L'Oreille et la Vie (1977)
Erstes autobiographisches Buch Alfred Tomatis’, 1977 bei den Éditions Robert Laffont (Reihe „Réponses") erschienen, in Zusammenarbeit mit dem Journalisten und Schriftsteller Alain Gerber verfasst. Unter dem Untertitel Itinéraire d’une recherche sur l’audition, la langue et la communication zeichnet das Werk im Verlauf einer persönlichen und zugänglichen Erzählung den wissenschaftlichen und menschlichen Werdegang eines Forschers nach, der die klassische Auffassung des Ohrs umgestürzt hat. Das breite Publikum entdeckt hier, in einer durchsichtigen Sprache, das geistige Abenteuer der Audio-Psycho-Phonologie.

„— Unnötig, sich um ihn zu kümmern: er ist tot. So lauteten die ersten Worte, die mein Ohr hörte, auch wenn es sie nicht verstand, als ich den Leib meiner Mutter verließ."
— Kapitel I — Ein Paar gelbe Schuhe
Vorstellung
Als L’Oreille et la Vie 1977 erscheint, ist Alfred Tomatis sechsundsechzig Jahre alt, hat mehr als dreißig Jahre Praxis hinter sich, Hunderttausende behandelter Patienten und ein internationales Netz von APP-Zentren in voller Ausweitung. Der Augenblick ist für ihn gekommen, nicht mehr unter wissenschaftlichem, sondern unter menschlichem Blickwinkel den Weg zu erzählen, der ihn von der klassischen Oto-Rhino-Laryngologie zur Gründung einer radikal neuen Disziplin geführt hat.
Die Erzählung, geführt mit der Mitwirkung Alain Gerbers — desselben Alain Gerber, der in SON Magazine die berühmten, auf dieser Website veröffentlichten Interviews 1972-1977 führte —, wechselt zwischen biographischen Anekdoten, klinischen Schilderungen, zugänglichen wissenschaftlichen Darlegungen und philosophischen Höhenflügen. Die Frühgeburt Tomatis’, die Stimme seines Vaters, des Opernsängers, seine Jahre in den Arsenalen der Aéronautique, die Begegnungen mit Maria Callas, Romy Schneider, Gérard Depardieu, Henri Hartung — all dies reiht sich in einer flüssigen Erzählung aneinander, welche die abstraktesten Begriffe greifbar macht.
Das Werk übersteigt den Rahmen des bloßen Zeugnisses: in dem Maß, in dem Tomatis in seiner Erzählung voranschreitet, enthüllt er die innere Entwicklung eines Forschers, der Schritt für Schritt entdeckt, dass die Wissenschaft des Ohrs in eine Wissenschaft des Seins einmündet. Das letzte Kapitel, das die überarbeitete Ausgabe von 1990 besiegeln wird, wird diese geistliche Dimension ausdrücklich aufgreifen: „Jede Suche, jede Forschung, so wissenschaftlich sie auch erscheinen mag, hat nur dann Wert, wenn sie in das Göttliche einmündet."
Inhaltsverzeichnis
Der Reiseweg entfaltet sich in großen autobiographischen Kapiteln:
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Ein Paar gelbe Schuhe — die Frühgeburt, die rettende Großmutter, die Kindheit.
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Die Stimme des Vaters — die Kindheit in der Welt der Oper, die Offenbarung des Gesanges.
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Die Aéronautique und die Berufsschwerhörigkeit — die ersten Beobachtungen, die zum Tomatis-Effekt führen werden.
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Maria Callas und die wiedergefundenen Stimmen — die Wiederherstellung der großen Sänger.
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Das Elektronische Ohr — Entstehung und Vervollkommnung des Geräts.
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Der Zuhörtest, die Audio-Psycho-Phonologie — die Formalisierung einer Disziplin.
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Auf dem Weg zu einer Anthropologie des Zuhörens — das Ohr als Weg des Seins.
Stellung im Werk
L’Oreille et la Vie ist das Buch, das Tomatis dem breiten französischsprachigen Publikum bekannt gemacht hat. Wo Vers l’écoute humaine (1974) vom Leser eine wissenschaftliche Bildung verlangt, öffnet diese autobiographische Erzählung das Werk jedem gebildeten Leser. Sie wird für Tausende künftiger APP-Praktiker die Eingangstür zum übrigen tomatisschen Werk sein. Die Neuausgabe von 1990 nimmt den ursprünglichen Text wieder auf und ergänzt ihn durch ein abschließendes Kapitel über die geistliche Dimension der Forschung.
Das Wesentliche
Unentbehrliche Lektüre für jeden, der hinter dem Gelehrten den Menschen Alfred Tomatis entdecken will: seine Herkunft, seine Zweifel, seine Kämpfe, seine Begeisterungen, seine Begegnungen. Eine zugleich schlichte und kraftvolle Erzählung, in die Hände jedes an den Geisteswissenschaften Interessierten zu legen, jedes Elternteils eines Kindes mit Kommunikationsschwierigkeiten, jedes Sängers, jedes Musikers — und weiter gefasst eines jeden, der sich nach den verborgenen Banden fragt, die das Ohr mit dem Leben verknüpfen.
Verfügbar in Bibliotheken — BnF, Sudoc.