Die Sprache
Einleitung
Die klinische Untersuchung der Sprache ins Auge zu fassen heißt, diese als eine bestehende, klinisch beobachtbare Wesenheit zu betrachten. Es ist gegenwärtig nicht üblich, sie in den Befund einzubeziehen, den der Mediziner gewohnheitsmäßig praktiziert. Indes scheint es uns gut zu unterstreichen, dass die Sprache, wenn sie einst Gegenstand von Untersuchungen war, die hauptsächlich von Linguisten und Phonologen durchgeführt wurden, seit einigen Jahrzehnten einen unbestreitbaren medizinischen Aufschwung wiedergefunden hat.
Der gewaltige Anstoß, den BROCA vor kaum einem Jahrhundert gegeben hat, das Erwachen der Psychologie, der psychoanalytische Monolog, alles scheint dem Kliniker in Erinnerung gerufen zu haben, dass die Sprache ihr Wort mitzureden hatte. Ohne Zweifel sind wir noch nicht dahin gelangt zu erkennen, mit welcher scharfsinnigen Intuition AVICENNA es gelang, in einer Art hierarchisch entwickelten Triptychons das Wort an erster Stelle, das Kraut an zweiter und das Messer an letzter zu platzieren. Wir sind gleichwohl berechtigt, hier den ursprünglichen Platz zu vermerken, der dem Wort eingeräumt wird, dessen therapeutische Kraft dem Praktiker, der ihren wirkenden Wert kennt, nicht entgehen kann.
Die Sprache muss es fortan dem Kliniker gestatten, indem sie ihm vielfältige und kostbare Hinweise bringt, Schlüsse über den Gebrauch zu ziehen, den das Subjekt von den ihm gebotenen Möglichkeiten zu machen weiß.
Die Sprache
Sehen wir nun, was die Sprache sein kann. In der Regel betrachtet man sie als ein Mitteilungsinstrument.
Wir würden es vorziehen, unsererseits sie als den Ausdruck zu betrachten, als die Verlängerung einer Geste, deren Zweck es ist zu informieren. Sie ist wie eine Absonderung, die aus unserem Körper austritt. Auch hat diese Absonderung analysierbare und, was besser ist, in ihrer Gesamtheit messbare Merkmale. Dank der gegenwärtigen Techniken können die verschiedenen Elemente der sprachlichen Kette leicht gesammelt und identifiziert werden.
Es gibt zwei Weisen, sich des wirklichen Werts einer Wesenheit zu versichern, der man sich in ihren verschiedenen Bestandteilen annähern will: jene, die einerseits darin besteht, sich auf die Daten zu stützen, die uns die Pathologie enthüllt, und jene, die andererseits gestattet, die Elemente zu inventarisieren, die geeignet sind, die Normalität zu umkreisen. In Wahrheit scheint es uns sehr schwierig, ja unmöglich, von vornherein irgendeine Annäherung an die normale oder pathologische sprachliche Struktur (unter dem klinischen Blickwinkel verstanden) auszuarbeiten, ohne sich zugleich auf diese beiden Auskunftsquellen zu beziehen. In der Tat bringt jedes Eintauchen in den einen wie in den anderen Bereich für jeden von ihnen nützliche Materialien.
Die Sprache ist also das, was aus einem Einzelnen herauskommt, wenn dieser sich daran geben will, sich auszudrücken, sich zu veräußern, mitzuteilen, zu informieren. Dies setzt selbstverständlich voraus, dass er etwas zu sagen hat, dass er sich auszudrücken weiß, dass er sich veräußern will, dass er zu kommunizieren wünscht, dass er einwilligt zu informieren. Wie viele Bedingungen, die durch eine solche Entscheidung erweckt werden!
Wenn die hervorgebrachte Sprache uns ihr Material liefert, können wir, wenn wir es für angebracht halten, ihren intrinsischen Wert untersuchen, das heißt die Entfaltung der Rede, und darin die logischen Strukturbrüche aufdecken. Es handelt sich dann viel mehr darum, den Ablauf des explizierten Denkens zu analysieren, als das eigentliche sprachliche Material zu entdecken. Es heißt, die Sprache mit einer psychiatrischen Erfahrung anzugehen, mit dem Zweck, die Inkohärenzen der Argumentation auftauchen zu sehen.
Die Sprache, so wie wir sie zu untersuchen wünschten, muss uns selbstverständlich, indem sie diesen Parameter berücksichtigt, viele andere, im allgemeinen zu sehr vernachlässigte Elemente liefern. Die hauptsächlichen unter ihnen verwirklichen ein Forschungsraster, das darauf abzielt, die Intensität, die Qualität, den Rhythmus zu bestimmen — ebenso viele Merkmale, die den verbalen Strom bestimmen. Auf der gleichsam darüberliegenden Stufe wird es gut sein zu untersuchen, wie diese außergewöhnliche Erwerbung verwendet wird.
Um besser über die normalen Mechanismen der Sprache befinden zu können, denken wir, dass es nützlich ist, sich auf den Fall zu beziehen, der den günstigsten Bedingungen einer gut strukturierten Sprache entspricht, hervorgebracht von einem Subjekt, das Meister seiner Rede ist und fähig, sich ihrer zu bedienen, um sein Denken zu befreien und zu verbalisieren, nach seinem Wunsch, also nach Belieben. Dieses Subjekt besitzt eine gerade, klangvolle, modulierte, an außersprachlichen, redundanten Elementen reiche Sprache.
Was versteht man unter gerader, klangvoller, modulierter Stimme? Eine gerade Stimme ist die, welche von einem rechts lateralisierten und ganz besonders gut lateralisierten Subjekt hervorgebracht wird. Es ist nämlich nötig, um ein guter Sprecher zu sein, dieser Bedingung zu entsprechen. Es ist ebenfalls nötig, dass mit dieser Qualität die Möglichkeit verbunden sei, auf eine bestimmte Weise zu hören und besser noch sich auf eine wohlbestimmte Weise selbst zuzuhören.
Bevor wir in unseren Beschreibungen voranschreiten, scheint es uns nötig, hier eine weite experimentelle Klammer zu öffnen, um den Nicht-Eingeweihten nicht vor vielfältige Behauptungen zu stellen, die ihn abzuschrecken drohten. Präzisieren wir also zunächst, dass bei der zur Information verwendeten stimmlichen Hervorbringung der Sender, im konkreten Fall der Sprecher, sich als der Pilot seiner Sprache erweist (1); aus diesem Grund werden ihm alle Probleme der Steuerung auferlegt. Er wird der erste Zuhörer dessen, was er sagen muss, doch ein aufmerksamer und berichtigender Zuhörer aller in der sprachlichen Hervorbringung in Anspruch genommenen Parameter.
Dank der Selbst-Zuhörung seiner eigenen Sprache verwirklicht der Sprecher ohne sein Wissen eine der genialsten Montagen, welche die Kybernetik aufgewiesen hat. Man erinnert sich, dass diese Kontrollwissenschaft besagt, dass jeder gerichtete, befohlene oder fernbefehligte Akt verlangt, dass in seinen Kreislauf ein rückwirkendes Komplement eingeführt werde, das im Rückgang wirkt, um eine Beziehung zwischen dem, was der verwirklichte Akt sein kann, und der Absicht, die ihn motiviert hat, zu sichern. Diese kontrollierende Rückkehr erfordert ein sogenanntes Aufnehmer-Element, dessen Auffassungskraft, verbunden mit der Analysekraft, auf den intentionalen Prozess spielt. Dieser wird üblicherweise als „der Eingang" bezeichnet; der vollzogene Akt wird Gegenstand des „Ausgangs" sein. Ohne uns in die technischen, ja philosophischen Erwägungen zu vertiefen, die solche Montagen stets erwecken, können wir im vorliegenden Fall annehmen, dass der Ausgang die Sprache selbst ist und dass der Eingang der Entscheidung entspricht, das Denken fließen zu lassen oder die zu sagende Sache zu verbalisieren; das Ohr ist der Kontrollaufnehmer, der dem Bewusstsein über die verschiedenen, dem gesprochenen Akt eigenen Parameter Rechenschaft gibt.
Es erweist sich zudem, dass die beiden Ohren nicht dieselbe Funktion haben. In der Tat gewährleistet das eine eine kürzere Rückkehrbahn und damit eine schnellere, also wirksamere Bahn. Das rechte hat das Vorrecht, dieses richtende Ohr zu sein (2), welches die Sprache unter seiner Knute hält. Die Ursachen, die diese Bevorzugung bestimmen, sind gegenwärtig schwierig zu präzisieren, wenngleich wir geneigt sind, das Spiel der beiden Vagusnerven eingreifen zu lassen, die in die Sprache so eingebunden und in ihrer Verteilung schon vom Hervortreten der Stimmnerven an so asymmetrisch sind, deren Bahnunterschiede man im Gedächtnis hat.
Ohne mehr über den Wert der beiden Ohren reden zu wollen, die eine Wahl für die Kontrolle der Phonation einzigartig unterscheidet, und während wir unsere Erklärungen auf der Ebene einer Arbeitshypothese belassen, müssen wir den Sachverhalt für sich betrachten. Er ist da und drängt sich durch sein Bestehen auf. Das als Aufnehmer in Funktion gesetzte rechte Ohr gestattet die Ausarbeitung audio-vokaler Gegenrückwirkungen einer hoch spezifischen Wirksamkeit, die in keiner Weise auf der entgegengesetzten Seite anzutreffen sein können, das heißt am linken Ohr.
Außerdem führt die In-Funktion-Setzung dieser sprachlichen Kontrollstruktur rasch zu einer homogenen rechten Lateralisierung. Man weiß heute die Rate der auditiven Lateralität zu messen, indem man in Dezibel die Dominanz des Hörens bei der „Visierung" der Klänge würdigt, ebenso wie man es auf der Ebene des Sehens tun kann. Im letzten Fall, wenn ein Ziel sich uns präsentiert und wir es als Visierpunkt nehmen müssen, schaltet sich ein Auge aus und lässt die gesamte Kontrolle dem anderen. Dieses spielt sodann die Rolle des führenden Auges, das heißt des aufnehmenden Auges, das die Kontrolle unserer Position im Verhältnis zum Ziel gewährleistet, das seinerseits fest, unverändert bei unserer Einrichtung bleibt. Was wir visieren, sind wir im Verhältnis zum zu erreichenden Gegenstand. Der Beweis dafür ist, dass, wäre das Ziel ein Spiegel, wir dort unser Auge träfen. Das Ohr tut das gleiche; es positioniert uns gegenüber der Sprache, gestattet uns, uns selbst in unserer eigenen Rede zu treffen, die in ihrer wesentlichen Form nur das Spiegelbild, der Spiegel dessen sein kann, was wir zu erreichen vorgeben.
Wie kann man diese besondere Wahl für eine der Seiten denken und wie kann man eine solche Differenzierung annehmen? Aus Gründen, die wir hier mangels Raumes nicht heraufrufen können, wurden wir vor einigen Jahren dazu geführt anzunehmen, dass die Sprache ihre Genese in utero sah, als wäre das Mitteilungsverlangen bereits dem Embryo verliehen (3), alles lässt uns gegenwärtig denken, dass sich im Uterus ein Gesetz der Liebe Mutter-Fötus einrichtet, dessen Umkehrung Fötus-Mutter in der Folge einen großen Teil unserer analytischen Fixierungen konditionieren wird. Ohne uns mehr über das auszubreiten, was wir bezüglich der klanglichen (und ohne Zweifel verbalen) Übertragung von der Mutter zum Kind haben prüfen können, können wir sagen, dass sich in utero ein bilaterales Mitteilungsverlangen einrichtet, das nach der Geburt nur wachsen wird.
Das geborene Kind, augenscheinlich symmetrisch, da es zwei Ohren, zwei Augen, zwei Münder hat (man erinnert sich an die mediane Raphe), ist in Wahrheit asymmetrisch auf der Höhe seiner beiden Hemi-Larynxe, die die nicht gleichzeitigen Angriffe der beiden Stimmnerven empfangen. So ist diese Asymmetrie klanglich und entspricht im übrigen wesentlich der viszeralen Asymmetrie und nicht der kortikalen Asymmetrie.
Das Kind wird bald mit der Mutter dialogisieren, und aus einer für sie gemachten Rede, asymmetrisch und verdoppelt, da sie auf beiden Seiten spielt, werden die Wörter hervorbrechen, die jeder Säugling hervorzubringen weiß: mama, papa, pipi, popo, dodo. Nach diesem wahren Gesang an die Mutter wird die soziale Sprache hervorbrechen, die sich auf das Verlangen stützen wird, mit dem anderen zu kommunizieren, mit diesem Fremden, der der Vater ist, nahe und ferne, erdrückende und brennende Konstellation zugleich. Wenn alles bequem verläuft, wird die Kontrolle dieser Sprache mit Hilfe einer raschen, präzisen und wirksamen Visierung (nach einigen Zögerungen freilich) durch den kürzesten Kreislauf erfolgen, das heißt durch den rechten. So wird sich die an den Vater gerichtete Sprache durch die rechte Seite kontrollieren und die so häufig angetroffene symbolische Triade von Wort, Rechtem und Vater aufleuchten lassen.
Das Mitteilungsverlangen kann nicht entstehen, wenn die Mutter das Kind zurückweist; aus diesem Grund gelangt die Sprache nicht dahin, sich auszuarbeiten. Wenn hingegen die Beziehung mit der Mutter normal verläuft, sich aber mit dem Vater als schwierig erweist, etabliert sich der Kontakt mit einem enormen Abstand, der die linke Haltung in Anspruch nehmen wird. Unter diesen Bedingungen werden das linke Ohr, der linke Mund und der linke Larynx zu den Leitern eines Kreislaufs, der erhebliche Latenzzeiten einführt. Dieser lange und komplexe Weg gestattet zwar, das Bild des Vaters zu entfernen, macht aber die Steuerung des verbalen Stroms schwierig. Wenn schließlich der Vater aus welchem Grund auch immer unmöglich anzutreffen ist, kann sich das Kind nicht lateralisieren, das heißt, kein Kreislauf wird dominant. Diese Nicht-Lateralisierung führt ipso facto die Unmöglichkeit herbei, sich im Raum sowie in der Zeit zu lokalisieren. Was die Sprache angeht, so bleibt sie auf der Stufe jener fixiert, die für die Mutter geschaffen wurde, und aus dem Lallen, dem ersten für sie ausgearbeiteten Gesang, entsteht das Stottern, chronische Form jener früheren Etappe der Mitteilung.
So richtet sich die Sprache ausgehend von der Lateralität ein. Außerdem ist sie unmittelbar an die Merkmale ihres auditiven Kontrolleurs oder rechten akustischen Aufnehmers gebunden. Man begreift also, dass das rechte Ohr, da es zu einem so feinen, so präzisen und so bedeutenden Apparat in allen Mechanismen der Hervorbringung wird, seine intrinsischen Qualitäten hoch geschätzt sieht, da von ihnen und ihnen allein die Regelungen der verschiedenen Parameter des hervorgebrachten Klanges abhängen: Intensität, Klangfarbe und Geschwindigkeit, die — wir erinnern daran — die hauptsächlichen Merkmale sind, die die Klänge voneinander unterscheiden.
Die Qualitäten, die man von einem Ohr verlangen kann, werden also diejenigen sein, die Sprache zu hören. Das ist keine leichte Sache und das entspricht (man möge gern daran denken) einer langen sekundären Anpassung.
Tatsächlich war im Menschen, wie es scheint, nichts ursprünglich dazu erdacht, die Analyse der Sprache zu vollziehen, ebenso wenig wie wir in ihm Organe entdecken könnten, die der gesprochenen Funktion spezifisch wären. Indes findet, dank der inneren embryologischen und neuronalen Verbindungen, die — man erinnert sich — zwischen dem bucco-pharyngealen, dem pneumo-laryngealen und dem auditiven Apparat bestehen, jeder Fortschritt des Ohres im sprachlichen Bereich eine Resonanz im pneumo-digestiven Gebiet, auf der Höhe der pharyngo-laryngealen Kreuzung. Die zwischen Mund und Ohr sich einrichtenden Gegenrückwirkungen geschehen insbesondere nach dem Bild eines Pantographen nach einem im voraus festgelegten Verhältnis.
Das Ohr muss also hören und gut hören in den Grenzen der Sprache. Es ist nötig, dass es den Frequenzen der letzteren angepasst sei, um deren Entschlüsselung, gleichsam Lesung, zu vollziehen. Man sagt üblicherweise, es sei ein Impedanzanpasser. Das ist richtig, doch was ist in Wahrheit die Rolle einer solchen Ausrüstung? Diese muss eine Verbindung der Umgebung, die das einzige Mitteilungsmaterial ist, mit dem neuronalen Milieu des Cortischen Apparates verwirklichen, dem sinnlichen Teil, der den Hörnerv oder das achte Hirnnervenpaar in Anspruch nimmt und informiert.
Die umgebende Luft gestattet dank ihrer außergewöhnlichen Elastizität die Inwellensetzung unseres Denkens. Sie bietet die Möglichkeit, eine informationelle Brücke zu jenem anderen zu verwirklichen, den man zu erreichen beschließt. Diese Verbindung, die in der Tat permanent ist, da es sich um die Luft handelt, die uns umgibt, kann gegebenenfalls in ihren physischen Eigenschaften durch das akustische Phänomen erweckt werden. Das Ohr wird also alle diese klanglichen Artefakte entschlüsseln müssen, die erst später einen semantischen Wert annehmen werden.
Das Ohr hat freilich seine Grenzen, in die sich die Sprache einschreibt. Es nutzt im übrigen nicht stets die Gesamtheit des physiologisch zugestandenen Bandes. So beschränkt sich das französische Ohr zwischen 1000 und 2000 Hertz, während sich das englische Ohr ein Band jenseits von 2000 Hertz zuteilt, während das spanische sich in den Umgebungen eines Höhepunkts um 250 und 500 Hertz situiert. Es ist zu bemerken, dass die slawischen Ohren besser als alle anderen die große auditive Öffnung zu nutzen wissen, die ihnen geboten ist, ebenso die portugiesischen Ohren.
Schließlich präzisieren wir, dass dieses zuhörende Ohr von hoher Treue sein muss, um mit höchster Genauigkeit das zu übersetzen, was die Selbstinformation ihm zugestehen muss. Auch erscheint ein letztes Merkmal notwendig: jenes, das dem Ohr die Möglichkeit gibt, mit dem Minimum an Verzerrungen und dem Maximum an Analyse zu hören.
Um zu unserer Sprache zurückzukehren, nehmen wir nacheinander die Elemente wieder auf, die diese gelehrte Montage bilden: wir haben eine schwingende und resonierende Luft, ein bucco-pharyngeo-laryngeales Gefüge, unterstützt durch den ganzen Körper, der mit dieser resonierenden Luft zu spielen weiß, und schließlich ein auditives Gefüge, das das gesamte Ensemble akustisch regelt wie ein bewundernswerter Dirigent, fähig, der Unendlichkeit der in Anspruch genommenen Instrumente das Maß zu geben und aufzuerlegen, um einen vollkommen ausgearbeiteten verbalen Akt zu verwirklichen.
Wir stehen also vor jenem idealen Personnage, den wir vor einigen Augenblicken heraufbeschworen haben — guter Sprecher, guter Hörender und stark rechts lateralisiert. Sehen wir nun, wie wir vor einem Subjekt in schlechter sprachlicher Haltung vorgehen werden. Worauf es bei unseren verschiedenen Untersuchungen ankommt, ist, die „Mängel" im Verhältnis zu diesem idealen Profil zu wiegen und zu zählen. Alle Formen der Nicht-Ausarbeitung dieser Endstruktur können angetroffen werden. Sie stellen Fixierungen auf dieser oder jener anfänglichen Stufe dar, die sich wesentlich durch Zeichen der Unreife in der globalen Organisation kundgeben.
Klinische Untersuchung
Nach dieser langen Präambel, welche die Bestimmung eines solchen Untersuchungsgegenstands erfordert hat, können wir leichter die klinische Untersuchung angehen.
Das Wichtige ist, das in der Konsultation präsentierte Subjekt sowohl in seiner gesprochenen Funktion als auch außerhalb derselben zu betrachten.
Wir wenden uns am häufigsten an das Kind. Wir beobachten es während der gesamten Befragung, die vor den Eltern durchgeführt wird. Seine sehr aussagekräftige Haltung enthüllt uns seine Anhänglichkeit, seine Teilnahme an der umgebenden Welt, oder sein Desinteresse und die Schwierigkeiten, die ihm begegnen, ein zuhörendes Subjekt zu sein. Sodann beschreiben wir sein Verhalten detailliert, in dem Augenblick, in dem wir mit ihm sprechen werden, und beurteilen seine Spannung des Zuhörens; wir sehen schon, welches Ohr es uns bietet, und sammeln die Synkinesien, die diese schlichte Geste der Aufmerksamkeit erweckt. Schließlich lassen wir es sprechen.
In allererster Linie berücksichtigen wir die Qualität der Stimme. Diese kann intensiv oder schwach, moduliert oder weiß, beherzt oder matt sein.
Zum zweiten beobachten wir die mit der Hervorbringung verbundene stimmliche Geste, indem wir zunächst zur Untersuchung des Gesichts schreiten. Dieses kann in seinem rechten oder in seinem linken Teil mobilisiert sein. Das ist eines der zu suchenden Hauptzeichen. Schon bei der Hervorbringung sind die guten Sprecher sehr deutlich asymmetrisch zugunsten des rechten Gesichtsteils. Insbesondere bietet der Mund eine dominante rechte Motorik, welche die linke mitzieht; er ist das dynamische Element, das uns das gute Funktionieren des rechten Ohres in seinem Kontrollspiel versichert.
Ganz anders verhält es sich bei den Patienten, die wir zu untersuchen haben. In den meisten Fällen vollzieht sich die gesprochene Funktion links; es ist der linke Mund, der das Ganze zu dynamisieren scheint. Doch man erinnert sich, wer Mund sagt, sagt Ohr, wer Ohr sagt, sagt Hirnhemisphäre. Das ganze Subjekt kurzum ist in den schlichten Sachverhalt des Sprechens einbezogen. Manchmal gibt es weder rechts noch links, und die Sprache ist in diesem Fall schlecht oder wenig ausgearbeitet.
Über das Gesichtsspiel hinaus beobachten wir die zugeordneten Synkinesien. Bei einem großen Sprecher zeigt allein die rechte Hand einige gestische Assoziationen, vor allem auf der Höhe der Daumen-Zeigefinger-Zange. Beim sprachlich weniger begünstigten begegnet man allen zugeordneten Synkinesien, und alles kann auf der Höhe der beiden Hände, vor allem der linken, der Schultern, des Halses, des Rumpfes, der unteren Glieder vorgestellt werden — ebenso viele Bewegungen, die rasch das Energiepotential erschöpfen, das der kortikale Akt braucht, um den Abschluss des gesprochenen Aktes zu Ende zu führen.
Sodann bitten wir das Subjekt, uns sein Ohr zu zeigen; der normal lateralisierte Sprecher bezeichnet mit seiner rechten Hand sein rechtes Ohr, sein rechtes Auge und seinen Mund. Der Dyslateralisierte wird das eine oder das andere Ohr mit der einen oder der anderen Hand bieten, oder ohne manuelle Teilnahme, ebenso bei den übrigen Bezeichnungen, Auge und Mund. Die Nicht-Lateralisierten wie die Stotterer antworten im allgemeinen auf unsere Fragen, die sie im übrigen kurios finden, mit einer anderen Frage: „Welches?"
Sodann bitten wir das Subjekt, uns unser Ohr, unser Auge zu zeigen. Auch dort, im Gegensatz zum hyperlateralisierten Rechtshänder, der mit seiner rechten Hand unser rechtes Ohr wählt, werden alle Fantasien geboten. Sie enthüllen uns in Wahrheit die Schwierigkeiten, die dem Subjekt begegnen, sich zu positionieren, sich zu visieren, sich selbst im temporal-räumlichen Universum zu erfassen.
Wir suchen ebenfalls ein Zeichen, dem wir einen sicheren klinischen Wert zuschreiben und das wir „Selbst-Information" nennen. Wir lassen das Subjekt seinen Namen und seine Anschrift sagen, indem wir es bitten, seine rechte Hand nahe an seinen Mund zu halten, ganz als hielte es ein Mikrofon; wir helfen ihm, indem wir seine Hand mit unserer entgegengesetzten Hand halten, da wir uns gegenüberstehen. Die Stimme ist normalerweise tonisch, klangvoll mit der rechten Hand, während sie es links nicht ist. Das Interesse ist es, das Erwachen dieses kutaneo-vokalen Reflexes zu messen, der stets rechtshändig sein muss. Es ist ebenfalls zu bemerken, dass, wenn das Subjekt seine Rechte und damit die symbolische Stütze, die diese Seite darstellt, nicht anerkennen will, man eine mehr oder weniger starke Zurückweisung der Hand beobachtet. Im allgemeinen ist es die rechte, die zurückgestoßen wird und die man fest halten muss. Außerdem stellt man bei der Aussprache von Namen und Anschrift meist eine Skotomisierung des Namens fest, wenn die rechte abgelehnt wird.
Schließlich untersuchen wir, indem wir auf einer Kathodenstrahlröhre und auf einem Sonagraphen hören oder aufzeichnen, die Hervorbringung der Stimme, wenn das rechte Ohr allein im Kreis belassen wird, durch Unterdrückung des linken, und umgekehrt. Es ist gleichermaßen die rechte, die die modulierteste Stimme dominiert, und auch dort können wir das bereits erworbene Potential in diesem Phänomen der Selbstkontrolle beurteilen.
Pathologie
Sie ist eben die der Nicht-Einfügung des Wesens in das Universum der anderen, und die beobachtete Abnormität enthüllt zweifellos eine Unreife in dem Prozess, der zu einer idealen Struktur führt, der Stütze der verschiedenen Systeme, die zu einer gut ausgearbeiteten Sprache führen.
Es ist offenkundig, in Funktion dessen, was wir soeben gesagt haben, dass zwei Aspekte der Pathologie der Sprache beobachtet werden können. Wir werden wesentlich die — sagen wir — mechanistische Seite unter unserer Hut behalten und den psychiatrischen Kollegen die des Geistes und der Vernunft überlassen. Mit anderen Worten: worauf es ankommt, ist die Art, in der das Subjekt seinen Körper auszunutzen weiß, um seinen verbalen Strom zu gewährleisten. Es ist wahr, dass in der Klinik alles ineinander verzahnt ist, doch es ist eben aus dem Bereich unserer medizinischen Wissenschaft, solche Mechanismen zu dissoziieren zu wissen, um sie besser getrennt zu erfassen.
So bieten in der Sprache die Störungen, die man antreffen kann, einen weiten Fächer, der von der Abwesenheit des Sprechens bis zur ausgearbeitetsten sprachlichen Virtuosität reicht.
- Die Abwesenheit der Sprache zeugt von der Nicht-Strukturierung des audio-vokalen Kreises:
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entweder weil das Verlangen zu sprechen nicht im Kinde wohnt, und das Problem ist psychoanalytisch. Es trifft sich im Autismus, in der Schizophrenie.
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oder weil der Aufnehmer abwesend ist, wie es der Fall in den tiefen Schwerhörigkeiten ist. Von da an ist es die Taubstummheit, die sich einrichtet, mangels Selbstkontrolle (4).
- Wenn die Sprache sich mit Verzerrungen schafft, haben wir mehrere Fälle zu untersuchen:
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entweder das Ohr ist defizient, und die artikulatorischen Störungen sind die getreue Übersetzung eines Aufnehmers schlechter Qualität.
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oder das Ohr ist gut, doch hat das Subjekt nur ein schwaches Verlangen, sich seiner zu bedienen; in der Tat hat es, vom Spiel des Zuhören-Wollens ergriffen, rasch die Lust und damit den Gebrauch verloren.
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oder noch ist die Struktur seiner Lateralität nicht ausgearbeitet, und die hervorgerufenen Störungen anormalisieren alle innewohnenden Beziehungsverhältnisse, wobei das Kind sich, wenn sein Potential es ihm gestattet, eine für es allein gemachte Welt herstellt.
Wir finden so die Dysarthrien, die Stotterstörungen und die Legasthenien.
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Die Dysarthrien, welche die Unvollkommenheiten der auditiven Mikrofone übersetzen.
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Die Stotterstörungen, welche die Schwierigkeit der Begegnung mit dem väterlichen Totem enthüllen, durch Unreife der Lateralität.
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Die Legasthenien, welche die normale Entschlüsselung des Universums, der Sprache und folglich des Buches verhindern, durch die Unmöglichkeit, im letzten Fall die geschriebene Sprache in klangliche Sprache zu übersetzen (5).
Behandlung
Diese kurze Darlegung über die Sprache und über die Pathologie der Ausdrucksstörungen führt uns ganz natürlich dazu, von den Therapeutiken zu sprechen, die in Werk gesetzt werden, um dem Einzelnen zu helfen, sich anzunehmen, sich im Schoße der Welt zu verwirklichen, die ihn umgibt.
Diese Therapeutiken gehen aus den Hypothesen, den Theorien hervor, die wir im Lauf dieser Forschungsarbeit im Bereich der Audio-Psycho-Phonologie auszuarbeiten gehabt haben. Sie nehmen hauptsächlich das auditive Phänomen in Anspruch, in seinem weitesten Sinn genommen, und zielen darauf ab, einem jeden, Kind oder Erwachsenem, die Möglichkeit zu geben, sein Ohr als einen Apparat zu verwenden, der fähig ist, die Sprache des anderen zuzuhören. Sie zielen wesentlich darauf, das Mitteilungsverlangen, das bis dahin nicht oder schlecht ausgearbeitet war, auszulösen oder neu auszulösen.
Die Techniken der Wiedererziehung der gesprochenen oder geschriebenen Sprache sind seit etwa fünfzehn Jahren weitgehend verändert worden durch den Beitrag der Erkenntnisse, die im Bereich der Elektronik gemacht wurden. Diese haben es erlaubt, Geräte zu verwirklichen, die fähig sind, jene Konditionierungen zu wecken und rasch integrieren zu lassen, die einer hochwertigen Sprache zugrundeliegen — nämlich ein gutes Zuhören auf einer hochdifferenzierten rechten Lateralität.
Dank elektronischer Filter und Umschaltphänomene verändert man nach Belieben die Kreise und Kurven, die dem Zuhören auferlegt werden, mit dem Ziel, dem der Wiedererziehung unterworfenen Subjekt die auditive Haltung des Gut-Hörenden, dessen, der ein normales Beziehungsnetz strukturiert hat, zu verschaffen.
Während sich das Zuhören auf den „Anderen" ausarbeitet und dazu neigt, die Aufmerksamkeit des Subjekts zu steigern, löst ein zweites Umschaltspiel eine Selbst-Zuhörung jedes Mal aus, wenn der Patient antworten oder wiederholen muss. So wird ihm unbewusst auferlegt, seine Stimme zu hören, wie ein normales Subjekt die seine hört.
Dieser Weg richtet das Subjekt auf Bewusstwerdungen seiner Kontrollen, auf die Beherrschung seines körperlichen Ichs, zugleich mit dem Aufbau seines verbalen Ichs.
Der Zweck, den die vorgeschlagene auditive Therapeutik anzielt, ist also die Wiederherstellung relationaler Strukturen durch eine Berichtigung der mangelhaften anfänglichen Konditionierungen.
Schluss
Was wir in dieser Darlegung anvisiert haben, ist, die Idee herauszuarbeiten, dass ein audio-psycho-phonologischer Befund sich in jede klinische Untersuchung einfügen muss. Wir bleiben überzeugt, dass die wenigen Schritte, die in diesem Bereich verwirklicht wurden, nur der Ansatz einer weiten Untersuchung über die Beziehungen sind, die zwischen Seele und Körper in ihren zahlreichen Verzahnungen und ihren psychosomatischen Gegenrückwirkungen bestehen.
„Sprich, und ich werde dir sagen, wer du bist" ist nicht mehr von „und ich werde dir sagen, wie es dir geht" zu trennen. Gewiss sind wir gegenwärtig noch nicht in der Lage, die Untersuchungstechniken der Sprache systematisch zur Anwendung zu bringen, doch denken wir, dass in den kommenden Jahren der Weg in diese Richtung derart sein wird, dass die sprachlichen Prüfungen sich in den Rahmen jedes klinischen Prozesses einschreiben werden.
Die Sprache ist überdies eines der wirksamsten Mittel, in die Probleme des Beziehungslebens, der Anpassung an die Umgebung einzudringen, immanente Quelle der seelischen oder somatischen Störungen, die nicht versäumen, sich kundzugeben. Die Sprache, im gegebenen Fall, ist ein vorlaufendes Alarmzeichen, das dem geübten Ohr des Klinikers anzeigt, dass seine Wachsamkeit wach gehalten werden muss, schon ehe sich die vorausdeutende Störung fixiere.
Der Leser möge uns verzeihen, in so wenigen Worten so viel Substanz geliefert zu haben, doch er wird gewiss verstehen, wie schwierig es ist, auf wenigen Seiten ein Thema zu behandeln, dessen Tragweite ihm nicht entgangen ist und dessen Bedeutung erheblich bleibt.
Klinische Untersuchung — Pathologie — Behandlung
von A. TOMATIS
Sonderdruck aus der Société de Médecine de Paris, Revue d’Enseignement Post-universitaire, Nr. 2, 1970
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A. TOMATIS: „Relations entre l’audition et la phonation". Annales des Télécommunications, Bd. II, Nr. 7-8, Juli-August 1956.
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A. TOMATIS: „L’oreille directrice". Bulletin du Centre d’Études et de Recherches Médicales de la S.F.E.C.M.A.S., Juli 1953.
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A. TOMATIS: „L’oreille et le langage". Éditions du Seuil. Collection Microcosme, Reihe „Le rayon de la science".
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A. TOMATIS: „La surdité". Éditions de l’Organisation des Centres du Langage.
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A. TOMATIS: „La dyslexie". Éditions de l’Organisation des Centres du Langage.