Artikel, erschienen in der Zeitschrift Vie Médicale (Nr. 20-2), 2. Mai 1974, von Dr. Alfred A. Tomatis.

Im Rahmen des vorgeschlagenen, der Dysphonie gewidmeten Themas nimmt die Wiedererziehung einen ganz besonderen Platz ein. Sie zielt darauf ab, einem Subjekt, das zuvor mit einer wenn nicht ausgezeichneten, so doch korrekt ausgearbeiteten Phonation ausgestattet war, eine normale Stimme zurückzugeben. Der stimmliche Wiederaufbau, ausgehend von Organen, die oft weitgehend beschädigt, ja verstümmelt sind, wird nach verschiedenen Techniken vorgenommen, deren wesentliche Prinzipien in diesem Artikel heraufbeschworen werden.

Der Verfasser hat darauf gehalten, diese Darlegung in zwei Teile zu gliedern, von denen jeder tatsächlich einer Schule entspricht. Die eine, die sich um eine Methode strukturiert hat, die durch ihr Alter die Bezeichnung „traditionell" verdient; die andere, die sich der modernen Errungenschaften bemächtigt hat, welche ihr die Elektronik bietet und die ihr genauer die kybernetischen Konzeptionen der Sprache nahelegen — insbesondere die audio-phonischen Regelschleifen.

Die „üblicherweise" verwendeten Methoden werden darin bestehen, die Schäden, die haben eintreten können, möglichst auszugleichen, indem man vermeidet, dass diese sich wiederholen; oder sie werden dazu beitragen, die Elemente, die nach medizinischer oder chirurgischer Verstümmelung an Ort und Stelle geblieben sind, bestmöglich zu verwerten. Was den Einsatz der modernen Techniken angeht, erscheint der wiedererziehende Aspekt in seinem einheitlichen Prinzip. Dieser Standpunkt kann ohne Zweifel zu einer allzu vereinfachenden Untersuchung eines Verfahrens führen, das voreilig als „Standard"-Methode etikettiert wird. Doch seine Einheit ist nicht nur scheinbar: sie ist wirklich, da sie zentriert bleibt auf den Sachverhalt, dass es sich darum handelt, vor allem das Verlangen nach phonischer Mitteilung wiederherzustellen und, ausgehend von diesem Verlangen, die audio-vokalen Kontrollkreise zu strukturieren.

Die verschiedenen Ursachen, welche die Dysphonien herbeiführen, finden sich in dieser Sammlung gruppiert, und die Ordnung, in der sie verteilt sind, entspricht in der Tat jener, der man je nach ihrer Häufigkeit begegnet. Doch gleichviel ob sie funktional oder organisch sind, ziehen diese Veränderungen identische stimmliche Schädigungen nach sich, deren Merkmale wir nun untersuchen werden.

Um dies zu tun, scheint es nötig zu bestimmen, was eine gute Stimme ist, um die Kriterien zu kennen, ausgehend von denen die Wiedererziehung im eigentlichen Sinne sich entwickeln wird. Diese muss nämlich in Funktion der verschiedenen Parameter eintreten, die einer hochwertigen Hervorbringung innewohnen und sich auf die Intensität, die Höhe und die Klangfarbe erstrecken.

In einer Stimme unterscheidet man den Grundton und die Obertöne. Die Grundtöne werden durch die Verengung des Kehlkopfs, des Mundes oder der Lippen erzeugt, während die Klangfarbe von der Verstärkungswirkung zeugt, die durch die sogenannten „resonanziellen" Hohlräume erzeugt wird: Brustkorb, unter- und überlaryngeale Hohlräume, Rachen-, Mund-, Nasen-, Nebenhöhlen-Hohlräume, Schädelkapsel usw. Von der Mischung dieser vielfältigen Resonanzen hängt die „Qualität" ab, die die spezifische und erkennbare Seite einer Stimme ist.

Damit eine Stimme „gut platziert" sei, ist es nötig, dass das Verhältnis zwischen Obertönen und Grundton (das heißt, um einen physikalisch-akustischeren Begriff zu verwenden: dem ersten Formanten) sehr positiv sei. Dieses Merkmal, das wir H/F nennen, bestimmt in der Tat den Wirkungsgrad der harmonischen Hohlräume in Funktion des laryngealen Klanges. Worauf es nämlich ankommt, ist, Klang erzeugen zu können, ohne dabei große Anstrengungen vollbringen zu müssen. Jede Hervorbringung, die eine laryngeale Ermüdung verlangt, ist mangelhaft, und das Verhältnis H/F kehrt sich um oder verändert sich derart, dass der angeregte Hohlraum dominant wird. Sei beispielsweise der Fall der nasalisierten Stimmen zitiert, die vor allem die Nasenhöhlen zum Schaden der übrigen anregen [Abb. 1].

Wenn eine Dysphonie vorliegt, gibt es eine Veränderung der Stimme in ihren verschiedenen Parametern. Die Heiserkeit stellt das Hauptzeichen dar und folgt auf die Veränderung der Klangfarbe. Man befindet sich sodann vor einer sogenannten „verschlimmerten" Stimme — ein Ausdruck, der verstehen lässt, dass die Stimme nicht nur verändert ist, sondern dass ihre Hervorbringung sich den tiefen Klanglichkeiten anzunähern scheint; in der Tat finden sich die verschiedenen Obertöne herabgesenkt, in dem Sinne, dass die Grundtöne erheblich bedeutender geworden sind als die hohen Obertöne, die oft nicht vorhanden oder jedenfalls stark vermindert sind.

Die Wiedererziehung wird darin bestehen, der Stimme ihre Merkmale, die sich auf die Hervorbringung des Grundtons und seine Verstärkung auf der Höhe der resonanziellen Hohlräume erstrecken, zurückzugeben. Zahlreiche Elemente werden zu berücksichtigen sein für die Wiederherstellung des gesprochenen oder gesungenen Aktes; die phonische Funktion ist in ihre verschiedenen Bestandteile zu zerlegen: die Hervorbringung im eigentlichen Sinne und ihre atemliche Stütze.

Die traditionellen Methoden werden ausschließlich auf den laryngo-pharyngo-buccalen Apparat in verschiedenen, von den jüngsten phonetischen Forschungen aufgewiesenen Stützpunkten eingreifen, während die neue Schule hauptsächlich die audio-vokalen Gegenrückwirkungen verwenden wird, indem sie der Funktion des Zuhörens einen vorrangigen Platz einräumt.

Die traditionelle Methode

Therapeutisches Schema. Sie zielt durch mechanische Mittel, die sich auf den laryngo-bucco-pharyngealen Apparat erstrecken, darauf ab, dem stimmlichen Organ seine synergetischen Möglichkeiten zurückzugeben, und stützt sich auf die klassischen Prinzipien der Stimmplatzierung, die wir hier auf sehr vereinfachte Weise untersuchen werden.

Es gibt eine erzeugende Quelle — den Kehlkopf — und ein modifizierendes Ensemble, in verschiedenen Teilen beweglich. Diese Verteilung, die ich gerne den „phonetischen Fächer" nenne, ist im Falle einer vollkommenen Hervorbringung sehr weit nach vorn geöffnet, als wäre dem Subjekt die Möglichkeit gegeben, den vorderen beweglichen Schenkel des Fächers maximal zu schieben — der hintere Schenkel sitzt auf der Höhe des Kehlkopfs. Hingegen liegt bei einer schlecht ausgearbeiteten Stimmplatzierung eine Schließung des Fächers zum hinteren Teil hin vor, mit Projektion der Hervorbringung nach hinten, die eine hintere Kompression der gesamten Artikulation mit sich zieht [Abb. 2].

Die Wiedererziehung wird darin bestehen, den Fächer so weit wie möglich nach vorn zu öffnen, um die Stimme „in die Maske" zu tragen — um eine fälschlich geweihte Wendung zu gebrauchen — und die verschiedenen resonanziellen Hohlräume in Spiel zu bringen, welche die hohen Obertöne erzeugen und die Klangfarbe bereichern werden. Dazu muss der Wiedererzieher dem Patienten mehrere Bewegungen bewusst werden lassen, betreffend die Atmung, die Haltung, die Stellung der Zunge und die Mundöffnung.

Die Atmung

Sie ist die Grundlage selbst der Wiederherstellung der phonischen Funktion und geht einher mit einer harmonischen Verteilung der Kräfte der Hervorbringung der Luft und derer des Klanges. Es besteht eine Art geschmeidiger Spannung, dem Zustand der Entspannung nahe, die zu lehren nötig ist, indem man besonders auf der gerechten homogenen Verteilung der Spannungen der verschiedenen Muskelgruppen, unter Bewahrung der Geschmeidigkeit, besteht.

Die Haltung

Auch sie spielt im Bereich der Wiedererziehung eine sehr bedeutende Rolle. Damit eine maximale In-Resonanz-Setzung der unter- und überliegenden möglichen Hohlräume vorliege, ist es nötig, vom Wiedererzogenen eine korrekte Position des Kopfes und des Körpers zu erhalten. Die Wirbelsäule muss aufgerichtet sein, wobei das Hohlkreuz auf der Höhe der Lendenwirbel und die Krümmung auf der Höhe der Halswirbel zu vermeiden sind. Was vom Patienten verlangen wird, dass er lerne, sein Becken neu zu platzieren, seinen Brustkorb zu öffnen, seine Schlüsselbeine in einer waagerechten Ebene zu situieren, seine Schulterblätter nach hinten zu ziehen.

Die Stellung der Zunge

Sobald die Atmung erworben und die Haltung eingerichtet ist, beginnt die phonische Übung. Sie besteht darin, dem Patienten zu lehren, die elementaren Empfindungen der Phonation kennenzulernen, ihm zu offenbaren, wie sich die Zunge stellt, wie sie sich im Mund bei der mangelhaften Phonation positioniert und wie sie bei einer guten Hervorbringung funktionieren muss. Zu diesem Zweck wird der Wiedererzieher den linguo-palatalen Stützpunkt des Phonems [g] empfindbar machen müssen — ausgesprochen wie im Wort „qui" [Abb. 3]. Eine Querbarriere richtet sich ein, welche die Krümmung der Zunge in zwei Teile teilt: einen vorderen, mundräumlichen; einen hinteren, pharyngealen. Diese Barriere kann sich nach Belieben verschieben. Wenn sie zurückweicht, verändert sich die Stimme; tritt sie hingegen vor, so entzündet sich die Klangfarbe, und der zugehörige Vokal nimmt einen zunehmend leuchtenden Glanz an, der der Öffnung des „phonetischen Fächers" entspricht.

Die Mundöffnung

In einer weiteren Etappe, zusätzlich zu den drei ersten, werden die Begriffe der Mund-Apertur gelehrt, ebenso wie die Bewusstwerdung der den Lippen eigenen Bewegungen. Die typische, je nach Vokal verwirklichte Mund-Apertur wird umso besser empfunden, als die Grenze des [g] integriert wurde und sich auf automatische Weise im vorderen Teil des Mundes einrichtet. Von da an ist der Patient erheblich unterstützt durch den Sachverhalt, dass seine vokalische Wirkung sich fortan in Funktion dieser Barriere platziert und dass die Vokale sich vor ihr ansiedeln.

Die Tafel der Mundöffnung, vom Patienten selbst in einem Spiegel beobachtet, ist sodann nützlich, um die Wiedererziehung schneller voranschreiten zu lassen. Da jeder Vokal seinen eigenen resonanziellen Hohlraum besitzt, ist es nötig, die entsprechende Mundöffnung zu beobachten. Der Patient wird lernen müssen, seine Phonation in Funktion dieser Apertur zu regeln und zu betrachten, dass jeder Vokal mit dem [g] verbunden ist. Der hintere Teil der Barriere des [g] befreit sich auf diese Weise, wobei die Rückwirkung des Vokals auf die überlaryngeale Resonanz hinzugefügt wird. Es kommt sodann zur Entzündung des vorderen Hohlraums, ohne Interferenz desselben auf die dem Vokal eigene Resonanz; dieser übersetzt den Klang, der von einem Hohlraum hervorgebracht wird, dessen physikalisch-akustische Merkmale jene sind, die dem dem Vokal innewohnenden Volumen entsprechen.

Dies sind die hauptsächlichen Daten, die der Wiedererzieher der Phonation kennen muss, um sie dem ihm anvertrauten Patienten zu übermitteln. Es versteht sich von selbst, dass er selbst ein hochwertiges Phonationssystem besitzen muss, sich mit einer gut platzierten Stimme ausdrückt, ein Hören besitzt, das fähig ist, die Unvollkommenheiten des zu wiedererziehenden Subjekts zu analysieren. Er muss ebenfalls vollkommen die propriozeptiven Empfindungen integriert haben, die im Lauf der Arbeitssitzungen zu lehren ihm aufgegeben ist, was von ihm eine sehr weit vorangetriebene stimmliche Erziehung verlangt.

Die audio-vokale Methode

Den traditionellen Wiedererziehungsmodi, wesentlich zentriert auf die verschiedenen Etagen der Phonation — Kehlkopf, Zunge, Lungen usw. —, hat sich seit etwa zwanzig Jahren eine moderne Technik aufgepfropft, die es gestattet hat, eine umfassendere Annäherung an die Phonation einzuführen: die In-Tätigkeit-Setzung der auditiven Kreisläufe. In der Tat haben die audio-vokalen Gegenrückwirkungen sämtliche zuvor erworbenen Konzeptionen vollständig erneuert, durch den Aufweis der Regelungskreise, die im Untergrund alle kybernetischen Kontrollen der laryngealen Mechanik lenken.

In diesem Vorgehen des Wiederaufbaus der Stimme ausgehend von den neuen Gegebenheiten der auditiven Physiologie spielt der Faktor des Zuhörens eine vorrangige Rolle als anregendes und regelndes Element der gesprochenen Funktion. Man hat zu lange den wesentlichen Anteil vergessen, den das Ohr im Bereich der Phonation hat. Es ist gleichwohl ein Element von erstem Rang, das fortwährend in allen Vorgängen der Kontrolle der Stimme und der Sprache eingreift.

Das menschliche Ohr wird so zum Aufnehmer eines kybernetischen Kreises, der es gestattet, die audio-vokalen Gegenrückwirkungen auszulösen, die der Grundlage der modernen Techniken der Wiedererziehung der Stimme zugrundeliegen. Man weiß, dass vom Hörapparat das Gleichgewicht abhängt, aber auch die Haltung und insbesondere die Vertikalität, ein in der Ausarbeitung des phonatorischen Aktes bestimmender Faktor. Von ihm hängt auch der größere Teil der kortikalen Wiederaufladung ab, dank der Anregungen, die er im Teil der hohen Frequenzen, dem an Cortischen Zellen reichsten, sammelt. Die so übermittelte Energie sichert die Tätigkeit des laryngealen Apparates, dessen neuronales Reich mit jenem des Hörapparates solidarisch ist.

Die Möglichkeiten des Zuhörens zu verstärken, die kortikale Wiederaufladung zu steigern, die Analysevermögen des Ohres bis zu den höchsten Frequenzen zu erweitern, die audio-vokalen Kontrollkreise zu strukturieren: solches sind die Ziele, die von den jüngst im Bereich der Wiedererziehung der Stimme entwickelten Techniken verfolgt werden. Indem man auf das Ohr und durch Gegenrückwirkung eingreift, erzielt man Ergebnisse hinsichtlich der Phonation, die sich in ihren verschiedenen Parametern und insbesondere auf der Ebene der Klangfarbe wieder regelt.

Der diesen Techniken unterworfene Dysphone findet eine klare, modulierte, an hohen Obertönen reiche Stimme wieder. Seine Atmung normalisiert sich und ermöglicht es so dem Kehlkopf, seine Rolle als Klanghervorbringer in den Grenzen des für die In-Schwingung-Setzung der Stimmbänder nötigen Luftdrucks zu spielen. Seine Phonation projiziert sich nach vorn, infolge einer besseren Integration der hohen Frequenzen.

All dies kann sich nur in dem Maße erklären lassen, in dem man dem Ohr die Bedeutung zurückgibt, die zurückzufordern es berechtigt ist im Bereich der psycho-sinnlichen Kontrollen. Der Hörnerv hat auf der körperlichen Ebene einen wesentlichen Platz inne, da er sämtliche Vorderhörner des Rückenmarks innerviert. Aus diesem Grund findet sich jeder Muskel des Körpers von der In-Tätigkeit-Setzung des Hörapparates betroffen, und insbesondere die Muskeln des Gesichtes, deren ontogenetische Ursprünge eng mit jenen der Muskeln des Mittelohres verbunden sind. Bemerken wir gleichermaßen, dass das Trommelfell in seinem äußeren Teil vom Vagusnerv innerviert wird, der die Innervation des Kehlkopfes in seinem sinnlichen und motorischen Teil ebenso unter seiner Knute hält wie jene des Rachens, der Lungen, des Herzens und der Eingeweide. Man begreift so, dass das Trommelfell, wenn es sich auf eine bestimmte Weise spannt, die neuronalen Reiche, die vom X. Paar abhängen, beeinflussen kann.

Es ist schwierig, im zugemessenen Rahmen uns weiter über den Einfluss des Ohres im psycho-sinnlichen Bereich auszubreiten. Sagen wir nur, dass die Techniken der audio-vokalen Wiedererziehung dazu bestimmt sind, dem Hörapparat die Anregungen zu bringen, die es ermöglichen müssen, das Wesen zu kräftigen und die Kontrollkreise der gesprochenen und gesungenen Stimme zu strukturieren, indem die rechte Lateralität gestärkt wird. Sie werden mit Hilfe elektronischer Montagen vorgenommen, die fähig sind, audio-vokale Konditionierungen auszulösen, indem sie das Ohr sukzessive aus einem Zustand muskulärer Entspannung — und damit der Nicht-Zuhörung — in eine Haltung des vollkommenen Zuhörens und der vollkommenen Analyse über die Gesamtheit der Frequenzen überführen, dank eines Filtersystems, das es gestattet, die Information zu modulieren. Diese wird entweder von einem hochwertigen Tonbandgerät verteilt oder vom Subjekt selbst, das vor einem Mikrophon spricht; dieses sendet ihm den vom Gerät veränderten Klang in einen Kopfhörer zurück, den es auf dem Kopf trägt. Die beiden Kopfhörermuscheln sind derart geregelt, dass nach und nach die rechte Kopfhörermuschel dominant wird, um das rechte Ohr führend zu machen. Man weiß nämlich, dass dieses die Macht besitzt, alle Parameter der Stimme und der Sprache zu kontrollieren. Für die Fälle von Dysphonie regelt es die Klangfarbe, indem es zugleich Höhe und Intensität der Phonation normalisiert.

Wir haben gesehen, dass das Ohr ein Faktor des Gleichgewichts und der Vertikalität ist und dass es unmittelbar in den Bereich der Haltung eingreift. Man begreift, dass es in anderem Maß auf die pharyngo-buccale Kinetik eingreifen kann, dank der innigen Beziehungen, die es auf der ontogenetischen Ebene mit den Muskeln des Gesichts und denen, die vom IX. Paar innerviert werden, aufweist. Außerdem erklärt der Aurikular-Ast des X. Paares zum großen Teil den Einfluss des Ohres auf den Kehlkopf und die respiratorische Funktion, die, wie man gesehen hat, im Problem der Phonation sehr stark betroffen sind.

Die durch diese modernen Techniken erworbenen Ergebnisse sind unvergleichlich überlegen und sehr viel rascher als jene, die durch die klassischen Mittel erzielt werden. Sie nehmen einen physiologischen, ja psycho-physiologischen Wiederaufbau in Anspruch, der in Wirklichkeit, neben den Impulskreisen, das Mitteilungsverlangen neu schafft. Dank der durch die Aufladungsklänge — hohe Frequenzen — übertragenen Energie und der nach und nach eingerichteten Selbstkontrolle nimmt der Phonationsapparat seine normalen Funktionen wieder auf. Das Interesse dieser neuen Techniken rührt aus dem Sachverhalt, dass sie die Verwendung einer leicht zu handhabenden Ausrüstung erfordern, die den Wiedererzieher nicht ständig in Anspruch nimmt, während sie eine rasche Selbstkontrolle durch den Patienten gestattet.

Schluss

In diesem Artikel, der dazu bestimmt ist, Mittel zur Unterstützung des Dysphonen vorzuschlagen, haben wir versucht, die großen Prinzipien hervorzuheben, die es dem Therapeuten gestatten, mit Wirksamkeit einzugreifen. Es kann sich hier freilich nur um einen Überblick über die Techniken der stimmlichen Wiedererziehung handeln, und der Handlungsrahmen, in den sich die Allgemeinheit der Dysphonien einreiht, ist hier notwendig stilisiert. Eine Ausnahme verlangt jedoch, hier eingeschlossen zu werden: jene, die sich einerseits auf die Störungen rekurrentiellen Ursprungs mit Lähmung und andererseits auf die Dysphonien bezieht, die auf weitreichende chirurgische Abtragungen mit Exhärese des Phonationsapparates folgen. Für diese beiden wohlbestimmten Kategorien müssen besondere Techniken ins Auge gefasst werden. Es ist gleichwohl nützlich zu präzisieren, dass die in klassischer Weise verwendeten Methoden in diesen Fällen erhebliche Schwierigkeiten antreffen, dem Subjekt eine klangvolle Stimme zurückzugeben, während man durch audio-phonische Gegenrückwirkung viel zufriedenstellendere Ergebnisse erzielt — selbst dann, wenn es sich um die Erziehung einer ösophagealen Stimme handelt.

Es ist offenkundig, dass die verschiedenen Methoden, die wir soeben heraufbeschworen haben, leicht zueinander finden können. Der audio-vokale wiedererziehende Schritt entbindet den Wiedererzieher keineswegs davon, auf den Vorgängen der Atmung, der Haltung, der Vokalisierung usw. zu beharren. Es handelt sich kurzum um zwei einander ergänzende Techniken und nicht, wie man oft zu glauben geneigt ist, um zwei Schulen, die einander gegenüberstehen. Alle Mittel sind in Werk zu setzen, um dem Dysphonen zu helfen, seine Stimme wiederzufinden.

Man weiß heute, dass der Verlust der Phonation die tiefen Schichten des Wesens in seinen verschiedenen Strukturen — seelisch, geistig, körperlich — stark trifft, bis hin dazu, die Gesamtheit seiner Persönlichkeit zu stören. Und man kennt die somato-psychischen Gegenrückwirkungen, die eine solche Folge auslösen kann. Eben deshalb ist es unentbehrlich, die Lösungen zu finden, um dem zwingenden Bedürfnis zu genügen, das der Mensch verspürt, mit seiner Umgebung zu kommunizieren — ein Bedürfnis, das selbst ausgehend von einem Vorgang organisiert ist, der das Sein zum Zuhören führt.

Bibliographie

  • Cours international de Phonologie et de Phoniatrie. — La Voix, 1953, Maloine, Paris.

  • Tarneaud J. — Traité pratique de Phonologie et de Phoniatrie, 1961, Maloine, Paris.

  • Tomatis A. A. — Relations entre l’Audition et la Phonation, 1954, G.A.L.F.

  • Tomatis A. A. — L’Oreille et le Langage, 1963, Éditions du Seuil, Collection Microcosme.

  • Tomatis A. A. — Vers l’Écoute Humaine, 1974, ESF, Collection Sciences de l’Éducation.

— Prof. Alfred A. Tomatis, Zeitschrift Vie Médicale*, Nr. 20-2, 2. Mai 1974, S. 2588-2591.*

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