Alles ging vor dreißig Jahren von der Zusammenstellung zweier Beobachtungsreihen aus. Als Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Sohn eines Sängers hatte Alfred Tomatis Künstler zu behandeln, deren Stimme gebrochen war. Doch zur selben Zeit leitete er das Akustiklaboratorium der Arsenale der Aeronautik. Er untersuchte dort die Personen, deren Hören durch die Arbeit an den Prüfständen der Überschall-Triebwerke verschlechtert war, um zu klären, ob sie zu entschädigen seien, und gleichzeitig bemerkte er recht oft eine sehr deutliche Verformung der Stimme.

Er fragte sich, ob das beschädigte Hören nicht letztlich die Ursache der Störungen der Stimme sei, selbst im Fall der Sänger. In der Tat erreicht ein großer Tenor 110 dB,

120 dB und sogar 130 dB: was ungefähr 150 dB im Schädel ergibt. Nun aber bringt es ein ATAR-Triebwerk am Boden auf 132 dB: es ist nicht dieselbe Energie, doch es ist dieselbe Ausgangsintensität.

Seine Beobachtungen vertiefend, ist Alfred Tomatis vom Parallelismus beeindruckt, der zwischen der audiometrischen Untersuchung eines Subjekts und der Hüllkurve der spektralen Analyse seiner Stimme besteht; er beginnt alsdann eine Reihe von Experimenten über die Reaktionen und Rückkopplungen des Hörens auf die stimmliche Hervorbringung.

Er bedient sich zu diesem Zweck zweier Schaltungen:

  • Die eine erlaubt es, die harmonische Zerlegung der ausgesandten Klänge (Spektralanalyse) sichtbar zu machen, vermittels eines Mikrofons und eines Analysators.

  • Die andere bietet die Möglichkeit, das Hören des dem Versuch unterzogenen Subjekts nach Belieben zu modifizieren; seine Stimme wird von einem zweiten Mikrofon erfasst, dem ein Verstärker folgt, dessen Antwortcharakteristik auf der Ebene der vom Subjekt getragenen Kopfhörer dank eines Spiels von Filtern (Hochpass / Tiefpass / Bandpass) veränderlich ist, was es erlaubt, die Hörweise des Subjekts und folglich seine Art, sich zu kontrollieren, zu variieren.

Die außerordentliche Bedeutung der Rückkopplungen, die dann auftreten, erlaubt es Alfred Tomatis zu behaupten, dass es einen wahrhaftigen geschlossenen Kreislauf der Selbstinformation gibt, dessen Kontrollaufnehmer bei der Hervorbringung auf der Ebene der phonatorischen Organe kein anderer ist als das Ohr, und dass jede diesem Aufnehmer auferlegte Veränderung augenblicklich eine beträchtliche Veränderung der stimmlichen Geste nach sich zieht, leicht visuell, auditiv zu erkennen, jedenfalls physisch kontrollierbar an der Kathodenstrahlröhre des Analysators.

Da er sich vergewissert hat, dass ein Modus des vokalischen Ausdrucks, der einer Konditionierung des gesamten phonatorischen Apparats eigen ist und sich durch eine bekannte stimmliche Geste nach außen kehrt, einer Hörweise entspricht, die durch eine mehr oder weniger komplexe Konditionierung des gesamten Hörapparats bestimmt ist; da er sich überdies vergewissert hat, dass jede Veränderung dieser Hörweise eine neue phonatorische Geste erzeugt, versucht Alfred Tomatis alsdann, die defekte Konditionierung durch eine neue Konditionierung zu ersetzen, berechnet auf der Grundlage einer idealen Hörantwortkurve (jener eines großen Stimmprofessionellen, zum Beispiel). Schon in den ersten Sitzungen stellt man fest, dass von diesem neuen Zustand eine vorübergehende Beständigkeit verbleibt, und nach einer gewissen Trainingsperiode wird sie dauerhaft.

Um diesen Vorgang praktisch zu verwirklichen, entwickelt Alfred Tomatis ein Gerät, das man später Elektronisches Ohr nach Tomatis-Effekt nennen wird.

Die vier grundlegenden Gesetze Alfred Tomatis'.

Raoul HUSSON, der diesen Versuch 1957 am Laboratorium für Physiologie der Funktionen der Sorbonne wieder aufnimmt, bestätigt ihn vollständig und gruppiert die Gesamtheit dieser audiophonatorischen Rückkopplungen unter der Bezeichnung Tomatis-Effekt.

Dieser wird durch vier Gesetze definiert:

  • Die Stimme enthält nur das, was das Ohr hört.

  • Gibt man dem traumatisierten Ohr die Möglichkeit der korrekten Hörung der schlecht gehörten Frequenzen zurück, so werden diese in der phonatorischen Hervorbringung wiederhergestellt, augenblicklich und ohne Wissen des Subjekts. Dann, indem man diese audiophonatorische Beziehung auf den Fall der normalen Ohren verallgemeinert:

  • Das Ohr überträgt der phonatorischen Vorrichtung die Veränderungen des Hörens, die man ihm künstlich auferlegt.

Da Alfred Tomatis sich alsdann die Frage gestellt hatte, wie das Ohr den Gewinn dieser Übung bewahren und sich fortschreitend verbessern könne, gelangt er zum vierten Gesetz.

  • Das erzwungene Hören, abwechselnd unterhalten und ausgesetzt, gelangt dazu, das Hören und die Phonation auf dauerhafte Weise zu verändern.

Das Elektronische Ohr und seine Wirkungsweise.

Dieses Gerät ist ein elektronischer Komplex, der Verstärker, Filter und ein Spiel elektronischer Wippen umfasst. Es kann in zwei Situationen verwendet werden:

  1. Die vom Magnetbandgerät übermittelte Information geht durch das Elektronische Ohr, bevor sie über zwei Kopfhörer zu den Ohren des Subjekts gelangt (rein auditives Training).

  2. Die vom Magnetbandgerät übermittelte Information wird vom Subjekt während der auf dem Magnetband verteilten klanglichen Leerstellen wahrgenommen und wiedergegeben: nahezu gleichzeitig wird die Stimme des Schülers von einem Mikrofon erfasst, vom Elektronischen Ohr kontrolliert und modifiziert (audio-vokales Training).

Das Elektronische Ohr wirkt, indem es die Information innerhalb einer bestimmten Bandbreite formt, um die Skotome (Abfälle der Hörkurve bei gewissen Frequenzen) zu unterdrücken und dieser Kurve den nötigen Verlauf (aufsteigende Steigung) zu geben, der eine Wahrnehmung und Analyse maximaler Qualität ermöglicht.

Überdies bietet es der klanglichen Botschaft zwei mögliche Wege zu den Endkopfhörern; der erste Kanal entspricht der Spannung des Trommelfells und der Muskeln des Hammers und des Steigbügels, der zweite ruft vielmehr ihre Entspannung hervor; es genügt alsdann eine einfache Einstellung, um die Information abwechselnd von einem Kanal zum anderen übergehen zu lassen und so eine fortwährende Bewegung von Spannung und Entspannung der adaptiven muskulären Mechanismen des Mittelohrs hervorzurufen.

Diese Mikrogymnastik führt ein Phänomen der Beständigkeit herbei, das eine fortschreitende und dauerhafte muskuläre Konditionierung schafft; das Mittelohr wird so fähig, selbst spontan und korrekt die zur Übermittlung der Klänge nötigen Regulierungen zu vollziehen.

Diese verschiedenen Funktionen werden durch drei elektronische „Blöcke" sichergestellt:

  1. Die Filter, auf zwei Stufen verteilt, bilden die beiden Kanäle und modulieren den Durchgang der Frequenzen (einer von ihnen kann zum Beispiel vorzugsweise den hohen Frequenzen Durchgang gewähren, und der andere den tiefen Frequenzen).

  2. Die Wippe regelt die aufeinanderfolgenden Hin- und Herbewegungen von einem Kanal zum anderen, sie ist gewissermaßen eine Pforte, die sich nach den Intensitätsschwankungen der klanglichen Botschaft öffnet und schließt.

  3. Die Balance, um das rechte Ohr darauf vorzubereiten, führend zu werden, wird das Verhältnis der den beiden Kopfhörern entsprechenden klanglichen Intensitäten fortschreitend differenziert durch Reduktion der Intensität auf der linken Seite.

Was die klangliche Information im eigentlichen Sinne anlangt, so besteht sie aus einer Reihe von im Laboratorium bespielten Magnetbändern, deren Verbreitungsreihenfolge durch das je nach behandeltem Fall entworfene Programm bestimmt ist: es handelt sich wesentlich um Musik und menschliche Stimme, eventuell elektronisch bearbeitet, das heißt mehr oder weniger gefiltert durch Reduktion der Intensität der tiefen Frequenzen.

Die Programmierung des klanglichen Materials.

Das Programm wird selbst nach den Normen der audio-psycho-phonologischen Disziplin festgelegt; es hat zum Ziel, den Patienten den idealen sonischen Weg durchschreiten zu lassen, den er seit seiner Empfängnis hätte folgen sollen, da von ihm die Qualität seines Zuhörens und folglich seine Fähigkeiten des mündlichen und schriftlichen Ausdrucks abhängen.

Von der leiblichen Kommunikation des Fötus mit dem mütterlichen Uterus bis zu den fruchtbarsten verbalen Austauschen ist die Bahn lang und voller Hindernisse, denn in jeder Periode seiner Entwicklung kann die Beziehung des Subjekts zur Umgebung gestört, mangelhaft oder gar völlig abgebrochen sein.

Und die Methode besteht, gestützt auf die Tatsache, dass es also bereits eine Kommunikation zwischen dem Fötus und der Mutter gibt, darin, beim Subjekt das Verlangen zu wecken, dass diese Kommunikation sich nach der Geburt fortsetze, zuerst mit der Mutter, sodann mit dem Vater, und schließlich mit der ganzen Gesellschaft.

Der Weg beginnt im intrauterinen „Dialog" (Dialog, der tatsächlich selbst dürftig sein kann, was den Behandler zwingen wird, alles von Grund auf wieder aufzunehmen) und mündet in die Einfügung des Subjekts in den gesellschaftlichen Kontext (Einfügung, die ihrerseits am Ursprung eines anderen, viel persönlicheren Weges steht).

Das Ohr wird also in die Bedingungen eines sehr fernen Erlebens zurückgetaucht, des ältesten, das es zu vernehmen vermocht hat. Doch in dieser Zeit ist das Zuhören des Fötus dadurch gekennzeichnet, dass es im wässrigen Milieu erfolgt, da er selbst in das Fruchtwasser getaucht ist. Die klangliche Information (gefilterte Klänge) wird also dadurch gewonnen, dass man den Klang durch elektronische Filter laufen lässt, die künstlich ein Hören verwirklichen, das jenem ähnlich ist, das man durch Wasserschichten erhielte.

Im Allgemeinen verwendet man dazu die mütterliche Stimme, denn sie ist eines der vom Embryo wahrgenommenen Haupt-„Geräusche". Die Mutter des Subjekts wird gebeten, während einer halben Stunde einen Text zu lesen, der ihr Freude machen könnte: sie wird alsdann unter Bedingungen aufgenommen, die im Hinblick auf die Filterung die Erhaltung der hohen Frequenzen ermöglichen werden.

Wenn die mütterliche Stimme nicht verfügbar ist (Scheidung, Tod oder zu schlechte sonische Qualität…), greift man auf gefilterte Musik zurück. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die musikalischen Themen umso wirksamer sind, je reicher sie an Höhen sind und sich den Mozart’schen Rhythmen oder den gregorianischen Gesängen annähern.

Nach einer gewissen Zahl von Sitzungen mit gefilterten Klängen vollzieht man die sonische Geburt, das heißt: das Subjekt geht von einem Hören im wässrigen Milieu zu einem Hören im luftgetragenen Milieu über. Zu diesem Zweck kann im Lauf einer Sitzung die Filterung von 8000 Hz auf 100 Hz übergehen. Die Auswirkungen dieser Phase sind in der Regel tiefgreifend; sie gibt dem Subjekt die Möglichkeit, einen entscheidenden Moment seines Daseins zu erleben, in dessen Lauf es wirklich zur Welt hätte geboren werden sollen.

Nach der sonischen Geburt beginnt die aktive Phase, in der sich das Subjekt darauf vorbereitet, „dem Anderen" zu begegnen (dem gesellschaftlichen Universum); es werden dort die ersten Strukturen der Sprache gelegt.

Sodann wird das Subjekt dazu geführt, sich selbst zu begegnen, das heißt sich selbst zu akzeptieren. Das klangliche Material hilft ihm alsdann, seine Sprache zur Entfaltung zu bringen; seine Selbstkontrollen werden gestärkt und gewährleisten ihm eine gute Anpassung an seine eigenen Wirklichkeiten und an die von der Umgebung auferlegten Existenzbedingungen.

Das intrauterine Zuhören.

Zwei Fragen erlauben einen Zugang zum Problem der Sprache:

Wie gelangt der Mensch dazu, artikulierte Klänge hervorzubringen?

Warum verspürt er das Bedürfnis, sie hervorzubringen?

Die erste dieser Fragen hat etwas Überraschendes, denn es scheint offensichtlich, dass das menschliche Wesen spricht, weil es mit einem Apparat ausgestattet ist, der ausdrücklich dazu bestimmt ist, diese Funktion zu erfüllen. In Wahrheit ist diese Behauptung falsch, denn es gibt kein zu diesem Zweck physiologisch vorbestimmtes Organ, und die Sprache hat sich des Vorhandenen bedient, um sich aufzubauen: zum einen aus einem ersten Ensemble, bestehend aus einem Teil des Verdauungsapparats, den Lippen, dem Mund, dem Gaumensegel, der Zunge, den Zähnen, und zum anderen aus einem zweiten, dem Atmungsapparat entstammend, dem Kehlkopf, den Nasenhöhlen, den Lungen, dem Zwerchfell, dem Brustkorb. So hat sich der Kehlkopf, um in den Dienst der Sprache zu treten, von seiner ursprünglichen Funktion abgewandt. Er hat sich befreit. Und diese Befreiung fiel mit derjenigen des Ohrs zusammen, ursprünglich dazu bestimmt, die Klänge zu lokalisieren, das aber begann, sie zu analysieren.

Was die zweite Frage angeht, so behauptet Alfred Tomatis, dass nicht zählt, sprechen zu können, sondern es zu wollen; denn der Affe könnte aus rein physiologischer Sicht ebenfalls sprechen, und doch tut er es nicht.

Am Ursprung der Sprache muss ein Verlangen bestehen, das kein anderes sein kann als jenes, mit dem Anderen zu kommunizieren; es ist die Suche nach einer bekannten, ja erlebten, bisweilen vermissten Lage, in deren Lauf sich der tiefe Begriff des In-gemein-Setzens offenbart hat, aus dem die erste Bewusstwerdung der Beziehung hervorgeht.

Doch wie entsteht dieser Impuls?

Aus den Beobachtungen eines englischen Zoologen entwickelt Alfred Tomatis seine Antwort. Dieser Autor habe bemerkt, dass, wenn Eier singender Vögel von nicht singenden Vögeln bebrütet wurden, die Vögel dieser Brut nicht sangen. Besser noch: wurden die Eier von Vögeln bebrütet, die singen, doch auf andere Weise, so hatten die Kleinen große Chancen, sich nach ihrem Schlüpfen im Gesang zu „irren".

Es scheint also, dass eine audiovokale Konditionierung schon im Stadium des Eis möglich sei.

Und wenn es sich für die menschliche Gattung ebenso verhielte?

Versuche, die an Säuglingen von anderen Forschern durchgeführt wurden, zeigten Alfred Tomatis, dass er auf dem richtigen Weg war: „die Mutter macht ihr Kind, gibt ihm in sich selbst ein Nest, ernährt es, bereitet es auf das Leben vor durch einen Dialog aus allen Kontakten, die sie mit ihm haben kann. Die klangliche Kommunikation ist dabei die wichtigste, denn die Mutter offenbart sich dem Fötus durch alle ihre organischen, viszeralen Geräusche und vor allem durch ihre Stimme.

Das Kind zieht alle affektive Substanz aus dieser Stimme, die spricht…

Es wird davon getränkt, durchdrungen, es integriert so den Träger seiner Muttersprache."

Es handelt sich tatsächlich um die erste audiovokale Kommunikation, in der der Embryo, wenn alles gut verläuft, ein Gefühl der Sicherheit schöpft, das seinem Aufblühen hilft.

Das Verlangen zu kommunizieren ist alsdann nur das Verlangen, eine (akustische) so befriedigende Beziehung mit dem Anderen nicht abzubrechen oder eventuell wieder anzuknüpfen.

Doch wenn der Fötus hört, so gewiss nicht auf dieselbe Weise wie wir. Von der Geburt bis zur Reife ist die „Öffnung" des Ohrs fortschreitend; und die Geburt selbst bringt eine grundlegende Veränderung im Hören mit sich, weil das Ohr, das dem flüssigen Milieu des intrauterinen Lebens angepasst ist, sich plötzlich an ein luftgetragenes Milieu akkommodieren muss.

Vor der Geburt sind die drei Teile des Ohrs — äußeres, mittleres, inneres — akustisch denselben Frequenzen angepasst; es sind praktisch jene des Wassers, und sie liegen oberhalb von 8000 Hz. Bei der Geburt erleben wir eine wahre sonische Geburt. Die beiden ersten Stockwerke des Ohrs des Säuglings werden sich an die Impedanzen der umgebenden Luft anpassen müssen, während das dritte Stockwerk (das Innenohr) sein flüssiges Milieu behält.

Doch die ersten Tage nach der Geburt lassen das Kind jedoch in einem Übergangszustand auf der Ebene des sonischen Lebens. Tatsächlich behält das Mittelohr und insbesondere die Eustachische Röhre während zehn Tagen Fruchtwasser, so sehr, dass die beiden Stockwerke, das mittlere und das innere, auf die Frequenzen des flüssigen Milieus abgestimmt bleiben… nach dem zehnten Tag erlischt alles, denn die Eustachische Röhre entleert sich ihrer flüssigen Substanz, und der Säugling verliert seine Wahrnehmung der Höhen, er hört fast nicht mehr.

Wochenlang wird er, im Lauf eines langen Lernens, die Akkommodationsfähigkeit seines Ohrs zu steigern suchen müssen, indem er an der tympanischen Spannung arbeitet, um nach und nach durch die umgebende Luft den Kontakt wiederzufinden, den er einst mit jener Stimme hatte, die ihn am Grund seines uterinen Universums wiegte.

In Gegenwart psychologischer Störungen, deren Ursprung unbestreitbar auf der Ebene der ersten Etappen des Lebens der Individuen liegt (intrauterine Periode, Geburt, erste Beziehungen zur Mutter…), hat Alfred Tomatis alsdann die Idee, diese Periode dem betroffenen Subjekt sonisch wiederleben zu lassen. Er erhält durch einfache akustische Informationen tiefgreifende, äußerst intensive psychologische Reaktionen und das Aufhören gewisser Symptome.

Durch den Klang wurde es alsdann möglich, die ursprüngliche Beziehung wieder anzuknüpfen, die Geburt wiederbeleben zu lassen, mit dem ganzen entkonditionierenden Aspekt, den eine solche Erfahrung enthalten kann, und das Verlangen zu kommunizieren mit der Umgebung zu potenzieren, ohne das es kein psychologisches Gleichgewicht gibt — eine Art „Zurücksetzen auf Null" des Individuums, gefolgt von einem Wiederaufbau seiner tiefen Persönlichkeit, doch diesmal in vollem Bewusstsein vollzogen.

In diesem Vorgang besteht der ungeheure Vorteil des sonischen Weges darin, dass der Hörnerv direkt die Kortikalität erreicht, ohne den zentralen Teil des Thalamus zu passieren (sensitives Zentrum des primitiven Gehirns. Es ist eine zentrale, subkortikale Nervenmasse, die als eine Art Filter wirkt, in dem die verschiedenen Empfindungen koordiniert, interpretiert und beurteilt werden, bevor sie an das Bewusstsein (Cortex) übermittelt werden), während alle anderen sensitiven Informationen durch diesen Kanal gehen. Hat der Thalamus einen zu großen „Widerstand oder eine zu große Viskosität", blockiert durch eine durch selbst überwundene Traumata gestörte Affektivität, so wird diese Region jedesmal impulsiv das oder die anfänglichen Traumata wachrufen. Indem man hingegen den Cortex direkt auf dem auditiven Weg angreift, kann dieser gewissermaßen auf den Thalamus rückwirken; und durch diesen umgekehrten Effekt übernimmt der Cortex, indem er sein Bewusstseinsfeld vergrößert, die schmerzlichen Schwierigkeiten. So sehr, dass das Subjekt sich unter diesen Bedingungen selbst in die Hand nehmen kann; es „heilt" sich alsdann durch sein eigenes Handeln, indem es aus seiner Somatisierung heraustritt, um in einen wahren Dialog mit sich selbst einzutreten.

Die kortikale Aufladung.

Das Verhalten des Säuglings kann auch eine wesentliche Funktion des Ohrs ans Licht bringen, weitgehend genutzt vom audio-psycho-phonologischen Training (A.P.P.).

Vor dem zehnten Tag ist das kleine Kind tonisch und sehr dynamisch, doch infolge der Entleerung seines Mittelohrs tritt es in eine deutlich ruhigere Phase ein, da es so seine Fähigkeit verliert, die Klänge hoher Frequenzen zu erfassen. Denn bevor es ein zum Hören bestimmtes Organ ist, hat das Ohr die Funktion der Aufladung des Cortex mit elektrischem Potential.

Einerseits verticalisiert es das Wesen und gewährleistet so seine eigene maximale energetische Leistung, andererseits wird der korrekt aufgenommene Klang in Nervenimpuls umgewandelt auf der Ebene der Haarzellen (Corti-Zellen) des cochleo-vestibulären Apparats (Innenohr).

Die Energieladung dieser Nervenimpulse erreicht so den Cortex, der sie dann im ganzen Körper verteilt im Hinblick auf eine Tonisierung und Dynamisierung des Wesens.

Doch nicht alle Klänge sind geeignet, diesen Aufladungseffekt hervorzurufen. Auf der Basilarmembran sind die Corti-Zellen in dem Teil, der den hohen Frequenzen vorbehalten ist, viel dichter als in jenem, in dem die tiefen Frequenzen sich verteilen; so sehr, dass die Übertragung der erfassten Energie an den Cortex viel intensiver ist, wenn sie aus der Zone der Höhen kommt, als wenn sie aus der den Tiefen vorbehaltenen Plage stammt.

Die hohen Klänge werden so mehr Nervenimpulse liefern und auf diese Weise einen wichtigeren Aufladungseffekt hervorrufen. Alfred Tomatis nennt die an hohen Obertönen reichen Klänge im Übrigen die „Aufladungsklänge", im Gegensatz zu den tiefen Klängen oder „Entladungsklängen". Diese letzteren bringen dem Cortex nicht genug Energie und erschöpfen das Individuum sogar, da sie körperliche motorische Antworten durch ihre vestibuläre Wirkung (Bogengänge, Utriculus) hervorrufen, die selbst mehr Energie verbrauchen als das Labyrinth liefert.

Das Ohr ist also Quelle unserer Vitalität und unserer Dynamik, da es zum Erwachen unserer zerebralen Maschinerie beiträgt. Es ist letztlich es, das uns die Kraft gibt, die Angriffe zu überwinden, den Widerstand gegen die Anstrengung und die Energie, die die Ermüdung tilgt. Durch sein harmonisches Funktionieren motiviert und treibt es das Individuum in eine Lebensdynamik, in der es ihm leicht wird, sich in die Hand zu nehmen und eine wirkliche Autonomie zu erlangen, einen unerschütterlichen Willen, einen großen Sinn für Verantwortung, einen lebhaften Entscheidungsgeist und eine beständige unterliegende Freude an den Tag zu legen. Die einfache Beobachtung eines Depressiven (dessen „Batterien" so leer sind, ohne Möglichkeit der Aufladung) ist die beste negative Illustration dieses Bildes. Das audio-psycho-phonologische Training kann ihn wieder lehren, seine tympanischen Membranen korrekt zu spannen, um wieder fähig zu sein, die Klänge hoher Frequenz zu empfangen. Überdies hat dieses Lernen eine direkte Folge für das Leben unserer Organe.

Das neuro-vegetative Gleichgewicht.

Der Nervus pneumogastricus, oder zehntes Hirnnervenpaar, oder Nervus Vagus nach der Bezeichnung der Alten, breitet seine einzige sensorische Antenne auf der Außenfläche der tympanischen Membran aus.

Seine Anwesenheit ist kapital, denn er ist einer der Nerven, die die Mechanismen des Ohrs in Funktion der „Stimmungen" oder Gemütszustände des Subjekts regeln, und ebenso wie er der Psyche zu gehorchen weiß, weiß er sie auch seinen eigenen Reaktionen zu beugen. In seiner Intimität zwischen Wesen und Körper, in der Verflechtung seiner vielfachen Interferenzen, die ihm so treffend die Bezeichnung Vagusnerv eintragen, ist er Herr der vegetativen, viszeralen Bahn.

Sein neuronisches Areal ist immens, er berührt das Trommelfell, den Pharynx, den Kehlkopf, die Lungen, das Herz, den Magen, die Leber (Gallenblase), die Milz, die Nieren, das Pankreas, den Dünndarm, das Kolon, das Rektum, den Anus…

Dank seiner kann sich alles harmonisch organisieren oder im Gegenteil aus dem Gleichgewicht geraten; im letzteren Fall erscheint dann das Gefolge der verschiedenen Somatisierungen: das Lampenfieber, die Angst, die innere Beklemmung, die Bulimie, die Anorexie, die Angina pectoris, die Asthmen, die Otitiden, die Rhinitiden… Das Ohr kann in diesem Bild eine besonders unheilvolle Rolle spielen; dazu genügt es, dass es sich schließt, das heißt, dass es die Muskulatur des Hammers entspannt und die des Stapedius nicht beansprucht. Die Geräusche werden alsdann nur auf sehr partielle Weise übertragen, und jene, die übertragen werden, können nicht analysiert werden; übrigens haben allein die tiefen Frequenzen eine gewisse Chance hindurchzugelangen, indem sie die völlig entspannte tympanische Membran in einer zu weiten Bewegung mitziehen, welche durch Rückstoß den auriculären Ast des Vagus erregt, mit allen Reaktionen, die dies in der vegetativen Sphäre nach sich zieht.

Man hat gesehen, dass das Training zum Ziel hat, dem Subjekt wieder beizubringen, sein Trommelfell zu spannen und sich in die Haltung des Zuhörens der Höhen zu begeben. Alsdann hört die Erregung des Pneumogastrikus auf, und seine Besänftigung überflutet die viszerale Welt. Das Subjekt fühlt in sich einen Eindruck von Wohlbefinden und Befreiung entstehen, von schwer fassbarem Inhalt, doch es merkt deutlich, dass es nunmehr seiner selbst und seiner Möglichkeiten sicherer ist. Die Atmung weitet sich, die Angst und die muskulären Verkrampfungen verschwinden, die globale Entspannung entfaltet sich.

Die Vertikalität und die Hörhaltung.

Das Ohr gewährleistet auch, dank seiner Bogengänge, eine Gleichgewichtsfunktion, die unsere Haltungsattitüden bestimmt; es ist eine wichtige Rolle, denn es ist gewiss unmöglich, einem Individuum den Zugang zur Information seiner Umgebung und zur Kommunikation zu gewähren, ohne ihm eine korrekte Haltung zu sichern.

Die Fülle des Zuhörens kann nur in der Vertikalen erreicht werden, denn das Ohr spannen heißt auch den Körper auf dieses Zuhören spannen, um dieser Information die sensiblen Zonen unseres Hauthülle zu bieten. Es stellt sich alsdann ein Feedback her: das Zuhören verbessert sich und verändert die Haltung, während diese ihrerseits dem Zuhören erlaubt, sich zu vervollkommnen, dank der Botschaft, die ihm immer treuer zukommt.

Es sind die auditiven und körperlichen Aktionen, Reaktionen und Rückkopplungen, die in ihren Mechanismen die wesentlichen Schlüssel der Vertikalität halten, da das Innenohr die motorische Haltungsinformation zu zentralisieren braucht, um die optimale Leistung der energetischen Umwandlungen zu erzielen, die auf seiner Ebene erfolgen, ebenso wie auf der Ebene der Haut, so reich an sensorischen Korpuskeln an ihrer Vorderseite, und der Muskeln und Sehnen, die die Korpuskeln von Golgi enthalten, die der Gravitationserregung unterworfen sind.

Es ist eine Funktion, die das Innenohr wirksam erfüllt, da es einem sehr komplexen neurologischen Block angehört, der das Labyrinth, das Cerebellum, den Cortex und den Körper umfasst; es hat also alle motorischen Muskeln des Körpers unter seiner Kontrolle und koordiniert seine Motorik, es ist ein wesentliches Element in der Bewusstwerdung des Körpers durch den Cortex.

Es ist im Übrigen leicht, experimentell Haltungsveränderungen in Funktion gewisser Veränderungen des Zuhörens hervorzurufen. Sie führen unmittelbar einen spürbaren Unterschied in der Körperhaltung ein. Indem man ein an hohen Frequenzen reiches Hören auferlegt, beobachtet man sogleich, im Augenblick, in dem die Phonation des Subjekts sich belebt, eine frappante Korrelation in der Haltung: die Wirbelsäule richtet sich auf, der Brustkorb öffnet sich, das Subjekt sucht unbewusst eine bessere dorsale Aufrichtung durch eine Rotation des Beckens nach vorn, das Gesicht entspannt sich und beweglicht sich auf harmonische Weise, die Stimme entzündet sich. Im Gegensatz zur vorhergehenden Probe wird eine zur ersten entgegengesetzte Kurve (die also ein an tiefen Frequenzen reicheres Hören mit sich bringt) eine entgegengesetzte Haltungsveränderung auf allen oben genannten Parametern hervorrufen.

Das Training umfasst im Übrigen das Lernen einer Haltung, die „Hörhaltung" genannt wird, die dem Subjekt eine maximale Öffnung gibt, das heißt die äußerste Entfaltung seiner Möglichkeiten, eine klangliche Botschaft unter guten Bedingungen auszusenden, und auch die korrekte Aufnahme der Informationen aus der Umgebung.

Das so plazierte Ohr kann alsdann, wie gesagt, die Höhen empfangen und die Tiefen blockieren.

Man muss sich auch erinnern, dass der energetische Verbrauch unserer Körperhaltung während der Aktivitätsperiode minimal ist, wenn der Körper im Gleichgewicht ist, gerade und vertikal.

Das führende rechte Ohr und die Lateralität.

„Man muss Rechtshänder sein bis ins Linke", wiederholt Alfred Tomatis gern.

Denn das Interesse eines Individuums, im Kampf, den es um seine Anpassung an die Welt führt, ist, Rechtshänder zu sein, nicht nur der Hand und des Fußes, sondern des Hörens, der Sprache und des Denkens.

Die aufmerksame Beobachtung der Hörkurven eines Sängers zeigt, dass die Kontrolle, die er über seine Stimme durch seine Ohren ausübt, nicht von derselben Qualität rechts und links ist.

Durch eine klangliche Blendung oder durch Einleitung von Geräusch ist es leicht, einem Sänger in Tätigkeit die Kontrolle seines linken Hörens verlieren zu lassen. Der Beobachter stellt alsdann fest, dass er ebenso gut, ja besser als vorher singt!

Wird hingegen das rechte Ohr unterdrückt, so erfährt das Subjekt unmittelbar große Schwierigkeiten, seine Stimme zu beherrschen.

Alfred Tomatis hatte Gelegenheit, diesen Versuch mit Instrumentalisten und Schauspielern zu wiederholen; er hat sich jedesmal bestätigt. Offenkundig gibt es also ein führendes Ohr, das immer das rechte ist.

Und wenn die beiden Ohren dazu dienen, die Klänge zu lokalisieren, da die auditive Bilateralität die Winkelmessung begünstigt, so scheint es wohl, dass man die tiefe Beherrschung der Sprache nur erreichen kann, indem man das rechte Ohr als Antenne der Erfassung des verbalen Flusses wählt; das linke Ohr gibt ein globales Panorama der klanglichen Umgebung, das rechte kann einen präzisen Klang anvisieren und ihn fein analysieren.

Warum diese Asymmetrie? Weil die vom Gehirn ausgehenden Impulse für die Hervorbringung eines Klangs sich nur auf der Ebene des Kehlkopfs auswirken können, von dem das menschliche Wesen sein bevorzugtes Kommunikationsinstrument gemacht hat. Nun aber gibt es auf dieser Ebene eine Asymmetrie, der rechte Halbkehlkopf verfügt über einen motorischen Recurrens-Nerv (es handelt sich um einen Ast des Pneumogastrikus), der viel kürzer ist als sein Gegenstück; denn der rechte Recurrens richtet sich zur rechten Wand des Kehlkopfs, nachdem er von unten die rechte Arteria subclavia gekreuzt hat, während der linke Recurrens in den Thorax taucht und eine Schlinge unter der Aorta bildet, bevor er die linke laterale Seite des Kehlkopfs erreicht.

Folglich ist die Zeit der neuronischen Impulse unterschiedlich; im Selbstkontrollkreis, der den Kehlkopf mit dem Ohr verbindet, ist also das rechte Ohr näher an den phonatorischen Organen und an der Information als das linke.

Klassisch ist der menschliche Körper in zwei „geteilt", mit einer dominanten rechten Seite, bedient von einem als major betrachteten linken Gehirn, ohne dass man sich wohl bewusst wäre, dass die rechte Seite nichts ohne die linke tun kann. Die beiden Seiten sind wechselseitig nützlich, und das ideale Gleichgewicht für ein menschliches Wesen ist die funktionelle Harmonisierung des Rechten und des Linken.

Es ist falsch zu glauben, dass alle Nervenfasern gekreuzt sind, dass das Verhältnis links-rechts (oder rechts-links) das einzig mögliche ist; so sind auf der Ebene des „primären" Ohrs (die beiden Utriculi und die Bogengänge) die Bündel überhaupt nicht gekreuzt: die rechte Seite innerviert die rechte Seite des Rückenmarks, zum Beispiel. Erst danach werden die beiden primitiven Nerven gekreuzte Bündel bilden.

Tatsächlich sind nur drei Fünftel der Nervenbündel gekreuzt, gegenüber zwei Fünfteln, die direkt sind.

Es gibt also keine Major-Gehirnhälfte, und jede von ihnen hat ihre eigene Tätigkeit, das rechte Gehirn hat eine Funktion der Kontrolle und Integration, das linke ist eher das Ausführende.

Daraus folgt, dass entgegen dem, was man im Allgemeinen behauptet, die Motorik wesentlich vom linken Gehirn gelenkt wird (selbst wenn es der linke Arm ist, den man bewegt), während das rechte Gehirn seine Kontrolle ebenso auf die rechte wie auf die linke Seite ausübt. Doch dazu muss die Information vom rechten Ohr empfangen werden, denn wird sie vom linken Ohr empfangen, so ist es das rechte Gehirn, das die Ausführung übernehmen muss, und es kann dabei seine Kontrollfunktion nicht mehr angemessen ausüben.

Es ist offensichtlich, dass eine große Zahl von Subjekten dazu gelangt, sich an eine schlechte Lateralisierung anzupassen, ja viel Glanz in ihren intellektuellen oder sonstigen Tätigkeiten an den Tag zu legen. Doch das kostet sie eine sichere Anstrengung, und so gut sie sich auch durchschlagen mögen, sie wären viel mehr Herr ihrer Mittel, wenn sie auf der anderen Seite hörten.

So lateralisiert man im Training fortschreitend und systematisch nach rechts, und man stellt fast immer fest, dass ein Subjekt, wenn man es vom linken Hören zum rechten Hören übergehen lässt, seine zerebrale Leistung sehr verbessert, denn jede Hemisphäre wird in ihre eigene Rolle zurückversetzt, und alsdann erhält man die Integration der sensomotorischen und audiophonatorischen Lateralitäten, es ist die ganze innere Struktur des Wesens, die sich harmonisiert.

Doch wenn diese Lateralität von einer Wahl abhängt, warum wählen gerade gewisse Subjekte den ungünstigsten Selbstkontrollkreis?

Es muss präzisiert werden, dass die Wahl unbewusst ist und mit der Ausarbeitung der Sprache des Subjekts verknüpft ist.

Schematisch kommuniziert das Kind bereits mit seiner Mutter; in diesem Stadium des Lallens gibt es noch keine wirkliche Differenzierung der Ohren, aus dem guten Grund, dass der Säugling noch nicht das Ohr zu spitzen braucht, um die Klänge auf präzise Weise anzuvisieren.

Die Silben werden also zweimal wiederholt (ma-ma/pa-pa/etc…), da jedes Ohr einen Impuls zu jedem Halbkehlkopf schickt, wobei der linke Impuls eine leichte Verzögerung gegenüber dem rechten hat angesichts der Längenunterschiede der neuronischen Kreise.

Sodann wird das Kind dem Vater begegnen, der der Vektor der sozialisierten Sprache ist. Um ihn zu verstehen und diese Sprache zu integrieren, die für das Kind seine erste Fremdsprache ist, wird es das gute Ohr spitzen müssen. Dank seiner wird die Antwort unmittelbar und präzise sein, und die Wörter werden ihre ganze semantische Ladung erhalten.

Doch wenn die Beziehungen zwischen dem Vater und dem Kind defekt sind, hat dieses alle Aussichten, das linke Ohr zu wählen, denn es erlaubt ihm, den Gesprächspartner auf Distanz zu halten und sich vor ihm zu schützen.

Alsdann ist der verbale Fluss nicht mehr sehr gut kontrolliert, und die Strukturierung der Sprache des Subjekts kann kompromittiert sein, mit den schädlichen Folgen, die dies auf der Ebene des Erlernens des Schreibens und der Integration der Grammatik nach sich zieht.

So führt jede Defizienz dieser auditiven Selbstkontrolle nach rechts fast unausweichlich zu Störungen des mündlichen und schriftlichen Ausdrucks, vermindert also die Kommunikabilität; im Extremfall wird das Studium einer anderen lebenden Sprache oder des Gesangs schwierig, wenn nicht unmöglich.

Gleichzeitig stellt man einen sehr deutlichen Rückgang der Leistungen der Memorierung, der Aufmerksamkeit und der Konzentration fest.

Es ist interessant zu bemerken, dass, wenn man einen Linkshänder zwingt, nach rechts überzugehen, er im Allgemeinen die beiden Seiten verweigert und eine Regression vollzieht, deren häufigste Folge die Rückkehr zur an die Mutter gerichteten Sprache (vor der „Wahl") ist, also zum Stottern.

Das Körperbild.

Es ist ein wesentlicher Begriff und im Allgemeinen recht schlecht definiert.

Das menschliche Wesen ist vor allem ein Nervensystem, das mit einer somatischen Hülle bedeckt ist, und das Körperbild beim Menschen ist die Nutzung seines neuronischen Feldes, eine Nutzung, die je nach den Individuen und nach den zufälligen Faktoren, die sie voneinander unterscheiden, variiert; es ist auch das Bild oder der „integrierte Begriff", den jeder sich von sich selbst macht.

Dieses Bild ist meistens sehr verschieden von dem, was ein vollkommen objektives Bild wäre, und seine Bedeutung liegt darin, dass unser Aussehen, unsere Haltung und unser Verhalten unter seiner direkten Abhängigkeit stehen.

Außerdem kann allein seine korrekte Integration die körperliche Geschicklichkeit bringen, derer der Mensch in den verschiedensten Tätigkeiten bedarf, sei es die Ausübung eines Sports, eines Musikinstruments oder selbst die einfache Führung eines Autos. Nur der Virtuose besitzt sein Körperbild in einem solchen Maße, dass er darin das Instrument seiner Tätigkeit und den Raum, in dem er sich bewegt, integriert — er bildet einen Körper mit dem Ganzen — … so wird der Bogenschütze des japanischen Zen eins mit seinem Bogen und mit der Zielscheibe, und das Ziel wird alsdann erreicht, selbst mit geschlossenen Augen.

Wie bildet sich dieses Bild?

Die Luft hört nicht auf, sich zu bewegen, von verschiedenen Rotationsbewegungen beseelt zu sein, jedes Wesen ist so in eine Klangstruktur getaucht, die es bildhauert, denn der Klang wendet sich nicht nur an das Ohr, er affiziert den ganzen Körper.

Das Ohr ist gewiss zum hauptsächlichen Aufnehmer geworden, doch es handelt sich nur um die fortschreitende Differenzierung eines Stücks Haut, das sich ursprünglich nicht vom Rest der Hautoberfläche unterschied.

Unser Körper ist also in einem Netzwerk von Drücken und Impulsen gefangen, die ihn in allen seinen Punkten erregen. Nach und nach setzt die Addition all dieser Erregungen ein integriertes Bild zusammen, das gewissermaßen den Körper in Vertiefung zeichnet.

Dieses Spiel von Stimulationen kann auf verschiedene Weise hervorgerufen werden, doch es gibt ein bevorzugtes, kapitales Mittel, es ist die Sprache, denn der Klang, den wir selbst hervorbringen, drückt ebenfalls permanent eine Fülle kleiner Berührungen (akustische „Drücke") auf unser ganzes peripheres Nervensystem ein. Je nach den Wörtern, die wir verwenden, werden wir gewisse Teile unseres Körpers mehr oder weniger berühren.

Die Sprache sensibilisiert nach und nach die sensorischen Plagen, die die durch den „verbalen Fluss" unterhaltenen akustischen Wellen detektieren; die für diese sensible Information am günstigsten gelegenen Zonen liegen dort, wo die Verteilung der auf die Druckmessung spezialisierten Nervenfasern am dichtesten ist (Gesicht, Vorderseite des Brustkorbs, Bauch, Handflächen, Rückseite der rechten Hand auf der Höhe des Daumen-Zeigefinger-Griffs, Innenseite der unteren Gliedmaßen, Fußsohlen).

Im Übrigen ist gewiss, dass die Vertikalität zur Pflicht wird, um die größte Oberfläche dieser bevorzugten Regionen zu bieten, wenn man seine Sprache vollkommen beherrschen will.

Man kann daraus ein wesentliches Prinzip ableiten: ist das Körperbild die Folge der Sprache, so kann man durch Verbesserung seiner Sprache seinen Körper umformen, da letztlich unser Aussehen und unsere Haltung auch von ihr regiert werden…

Doch es ist offensichtlich, dass wir, wenn wir vom Klang, den wir aussenden, bildhauert werden, ebenso von den Klängen bildhauert werden, die andere aussenden; alsdann ist ein Dialog in dieser Perspektive eine bestimmte Art, die zwei Individuen haben, einander in Schwingung zu versetzen; und die Qualität ihrer Interkommunikation hängt letztlich von der Verträglichkeit ihrer Körperbilder ab, selbst verbunden mit der Kohärenz ihrer Hörkurven: zwei Subjekte, die verzerrte und sehr unähnliche Kurven aufweisen, haben wenig Chancen, sich verstehen zu können, denn im eigentlichen Sinne sind sie nicht mehr auf denselben Wellenlängen, ihre Wechselbeziehung wird schwierig, ja schmerzlich. Alfred Tomatis hat dies mit Mönchen prüfen können.

Dank Filtern hat er zwei Subjekten identische Hörkurven auferlegt, dann hat er sie in eine sehr heikle Diskussion gestürzt: es ist ihnen nicht gelungen, in Uneinigkeit zu geraten. Sodann hat er die Kurven umgekehrt und einen harmlosen Dialog in Gang gesetzt: eine Viertelstunde danach stritten sie sich. Jedes menschliche Wesen sollte es zum Ziel haben, dafür zu sorgen, dass sein Körperbild homogen sei mit dem Ganzen, dem es angehört.

Gibt es eine Verzerrung zwischen ihm und gewissen objektiven Dispositionen des Körpers oder des Geistes, so kann man sicher sein, dass das Subjekt Schwierigkeiten in seiner Anpassung an die Welt und in seiner Anpassung an sich selbst empfinden wird; das heißt, dass es sich in einem Körper unwohl fühlen wird, dessen es kaum bewusst sein wird, es wird seinen Platz in den räumlich-zeitlichen und sozialen Strukturen nicht bestimmen können, im Extremfall kann die motorische Koordination selbst defekt sein.

Ganz offensichtlich verwirklicht ein gutes Körperbild die absolute Übereinstimmung des wirklichen Körpers und des vorgestellten Körpers: es ist das Bild, dank dessen man bis zum letzten Atom man selbst sein kann und sich in eine harmonische Verhaltensdynamik einlassen kann.

Einige besondere Anwendungen.

Obwohl wir alle mehr oder weniger vom audio-psycho-phonologischen Training betroffen sind, sind manche menschlichen Gruppen oder Berufskategorien davon besonders betroffen.

Diese Aufzählung ist offensichtlich nicht abschließend.

Die Erzieher.

Der Begriff wird hier in seinem allgemeinsten Sinn genommen, vom Lehrer im eigentlichen Sinne bis zu den Eltern selbst… denn der Inhalt des übermittelten Wissens zählt nicht allein, die Qualität des Vektors ist ohne Zweifel ebenso wichtig.

Ein Ausbildender, ein Lehrer, dessen Stimme schlecht plaziert oder defekt ist, zerstört das Zuhören der unterrichteten Subjekte, und dies umso mehr, als sie jung sind.

Die Redner.

Ich denke an die Politiker, die Anwälte, die Geistlichen, für die eine korrekte Stimme kapital ist.

Jedes Subjekt, dessen Hörfeld reduziert und dessen Stimme beschädigt ist, kann nicht hoffen, einen Gesprächspartner wirksam zu überzeugen, denn die Botschaft, die er ihm zugedacht hat, dringt nicht durch, sei es, weil sie schlecht aufgebaut ist, sei es, weil ihre klangliche Trägerschaft von schlechter Qualität ist.

Will ein Mensch wirklich in Kommunikation mit einem anderen Menschen treten und auf ihn wirken, so ist es das ganze lebendige Wesen, das wie eine Art Belebung auf die ganze Psychophysiologie des anderen wirkt.

Die Kraft eines Mannes ist es, wenn er zu dieser Virtuosität fähig ist: so vollkommen mit sich selbst zu spielen, dass er den anderen oder die anderen in Resonanz versetzen und so ihre intrinsischen Dynamiken orientieren kann.

Die Sänger und Musiker.

Singen zu können oder ein Instrument zu spielen, heißt wesentlich, sich auf den eigenen verbalen Fluss oder auf den vom Instrument ausgesandten Klang einstellen zu können, um sie besser zu kontrollieren.

Und die Erfahrung beweist, dass die Verbesserung des Kontrollpotentials durch das Zuhören es einem Subjekt erlaubt, eine größere Beherrschung seiner Stimme oder seines Instruments zu erlangen.

Die Sportler.

Um in einem Sport zu glänzen, ist offensichtlich, dass vollständige athletische Qualitäten notwendig sind und dass man eine vollkommene Kenntnis der Techniken und Regeln der gewählten Sportdisziplin haben muss.

Sind diese Bedingungen jedoch infolge der verschiedenen spezifischen Trainings, denen der Athlet unterzogen ist, erfüllt, so stellt man fest, dass dies noch nicht genügt, denn dieser muss überdies einen hohen Grad an Körperbewusstsein erreichen, da alle Sportarten ein vollständiges Engagement des menschlichen Wesens durch die Vermittlung des Körpers verlangen.

Im Extremfall ist es nicht zu viel gesagt zu behaupten, dass die psychologische Vorgehensweise dem technischen Zugang zur ins Auge gefassten Disziplin vorangehen sollte.

„Gewisse Sportarten oder gewisse Techniken werden sogar zur Verlängerung des Körpers, etwa Tennis, Baskische Pelota, Billard… Der Dialog zwischen dem Körper und dem Ball bestimmt eine eingehende Kenntnis der Haltung, in einer Perspektive der Annäherung, die darauf gerichtet ist, die Intelligenz im Hinblick auf das Spiel mit dem Objekt zu mobilisieren. Es handelt sich darum, die kinetischen Eigenschaften eines Körpers gründlich zu kennen und alle seine Möglichkeiten auszunutzen, um den Anforderungen einer auferlegten Regel bestmöglich zu genügen. Das Lernen ruft den menschlichen Genius an für die Aufstellung der Regeln einerseits, für ihre Beachtung andererseits, in Funktion des Körperbildes gegenüber dem Objekt."

Es ist leicht daraus zu schließen, dass in einem sportlichen Wettkampf, bei gleicher Technizität und gleicher physischer Form, derjenige, der gegenüber dem anderen ein besseres Körperbild besitzt, den Sieg davonträgt.

Da er über das größte Bewusstseinsfeld verfügt, ist er Meister von Konzentrations- und Selbstkontrollmöglichkeiten, die dem Gegner fehlen können.

Das Elektronische Ohr entwickelt oder stärkt eben die rechte Lateralität und erlaubt so eine bessere und schnellere psychomotorische Selbstkontrolle; es erhöht den Widerstand gegen die Anstrengung und beschleunigt die Fähigkeit der Erholung; es mildert das Lampenfieber oder selbst die Angst und befreit das Subjekt von den affektiven oder viszeralen impedimenta, die Kommunikabilität und die Öffnung des Subjekts nehmen zu, woraus eine bessere Integration im Schoß einer Mannschaft folgt…

Die dem Lärm Ausgesetzten.

Zum Beispiel die Arbeiter, die in einer geräuschvollen Umgebung tätig sind, die Toningenieure, die Musiker oder selbst einfach die Jungen, die zu laute moderne Musik hören (insbesondere Popmusik; so hat eine schwedische Untersuchung ergeben, dass 1970 die Hörstörungen durch klangliche Aggression bei Jugendlichen zehnmal höher waren als 1956!).

Taucht man ein Individuum in Lärm (120 dB, 130 dB.), so erleidet das Ohr unmittelbar einen Schaden, und wenn man das Subjekt nicht entlastet, wird die Läsion nach einem Monat irreversibel. Doch muss man jedoch präzisieren, dass, wenn eine Intensität von 120 dB schmerzhaft ist, eine Intensität von 80 dB manchmal genügt, um ernste Störungen erscheinen zu lassen.

Die Intensität ist im Übrigen nicht allein im Spiel; die Dauer der Exposition gegenüber dem Lärm, seine Frequenz, sein mehr oder weniger unerwarteter Charakter verändern die Bedeutung der angerichteten Schäden.

Alfred Tomatis hat festgestellt, dass, wenn ein älterer Arbeiter der Arsenale den Triebwerken zugeteilt wurde, er im Allgemeinen eine Progression in seiner Exposition gegenüber dem Lärm durchlaufen hatte. Er hatte das Glück gehabt, eine Art Hörtraining zu erfahren, so dass er sich wie ein wahrer Athlet in seiner spontanen und automatischen Verteidigung gegen den Lärm verhielt, das heißt, dass er die Muskulatur seines Mittelohrs verstärkt und beherrscht hatte.

Genau das ist es, was das Elektronische Ohr durch seine Wirkung bietet; es kann also einem Subjekt helfen, wirksam gegen die klangliche Aggression zu kämpfen und sich davor zu schützen.

Das ist umso wichtiger, als die Wirkung des Lärms nicht nur ungünstige Auswirkungen auf das Hören haben kann, sondern auch auf die Funktion des Herzens, den Blutkreislauf, den Atemrhythmus, die Darmpassage, das hormonelle Leben, die Sicht, das zentrale Nervensystem, das Gedächtnis, das intellektuelle und seelische Gleichgewicht…

Die Integration der lebenden Sprachen.

Ein altes orientalisches Sprichwort behauptet: „Besitzt du eine Sprache, so hast du ein Leben; doch besitzt du zwei, so hast du zwei Leben."

Ewige Weisheit der Alten. Heute werden wir sie nicht widerlegen, denn nie war es so kapital, mehrere Sprachen zu kennen.

Doch wir haben nicht alle die gleichen Möglichkeiten vor diesem Problem, das die Integration einer Fremdsprache ist, denn eine Sprache zu sprechen heißt zuerst, das eigene Zuhören an die akustischen Frequenzen dieser Sprache anzupassen.

So ist die „Gabe der Sprachen" nicht so sehr die Gabe, sie zu sprechen, als jene, sie zu hören.

Es erweist sich, dass es je nach den Regionen der Erde verschiedene Hörtypen gibt, verschiedene „Ohren", die annähernd den verschiedenen Sprachen entsprechen.

Jedes von ihnen kennzeichnet sich durch ein Selektivitätsband oder eine besondere „Bandbreite". Das französische Ohr zum Beispiel spielt zwischen 1000 Hz und 2000 Hz, während das italienische Ohr zwischen 2000 Hz und 4000 Hz liegt.

Die Bandbreite des Russischen geht von den tiefsten Klängen bis zu den höchsten Frequenzen, was ihnen die Fähigkeit gibt, leicht viele Sprachen zu lernen (was man im Übrigen seit langem festgestellt hatte).

Im Gegenteil ist die Unfähigkeit, eine Fremdsprache wirksam wiederzugeben, im Allgemeinen nur eine Form der Schwerhörigkeit.

Vor einer ungewohnten klanglichen Information ändert das Ohr seine Hörhaltung, um eine andere, vollkommen definierte einzunehmen, die in allen Punkten verschieden ist von derjenigen, in der die Muttersprache es fixiert hatte. Und es kann durchaus sein, dass es nicht fähig ist, diese Akkommodationsarbeit zu vollziehen.

Zum Glück ist in diesem Fall nicht alles verloren. Dank des Elektronischen Ohrs ist es möglich, das defekte Ohr zu entblockieren, um künstlich jene Empfänglichkeit zu schaffen, die ihm fehlt. Dieses Gerät erlaubt es, die Bandbreite nach Belieben zusammenzuziehen oder auszubreiten und so dem Subjekt das englische, spanische Ohr zu geben.

Indem man das Hören des Subjekts modifiziert, indem man es lehrt, auf andere Weise zu hören als jene, an die es durch seine Muttersprache gewöhnt ist, löst man eine andere Art zu sprechen aus, einen anderen, der zu studierenden Sprache charakteristischen Ausdrucksmodus. Diese audiovokale Wirkung zieht Veränderungen nach sich, die das Timbre, die Organisation des phonatorischen Apparats, den Gebrauch der Resonanzhöhlen, den Kehlkopftonus, die Atmung, die Mimik betreffen — so viele Veränderungen, die in Kette reagieren durch Reflexentzündung, die sich Schritt für Schritt auf die ganze morphologische Struktur des Subjekts ausdehnt, bis ihm zu erlauben, sich auszudrücken, zu denken und sogar durch diese neue Sprache zu existieren.

Das Elektronische Ohr erlaubt diese tiefgreifende Assimilierung. Doch bevor man das Erlernen einer Fremdsprache beginnt, ist es gut, eine Hörbilanz vorzunehmen, denn wenn sich aus allerlei Gründen erweist, dass man, zum Beispiel, taub für die Frequenzen oberhalb von 2000 Hz ist, so ist es nutzlos, Englisch lernen zu wollen, dessen Bandbreite deutlich darüber liegt. Unter diesen Bedingungen wird es nie korrekt assimiliert werden, man muss zuerst das Ohr „öffnen":

Die Manager.

Wenn es eine Kategorie von Menschen gibt, die das Wesentliche dessen vereinen muss, was zuvor gesagt wurde, so ist es wohl jene der Manager, der hohen Führungskräfte, der „Entscheider", der Verhandlungsführer.

Diese Menschen brauchen alle menschlichen Eigenschaften in ihrer maximalen Entwicklung, sowohl auf physischer wie auf mentaler Ebene; doch sie brauchen vor allem eine makellose, geschmeidige, in ihren Antworten schnelle nervliche Maschinerie.

In einer alternden Kortikalität verhärten sich die nervlichen Prozesse, das Gedächtnis integriert nicht mehr sehr gut, die Konzentration verwässert sich, die unerwarteten Verbindungen werden seltener, dann verschwinden sie.

Nun aber, was wir am meisten brauchen, sind Schöpfer, die als einzige die neuen Wege werden finden können, welche die beträchtlichen Probleme erfordern, mit denen wir konfrontiert sind.

Wir haben gesehen, dass das Elektronische Ohr durch seine direkte Wirkung auf den Cortex, durch diese massive Zufuhr von unmittelbar nutzbarer Energie das Bewusstsein entzündet und die Schöpferkraft anregt.

Es ist das Werkzeug des „Erwachens" par excellence.

Überdies ist die Harmonisierung und Kohärenz der Hörkurven eines der bestimmenden Elemente in der Bildung stabiler, leistungsstarker Teams, denn die Austauschvorgänge sind dort zahlreich, entspannt und fruchtbar.

Schluss.

Das Ohr erscheint also als ein Hauptorgan, das die Rolle eines Bindestrichs zwischen dem Bewusstsein und der Person und zwischen dieser und ihrer Umgebung spielt.

Hauptorgan auch im Aufbau und in der Übersetzung des Denkens, da es dessen Weg durch eine gut platzierte, gut timbrierte und harmonisch modulierte Stimme sicherstellt, die das Fundament jeder menschlichen Kommunikation bleibt.

Befreit vom Griff der Vergangenheit und alter Hemmungen durch eine wirksame neuronische Entkonditionierung, nimmt das Wesen vollständig an den Tätigkeiten teil, die ihm den Begriff des Existierens vermitteln, seine Wahrnehmung hat sich beträchtlich verfeinert, und seine Integration ist derart, dass es keine Unterbrechungen mehr zwischen seinem Cortex und dem Universum, das es umgibt, spürt.

Seine Verankerung im Wirklichen ist fest, und es geht leicht vom Zuhören seiner „inneren Welt" zum Zuhören der Welt, in der es badet, ohne sich mehr an verhärtete und überholte Wertskalen zu klammern. Seine Plastizität und seine Anpassungsfähigkeit sind maximal, es weiß die alten Werte unaufhörlich in Frage zu stellen, um andere, wahrere zu erfassen, oder solche, die mehr mit der gegenwärtigen Zeit übereinstimmen. Diese Fähigkeiten sind in unserer in steter Entwicklung begriffenen Welt wesentlich, die häufige Selbstbefragungen verlangt.

Das Elektronische Ohr führt eine Reifung des Wesens herbei, indem es sich direkt an die zerebralen Strukturen wendet, nach einem Programm, das auf die Gesetze der Entfaltung des Menschen selbst gegründet ist.

Es erscheint notwendig, darauf zu beharren, dass das Elektronische Ohr keineswegs zum Ziel hat, das Subjekt künstlich zu konditionieren. Es ist keine Maschine, die Ohren und Gehirne nach einem willkürlichen Modell konformieren würde. Es ist im Gegenteil ein Instrument, das geeignet ist, dem traumatisierten, frustrierten, fehlangepassten oder durch irgendeinen Vorfall seiner Geschichte blockierten Individuum zu helfen, durch die volle Öffnung — das heißt die volle Befreiung — seiner auditiven Wahrnehmungen die positive Freiheit seiner Natur, die aktive Freiheit seines Schicksals wiederzufinden. Es handelt sich tatsächlich um einen befreienden Vorgang, der eine vorgängige Entkonditionierung mit einer Wiederkonditionierung nach idealen Normen verbindet.

Sein Wirkungsfeld ist also immens, von der Rückkehr ins Gleichgewicht stark gestörter menschlicher Wesen bis zur äußersten Entfaltung der Fähigkeiten von Menschen, die bereits über ein gutes natürliches Gleichgewicht verfügen.

Insofern kann das Elektronische Ohr massiv zur Umschulung der Erwachsenen verwendet werden, um das Erwachen ihrer oft eingeschlafenen kortikalen Tätigkeit zu wecken, denn viele Erwachsene bleiben im Grunde „Legastheniker", die es nicht wissen, sie sind zerstreut, und ihre Konzentrationsfähigkeit ist schwach, sie haben kaum Gedächtnis, sie lesen oberflächlich und schlecht integriert, sie tragen ihren Körper wie schlecht angepasste und hinderliche Kleider, sie sind ermüdbar, ohne Tonus, depressiv…

Das Elektronische Ohr kann selbst dem Erwachsenen eines gewissen Alters seine vollständigen Anpassungsmöglichkeiten wiedergeben und ihm seine Vitalität, sein Verlangen wiederzugewinnen lassen, wiedergeboren zu werden und mit neuen sozialen und beruflichen Umgebungen zu kommunizieren.