Pourquoi Mozart ? (1991)
Essay für ein breites Publikum, 1991 bei den Éditions Fixot erschienen, in welchem Alfred Tomatis auf die Frage antwortet, die ihm seit dreißig Jahren gestellt wird: „Warum verwenden Sie in der Schulung durch das Elektronische Ohr stets Mozart?" Die Antwort, die sich auf 117 Seiten entfaltet, verbindet klinische Erfahrung, feine akustische Analyse, musikalische Anthropologie und eine fast leidenschaftliche Begegnung mit einem Werk, das nach Auffassung des Autors mehr als jedes andere die Kraft besitzt, „das Ohr zu erwecken".

„Warum Mozart? Ich würde gern schlicht antworten: ‚Weil.’ So wie das Kind es tut."
— Kapitel 1 — Weil
Einführung
Der Gegenstand mag belanglos erscheinen. Er ist es keineswegs. Warum hat Tomatis unter den Tausenden zur Verfügung stehenden Komponisten — Bach, Beethoven, Schubert, Debussy, Strawinsky und so viele andere — gerade Mozart als bevorzugte Musik für seine Protokolle des gefilterten Zuhörens gewählt? Warum nicht Bach, der mathematischer ist? Warum nicht Beethoven, der gewaltiger ist? Warum keinen zeitgenössischen Komponisten? Die Antwort, sagt Tomatis, ist weder ästhetisch noch dogmatisch: sie ist klinisch messbar.
Das Werk verfolgt mehrere Spuren. Mozart besitzt, mehr als jeder andere, eine Dichte an hohen Obertönen, welche das Ohr „auflädt". Seine rhythmische Struktur kommt jenem mütterlichen Herzschlag, der im intrauterinen Leben wahrgenommen wird, besonders nahe — daher ihre beruhigende Wirkung auf den Säugling wie auf den regredierten Erwachsenen. Seine harmonische Klarheit erleichtert bei dyslektischen Patienten die phonetische Unterscheidung. Und seine sonnenhafte psychologische Tonart — Mozart schreibt selbst dann in Dur, wenn er leidet — trägt den Hörer in eine Haltung der Öffnung und der Empfänglichkeit.
Tomatis zieht spektrale Analysen, akustische Kurven und EEG-Messungen heran, ebenso aber auch die Gemälde, die seine Patienten unter gefiltertem Zuhören anfertigten — Gemälde in vorwiegend blauen Tönen unter Mozart, in vorwiegend gelben Tönen unter gregorianischem Choral. Er stellt auf diese Weise analogische Entsprechungen zwischen klanglichen Frequenzen und chromatischen Frequenzen, zwischen akustischen Rhythmen und psychischen Zuständen her. Das Buch schließt mit einem eindrücklichen Vergleich zwischen Mozart und dem gregorianischen Choral („Mozart geteilt durch zwei"), der im Kontrast die Eigenart des mozartschen Zuhörens beleuchtet.
Inhaltsübersicht
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Weil — die Frage, gestellt und wiederholt.
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Das Ohr Tomatis’ und das Ohr Mozarts — autobiographischer Durchgang: Geburt in der Welt der Oper, klinische musikalische Entscheidungen.
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Das Geheimnis der hohen Obertöne — warum Mozart das Ohr besser „auflädt" als andere.
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Der fötale Mozart — Nähe des mozartschen Rhythmus zum mütterlichen Herzschlag.
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Der klinische Test — Mozart in der Praxis der APP.
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Mozart und die anderen — Bach, Beethoven, Verdi, gregorianischer Choral: vergleichende spektrale Analysen.
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Klänge und Farben — die Gemälde unter Zuhören, blau unter Mozart, gelb unter Gregorianik.
Stellung im Werk
Pourquoi Mozart ? gehört zu denjenigen Büchern Tomatis’, die in der Öffentlichkeit das größte Echo gefunden haben. Es hat dazu beigetragen, den vielzitierten „Mozart-Effekt" zu popularisieren, der in den 1990er und 2000er Jahren ein eigenes Leben — und zuweilen ein schlecht informiertes — entwickeln sollte; Tomatis nimmt die Vaterschaft dieser Wendung auf sich, ohne deren kommerzielle Auswüchse zu billigen. Das Buch reiht sich in musikalischer Hinsicht selbstverständlich neben L’Oreille et la voix (1987) ein und nimmt die große kosmologische Synthese vorweg, die fünf Jahre später mit Écouter l’univers (1996) folgen wird.
Zum Wesentlichen
Zu empfehlen jedem Musiker, jedem Mozart-Liebhaber, jedem Musiktherapeuten, aber auch jedem Elternteil, der über den Platz nachdenkt, den Tomatis dieser Musik in seinen Protokollen einräumt. Das Buch liest sich wie ein Rundgang um ein Werk — jenes Mozarts —, gesehen mit dem einzigartigen Blick eines Arztes des Ohrs. Es erhellt im Vorbeigehen weiter reichende Fragen: warum diese Musik uns beruhigt, warum jene andere uns erschöpft, und was von einer wahren Pädagogik des musikalischen Zuhörens zu erwarten sei.
Verfügbar in Bibliotheken — BnF, Sudoc.