den Magen berührt. Auf die gleiche Weise werden Sie die Diagramme des OG und des OD studieren, um zu sehen, ob es sich um eine akute Störung handelt (OD) oder um eine chronische Geschichte (OD + OG) affektiver Ordnung oder eine Verletzlichkeit (OG), die Gefahr läuft, sich beim geringsten Versagen des Organismus zu manifestieren.

Wir haben also einen Überblick über die sogenannte „eingeweideige" Zone, die Zone des Körpers, die Zone des Ego, geben können. Wenn Sie Spitzen in dieser Region haben, bedeutet das nicht, dass es sich um ein eingeweideiges Wesen handelt, aber es bedeutet, dass es sich seines organischen Universums nicht entledigen kann, der Geräusche seiner Eingeweide, der Botschaften, die sein Ego als Signal interzediert. Es hört manchmal sein Schlucken oder sein Herz oder seine Atmung; es lebt so ein ganzes Universum der Angst, das es zwingt, zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu bleiben. Warum sollte sein Herz nicht plötzlich aufhören, warum ist seine Atmung nicht mehr dieselbe, warum macht sein Darm ein solches Geräusch? Sein organisches Leben nimmt eine solche Bedeutung an, dass der Dialog mit dem anderen in den Hintergrund tritt. Es handelt sich übrigens meist um Personen, die nicht zuhören können, was man ihnen sagt, die ständig von sich selbst sprechen, von ihren Übeln, ihren Wehwehchen. Sie sehen also, dass diese Angaben interessant sind. Sie erlauben es, den psychosomatischen Zustand des Subjekts zu kennen und über das innere klangliche Universum informiert zu sein, in dem es lebt.

Man kann selbstverständlich auf die gleiche Weise die folgende Zone analysieren, jene der Sprache, die sich zwischen 1 000 und 2 000 Hz befindet. Sie müssen prüfen, was in dieser Region rechts und links geschieht, suchen, ob es ein Skotom gibt oder ob es im Gegenteil Spitzen gibt, die eine mehr oder weniger anhaltende, mehr oder weniger ausgedrückte Aggressivität ausdrücken können, je nachdem, ob die Spitze nur am OG oder an beiden Ohren angesiedelt ist. Das ist ein wichtiges Element auf der Prognose-Ebene. Sie werden in der Tat der Mutter signalisieren können, dass im Verlauf der audio-vokalen Erziehung, der ihr Kind unterworfen wird, dieses diese oder jene Reaktion haben wird. Wenn es zum Beispiel am OG eine Spitze bei 1 500 Hz gibt, kann ich ihr sagen, dass die Reaktion vom respiratorischen Typ sein wird. Das Kind wird zu ersticken beginnen oder den Eindruck geben, schlecht zu atmen; manchmal sogar ist es eine Asthmakrise (nasal, pharyngeal oder pulmonal), die ausgelöst wird. Wenn die Spitze bei 250 Hz am OG ist, können Sie der Mutter signalisieren, dass ihr Sohn am Bauch leidet. Sie werden sie wenig überrascht über diese Bestätigung sehen, aber wenn Sie sie fragen, werden Sie sie sagen hören, dass ihr Kind seit einigen Tagen Durchfall oder Verstopfung hat. Wenn ich eine Spitze bei 250 Hz sehe, kann ich nicht sagen, welche die Verdauungsstörung ist, aber ich kann sicher sein, dass es ein Problem auf dieser Ebene gibt, ich weiß, dass dieses Kind, sein Bauch ihm spricht; es ist die Sprache, die er ausdrückt, und es ist dort, wo es im Verlauf der Behandlung auf somatischer Ebene Reaktion geben wird.

Siebte Frage

Und die Aggressivität? Wie erscheint sie auf den Diagrammen?

Professor Tomatis: Ein anderes interessantes Phänomen erlaubt zu sehen, ob diese Aggressivität ausgedrückt wird oder nicht: es ist die Öffnung oder Schließung der Selektivität. Wenn Sie auf dem Diagramm enorme Aggressivitätsspitzen haben, aber sich vor einer geschlossenen Selektivität befinden, können Sie schließen, dass all das schwelt; aber das umgebende Universum ist so dominant, dass das Kind gepresst ist; es kann nichts sagen; es ist immer sanft wie ein Lamm. Wenn ich der Mutter oder der Familie ankündige, dass das Kind aggressiv ist, antwortet man mir: „Das ist nicht möglich, es ist das sanfteste Kind, dem man begegnen kann". Wenn die Mutter sehr mächtig ist, stellt man im Verlauf der Erziehung fest, dass all das sich nach und nach einrichtet, dass die Kurven sich modifizieren, aber man bemerkt auch, dass nichts geschieht, da sich der Vorhang nicht geöffnet hat. Hingegen manifestiert sich die Aggressivität, wenn die Selektivität sich öffnet, bevor alles geregelt ist; man vermerkt dann lebhafte Reaktionen gegenüber der Mutter, denn sie ist es immer, die das Kind zuerst anvisiert, indem es sie für all seine Übel verantwortlich macht. Es wird also seine Probleme mit ihr regeln müssen, bevor es andere Dialoge angeht, und insbesondere jenen, den es mit seinem Vater einleiten muss.

Wenn Sie zum Beispiel in Anwesenheit eines Hörtests sind, dessen Selektivität auf beiden Seiten geschlossen ist, wissen Sie sofort, dass das Subjekt keinen Kontakt mit seiner Mutter hat und dass dadurch der Vater nicht getroffen wird. Sie müssen also den Patienten unmittelbar in gefilterte Klänge ausgehend von der Mutterstimme setzen, bis die Selektivität sich öffnet. Sie sehen so den Vorhang sich am linken Ohr öffnen (jenes des mütterlichen Bildes — Schema rechts), und Sie schicken sich an, den Dialog mit dem Vater zu entdecken. Aber Sie müssen sich jedoch sagen, dass, solange Sie die Selektivität des rechten Ohrs (Schema links) nicht geöffnet haben, solange Sie noch Blockaden in den Hohen haben, das Problem der Mutter nicht ganz gelöst ist. Zusammenfassend können wir sagen, dass das mütterliche Bild was die Selektivität betrifft einerseits auf der Gesamtheit der Frequenzen des Diagramms des linken Ohrs und andererseits in der Zone der Hohen des Schemas des rechten Ohrs (das jedoch jenes des väterlichen Bildes ist) verteilt ist.

Auf beiden Seiten geschlossene Selektivität

a) Auf beiden Seiten geschlossene Selektivität: kein Kontakt mit der Mutter, der Vater wird nicht getroffen. Unmittelbare Indikation, in gefilterte Klänge ausgehend von der Mutterstimme zu setzen.

Entwicklung der Selektivität nach Mutterstimme-Sitzungen

b) Nach 20 Sitzungen gefilterter Mutterstimme — c) Nach 40 Sitzungen: das linke Ohr hat sich geöffnet, aber die rechte Seite des rechten Ohrs bleibt ab 4 000 Hz blockiert, Zeichen, dass das mütterliche Problem nicht ganz geregelt ist.

Achte Frage

Könnten Sie uns erklären, weshalb, wenn im Verlauf der Selektivitätsstudie ein Subjekt einen Fehler zum Beispiel zwischen 500 und 1 000 Hz macht, man sagt, dass die Selektivität ab diesem Wert vollständig blockiert ist?

Professor Tomatis: In der Tat, wenn es Analyseschwächen in einer in den Tiefen gelegenen Zone gibt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die selektive Kraft der Hohen inexistent ist. Ich kann Ihnen das aus Erfahrung bestätigen, aber es ist mir noch schwierig, Ihnen zu sagen, warum. Was sicher ist: das Subjekt kann die Bänder oberhalb der nicht-selektiven Zone nicht verwenden. Diese ist eine Art Schranke, die das Subjekt in der Zone der Tiefen einsperrt. Man kann übrigens bemerken, dass seine Stimme verschärft ist, dass ihr hohe Obertöne fehlen.

Anders gesagt: ob es eine totale Blockade der Selektivität oder nur eine Blockade zwischen 500 und 1 000 Hz zum Beispiel gibt, das Ergebnis ist dasselbe. Es wird keine selektiven Analysemöglichkeiten in den Zonen oberhalb der blockierten Frequenzen geben. Es ist sicher, dass es auf der wiedererzieherischen Ebene leichter und schneller sein wird, eine Öffnung zu erlangen, wenn es nur eine teilweise Schließung gibt. Sobald die Schranke zwischen 500 und 1 000 Hz aufgehoben sein wird, um das gleiche Beispiel aufzunehmen, werden sich alle anderen Zonen dann sehr schnell entzünden, und das Subjekt wird von seiner ganzen zugrunde liegenden Vitalität profitieren können, die dann im Schlafzustand war. Während, wenn die Selektivität auf der Gesamtheit der Frequenzen blockiert ist, die Arbeit länger ist. Es muss nach und nach die unbestellten Zonen urbar gemacht und ihnen Leben gegeben werden.

Es ist mit der Selektivität wie mit gewissen in der Zone der Tiefen gelegenen Skotomen. Diese bilden dieselbe Schranke, die das Individuum daran hindert, über die „skotomisierte" Zone hinauszugehen. Das Subjekt wird die der Hohen entsprechende Klangstrecke nicht nutzen. Er wird immer tief sprechen; wenn er singt, wird er Schwierigkeiten haben „aufzusteigen", wie man im Beruf sagt. Auch da werden Sie schnell intervenieren können, denn sobald das Skotom gefüllt sein wird, werden alle zugrunde liegenden Möglichkeiten in einer glänzenden Garbe hervorspringen, und Sie werden dann die Stimme sich auf erstaunliche Weise entzünden sehen.

Dieses Phänomen ist leichter für die gesungene Stimme als für die gesprochene Stimme erkennbar. Wenn Sie ein Skotom von 15 Dezibel bei 500 Hz haben, kann das Subjekt zwei Stimmen haben, wenn es singt. Es kann sich vollkommen in den Tiefen ausdrücken, dann zu einem gegebenen Augenblick über das Skotom springen und sich in einem anderen Register wiederfinden. Es ist mir vorgekommen, in meine Praxis Sängerinnen eintreten zu sehen, die mich konsultieren kamen, weil sie plötzlich glaubten, ein G zu geben, und es war das Hoch-E, das herauskam. Das war einem Skotom geschuldet. Ich habe sie unter das Elektronische Ohr gesetzt, und sobald ich ihnen eine Qualitätskontrolle zurückgeben konnte (indem ich das Skotom unterdrückte), konnten sie wieder singen, ohne sich solch überraschend unangenehmen Phänomenen gegenüber zu finden.

Neunte Frage

Für den Selektivitätstest stellt man fest, dass sehr oft die Kinder nicht verstehen, was man ihnen verlangt. Man hat ihnen vergeblich erklärt, was ein tiefer und ein hoher Klang ist, sie antworten gleichgültig, ohne die Unterscheidung wahrzunehmen. Was ist dann zu tun?

Professor Tomatis: Man muss zunächst die wesentlichen Prinzipien zu dieser Prüfung wieder aufgreifen. Ich bemerke, dass einige von Ihnen es lieben, dem Patienten gefällig zu sein, indem sie ihm mehrmals Klänge senden, bis er einen Unterschied erkennt. In Wirklichkeit machen Sie sich gefällig, aber Sie verfälschen den Test, und Sie tun dem untersuchten Subjekt keinen Dienst. Das Wichtigste ist, dass in einem gegebenen Augenblick und auf ziemlich schnelle Weise das Subjekt eine Information empfängt, dann eine andere, die es im Verhältnis zur vorhergehenden verorten muss. Wenn es sich irrt, hat das keine Bedeutung. Sie müssen es nur festhalten. Es ist sicher, dass, wenn Sie 30 Mal wiederholen, es am Ende sich nicht mehr irren wird, aber das ist nicht, was im Leben geschieht. Wenn ein Individuum ein Wort empfängt, dann ein anderes, findet es sich in der Verpflichtung, die verbale Kette schnell zu analysieren. Auch da, wenn Sie ihm zehnmal dasselbe Wort wiederholen, ist es sicher, dass es am Ende verstehen wird, aber dieses Phänomen greift nicht in die Satzdynamik ein.

Was die Kinder betrifft, ist es normal, dass der Test schwieriger durchzuführen ist als für einen Erwachsenen. Aber das ist eine Frage der Pädagogik. Der Erzieher muss lernen, sich auszudrücken, damit das Kind versteht, was man ihm verlangt. Und wenn es die Anweisungen nicht versteht, ist es, weil es im Leben auch nicht den subtilen Unterschied zwischen einem Wort und einem anderen wahrnimmt. Es weiß nicht, was „höher", „tiefer" bedeutet, weil es kein Körperbild hat, weil es dyslateralisiert ist. Seine Antworten sind charakteristisch für eine Unmöglichkeit, die Informationen zu analysieren, die ihm zukommen. In gewissen Zentren, die sich mit Behinderten beschäftigen, klagen die Erzieher manchmal, die Anweisungen nicht weitergeben zu können. „Sie verstehen nicht, was man ihnen verlangt, was hoch und was tief ist", sagen sie, wenn sie von den zu testenden Kindern sprechen. Dann eines Tages, anlässlich einer Kontrollbilanz, bemerken sie, dass das Kind einen Unterschied zwischen 500 und 125 Hz wahrnimmt — das ist, weil es in diesem Augenblick beginnt zu integrieren, was man ihm verlangt, beginnt zu verstehen, was man ihm sagt.

Sie müssen sich also an die Antworten halten, die es Ihnen gibt oder nicht in erster Analyse. Die gesprochene Kette ist aus Tausenden von Phonemen gemacht, die man unterscheiden können muss, damit das Wort seine wahre Bedeutung erreicht. Der Selektivitätstest ist gerade gemacht, damit man die Hörmöglichkeiten des Subjekts gegenüber einem reinen Klang erkennt, der eine enorme Vereinfachung im Vergleich zu einem Wort ist. Ein „reiner" Klang, wie sein Name angibt, ist ein von jeder Mehrdeutigkeit entkleideter Klang, der leicht von einem anderen zu unterscheiden und im Verhältnis zu diesem anderen zu verorten sein muss. Wenn also das Individuum diese selektive Operation zwischen reinen Klängen nicht ausführen kann, wie wollen Sie, dass es die Feinheiten, die unendlichen Variationen, die multiplen Farben unterscheiden kann, die ein Wort innerhalb eines Satzes annimmt.

Das menschliche Ohr hat außergewöhnliche Analysemöglichkeiten. Es kann bei 1 000 Hertz einen Unterschied von 3 Hertz wahrnehmen; es kann auch den Sinn dieser Variation erkennen, erkennen, ob es sich um einen Klang von 997 Hertz oder von 1 000 Hertz handelt, indem es sie auf der Frequenzskala verortet. Folglich kann es leicht den Unterschied unterscheiden, der von einer Oktave zur anderen besteht; es gibt in der Tat eine Welt zwischen den beiden reinen Klängen, die man in das Ohr des Subjekts sendet.

Zehnte Frage

Wir haben bis dahin vor allem von den Kindern gesprochen. Aber wir begegnen oft den gleichen Schwierigkeiten bei Jugendlichen und Erwachsenen. Sie antworten gleichgültig auf den Selektivitätstest „tiefer, höher, tiefer, höher", als ob sie nicht verstehen wollten, was man ihnen verlangt. Gäbe es andere Anweisungen zu geben?

Professor Tomatis: Nein. Sie müssen sich an das halten, was Ihnen für die Durchführung dieses Tests gelehrt wurde. Und Sie dürfen nicht um jeden Preis dafür sorgen, dass die Antworten gut seien. Es nützt nichts, die Prüfung unter dem Vorwand wiederzubeginnen, dass die Person nicht verstanden hat, was Sie ihr verlangen. Manche Erwachsene, um nicht dumm zu erscheinen, um vorzutäuschen, einen Klang von einem anderen unterscheiden zu können, antworten irgendetwas in der Prüfung. In Wirklichkeit wissen sie nicht den Unterschied zu erkennen; sie verwechseln oft Höhe und Intensität; sie haben sehr wenige selektive Möglichkeiten gegenüber bestimmten Klängen und besonders in der Zone der Hohen, die die subtilste ist. Aber sie wollen es nicht zugeben. Lassen Sie sie in ihrer Haltung und halten Sie die Fehler fest.

Was ich Erstaunlichstes in dieser Art Untersuchung gesehen habe, sind die Antworten, die bei manchen Sänger-Musikern oder Tänzern gesammelt wurden. Ein Tenor hat andere selektive Möglichkeiten als jene eines Basses, ebenso wie ein Geiger sich in anderen Zonen als jenen eines anderen Instrumentalisten zum Beispiel bewegt. Was die Tänzer betrifft, haben sie im Allgemeinen ein sehr armes Ohr. Sie hören praktisch nichts auf der Ebene der Selektivität oberhalb 500-1 000 Hz. Sie nehmen nur die dem Körper innewohnenden Rhythmen wahr. Manche werden berühmte Tänzer, weil sie es gerade schaffen, die Melodiezone abzuschneiden. Es sind keine großen Musiker; es sind große Rhythmiker.

Elfte Frage

Durch welchen Test haben Sie bestimmen können, dass die Kinder ein musikalisches Ohr haben?

Professor Tomatis: Durch die Gegenrückwirkung auf der Stimmebene. Die Kinder singen alle, sie singen richtig, sie reproduzieren unmittelbar die Musik. Ich spreche selbstverständlich von normalen Kindern, die keine wichtigen affektiven Traumata hatten. Ich weiß nicht, ob Sie schon ein Kind vor einem musikalischen Thema beobachtet haben. Es integriert es, es reproduziert es, indem es singt oder ein Instrument spielt, es tanzt es, es mimt es, es lebt es. Es ist die Musik. Sie ist integraler Bestandteil seines Körpers. Und deshalb ist die Erziehung durch die Musik, insbesondere in der Vorschulklasse, so wichtig. Man vergisst derzeit etwas zu sehr dieses Grundprinzip, weil man vor allem den Unterricht intellektualisieren will, man will aus den Kindern wissensgefüllte Wesen machen. Und in diesem Augenblick beginnen die Schwierigkeiten. Die Intelligenz muss sanft an einem Körper reifen, der bereit ist, die Sprache zu empfangen.

Das Kind hat von Anfang an ein musikalisches Ohr, ohne Verzerrungen, ohne Deformationen. Unser Unrecht ist, zu schnell auf dieses noch zerbrechliche Nervensystem Kenntnisse, eine Semantik aufzusetzen, die psychologische Störungen bringen werden. Die Probleme, die Komplexe kommen dann in großen Schritten an. Die am wenigsten verletzlichen Kinder sind die Behinderten. Da sie nicht zur Intelligenzwelt gelangen können, bleiben sie für die Musik empfindliche Kinder, die sie sehr schätzen, die sie leicht reproduzieren. Das begabtere Kind wird weiter gehen wollen, schneller in das linguistische Universum eintreten wollen, das es anzieht und in das die Großen (Eltern und Meister) versuchen werden, es zu ziehen. Und es ist ab diesem Augenblick, dass die Verzerrungen erscheinen. Um bestimmte unangenehme Dinge, bestimmte Stimmen nicht zu hören, wird das Kind skotomisieren, wird sein auditives Zwerchfell stutzen, wird sich von der Kommunikation entfernen, indem es die längsten Kreise wählt. Es wird dann ein auditiver Linkshänder werden, mit dem es alle seine Hörmöglichkeiten der Sprache und selbstverständlich der Musik verliert. Es wird beginnen, falsch zu singen, und da man sich über es lustig machen wird, wird es lange schweigen.

Zwölfte Frage

Die Aggressivitätsspitzen, von denen Sie vorhin sprachen, erscheinen sie auf der Luftkurve oder auf der Knochenkurve?

Professor Tomatis: Im Allgemeinen ist es auf den beiden Kurven, dass man diesen Rauheiten begegnet, aber in gewissen Fällen gibt es Kompensation der Luftkurve im Verhältnis zur Knochenkurve. Man kann sehr wohl, ich wiederhole es Ihnen, innerlich sterben, während man den Eindruck — zumindest für eine bestimmte Zeit — gibt, die Gegenwart zu übernehmen. Aber diese Schauhaltung endet mit dem Sturz, und dann ist es das Drama. Man muss sich vor Leuten hüten, die kompensieren, denn eines Tages ist es der Break-down. Man kann diesen so vorhersehen, indem man die Kurve des Subjekts studiert, in den Verhältnissen, die zwischen der CO und der CA bestehen.

Dreizehnte Frage

Welche Auskünfte kann uns eine flache, geradlinige Kurve geben?

Professor Tomatis: Eine gerade Kurve erlaubt keine Analyse. Das scheint einer Nicht-Differenzierung von Oktave zu Oktave anzugehören. Damit das Ohr Variationen unterscheiden kann, muss es Intervalle geben, Arten von Stufen, die es erlauben, die verschiedenen Klanghöhen zu erkennen. Auf physiologischer Ebene kann man versuchen, dieses Phänomen folgendermaßen zu erklären. Das geringste tiefe Geräusch maskiert alle anderen. Das Innenohr ist ein Apparat, der bei konstantem Druck funktioniert; es ist ein Manometer, ein Akzelerometer, sodass, sobald es eine tiefe Frequenz gibt und folglich nicht genug Spannung besteht, sie zu unterdrücken, diese tiefe Frequenz alle anderen auslöscht. Es handelt sich da um ein Maskenphänomen.

Das Subjekt, das eine flache Kurve aufweist, hört in Wirklichkeit nur die Tiefen und kann keine Analyse auf der Ebene der Hohen machen. Sie werden bemerken, dass eine solche Kurve sich bei Personen findet, die eine verschärfte entklangene Stimme besitzen. Man findet sie ziemlich oft bei Behinderten, bei Subjekten, die wenig Analysemöglichkeiten auf kortikaler Ebene haben. Da sie sich der hohen Klänge nicht bedienen können, um ihren Kortex zu laden, kann man in einem gewissen Maß ihre Integrations-, Verständnisschwierigkeiten verstehen.

Die Anwesenheit einer aufsteigenden Steigung ist notwendig, damit das Ohr die tiefen Frequenzen blockieren, dämpfen kann, damit der proximale Teil der Cochlea genutzt wird, besonders in der der Sprache gewidmeten Zone. Dies ist spezifisch für das menschliche Ohr. Die Hörgebungen bestimmter Tiere sind, was die Durchlassbänder betrifft, viel mehr entwickelt als die unsere: der Delphin zum Beispiel hört bis 200 000 Hertz, gewisse Fledermäuse, gewisse Vampire bis 150 000 Hertz; ein Hund hört bis 45 000 Hertz. Aber das sind Leistungen, die wenig bedeuten im Vergleich zur Fähigkeit, die das menschliche Ohr hat, die Sprache zu hören. Und dieser Teil der feinen Analyse erfordert, dass es nicht durch die Wahrnehmung der tiefen Frequenzen behindert wird.

Warum ist diese Sprachzone sehr wichtig? Weil sie tatsächlich das Körperbild darstellt. Wenn Sie versuchen, eine Tabelle der Frequenzen zu machen, bemerken Sie, dass die tiefsten Klänge (16 bis 20 Perioden) dem unteren Teil des menschlichen Körpers entsprechen. Und wenn Sie diese Analyse in der Sprache fortsetzen, stellen Sie fest, dass jede Wellenlänge einen Teil des Körpers berührt, informiert, von den Füßen bis zum Kopf, wobei die tiefen Klänge dem unteren Teil und die hohen Klänge (kurze Wellen) dem oberen Teil entsprechen. Auf diese Weise verteilt, sind die Frequenzen der Sprache also an den menschlichen Körper angepasst, um ihn vollständig informieren zu können.

Ist es die Sprache, die den menschlichen Körper skulptiert hat? Oder ist es dieser, der die Sprache gezwungen hat, sich in Frequenzzonen zu beschränken, die die Kontrolle des Körperschemas erlauben? Ich werde mich für die erste Hypothese entscheiden, eingedenk dessen, dass der Mensch Sohn des Klangs ist und oft über einen der großen Sätze des Hermes Trismegistus nachzudenken liebt: „Es ist der Klang, der das Ohr gemacht hat. Und wenn du den Klang kennen willst, lerne zuerst, das Ohr zu studieren". In Sachen Sprache skulptieren die Menschen ihren Körper in Funktion der Klänge, die sie aussenden. Diese Klänge werden übrigens stark durch die akustischen Eigenschaften des Ortes beeinflusst. Es kommt mir oft vor, das Phänomen des amerikanischen Mannes der Vereinigten Staaten zu evozieren. Er ist aus einer sehr variierten Mischung von Völkern aus England, Deutschland, Frankreich, Italien usw. gemacht und die alle ziemlich ausgeprägte linguistische Unterscheidungen aufweisen. In der gemeinsamen akustischen Atmosphäre des amerikanischen Kontinents beginnen sie alle zu nasalen (während der Italiener und der Engländer insbesondere keine Nasale in ihrer Sprache haben) wie der Indianer der Gegend. Sie nehmen die gleiche Psychomorphologie an wie dieser; ihr Gesicht flacht sich ab, sie werden groß; anders gesagt, sie nehmen ein anderes Körperbild an in Funktion der Klänge, die sie aussenden.

Es gibt also eine sehr wichtige Gegenrückwirkung: Sprache, Körperschema. Deshalb kann man auf einem Hörtest das integrierte Körperbild lesen, von den Füßen (tiefe Frequenzen) bis zum Kopf (hohe Frequenzen).

Vierzehnte Frage

Können Sie uns Präzisierungen zu dieser Analyse der Körperhaltung in Funktion des Hörtests geben, in der die Wirbelsäule eingreift?

Professor Tomatis: Ja. Die Haltung selbst unterliegt den auditiven Gegenrückwirkungen, durch das Spiel der Nervenbahnen, die aus den Utriculi und Sacculi in Richtung der vorderen Wurzeln des Rückenmarks ausgehen. Es ist über zwei Wege, dass jede motorische Wurzel, die unter ihrer Gewalt die ganze körperliche Muskulatur hält, sich selbst kybernetisch von der vestibulären Kontrolle abhängig findet.

Diese Bahnen, die ich zur Erinnerung zitiere, ohne diesen Vortrag belasten zu wollen, sind, ich erinnere Sie daran, die homolateralen oder Deitero-spinalen vestibulospinalen Bahnen und die heterolateralen vestibulospinalen, die aus dem Roller-Kern hervorgehen. Bemerken wir hier im Vorübergehen eine Tatsache, die ich für wesentlich halte und die zu oft vergessen wird: die homolateralen Bahnen, das heißt direkten, also nicht gekreuzten, sind bei weitem die wichtigsten. Es handelt sich da um einen entscheidenden Punkt auf der Ebene der Lateralität.

Also dank der vestibulären Kreise wird eine dynamische und statische Wirkung sich auf die Gesamthaltung der Säule reflektieren. Zu dieser Funktion ständiger vestibulokörperlicher Versklavung fügt sich eine andere, nicht weniger wichtige, hinzu, die ihre Quelle im vestibulären Ensemble findet, das, vom selben Punkt, dem Scarpa-Ganglion ausgehend, auf aufsteigendem Weg zu den Dach-, Schwalbe- und Bechterew-Kernen strahlt. Dank diesem letzten Ensemble befinden sich die okulo-zephalogyren Bahnen unter der vestibulären Aufsicht. Sie sehen also die Bedeutung. Ich werde mich nicht weiter dabei aufhalten, indem ich Sie jedoch darauf hinweise, dass das III., IV. und V. Paar in ihren Aktivitäten miteinander verbunden sind, von denen das Spiel des II. Hirnpaars, das heißt des Sehnervs, eng abhängt.

Diese körperliche Dynamik und Statik werden umso mehr vestibulär kontrolliert und folglich auf unseren Tests widergespiegelt, als alle neurologischen Elemente, auf die wir anspielen, ihre prothopatischen sensorischen Gegenrückwirkungen (das heißt im Bereich der unbewussten Mechanismen) auf der Ebene der archaischen Teile des Kleinhirns haben, durch die sensorischen Bahnen von Flesching und Gowers.

Die Kortikalisation dieses Ensembles, das heißt das Erwachen des epikritischen Bewusstseins dieses unbewusst zugrunde liegenden Bildes, das absichtlich in Mechanismen gezogen wird, die dessen Umrisse skulptieren, erscheint mit dem cochleären System. Das audiometrische Profil nimmt dann eine andere Dimension an, jene, die wir ihm kennen, da diese unentbehrliche Ergänzung, die die Cochlea ist, dafür da ist, die Analyse des durch die Labyrinthbläschen empfangenen mechanischen Impulses in akustisch-klangliche Aktivität zu transformieren. Was der Taube nicht tut, Sie erinnern sich; er ist unfähig, zu dieser Übersetzung überzugehen. So entwickeln sich dank des Kortex in seinem jüngsten Teil und dem Vorstoß des Kleinhirns desselben zeitlichen Niveaus diese neugebildeten Etagen konkomitant mit dem Neo-Ohr: der Cochlea.

Jede Lesart der Hörkurve wird also dem, der sie zu entziffern weiß, gewissermaßen die Mechanismen der psychosomatischen Gegenrückwirkungen offenbaren, durch das muskuloossale Spiel. Es gäbe sicher ein Buch über ein solches Thema zu schreiben, aber wir werden uns hier begnügen, dessen Hauptlinien zu evozieren. Erinnern wir zunächst daran, dass wir mehrere Arten von Interpretationen erwägen können, da jeder Teil des Körpers in seinem Maßstab das Ganze des Körpers darstellt. Es kann also so viele Entwicklungen geben, wie es Artikel zu detaillieren gibt. Nehmen wir als Beispiel die Arbeiten von Nogier aus Lyon, der die Aurikulotherapie ausgehend vom Ohrpavillon ausgearbeitet hat. Dieser Arzt, der auf dem Pavillon ein Ensemble von Punkten entdeckt hat, die verschiedenen Orten des Körpers entsprechen, hat so dank der Akupunktur eine sehr präzise Wirkung auf den Organismus in seiner Gesamtheit haben können. Es ist ebenso für die Cochlea, die eine metamere und segmentäre Darstellung des ganzen Körpers hat.

Wir werden heute die Darstellung der Wirbelsäule und jene des Kopfes angehen. Ich werde eine schnelle Analyse der inneren vagalen Aktivität hinzufügen, indem ich Sie daran erinnere, dass der Vagusnerv oder Pneumogastricus oder X. Paar stark mit der Trommelfellspannung, also dem Hören, solidarisch bleibt. Die Kurven werden ausgehend vom Luftverlauf und vom Knochenverlauf zu lesen sein. Wir werden uns jedoch mehr auf die Knochenkurve aufhalten, was die körperliche Knochenleitung betrifft, die gewissermaßen eine „Innerlichkeit" markiert.

Indem wir von den Tiefen zu den Hohen gehen, werden wir folgende Punkte treffen:

  • 125 Hz: das Becken und die Füße — die Geschlechtsorgane

  • 250 Hz: Verbindung Becken-Lenden — der Dickdarm — das Knie

  • 500 Hz: dorso-lumbale Verbindung — der Darm — der Ellbogen

  • 1 000 Hz: die mittel-dorsale Region — der Magen

  • 1 500 Hz: der dorso-zervikale Teil — die Lunge

  • 2 000 Hz: die zerviko-okzipitale Region

  • 3 000 Hz: der Schädel in seinem oberen Teil

Es wäre sicher die Lesart der gesamten diesen Phänomenen innewohnenden Pathologie zu entwickeln, die uns die psychosomatischen Vorfälle der Colitiden, der Dünndarmerkrankungen oder der Magenangriffe vom ulzerösen Typ oder eines Knie-, Ellbogen-Ekzems oder der Asthmen offenbaren, kurz so viele psychologische Fixierungen auf den Körper, der unter den Umständen zum Regulationsventil der psychischen Entgleisungen geworden ist, die sich nicht auf andere Weise auflösen und lösen lassen.

Es wäre interessant, ein neues Raster des Hörtests zu erwägen, das diesen verschiedenen Überlegungen Rechnung trägt. Um die Position des Körpers in Funktion der Frequenzen studieren zu können, könnte man eine vertikale und nicht horizontale Lesart vorsehen. Der Mensch wäre dort so in seiner allgemeinen körperlichen Haltung dargestellt, die so eng mit seiner psychischen Haltung verbunden ist. Aber es handelt sich da nur um eine projizierte Idee, die zu vertiefen geboten ist, damit jeder von uns ein neues Diagramm vorschlagen könne.

Was die Position des Kopfes betrifft, offenbart auch da die Knochenkurve insgesamt die Haltung des Schädelkastens in Funktion der Hörhaltung. Wenn die Tiefen bis 500 Hz zum Beispiel dominant sind, ist der frontale Teil folglich höher als der okzipitale Teil. Anders gesagt, ist die Ebene, die durch den höchsten Punkt der Stirn geht, höher als der Vertex. Wenn hingegen die Kurve ideal ist, ansteigend mit 6 dB/Oktave, nimmt der Vertex seinen Platz ein und wird zum höchsten Punkt, wie sein Name angibt.

Fünfzehnte Frage

Könnten Sie uns einige Präzisierungen zu den organischen Schwerhörigkeiten und zu jenen geben, die einen psychischen Ursprung haben?

Professor Tomatis: Es ist in der Tat nötig, diese beiden Arten von Hypoacousie wohl zu trennen. Es ist sicher manchmal schwierig zu wissen, ob es sich wirklich um eine Hörschwierigkeit handelt, die einem organischen Handicap geschuldet ist, oder um eine Verweigerung zu hören psychologischen Ursprungs. Aber angesichts dessen, dass man nicht an etwas Ernstem vorbeigehen darf, ist es gut, auf der Ebene der Diagnose vorsichtig zu sein.

Wenn Sie sich in Anwesenheit einer einseitigen oder beidseitigen Schwerhörigkeit befinden, das heißt wenn Sie ein wichtiges Defizit feststellen, sei es auf der Luftleitung, sei es auf der Knochenleitung, sei es auf beiden, müssen Sie sofort daran denken, das Ohr des Subjekts von einem Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten überprüfen zu lassen, es sei denn, der Patient hat einen Bericht bei sich, der die Krankheiten und Eingriffe mitteilt, die er in diesem Bereich hatte und die die Schwerhörigkeit rechtfertigen.

Ich werde also mit Ihnen schematisch die verschiedenen Fälle auditiver Veränderung organischen Ursprungs prüfen, die sich in drei Schwerhörigkeitstypen gruppieren:

  • die Schallleitungsschwerhörigkeit

  • die Wahrnehmungsschwerhörigkeit

  • die Mischschwerhörigkeit

a) Die Schallleitungsschwerhörigkeit

Sie entspricht einer Veränderung des sogenannten „Übertragungsapparats". Es ist gewöhnlich vereinbart, unter diesem Begriff alle Elemente zu gruppieren, deren Funktion es ist, die von außen kommenden Klänge zum Labyrinthbläschen zu übertragen. Es gilt also zu suchen, welches die Hindernisse sind, die auf dem Weg des Klangs auftreten können, der, wenn man der klassischen Verteilung Rechnung trägt, durch das äußere Ohr und das Mittelohr geht, um zum Innenohr zu gelangen. Persönlich betrachte ich, dass es nur zwei Blöcke gibt: das äußere Ohr und das Innenohr, wobei das Mittelohr der intermediäre Ort zwischen den Mechanismen des äußeren Ohrs und jenen des Innenohrs ist. Die sogenannte „Übertragungs"-Störung wird also auf der Ebene dieser beiden Etagen eingreifen.

Die zu erwartenden Hindernisse können von verschiedenen Arten sein und betreffen:

  • entweder den äußeren Gehörgang: Ohrenschmalzpfropf, Osteom des Gangs, äußere Otitis mit Furunkeln, Ekzem usw.

  • entweder das Trommelfell durch Verdickung oder Substanzverlust

  • entweder den Trommelfellkasten: Mittelotitis, seröse, blutige oder eitrige, ja trockene

  • entweder die Gehörknöchelchenkette: Osteitis der Gehörknöchelchen und vor allem Verschweißung der Steigbügelplatte (Otosklerose)

  • entweder die Annexe: die Eustachi-Trompete (Tuben-Katarrh) und die Mastoid-Höhlen (Mastoiditis)

Schallleitungsschwerhörigkeit

Schallleitungsschwerhörigkeit: Die Knochenkurve (gestrichelt) bleibt normal, während die Luftkurve (durchgehend) parallel zusammenbricht. Das Verhältnis CA/CO ist umgekehrt.

Im Fall der Schallleitungsschwerhörigkeit bleibt die Knochenkurve normal, während die Luftkurve zusammenbricht, indem sie im Allgemeinen parallel zur Knochenkurve bleibt. Das Verhältnis CA/CO (Luft/Knochen) ist also umgekehrt. Anders gesagt: Der Corti-Apparat funktioniert gut — was die Knochenleitung offenbart —, aber der Apparat, der dazu bestimmt ist, den Klang bis zur inneren Etage zu übertragen, ist defekt.

Es gibt kaum eine andere Lösung, als das Hindernis zu beseitigen. Es ist am Otologen einzugreifen, an ihm fällt die Primärpflege zurück, die von der einfachen Extirpation des Ohrenschmalzpfropfs bis zur Mobilisierung des Steigbügels gehen kann. Die Chirurgie der Schwerhörigkeit ist derzeit sehr ausgereift und liefert ausgezeichnete Ergebnisse. Sie dürfen also nicht zögern, wenn Sie sich zum Beispiel vor einer Otosklerose befinden, den Patienten an einen Spezialisten zu lenken, der das Ohr deblockieren kann.

Es nützt nichts zu versuchen, einen Otosklerotiker wiederzuerziehen. Sie können ihm jedoch helfen, wenn die Knochenleitung zu sinken beginnt, damit der spätere Eingriff wirksamer sei. Sie können vor allem nach dem Eingriff nützlich sein — zwei bis drei Monate danach —, indem Sie dem befreiten Ohr erlauben zu lernen zuzuhören, zu analysieren, die Klänge zu unterscheiden, die es seit Jahren nicht mehr hörte. Ich weise Sie auf bestimmte Störungen hin, die nach dem Eingriff erscheinen, vor allem wenn das linke Ohr vor dem rechten Ohr operiert wurde. Ich erinnere Sie daran, dass die Otosklerose eine oft beidseitige Veränderung des Hörens ist. Wenn der Chirurg eingreift, operiert er zunächst ein Ohr, im Allgemeinen das defizitärste, dann einige Wochen oder Monate später das andere Ohr.

Es ist natürlich interessant, in erster Linie das rechte Ohr operieren zu lassen, das, wie Sie wissen, das wichtigste auf der Ebene der Sprachkontrollen, des Gedächtnisses, der Konzentration usw. ist. Aber wenn aus einem genau bestimmten Grund der Spezialist mit dem linken Ohr beginnt, müssen Sie den Patienten unterstützen, indem Sie ihn unter das Elektronische Ohr setzen, während Sie auf die Befreiung des rechten Ohrs warten. Sie werden ihn nach dem Eingriff seines linken Ohrs sagen hören, dass er sicher besser hört, dass er aber nicht ganz sein Gleichgewicht wiedergefunden hat oder dass er Migränen hat oder dass er Gedächtnislücken hat oder dass er es nicht schafft, sich zu konzentrieren, oder dass er zugleich mehrere dieser Symptome hat. Ihre Rolle wird darin bestehen, ihm eine angepasste Programmierung durchgehen zu lassen, die es ihm erlaubt, einerseits sein linkes Hören zu harmonisieren und andererseits sein rechtes Ohr zu unterstützen, während er auf seine Operation wartet. Wenn aus dem einen oder anderen Grund dieses nicht operiert werden kann, das heißt wenn der Patient sich begnügen muss, hauptsächlich durch das linke Ohr zu hören, können Sie auch unter dem Elektronischen Ohr durch regelmäßige Kuren intervenieren, indem Sie vor allem sein rechtes Ohr mit gefilterter Musik und bestimmten Zischlauten arbeiten lassen. Für die Texte wird es immer interessant sein, das Gleichgewicht auf 10 oder 7 zu setzen, damit die Person die Sätze gut wahrnimmt und nicht entmutigt wird.

Hier ist also, was man kurz von der Schallleitungsschwerhörigkeit und den Mitteln, sie zu behandeln, sagen kann. Es ist sicher, dass in diesem Eventualfall der Otologe sein Wort zu sagen hat. Es kann nicht in Frage kommen, dass wir auf seinem Terrain übergreifen, ganz im Gegenteil. In vielen Fällen ist er allein befugt, die Operationsleitung zu übernehmen. Jedoch wäre es wünschenswert, dass er sich seinerseits um die verschiedenen Verlängerungen kümmere, die den gewohnten Untersuchungen gegeben werden können. Es gibt nämlich jenseits seines therapeutischen Arsenals Techniken, die dem Patienten helfen können, sei es vor, sei es nach seinem eigenen Eingriff, im Hinblick auf die Verbesserung der Hörkraft. Es kommt mir oft vor, Otosklerotiker an einen großen Spezialisten in Béziers zu adressieren, der auf bemerkenswerte Weise operiert und außergewöhnliche Ergebnisse erzielt. Sobald das Hören des Patienten betriebsfähig ist, kann ich dann mit einigen auditiven Erziehungssitzungen die Arbeit auf der Hörebene vollenden, indem ich dem neu operierten Subjekt beibringe, die Klänge zu visieren, sie auf eine bestimmte Weise zu analysieren, gewissermaßen zu konvergieren und sein Ohr zu Kommunikationszwecken zu nutzen.

Unsere Techniken können auch schätzenswert sein, wenn es darum geht, einen Otosklerotiker mit Apparat auszustatten. Außerhalb des Eingriffs, von dem wir gerade gesprochen haben, gibt es nämlich ein anderes Mittel, dem Patienten zu helfen zu hören: es ist die Hörprothese. Für bestimmte Personen, deren Kurven enorme Verzerrungen aufweisen, ist es gut, einige Serien von Erziehungssitzungen unter dem Elektronischen Ohr zu erwägen, um die Kurven zu harmonisieren und eventuell die Schwellen anzuheben. Das Subjekt ist dann viel leichter mit Apparat auszustatten, da die Verzerrungen verschwunden sind. Einige Prothetiker schicken uns ihre Kunden, damit sie vom Kauf eines Apparats von unseren Techniken profitieren. Das erspart ihnen, sie wiederzusehen, unzufrieden mit ihrer Prothese und wütend, nicht gut zu hören.

b) Die Wahrnehmungsschwerhörigkeit

ist der zweite Schwerhörigkeitstyp, den wir nun studieren werden. Die Veränderung wird in diesem Fall nicht auf das Verhältnis CA/CO spielen, sondern auf den Verlauf selbst der Kurve, der sich global durch Veränderung der hohen Frequenzen modifiziert findet.

Wahrnehmungsschwerhörigkeit und Berufsschwerhörigkeit

Oben: Wahrnehmungsschwerhörigkeit, globale Veränderung der Kurve durch Sturz der Hohen (cochleäres Defizit). Unten: Berufsschwerhörigkeit, gekennzeichnet durch ein V bei 4 000 Hz, typisch für die Aussetzung gegenüber klanglichen Traumata.

Für diese Art Hypoacousie ist der Wahrnehmungsapparat betroffen. Es gibt cochleäres Defizit. Das ist wahr bis auf ein Detail jedoch. In der Tat kann eine Veränderung der stapediären Mechanik durch Mangel an Tonizität des Steigbügelmuskels eine Kurve desselben Typs bestimmen. Das Interesse ist, diesen Eventualfall zu erkennen, denn er eröffnet Perspektiven der Erholung, was nicht zu vernachlässigen ist.

In diese Schwerhörigkeitskategorie schreiben sich alle toxischen, medikamentösen Veränderungen (Streptomycin, Kanamycin usw.) oder andere (Alkoholismus, Tabakismus, Syphilis, Virus, Röteln usw.) und die klanglichen Traumata ein, mit Erscheinen einer Schwerhörigkeit vom beruflichen Typ, gekennzeichnet durch ein V bei 4 000 Hz, das Sie wohl kennen. Diese Veränderung wird sich nach und nach entwickeln und die mittleren Frequenzen erreichen, indem sie die Hörmöglichkeiten auf der Sprachebene modifiziert. Die Person wird am Ende hören, aber nicht mehr verstehen, was man ihr sagt.

c) Die Mischschwerhörigkeit

stellt die dritte Schwerhörigkeitskategorie dar. Wie ihr Name angibt, gehört sie dem Typ an, der die beiden vorhergehenden Anomalien assoziiert, das heißt dass sie eine Verschränkung des einen und anderen dieser beiden Prozesse der otologischen Pathologie ist. Ihre Merkmale offenbaren in der Tat Störungen der Übertragungsmechanismen, verbunden mit Veränderungen der Wahrnehmungsphänomene. Die leicht zu zeichnende Annäherung dieser beiden Störungen liest sich im Graphismus durch eine Inversion der Luft-Knochen-Kurve — wie wir es bei der Studie der Schallleitungsschwerhörigkeiten beschrieben haben — und durch den Sturz der Hohen, der auf die beiden Kurven CA und CO trägt, wobei diese selbstverständlich parallel bleiben, wie es die Schallleitungsschwerhörigkeit verlangt.

Berufsschwerhörigkeit in der Entwicklung

Berufsschwerhörigkeit in der Entwicklung (oben), dann bereits sehr ausgeprägte Schwerhörigkeit (unten) — wird schwer erholbar und nicht mehr mit Apparat auszustatten.

Mischschwerhörigkeit

Mischschwerhörigkeit: Verschränkung einer Schallleitungsschwerhörigkeit (Inversion CA/CO) und einer Wahrnehmungsschwerhörigkeit (Sturz der Hohen auf beiden Kurven, die parallel bleiben).

So konnten wir die Studie der sogenannten Schwerhörigkeiten organischen Ursprungs angehen. Ich habe Ihnen unter den Umständen nur die Hauptschlüssel gegeben, die es erlauben, in ihren Hauptlinien die wesentlichen Züge zu erkennen, die die Aufmerksamkeit des Erziehers auf sich ziehen müssen, damit dieser auf den Otologen-Spezialisten solche Anomalien lenken kann, die nicht in seine Zuständigkeit fallen. Sie müssen jedoch wissen, dass es in gewissen Fällen möglich ist, unsere Techniken einzusetzen, aber nur eine große Praxis kann helfen, Differentialdiagnosen zu diesen Anomalien zu erstellen.

Ein Versuch der auditiven Erziehung unter dem Elektronischen Ohr während einiger Sitzungen, etwa zwanzig, kann jedoch eines der besten Mittel darstellen, die Fehlerursachen zu eliminieren. Durch die schnellen Modifikationen, die auf den beiden Kurven oder auf einer von ihnen eingreifen können, kann man wissen, ob der organische Ursprung entscheidend ist oder nicht. So kommt es bei gewissen nicht für Otosklerose charakteristischen Schallleitungsschwerhörigkeiten vor, dass die Kurven sich „bewegen", was beweist, dass die Gehörknöchelchenkette noch durch wiedererzieherische Mittel mobilisierbar sein kann. Diese Tatsache stellt man oft bei Kindern fest, deren Otosklerosefälle übrigens sehr selten sind. Es ist dann möglich, an eine Schwerhörigkeit psychischen Ursprungs zu denken, an eine Hörverweigerung, die dann dem psycho-sensorischen Verlauf weicht, den man unter dem Elektronischen Ohr mit Hilfe einer angepassten Programmierung verwirklichen kann. Wenn hingegen der Ossifikationsprozess die Grenzen überschritten hat, wird es Ihnen unmöglich sein, auf der Luftleitung zu intervenieren, die starr bleiben wird, während die Knochenleitung, wie ich Ihnen vorhin sagte, sich manchmal auf spürbare Weise verbessern kann, was so eine größere Wirksamkeit der vorzusehenden Mittel, Chirurgie oder Prothese, erlaubt.

Bevor ich mit Ihnen die anderen Schwerhörigkeiten, jene psychologischen Ursprungs angehe, möchte ich Ihnen einige Worte zu den assoziierten Störungen sagen, die diese verschiedenen Arten von Schwerhörigkeiten begleiten: Kopfschmerzen, Brummen, Schwindel, Übelkeit usw. In allen Fällen können Sie den Patienten erleichtern, was bereits viel ist. Eine gut geführte Erziehung muss 9 von 10 Mal diese verschiedenen Störungen verschwinden lassen, durch Wiederausgleichung des gesamten Vestibularapparats und Tonifizierung des Trommelfells.

Psychologische Schwerhörigkeiten

Kommen wir nun zu den psychologischen Schwerhörigkeiten. „Niemand ist tauber als derjenige, der nicht hören will." Sie kennen alle dieses Leit-Motiv, und Sie leben es alle jeden Tag, indem Sie Kinder und Erwachsene wiedererziehen, die absichtlich beschlossen haben, nicht mehr zuzuhören, die die Kommunikation mit der Umgebung abgebrochen haben. Ich erinnere Sie daran, dass ein menschliches Wesen über mehrere Mittel verfügt, sein Zuhören abzukoppeln. Sie können das feststellen, indem Sie die Diagramme studieren, die dieser Politik der Nicht-Kommunikation entsprechen. Hier sind einige Hauptlinien:

a) Das Subjekt kann zunächst die Schwellen seines Hörens senken, um nicht mehr sehr deutlich zu hören. Sie sind dann in Anwesenheit einer Hypoacousie, leicht oder bereits ausgeprägt, die auf die beiden Ohren oder auf eines von ihnen trägt. Die Tatsache, dass es das linke Ohr oder das rechte Ohr ist, gibt Ihnen bereits Hinweise zum affektiven Problem elterlichen Ursprungs, das die Grundlage dieser Hypoacousie ist.

b) Das Individuum hat beschlossen, die Vorhänge zu schließen, um nicht mehr zu sehen, was draußen geschieht. Die Selektivität ist entweder auf der Gesamtheit der Frequenzen rechts und links blockiert oder nur auf einem Teil der Klangskala für die beiden Ohren oder für eines von ihnen. Wir haben diese Frage vor einigen Augenblicken angegangen, indem wir das Problem der Selektivität evozierten.

c) Ein dritter „Trick" besteht darin, die Karten zu mischen, nicht mehr zu wissen, woher der Klang kommt, in der Verwirrung zu leben. Es ist das Stimmengewirr, das die Räumlichkeitsstörungen kennzeichnet, die Gegenstand der dritten Prüfung zum Hörtest sind.

d) Schließlich gibt es die Möglichkeit, den anderen auf Distanz zu setzen, indem man die längsten Kreise wählt, das heißt indem man den Weg der auditiven Linken nimmt. Sie sehen dann am Audio-Lateromètre den linken audio-vokalen Kreis dominant werden.

Hier ist also, was wir heute im Rahmen dieses Kongresses zu den verschiedenen Schwerhörigkeiten sagen können, die einem organischen oder einem psychischen Ursprung angehören. Es ist offensichtlich, dass wir nur einige Hauptlinien evozieren konnten. Es wäre nötig, später diese Fragen anlässlich gewisser Treffen zu vertiefen, die es erlauben würden, genau bestimmte Fallstudien zu verwirklichen.

Sechzehnte Frage

Was ist also für eine Person zu tun, die nach einer Operation immer Akkordeon hört?

Professor Tomatis: Es wäre zunächst zu präzisieren, ob die inneren Geräusche, die sie hört, wirklich für eine von einem Akkordeonspieler gespielte Musik charakteristisch sind, in welchem Fall wir an ein Phantasma, an eine klangliche Halluzination denken können, oder ob es sich um Akouphenen handelt, die vielleicht vage an ein Akkordeongeräusch erinnern, die sich aber vor allem an die gewöhnlich in bestimmten Schwerhörigkeitsfällen angetroffenen Brummen oder Ohrenpfeifen annähern.

Es kommt vor, dass der Eingriff, obwohl er die Hörfunktion wiederherstellt, die assoziierten Störungen nicht vollständig unterdrückt, die Hörschwierigkeiten darstellen. Wir dürfen diese Chance nicht vorbeigehen lassen, und wir müssen alles in Werk setzen, damit diese verschiedenen Symptome verschwinden. Sie haben sicherlich oft aufgrund Ihrer Tätigkeit Personen begegnet, die unter Brummen und Schwindel leiden, und Sie kennen die Hölle, in der diese Patienten leben. Es ist absolut erschreckend, ständig innere Geräusche zu hören und in einem konstanten Schwindelzustand zu leben.

Wenn wir die andere Hypothese behalten, jene klanglicher Halluzinationen, müssen wir selbstverständlich eine andere Haltung einnehmen und die Untersuchungen auf psychologischer Ebene verfolgen. Ein psycho-sensorischer Verlauf unter dem Elektronischen Ohr kann ebenfalls sehr wirksam sein, indem er dem Individuum das Verlangen und die Möglichkeit zurückgibt, mit der äußeren Welt zu kommunizieren, mit seiner Umgebung zu dialogisieren, an die anderen zu denken und sich nicht in eine egotische Haltung einzuschließen, die ihm einige ziemlich unerwartete Interpretationen einbringt.

Diese Frage erinnert mich an ein Experiment, das vor etwa fünfzehn Jahren in Sainte-Anne durchgeführt wurde. Ich hatte gebeten, die Halluzinierten zu untersuchen, um ihre auditiven Fähigkeiten zu kennen. Es ist dann, dass ich die Überraschung hatte festzustellen, dass diese Geisteskranken in Wirklichkeit zwei Hörschwellen hatten. Die erste, sehr subtil, sehr fein, brachte Antworten wie „Sieh, da ist sie, ich erkenne die Stimme, die jeden Abend zu mir spricht, die mir dies sagt, die mir das sagt". Dann, indem ich darauf bestand, eine intensivere Schwelle zu erreichen, erhielt ich Reflexionen wie „Ah! Sieh, ich höre Geräusche", mit einigen Kommentaren der Art „es ist klar" oder „es ist dunkel" oder „es ist blau" oder „es ist rot" oder „es ist fett" usw.

Es gibt also für diese Patienten zwei Arten auditiver Referenzen, die übrigens bei allen existieren, die wir aber nicht auf die gleiche Weise interpretieren werden. Die erste Schwelle, so subtil, so dünn, ist jene des molekularen Geräuschs, der Brownschen Bewegung, die man erreichen kann, indem man sich in Hörhaltung setzt. Sie ist jene, die uns auflädt, die uns notwendig ist, um bestimmte Zonen des Denkens zu erreichen, die aber bei uns nicht zwingend ist. Die zweite, schwerer, materieller, befindet sich auf einem niedrigeren Niveau und schließt sich den gemeinsamen Beschäftigungen der klanglichen Welt an.

Ich habe viel gelernt, indem ich mit ihnen lebte und einige von ihnen wiedererzog. Ihre verschiedenen Reflexionen darüber, was sie hörten, haben es mir erlaubt, große Schritte in der Forschung zu machen. Wenn sie mir sagten: „Es ist ein Glockenklang", „es ist die Dorfglocke, die läutet", „es ist das Meeresrauschen", „es ist das Geräusch der Wellen"… dachte ich, dass sie recht hatten und dass sie Dinge wahrnahmen, die unser Ratio uns nicht mehr zu hören erlaubte. Ich konnte so mit ihnen auf einer ganz anderen Ebene dialogisieren als jener, der gewöhnlich im Gesprächsuniversum angetroffen wird, und ich konnte, immer dank unseren Techniken, ihre Schwellen so absenken, dass sie sich auf das Niveau des gewöhnlichen Sterblichen setzen konnten. Wenn die Verbindung gemacht war, ist selbstverständlich die Entfremdung verschwunden, da die Referenzen dieselben geworden waren. Ich habe mehrere aus dem Krankenhaus herauskommen lassen…

Das Problem der klanglichen Interpretationen ausgehend von einem Geräusch und manchmal von einem reinen Klang hat mich dann an einen Test denken lassen, von dem ich vor einigen Jahren in einer meiner Konferenzen gesprochen habe und den eine Schweizer Psychologin verwirklichen und veröffentlichen konnte, deren bibliographische Referenz ich Ihnen geben könnte, wenn Sie es wünschen. Es handelte sich darum, eine Art klanglichen Rorschach ausgehend von gewissen im Voraus bestimmten Geräuschen zu machen und die verschiedenen Interpretationen festzuhalten. Die Ergebnisse waren sehr aufschlussreich über das psychische Universum der Individuen. Es ist Ihnen sicherlich vorgekommen, sich zu fragen, was geschieht, wenn Sie ein Geräusch in der Nacht hören, und Sie haben sich sicherlich einen guten Schrecken eingebracht, während es sich nur um eine zuschlagende Tür oder einen knarrenden Balken handelte.

Ich denke also, dass es eine große Arbeit in dieser Richtung zu leisten gibt, und ich lade Sie alle ein, an diese klangliche Prüfung zu denken, die außergewöhnliche Hinweise auf die innere Welt der Patienten geben kann, die wir betreuen. All Ihre Vorschläge werden willkommen sein, damit wir eine vollständige Batterie ausarbeiten können, die es erlaubt, Statistiken ausgehend von den in jedem Zentrum erzielten Ergebnissen zu machen.

Siebzehnte Frage

Was ist zu denken, wenn man sich vor einem Subjekt befindet, das ein ausgezeichnetes rechtes Ohr hat, das aber hingegen ein defizitäres linkes Ohr hat, dessen Luftkurve ab 3 000 Hz bis 60 Dezibel zu sinken beginnt und dessen Knochenkurve sich darüber platziert, indem sie Zickzack macht?

Professor Tomatis: Wenn Sie im Voraus die Hypothese einer organischen Geschichte ausgeschlossen haben (alte Otitis mit Parazentese, Ohrtrauma usw.), müssen Sie natürlich an einen psychologischen Ursprung denken.

Die erste Reaktion könnte folgende sein: „Es ist das linke Ohr, es ist also nicht schwerwiegend, da das rechte Ohr intakt ist." Wir alle wissen, dass das rechte Ohr wesentlich in allen Kontrollprozessen ist, aber das bedeutet nicht, dass das linke Ohr keine Bedeutung hat. Es muss immer, ich wiederhole es, Harmonisierung zwischen links und rechts geben. Es ist also das Problem der Lateralität, das wieder auftaucht mit seinen Symbolen und seinen multiplen Implikationen.

Da es sich um das linke Ohr handelt, müssen Sie sofort an ein Problem der mütterlichen Beziehung denken. Es gibt Anhaftung an die Mutter, sodass die Dynamik, das Werden, der Vater, den die Rechte darstellt, noch ein Mythos bleiben. Es gibt eine Blockade, es gibt Müdigkeit. Sobald das Individuum vorwärts gehen, Projekte machen, sich in eine neue Sache stürzen will, wird es angehalten, es wird zurückgehalten. Es beginnt alles, es beendet nichts. Es ist die Politik des Scheiterns. Es bleibt in seinem mütterlichen Problem eingesperrt, und solange es dieses nicht geregelt haben wird, wird es nicht weiter gehen können.

Wenn ich sage, dass es eine Blockade auf der Ebene der Mutter gibt, bedeutet das internes relationales Problem, Sache des Ego, des Selbst, des Unbewussten im Verhältnis zum transzendentalen „Ich", zum „Ich" des „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch" des vollen Bewusstseins. Da bewegen wir uns im „Ich kann nicht voran, ich bin müde, ich dies, ich das". Es sind die Klingen des Unbewussten, die spitzen. Es ist das Unbewusste, das sich ausdrückt, und nicht das Bewusstsein. Sobald dieses erscheint, nehmen die beiden Kurven den Verlauf an, den Sie wohl kennen und über den wir uns mehrmals im Verlauf dieser Arbeitstage unterhalten haben.

Was ist also vor einem solchen Dossier zu tun? Die Bedeutung des mütterlichen Problems verlangt natürlich, dass man in erster Linie eine Erziehung in intrauterinem Hören ausgehend von der Stimme der Mutter unternimmt. Die klanglichen Geburten müssen dieser fötalen Periode folgen und auf ziemlich intensive Weise verteilt werden, damit das Subjekt sich endlich vom mütterlichen Kern lösen kann. Die folgende Phase darf nicht darin bestehen zu versuchen, das linke Ohr „aufsteigen" zu lassen, indem man das Gleichgewicht auf 7 (Kabel rechts) hält oder indem man das Kabel links mit dem Gleichgewicht auf 1 platziert. Man muss im Gegenteil rasch nach rechts lateralisieren, und Sie werden dann die Überraschung haben zu sehen, dass das linke Ohr sich spürbar verbessert. In der Tat ist es nötig daran zu denken, dass es enorme zweiohrige Gegenrückwirkungen gibt, insbesondere durch bulbo-protuberantielle Verbindungen, wie das Rasmussen-Bündel, das eine Brücke zwischen den beiden Cochleae wirft.

Achtzehnte Frage

Ich glaube verstanden zu haben, dass das Kind sehr schnell nach seiner Geburt einen Teil der Wahrnehmung der Hohen verliert. Ist das der Grund, weshalb man die Stimme des Vaters in einer ziemlich tiefen Zone filtert, zwischen 300 und 800 Hertz, glaube ich?

Professor Tomatis: Die zwerchfellartige Öffnung des Hörens des Kindes geschieht auf sehr progressive Weise. Es ist wahr, dass es bei seiner Geburt, ab dem X. Tag genauer gesagt, das heißt ab dem Augenblick, in dem die Eustachi-Trompete ihre Flüssigkeit aufgibt, das Kind in ein klangliches „Schwarz" eingetaucht ist, das es ihm nicht mehr erlaubt, die hohen Frequenzen zu hören, die es während seines fötalen Lebens vollkommen wahrnahm. Es weiß noch nicht, an seiner Muskulatur in der aerischen Umgebung zu ziehen, um seine Wahrnehmung der großen Hohen zu erholen, und sein Ohr muss jahrelang eine Akkommodations-, Konvergenzarbeit leisten, um die hohen Sphären der Kommunikation wiederzufinden. Man muss das Alter von 4/5 Jahren abwarten, um es die Zischlaute sehr ordentlich aussprechen zu sehen.

Was die Begegnung mit dem Vater in einem Ansatz angeht, der noch nicht dem wahren Dialog entspricht, den das Kind viel später einleiten wird, tragen wir dieser progressiven Öffnung Rechnung, und wir filtern die Vaterstimme so, dass sie zunächst in einem Band erscheint, das von 300 bis 800 Hz, dann von 300 bis 2 000 Hz, dann von 300 bis 4 000 Hz geht; schließlich öffnen wir den Vorhang vollständig, wenn die vorhergehenden Etappen keine Blendung oder lebhaften Reaktionen beim Kind hervorgerufen haben.

Ich erinnere Sie daran, dass diese Periode der Begegnung mit der Vaterstimme eine sehr wichtige Etappe auf dem Weg der Verwirklichung des Wesens markiert. Wenn das mütterliche Problem vollständig liquidiert ist und wenn nach einer durch eine geschickt erstellte Programmierung durchgeführten linguistischen Vorbereitung der Dialog mit dem Vater sich einrichten kann, ist die Partie gewonnen. Das in eine außergewöhnliche Lebensdynamik gestartete Wesen wird alle Schwierigkeiten der Existenz mit einer überraschenden Kraft übernehmen können.

Aber wir alle wissen, dass die Dinge nicht immer so gut verlaufen und dass diese berühmte „väterliche" Etappe eine der schwierigsten zu überschreiten ist. Sie muss vom Erzieher auf sehr vorsichtige Weise angegangen werden, damit die Konfrontation nicht dramatisch sei und keine Regressionsphänomene, innerer Rückzug mit sich ziehe, die Zeit verlieren lassen werden. Ich denke übrigens, dass die erste Annäherung in bei 8 000 Hz gefilterter Vaterstimme erfolgen sollte, auf dieser hohen Höhe, wo die Probleme sich auf einer anderen Ebene lösen. Aber das ist nur eine Hypothese, von der ich Ihnen wieder sprechen werde, sobald wir sie erprobt haben.

Neunzehnte Frage

Da das Kind seine Hohen bei der Geburt verliert und es nur noch die Tiefen hört, wie kommt es, dass es eine hohe und manchmal sogar sehr hohe Stimme hat?

Professor Tomatis: Man darf eine hohe Stimme nicht mit einer zerbrechlichen, spitzen, dünnen Stimme verwechseln. Das Kind hat in Wirklichkeit eine „kleine" Stimme, die sich in einem engen Band einschreibt. Es gibt wenig Obertöne in einer Kinderstimme. Sie stellen das übrigens fest, wenn Sie bestimmte kleine Sänger versuchen hören, in den Hohen „aufzusteigen". Ihre hohen Noten sind manchmal etwas steif, und es fehlt ihnen jene dichte, reiche harmonische Garbe, die man bei manchen Erwachsenen antrifft.

Die Stimme des kleinen Kindes ist mono-harmonisch oder mono-band. Sie offenbart eine zwerchfellartige Hör-Öffnung, die noch eng ist, die übrigens jener der „Haute-Contre" ähnelt, die, wie Sie zweifellos wissen, Sänger sind, die sehr hoch in der Skala „aufsteigen" können. Ich habe einen von ihnen gekannt, der eine sehr außergewöhnliche Stimme hatte, und als ich ihn hörte, dachte ich, dass er alle meine Kathodenstrahlröhren bei der Analyse seiner Stimme zum Bersten bringen werde. Nun, er überschritt nicht 1 500 Hertz. Er sang Mozart göttlich, aber er tat es in einem engen Band, das jenes seines Registers war.

Zwanzigste Frage

Was geschieht, wenn man einem Subjekt einen Hörtest abnimmt, das sich gut hält, um die Hohen zu hören? Sind die Antworten anders je nach Haltung des Patienten?

Professor Tomatis: Ja, sicherlich, aber wenn Sie einem Individuum einen Hörtest abnehmen, ist es, um seine Haltung im täglichen Leben zu kennen, die meist eine Nicht-Hör-Haltung ist. Es ist offensichtlich, dass seine Antworten anders sein werden, wenn Sie ihm verlangen, sich gerade zu halten, seinen Kopf auf eine bestimmte Weise zu platzieren, die der feinen Wahrnehmung der Hohen entspricht usw. Aber angesichts dessen, dass das nicht seine gewohnte Haltung ist, wird dieser Verlauf nur den Wert eines Experiments haben.

Sie selbst haben sicherlich im Verlauf eines Konzerts zum Beispiel festgestellt, wie sehr die Musik anders ist, wenn Sie sie in „Hörhaltung der Hohen" hören oder wenn Sie sich in Ihrem Sessel niedersinken lassen. Wir finden dann die Kommentare wieder, die wir kürzlich zum Platz des Kopfes im Hörtest gemacht haben. Die Wahrnehmung der Hohen bestimmt einen bestimmten Verlauf, während die Wahrnehmung der Tiefen einen anderen bestimmt. Die erste, der maximalen Spannung des Steigbügelmuskels entsprechend, findet sich in den Experimenten wieder, die von den Amerikanern Möller, Schmitt und Reger gemacht wurden, mit einer Kurve von 12 dB/Oktave, während die zweite eine Entspannung der stapediären Muskulatur erfordert und das Wesen in das depressive Universum der tiefen Klänge taucht.

Das Ideal ist natürlich, ständig in Hörhaltung der hohen Klänge zu sein. Das setzt eine Konditionierung voraus, die ein bestimmtes Training erfordert. Ich habe gerade die Arbeiten erwähnt, die von einem Forscherteam durchgeführt wurden, die am Ende gezeigt haben, dass man die menschlichen Ohren konditionieren kann, auf mehrere Weisen zu hören, was ich im Grunde seit 25 Jahren zu sagen mich bemühe. Sie haben gefunden, dass sie, indem sie an den Muskeln des Hammers und des Steigbügels ziehen, eine Steigung von mindestens 15 Dezibel zwischen 250 und 1 000 Hz bestimmen können.

Diese Spannung der Mittelohrmuskeln muss also ständig und in jeder Umstand gesucht werden. Wenn Sie in ein unangenehmes, dysharmonisches, an tiefen Frequenzen reiches klangliches Universum getaucht sind oder wenn Sie verpflichtet sind, uninteressante Dinge zu hören oder auf aggressive Weise gesagt, müssen Sie sich arrangieren, sich in Hörhaltung der Hohen zu setzen, um sich aufzuladen und vom Maximum der klanglichen Umgebung zu profitieren, während Sie die negative Seite vermeiden. Persönlich tue ich es immer im Flugzeug, um frisch und munter am Ort anzukommen, wo ich meistens sofort konsultieren oder eine Konferenz sichern muss. Ich arrangiere mich immer, mich in Hörhaltung der Hohen während des Flugs zu setzen, während ich neben mir Leute sehe, eingefallen, die durch die tiefen Frequenzen und die Vibrationen vernichtet sind, die das Gerät überträgt.

Warum sind die tiefen Klänge so gefährlich? Weil sie vom Körper mehr Energieaufwand verlangen, als der Kortex an Stimulationen empfängt. Klänge wie die des Tamtams zum Beispiel haben gerade das Ziel, den Körper zu bewegen und das diesem Zweitzustand ausgesetzte Individuum in eine Art Hypnose zu setzen, die es der Gnade des Zauberers ausliefert. Während die hohen Klänge, wie jene, die man in den gregorianischen Gesängen findet, das Subjekt aufladen, es zum Bewusstsein führen, ohne es dafür in ein mobiles Körperbild zu ziehen. Beenden wir, indem wir von den militärischen Gesängen sprechen, die die beiden Verfahren verbinden: Sie laden die Subjekte auf, während sie sie als ein einziger Mann marschieren lassen.

Einundzwanzigste Frage

Existiert es eine charakteristische Kurve des Depressiven?

Professor Tomatis: Ja, ebenso wie es eine charakteristische Kurve des Paranoikers, des Forderernden usw. gibt. Jene des Depressiven hat diesen allgemeinen Verlauf einer absteigenden Kurve von den Tiefen zu den Hohen, der das Gegenteil der Aufladungskurve ist. Mehrere Eventualfälle können selbstverständlich auftreten, je nachdem, ob das Individuum seinen depressiven Zustand kompensiert oder nicht. Sie können dann folgendes Schema haben, in dem Sie den depressiven Zustand auf der Ebene der Knochenkurve feststellen. Hingegen täuscht die Luftkurve und erlaubt es dem Subjekt, scheinbar durchzuhalten.

Man darf die Depression nicht mit der Müdigkeit verwechseln. Oft kommt ein Individuum zu Ihnen, weil es sich deprimiert fühlt. In der Tat ist es erschöpft und weiß sich nicht mehr aufzuladen. Sie sind dann in Anwesenheit eines Verlaufs, in dem die Knochenkurve nicht abfallend ist.

In der Regel können Sie auf die Anwesenheit eines depressiven Zustands schließen, wenn Sie die Knochenkurve von den Tiefen zu den Hohen absteigen sehen.

Zweiundzwanzigste Frage

Welches ist die Stütze, die die Einheit all dessen machen kann? Ist es eine neuronische Stütze oder eine psychologische Stütze?

Professor Tomatis: In Anbetracht der Ebene, auf die uns eine solche Frage zu stellen droht, wäre es etwas illusorisch zu versuchen, darauf zu antworten, ohne sich zumindest in eine philosopho-psycho-physiologische ausweglose Diatribe zu engagieren. Man erinnert sich an den endlosen Dialog, der Aristoteles Anaxagoras hinsichtlich der Vorherrschaft des Gehirns und der Hand entgegensetzte. Welches der beiden Organe hat es dem Menschen erlaubt zu sein, was er ist? Niemand kann darauf antworten.

Es ist ebenso, was uns betrifft. In der Perspektive, in die uns die gestellte Frage setzt, ist das Psychische ebenso notwendig wie das Nervensystem, sein Instrument, wie die Violine dem Geiger notwendig ist. Das eine bedarf des anderen, um auf eine höhere Instanz zu antworten, die die Musik in den Umständen ist. Für uns ist es der Anruf zur Transzendenz, der unsere Aufmerksamkeit um das Zuhören fixiert, der den Menschen zu seinem bewussten Feld zieht.

Gewissermaßen befördert durch eine komplexe neuronische Organisation, der er nicht entkommen kann, findet sich das menschliche Wesen so, in seinem Maßstab Motivationen entsprechen zu müssen, die sich bei ihm durch ein Verlangen manifestieren werden, zu kommunizieren, zu verstehen, zu erkennen. In der Tat werden diese Motivationen kaum mehr sein als Injektionen, die man nicht weiß woher kommen, wahre Einbrüche des Bewusstseins, das als erste Manifestation des Lebens wirkt, das das Wesen belebt.

Schluss

Diese Fragenfolge könnte unendlich verlängert werden, so immens ist das Untersuchungsfeld zum Hörtest. So scheint es nutzlos, nach dieser ersten Studie auf dem Wert einer solchen Prüfung zu bestehen, die eine beträchtliche Bedeutung annimmt.

Es bleibt sicher noch viel zu tun, und Professor Tomatis ist sich dessen tief bewusst. Wenn wir darauf bestanden haben, die Informationen zu sammeln, die er uns anlässlich unseres IIIe Internationalen Kongresses übermitteln wollte, ist es, weil wir ebenso die Interpretation des Hörtests als wesentlich betrachten.

Diese Forschungen, so reich an Lehre für die Audio-Psycho-Phonologie, müssen geduldig wieder aufgenommen, erweitert, durch eine breite Praxis gestützt werden, damit die in dieser Richtung unternommenen Arbeiten eine wirksame Verlängerung im Bereich der Diagnose und der Therapie haben.

Zahlreiche spätere Treffen, die auf das gleiche Thema zentriert sind und um sehr unterschiedliche Fallstudien herum verwirklicht werden, werden es erlauben, in den kommenden Jahren ein vollständiges Werk über die Interpretation des Hörtests auszuarbeiten, dessen Interesse all jenen nicht entgehen kann, die sich mit den Problemen der Beziehung des menschlichen Wesens mit seiner Umgebung beschäftigen.


Quelle: A.A. Tomatis, „Considérations sur le test d’écoute", herausgegebene Ausgabe der Société d’Audio-Psycho-Phonologie, 4 rue Cozette - 80000 Amiens, Juni 1974, achtundvierzig Seiten. Äußerungen, gesammelt anlässlich des IIIe Internationalen Kongresses für Audio-Psycho-Phonologie (Antwerpen 1973). Digitalisiertes Dokument aus dem persönlichen Archiv von Christophe Besson.