Wie ihr Titel ankündigt, hat das vorliegende Werk nicht den Anspruch, alle Folgewirkungen des Tomatis-Effekts darzulegen. Allein die Folgen, die die Integration der lebenden Sprachen betreffen, werden hier erörtert.

Für die Anwendungen, deren Bedeutung sich im Bereich der Psychopädagogik immer mehr enthüllt, sei geraten, am Ende die Bibliographie zu konsultieren.

Léna TOMATIS, Paris 1965

Einleitung

Die immer lebhafter empfundene internationale Notwendigkeit des Erlernens der Fremdsprachen hat die Blüte einer sehr großen Zahl von Systemen hervorgebracht, fast alle mehr oder weniger emphatisch als audiovisuell bezeichnet.

Man ist beim Studium dieser „Wundermethoden" unmittelbar betroffen vom Mangel dieser Systeme, von denen viele auf keiner wissenschaftlichen Grundlage beruhen, indem sie die elementaren Gesetze der Psychophysiologie der Sprache und insbesondere die Beziehungen, die zwischen dem Hören und der Phonation bestehen, das heißt zwischen der Möglichkeit, eine Sprache zu hören, und derjenigen, sie wiederzugeben, ignorieren.

Man hat zu lange die lebenden Sprachen wie tote Sprachen angegangen, indem man Wörter, die mitunter aus der gesprochenen Sprache verschwunden sind, herunterleiern ließ und veraltete Grammatikregeln großzügig austeilte.

Seit dem letzten Krieg hat infolge der außerordentlichen Entwicklung der Kommunikationsmöglichkeiten der Aufschwung des Tourismus und des internationalen Handels das Bedürfnis verallgemeinert, sich auf leichte und direkte Weise an andere Völker zu wenden. Es sind alsdann die sogenannten „audiovisuellen" Methoden entstanden. Doch diese sind zu oft nur die gesprochene oder visualisierte Transposition eines alten Unterrichtssystems gewesen.

Es ist nun Zeit, in den höheren Gang überzugehen, indem man die jüngsten Entdeckungen der Beziehung Hören-Phonation nutzt und den Begriff des Erlernens einer Sprache überschreitet, um zum Stadium der Integration dieser Sprache zu gelangen, einem viel vollständigeren und paradoxerweise viel leichteren Akt.

Die vorrangige Rolle, die das Ohr beim sprachlichen Lernen spielt — handle es sich um die Muttersprache oder eine Fremdsprache —, kann keinem entgehen, der sich für das Problem der verbalen Integration interessiert. Man kann heute nicht ignorieren, dass die große offene Pforte zur Sprache das Ohr ist. Man lernt eine lebende Sprache, indem man sie hört, und indem man sie korrekt hört.

Der Schlüssel dieses Erlernens besteht also darin, dem Schüler ein Hören von Qualität zu sichern. Ebendadurch wird die Hörbarkeit der studierten Sprache wirksamer, da alle akustischen Nuancen dieses Idioms alsdann ständig wahrgenommen werden. Es ist also nötig, einerseits die auditiven Möglichkeiten des Subjekts zu kennen und ihm andererseits zu erlauben, in die klangliche Welt jener ethnischen Gesamtheit einzutreten, deren Sprache es zu beherrschen wünscht.

Auf diesem Punkt können wir nicht genug beharren. Es nützt nichts, einem Subjekt eine Sprache lernen zu lassen, das sie nicht hört oder verwirrt hört. Die schönsten Sprachlabors bleiben unwirksam, wenn sie diesen wesentlichen Faktor nicht berücksichtigen. Daher werden wir im Lauf dieses Werkes viel mehr von integrieren als von lernen sprechen. Dieser Unterschied ist für uns ganz wesentlich.

Die sogenannten „Elektronischen Ohren nach Tomatis-Effekt" erlauben es dem Schüler, zu hören in der Art eines Engländers zum Beispiel, oder eines Deutschen oder eines Slawen, und folglich, gemäß den Tomatis’schen Gesetzen, die wir im Verlauf dieses Werkes studieren werden, die studierte Sprache zu sprechen, korrekt wiederzugeben.

Das Ziel dieser Broschüre ist nicht, eine Methode gegenüber einer anderen zu empfehlen, sondern einfach zu versuchen, die wesentlichen Prinzipien zu begründen, die jedes ernsthafte Studium einer lebenden Sprache notwendig regieren müssen.

Die Gesetze, die dieser Darstellung zugrunde liegen, werden in ihrem allgemeinen Kontext und in ihrer ganz besonderen Anwendung auf den Unterricht der lebenden Sprachen erörtert. Sie werden die vorrangige Rolle des Ohrs beim verbalen Erwerb ins Licht setzen, was Tomatis veranlasst hat zu sagen, in einer prägnanten Formulierung: „Man spricht mit seinem Ohr".

So werden wir in einem ersten Teil die Prinzipien der Beziehung „Hören-Phonation" untersuchen. Unser zweites Kapitel wird studieren, wie diese Gesetze auf die Integration einer lebenden Sprache angewandt werden können. Kapitel III wird die „Hüllkurven" einiger europäischer Sprachen bestimmen und so die wesentlichen Unterschiede sichtbar machen, die zwischen diesen Idiomen bestehen. Das vierte Kapitel wird der Beschreibung und der Funktionsweise des Elektronischen Ohrs gewidmet sein.

Die drei letzten Kapitel werden hauptsächlich die Verwendung dieser neuen Geräte in den aktuellen Methoden und die vorgängigen Bedingungen dieser Verwendung (audiovokaler Test) behandeln.

Unser Schluss wird sehr kurz zu bestimmen versuchen, was die Integration einer Sprache auf psychologischer Ebene bringen kann.

I - Die Tomatis’schen Gesetze

In der Ausübung der Arbeitsmedizin ist Doktor Tomatis dazu geführt worden, Hypothesen aufzustellen, die nunmehr den Namen „Tomatis’sche Gesetze" tragen und die zwischen dem Hören und der Phonation bestehenden Beziehungen betreffen. Diese Entdeckungen von beträchtlicher Bedeutung haben es erlaubt, die Veränderung der einen wie der anderen dieser beiden wesentlichen Funktionen in einer weiten therapeutischen und pädagogischen Perspektive ins Auge zu fassen.

Erstes Gesetz

Bei der Untersuchung von Arbeitern, die infolge langer Aufenthalte in der Nähe lärmender Maschinen an Berufsschwerhörigkeit litten, hat Doktor Tomatis beobachten können, dass die Traumata des Ohrs stets von einer stimmlichen Defizienz begleitet waren. Er hat sich alsdann gefragt, ob das defekte Hören nicht die Ursache der Stimmveränderung sei.

Eine feinere Analyse der Mechanismen, die eine spürbare Verminderung der auditiven Wahrnehmung gewisser Frequenzen herbeigeführt hatten, hat ihm erlaubt festzustellen, dass die vom Ohr nicht integrierten Frequenzen eben jene waren, die im Stimmspektrum des Subjekts abwesend waren. Es war die erste grundlegende Entdeckung, das erste Tomatis’sche Gesetz, das auf folgende Weise formuliert ist.

Die Stimme enthält nur das, was das Ohr hört", oder, in spezifischerer Sprache: „der Kehlkopf strahlt nur die Obertöne aus, die das Ohr hören kann".

Diesem merkwürdigen und interessanten Phänomen hat Raoul Husson, hervorragender Spezialist der Psychophysiologie der Stimme, in einer Mitteilung an die Académie des Sciences vom 25. März 1957 (1) den Namen Tomatis-Effekt gegeben.

Auf Anregung von Herrn Professor Monnier konnte R. Husson am Laboratorium für Physiologie der Sorbonne die Tatsache überprüfen, die Tomatis 1952 (2) und sodann 1954 (3) signalisiert hatte, und sie folgendermaßen ausdrücken:

„Wenn ein Subjekt einen gehaltenen Vokal in ein Mikrofon strahlt, dessen Spannung durch ein Filtersystem geht, das ein Frequenzband unterdrückt, bevor sie in die auf den Ohren plazierten Kopfhörer zurückkehrt, so verschwindet das unterdrückte Band aus dem Spektrum des vom Subjekt hervorgebrachten Vokals. Ebenso fehlen bei jedem Subjekt, das ein Hörskotom aufweist, die im betroffenen auditiven Inselchen enthaltenen Obertöne in der Stimme des Subjekts."

Raoul Husson hat in einer Mitteilung an die Académie Nationale de Médecine in der Sitzung vom 4. Juni 1957 dieses Studium unter dem Titel „Modifications phonatoires d’origine auditive et applications physiologiques et cliniques" wieder aufgenommen. (4)

Dieses erste Tomatis’sche Gesetz setzt also den frappanten Parallelismus ins Licht, der zwischen den Hörkurven und den Kurven der stimmlichen Hervorbringung der natürlich oder experimentell verletzten Subjekte besteht.

Zweites Gesetz

Das zweite Tomatis’sche Gesetz ist in Wahrheit das Korollar des ersten. Es lautet so:

„Gibt man dem verletzten Ohr die Möglichkeit zurück, die verlorenen oder kompromittierten Frequenzen korrekt zu hören, so werden diese augenblicklich und unbewusst in der stimmlichen Hervorbringung wiederhergestellt."

Der Vergleich der Hervorbringungskurven vor und nach Anwendung des Geräts mit „Tomatis-Effekt" — dessen Rolle es ist, das Hören in den verletzten Frequenzzonen wiederherzustellen — erlaubt es, die gleichzeitige Wiedergewinnung des stimmlichen Körperschemas leicht nachzuweisen.

Raoul Husson signalisiert in seiner Mitteilung vom 4. Juni 1957 an die Académie Nationale de Médecine dieses zweite Gesetz als „Folge der physiologischen und physiopathologischen Phonation des Tomatis-Effekts".

Er präzisiert insbesondere, dass die exzitotonische Zufuhr, die aus den auditiven Stimulationen des Bandes 2500-3000 Hertz resultiert, dem Subjekt erlaubt, sein gewohntes stimmliches Körperschema wiederzugewinnen.

Drittes Gesetz

Das dritte Tomatis’sche Gesetz, „Gesetz der Beständigkeit" genannt, setzt die Möglichkeit einer Konditionierung des Selbsthörens ins Licht, die durch erzieherische Reflexotherapie die Veränderung der Phonation bewirkt.

Man kann es so ausdrücken:

„Die während einer bestimmten Zeit aufrechterhaltene auditive Stimulation verändert durch Beständigkeitsphänomen die Selbsthörhaltung des Subjekts und folglich seine Phonation."

Einerseits setzt das Funktionieren des Ohrs die Muskeln in Aktion, die die osteomuskuläre Position des Mittelohrs verändern. Das phonatorische System wirkt andererseits unter dem Einfluss einer ganzen Reihe von Muskeln, die den Kehlkopf, die Mundhöhle, die Zunge und die Lippen steuern. Diese Muskeln des Hörens und der Phonation werden selbst durch eine Innervationsvorrichtung gesteuert, die zum selben neuronischen Reich gehört. Beim Erwachsenen ist dieses neuromuskuläre Ensemble vollkommen eingespielt für das ethnische Hören, das seiner Muttersprache entspricht. Wenn man hingegen dieses Hören modifiziert, indem man in den Selbstkontrollkreis ein „Elektronisches Ohr" einführt, das auf eine andere Art zu sprechen, auf eine Fremdsprache zum Beispiel, abgestimmt ist, so beginnt der gesamte neuromuskuläre Kreis des Subjekts auf diesem fremden Rhythmus zu arbeiten, und so schafft sich nach und nach eine Beständigkeit durch zerebrale Memorierung dieser neuen Tätigkeit und durch muskuläres Training.

Dieses dritte Gesetz findet eine weitreichende Anwendung im Bereich der beschleunigten Integration der lebenden Sprachen. Es greift auf die Konditionierung des Selbsthörens zurück, die für das Erlernen einer lebenden Sprache in allen ihren phonetischen und semantischen Parametern notwendig ist.

Auditive Lateralisierung

Eine der grundlegenden Entdeckungen Tomatis’ bestand darin, die Vorherrschaft eines Ohrs über das andere in den Prozessen der sprachlichen Integration ins Licht zu setzen. Er hat so die vorrangige Rolle definieren können, die das führende Ohr beim Anvisieren des Klangs, bei der Kontrolle der gesprochenen Kette spielt (5).

Die von ihm bereits 1951 aufgestellte und durch eine lange Experimentierung überprüfte Theorie über die auditive Lateralisierung bildet eine der wesentlichen Grundlagen des sprachlichen Lernens, handle es sich um die Muttersprache oder eine Fremdsprache.

Indem er seine Forschungen in dieser Richtung fortsetzte, hat Tomatis später nachweisen können, dass die Regulierung der Sprache einzig durch das rechte Ohr erfolgt (6), das stets die Rolle des führenden Ohrs für die Kontrolle der verschiedenen Parameter der Sprache innehat: Intensität, Timbre, Intonation, Inflexion, Semantik.

Es handelt sich hier um einen beträchtlichen Beitrag im Bereich der Integration einer Sprache.

Auditive Selektivität

Erwähnen wir schließlich die auditive Selektivität, die den Begriff der Qualität, der Analyse, der auditiven Feinheit innerhalb der spezifischen Bandbreiten jeder Sprache einführt.

Tomatis, nachdem er festgestellt hatte, dass „wenn es wahr ist, dass ein Individuum die Klänge nicht mehr wiedergibt, die es nicht mehr hört, es darum nicht alle wiedergibt, die es hört", hat 1954 (7) die Hypothese aufgestellt, dass das Ohr über eine gewisse Fähigkeit verfügt, eine Frequenzveränderung innerhalb des Klangspektrums wahrzunehmen und die Richtung dieser Veränderung zu situieren.

Er hat auch durch einen klassisch gewordenen Forschungsprozess, durch die Analyse der Hüllkurven der akustischen Spektren jeder Sprache, nachweisen können, dass die verschiedenen ethnischen Ohren (8) sehr unterschiedliche Selektivitätsbänder haben, in denen sich die jedem von ihnen eigenen frequenziellen Affinitäten zusammenballen.

So zum Beispiel schreibt das italienische Ohr seine Selektivität zwischen 2000 und 4000 Hertz ein, während das französische Ohr über eine Selektivität verfügt, die zwischen 1000 und 2000 Hertz liegt.

Die Russen hingegen genießen eine sehr ausgedehnte Bandbreite, die von den tiefsten zu den höchsten Klängen reicht. Wir werden auf diese Frage in Kapitel III zurückkommen müssen, beim Studium der Hüllkurven jeder Sprache.

Die verschiedenen Gesetze und Theorien Tomatis’, die wir soeben kurz erwähnt haben und die eine wahre Konditionierung der stimmlichen Hervorbringung durch das Hören voraussetzen, werden seit vielen Jahren in anderen Bereichen verwendet, insbesondere für die Behandlung verschiedener Beeinträchtigungen wie:

Die Störungen der Phonation und der gesprochenen und gesungenen Stimme:

  • Störungen des Timbres: Aphonie, Dysphonie

  • Störungen der Artikulation: Lispeln, Zischen, Schlinten

  • Störungen des Rhythmus: Dyslalie, Stocken, Blockierung, Stottern.

Die Störungen der gesprochenen und schriftlichen Sprache:

  • Sprachverzögerung, Abwesenheit von Sprache

  • Legasthenie

  • Dysorthographie

Die Störungen des Ausdrucks und des Verhaltens

Die Störungen der schulischen Integration

Die Störungen des Hörens:

  • Berufsschwerhörigkeit

  • psychische Schwerhörigkeit.

Diese Broschüre, daran möchten wir erinnern, hat nicht den Anspruch, alle Anwendungen des Tomatis-Effekts zu studieren, sondern nur die Verwendung dieser Gesetze im Bereich der Integration der lebenden Sprachen bekannt zu machen. Wir werden also unsere Darlegung beschränken, indem wir zeigen, wie — ergänzend und nicht konkurrierend mit den klassischen Methoden des Sprachunterrichts — der Tomatis-Effekt, durch den Kanal eines Geräts namens „Elektronisches Ohr", eine bessere Integration der Fremdsprachen erlaubt, indem er einen schnellen Erwerb dessen hervorruft, was man das ethnische Ohr genannt hat.

Die mit Hilfe des Geräts mit Tomatis-Effekt durchgeführten phonetischen Übungen sichern eine Konditionierung des Ohrs derart, dass sie das Subjekt dazu führt, korrekt zu hören und die fremden Phoneme mit einer genauen Intonation auszusprechen.

Dank dieses Trainings nimmt der Student spontan die phonetische und folglich psychologische Haltung ein, die für das Erlernen der Sprache, die er erwerben möchte, notwendig ist, und dies unabhängig von der verwendeten Methode.

II - Die Integration der Sprachen und der Tomatis-Effekt

Und zunächst, was heißt eine Sprache integrieren? Eine Sprache integrieren heißt fähig sein, sie „ad integrum" wiederzugeben. Es handelt sich, wie man begreift, nicht nur darum, ihren Buchstaben wiederzugeben, sondern auch ihren Geist. Anders gesagt: eine Sprache zu besitzen, die man aufzunehmen entschließt, heißt sich ihrer zu bedienen, bis man durch sie existiert. Denn eine lebende Sprache ist nicht, wie man lange geglaubt hat, eine Zusammensetzung von Wörtern nach Regeln, sondern wohl eine Kombination von Signalen, von Klanggruppen, dazu bestimmt, dem Anderen die Gedanken, die Gefühle und die Willen jedes einzelnen mitzuteilen.

Eine Sprache, um bedeutend zu sein, das heißt verstanden von dem oder denen, mit denen man kommunizieren will, kann nur Zeichen verwenden, die auf die Wirklichkeiten verweisen, die sie bezeichnen. Und dem höflichsten und liebenswürdigsten Grammatiker der Welt, der sich an uns in einer ebenso gepflegten wie unverständlichen Sprache wendet, werden wir sagen, wie Pantagruel zu Panurge: „Mein Freund, ich zweifle keineswegs daran, dass Sie verschiedene Sprachen wohl zu sprechen wissen, doch sagen Sie uns, was Sie wollen, in irgendeiner Sprache, die wir verstehen können".

Diese Signale, um unmittelbar verstanden und integriert zu werden, ohne Anstrengung, ohne Analyse, ohne Zerlegung, müssen vor allem korrekt gehört werden. Doch der Schüler muss auch in der Lage sein, sie wiederzugeben, sie mit größter Genauigkeit auf der Ebene der Klänge, der Rhythmen, des Timbres und der Artikulation auszusprechen.

Ebenso wie der Pianist sich üben muss, einen musikalischen Zug global wiederzugeben, automatisch, als Ganzes, das man nicht mehr zerlegt, so muss der Student einer lebenden Sprache dazu gelangen, global und unbewusst zu hören und wiederzugeben, ohne sie zu analysieren oder zu zerlegen, mit ihrem Rhythmus und ihren Intonationen, die Klanggruppen, die ihm anfangs fremd und oft seinen eigenen sprachlichen Reflexen entgegengesetzt sind.

Es handelt sich, wie man vermutet, um einen idealen Integrationsprozess, der selten sogleich erreicht wird, es sei denn bei Subjekten, die mit einem besonders angepassten Ohr begabt sind, das den verschiedenen Frequenzen der zu studierenden Sprache offen ist. Doch in den meisten Fällen bietet die sprachliche Erfahrung von Anfang an solche Schwierigkeiten, dass die offenbar einfachste Sache, das Erlernen einer Sprache, zu einem wahren Abenteuer wird. Hindernisse aller Art erheben sich, unüberwindlich, und vom anfänglichen Traum, der im Innersten des Wesens gehegt wurde, bleibt nur ein vergehender geheimer Wunsch zu kommunizieren, der sich nach und nach vor der Vielzahl der stets vergeblichen Anstrengungen verflüchtigt.

Für viele Schüler taucht so der Babelismus auf, der sie unwiderruflich in die unüberschreitbare Einfriedung ihrer Muttersprache einsperrt, während aus dieser großen Flut einige Auserwählte hervortauchen, mit außerordentlichen Möglichkeiten begabt, die ihnen erlauben, sich nach Belieben in der Sprache der anderen zu bewegen. Als ob ihnen eine geheimnisvolle Fähigkeit die Zunge löste.

Doch alles gut betrachtet sollte das Erlernen einer Fremdsprache eine leichte Sache sein, und der Enthusiasmus des Kindes bei seinem Eintritt in die sechste Klasse, wenn es sich endlich in das Studium einer anderen Sprache als seiner eigenen stürzen wird, zeigt, wie viele guter Willen von Anfang an mobilisiert sind. Ach! wie viele Enttäuschungen, die meistens das Privileg des Sprachstudiums bleiben werden!

Woher kommt also dieser Bruch, der in wenigen Wochen die süße Hoffnung der sprachlichen Entdeckung verfliegen lässt? Die Intelligenz ist nicht anzurufen. Es wäre absurd, ihrer wesentlich für ein Fach wie das der lebenden Sprachen zu entbehren. Sie wird gewiss dem unglücklichen Schüler zu Hilfe kommen, der verzweifelt versuchen wird, durch einen dichten, unentwirrbaren Nebel die Grundkenntnisse anzuhäufen, die nötig sind, um am Ende der Schulzeit eine Grenznote zu erhalten, nicht eliminierend, oft kompensiert durch Erfolge in anderen Fächern. Durch Sättigung, durch Osmose werden einige Brocken in einer Atmosphäre des Zwangs und des Misserfolgs durchgehen.

Doch was wird beim Ausgang dieser Einweihung bleiben? Ein Albtraum, eine unaussprechliche Abneigung, verbunden mit einem schlechten Gewissen, irgendeine kostbare Lehre verpasst zu haben, und einer geheimen Befürchtung, gezwungen zu sein, später darauf zurückzukommen.

So erscheint es opportun, das Problem des Erlernens der lebenden Sprachen neu zu betrachten, indem wir zu klären versuchen, was die Integration, die verbalisierte Information im allgemeinsten Sinne sein kann. Ob sie sich auf eine Muttersprache oder auf eine Fremdsprache bezieht, der Prozess des Mechanismus in der Tiefe bleibt in der Tat derselbe.

Es besteht kein Zweifel mehr, dass eine lebende Sprache ihre Integration durch das Ohr erfährt. Dieser auditive Erwerb, obwohl durch den Text und das Bild unterstützt, ist wesentlich und vorrangig. Indem man sie hört, lernt man eine Sprache, und indem man sie korrekt hört.

Doch was heißt korrekt hören? Man ist nicht taub, so scheint es, weil man unfähig ist, Englisch zu lernen. Indes muss man sich resignieren zuzugeben, dass man in diesem Fall wahlweise für das Englische taub ist.

Um diesen neuen Begriff zu verstehen, der auf den ersten Blick verwirrend scheinen kann, ist es gut, sich zu erinnern, dass das Ohr nur sekundär an die Sprache konditioniert worden ist. „Die Sprache ist als das letzte Stadium einer transzendenten Anpassung aufgetreten, die ein neuromuskuläres Ensemble, das zum Schlucken und zur Atmung bestimmt war, an akustische Zwecke zu konditionieren wusste" (9).

Die akustischen Möglichkeiten des umgebenden Milieus haben es dem Menschen erlaubt, mit Feinheit und Geschicklichkeit die klangliche Skala zu handhaben, die seiner Sprache eigen ist. Doch welch eine akustische Welt, verschieden von jener einer anderen Sprache!

Vor nicht langer Zeit hat der Autor eines Artikels mit dem Titel „Des Chinois à Paris" auf die Notwendigkeit einer „maßgefertigten" auditiven Korrektur für die Chinesen, die dem Französischen besonders widerstrebend sind, hingewiesen. Er gab als Grund dieser Notwendigkeit an, „dass, da wir ausschließlich die unserer Muttersprache eigenen Klänge hören, nicht nur unser Ohr, sondern auch die auditiven Zentren unseres Gehirns konditioniert sind".

Dieser Vorschlag, zweifellos zutreffend, verlangt einige Erklärungen: da unser auditives System durch das ethnische Milieu konditioniert ist, bleiben wir den Intonationen, den Klangvariationen gegenüber unempfindlich, die wir nicht zu hören gewohnt sind.

Unsere Sprache wird der fremden Konsonanzen beraubt, die unser Ohr nicht aufnehmen kann, wobei die auditive Mangelhaftigkeit sich notwendig in einer stimmlichen Mangelhaftigkeit ausdrückt. Das fasst der Tomatis-Effekt zusammen durch die Formulierung: „Die Stimme enthält nur die Obertöne, die das Ohr hören kann".

„Die Eindrücke, die wir beim Hören einer Fremdsprache empfangen, ohne sie auch nur zu verstehen", bemerkte schon vor einigen Jahren Herr Charles Bailly (10), „rühren zum großen Teil von einem unbewusst gemachten Vergleich mit dem phonologischen System unserer eigenen Sprache, und die angenehmen oder unangenehmen Gefühle, die wir daraus ziehen, hängen mit dieser Ursache zusammen; wer diese andere Sprache spricht, erfährt im Allgemeinen nichts Ähnliches, und seine akustischen Eindrücke sind von ganz anderer Natur.

Ein Franzose, der Russisch studiert, wird von der Häufigkeit der palatalen und zischenden Klänge beeindruckt sein, von ihrem Kontrast mit den velaren Klängen, von der besonderen Musik der Intonationen, all das, weil er unbewusst einen beträchtlichen Unterschied zwischen dieser Aussprache und seiner eigenen wahrnimmt. Doch der Russe, der beim Sprechen diese Eindrücke auf einen Franzosen hervorbringt, empfindet selbst nichts Ähnliches, weil diese Dinge ihm gewohnt sind".

Und ein anderer hervorragender Phonetiker, Herr Pierre Fouché (11), bemerkte ebenfalls glücklich: „Die Vorstellung, die wir uns gewöhnlich von einer lebenden Sprache machen, ist eine akustische Vorstellung. Wir behalten das, was man gemeinhin ihren „Akzent" nennt, wir schreiben ihr eine bestimmte „Farbe" zu. Wir sagen auch, sie sei klangvoll, sanft, monoton usw.".

Jeder von uns ist also dazu konditioniert, auf eine bestimmte Weise zu hören, und das phonatorische System, das sich denselben Anforderungen des umgebenden Milieus beugt, zwingt das Subjekt, auf eine bestimmte Weise zu sprechen. „So", schreibt Wilder Penfield (12), „sprechen alle Schweden Englisch mit schwedischem Akzent, und die Franzosen, Deutschen und Chinesen sprechen mit ihrem eigenen Akzent. Dies ist gemeine Feststellung. Selbst wenn sie die Welt durchstreifen, verraten die Cockneys, die Schotten und die Iren, von den Kanadiern und Amerikanern ganz zu schweigen, ihr Leben lang ihre Herkunft durch einen in der Kindheit gelernten „Zungenschlag"."

Wir stehen also tatsächlich vor einem allgemeinen Gesetz, das im Übrigen nicht nur gewisse Völker betrifft. Da wir das Ohr unserer Ethnie haben, sind wir alle von Natur aus mehr oder weniger widerspenstig, je nach unserer Rasse, dem Erlernen der Fremdsprachen, und zwar genau in dem Maße, wie wir es weiter unten im Detail sehen werden, wie sie von unserer Hörkurve weiter entfernt sind.

Insofern sind wir alle gewissermaßen „Schwerhörige", und deshalb sind wir auf die Verfahren angewiesen, die von den Phonetikern verwendet werden, um das Hören der von Hörstörungen befallenen Subjekte zu reeduzieren. Die einzige Ressource scheint wohl zu sein, das Ohr zu „zwingen", zu hören, was es natürlich nicht hört, was nur durch künstliche Vorrichtungen erfolgen kann.

Es mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, auf elektronische Verfahren zurückzugreifen, wo man meistens nur ein pädagogisches Problem sieht, das den guten Willen (und den Willen schlechthin) mit immer perfekteren Unterrichtstechniken verbindet, von jenen „Wundermethoden" ganz zu schweigen, die durch eine geschickte und verlockende Werbung vorgestellt werden und die Faulheit schmeicheln und den Schüler mit einer heimtückischen Illusion wiegen, die ihn glauben lässt, es sei möglich, ohne Anstrengung zu lernen.

Gewiss, kein Erwerb erfolgt ohne Anstrengung. Doch es genügt auch nicht, wie Rimbaud, sich in einen Schrank einzuschließen, ausgerüstet mit einer Grammatik, gepanzert mit einem eisernen Willen, und zu schwören, man werde erst herauskommen, nachdem man die Sprache beherrscht, die man lernen möchte.

Um eine Fremdsprache zu integrieren, muss man sie ernsthaft studieren „wollen", das ist wahr. Doch man muss auch — und dies im physischsten Sinne des Wortes — sie lernen „können", das heißt „sie hören und wiedergeben", dann zuhören und wiederholen, schließlich hören und sich wiederholen oder wiedergeben hören (13).

Hören und wiedergeben, dies sind die beiden wesentlichen Elemente, die der Tomatis-Effekt in seinem Prinzip der Regulierung des Hörens und der Phonation ins Spiel bringt. Indem man dieses Prinzip auf das Erlernen einer Sprache anwendet, gelangt man zur Einrichtung eines Selbstkontrollkreises, der es dem sprachlernenden Schüler erlaubt, maximal von der klanglichen Botschaft zu profitieren, die ihm übermittelt wird, und sie „ad integrum" wiederzugeben.

Indem man das Hören des Subjekts modifiziert, indem man es lehrt, auf eine andere Weise zu hören als jene, an die es durch seine Muttersprache gewöhnt ist, löst man eine andere Art zu sprechen aus, einen anderen, für die zu studierende Sprache charakteristischen Ausdrucksmodus.

Diese audiovokale Wirkung zieht Veränderungen nach sich, die das Timbre, die Organisation des phonatorischen Apparats, die Verwendung der oberen und unteren resonanten Kehlkopfhöhlen, den Kehlkopftonus, die Atmung, die Mimik betreffen — so viele Veränderungen, die in Kette reagieren durch Reflexentzündung, die sich Schritt für Schritt auf die ganze morphologische Struktur des Subjekts ausdehnt.

Diese Veränderungen erweisen also bei der Integration einer Sprache den kapitalen Einfluss des auditiven Sensors hinsichtlich zugleich des körperlichen und gestischen Verhaltens, der psychologischen Besetzung, der Auslösung und sodann der Ausarbeitung der Induktionskreise psychosomatischen Ursprungs.

Es ist leicht, von diesen Daten aus die wichtigen Folgen eines solchen Prozesses zu ermessen.

III - Hüllkurven und lebende Sprachen

Wie wir im Kapitel gesagt haben, hat Tomatis experimentell nachgewiesen, dank der audiovokalen Rückkopplungen, die die Grundlagen seiner Gesetze sind, dass jede Veränderung des auditiven Körperschemas ohne Ausnahme eine Veränderung der stimmlichen Geste nach sich zieht. So sehr, dass man daraus schließen kann, dass jede stimmliche Geste sicher einer bestimmten auditiven Geste entspricht.

Von diesem Prinzip ausgehend hat Tomatis ethnische Hörweisen isolieren können, die ganz präzisen Eigenschaften entsprechen, die wir in diesem Kapitel erörtern werden.

Eine detaillierte Analyse der verschiedenen Elemente der gesprochenen Kette konnte verwirklicht werden dank der Bilder, die mit Hilfe panoramischer Analysatoren und Sonographen gesammelt wurden, die fähig sind, die Klänge zu zerlegen, wie das Prisma das Licht in einen spektralen Regenbogen zerstreut. Mit Hilfe dieser Geräte war es möglich, verschiedene Klangfrequenzen sichtbar zu machen, indem die quantitativen relativen Werte jeder von ihnen respektiert und die verschiedenen Elemente eines Satzes in Frequenzen, in Intensität und in Dauer individualisiert wurden. Auf den so erhaltenen Phonogrammen und Sonagrammen konnte man die Hüllkurven (Abb. 1) der Durchschnittswerte der Frequenzen wiederfinden, die häufig in der Analyse der in denselben ethnischen Gruppen gesammelten Sätze angetroffen werden.

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Abb. 1 — Beispiel eines Phonogramms mit Auftauchen der Hüllkurve.

Zum Beispiel findet sich der bevorzugte Ort der größten frequenziellen Zusammenballung für das Französische ungefähr zwischen 800 und 1800 Hertz, während er für das Englische sich von 2000 bis 12000 Hertz erstreckt. Und diese einfache wissenschaftliche Feststellung lässt bereits ahnen, dass alles so vor sich geht, als würde ein Franzose praktisch taub, wenn er Englisch hört.

Ebenso zeigt uns die historische Erforschung der Sprachen, wie die Entwicklung der menschlichen Gruppen im Lauf der Zeitalter jede von ihnen dazu geführt hat, auf völlig unfreiwillige Weise einen bestimmten stimmlichen Mechanismus aus Vokalen und Konsonanten anzunehmen, dessen Aussprache und Timbre von einer Gruppe zur anderen deutlich differenziert sind.

Von Kindheit an formt das Ohr seine Empfindlichkeit auf die Klänge, die es hört, und man kann bald durch die audiometrische Untersuchung erkennen, dass die Kurve der Hörempfindlichkeit eng mit der Kurve der phonatorischen Hervorbringung der ethnischen Gruppe verwandt ist.

Anders gesagt, um diese Frequenzhäufungen korrekt wahrzunehmen, ohne das Risiko, Verzerrungen durch den auditiven Sensor einzuführen, der alsdann wie ein Filter funktioniert, müssen wir uns akkommodieren, oder besser uns konditionieren, derart wahrzunehmen, dass unsere optimale Selektivität diejenige der gewünschten Frequenzen unserer Hervorbringung erreicht. So zwingt das ethnische Ohr des Subjekts ihm seine ethnische Phonation auf, durch das Spiel der Selbstkontrolle „Hören-Phonation". Einer Art zu sprechen entspricht, daran sei erinnert, eine Art zu hören.

Tomatis hat nachgewiesen und in der Folge überprüft, dass man, indem man auf die Art zu hören einwirkt, die Art zu sprechen verändern kann.

Bevor wir diesen Veränderungsprozess darlegen, werden wir versuchen zu präzisieren, was diese „Art zu hören" ist.

Diese ist auf wissenschaftlicher Ebene charakterisiert durch die Empfindlichkeitskurve des Ohrs gegenüber den verschiedenen Frequenzen, die dieses hören kann. Diese Kurve wird von uns „Ethno-Gramm" genannt. Wir geben hier zur Illustration die charakteristischen Ethnogramme einiger ethnischer Gruppen wieder.

Französische Sprache

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Abb. 2 — Französische Kurve

Das Französische zeichnet sich hier typisch ab mit zwei Spitzen — in Wirklichkeit zwei Plagen mit Höhepunkten —, eine bei 250 Hertz in den Tiefen (g) gelegen, die andere bei 1500 Hertz in einer hohen Zone (a), die zwischen 1000 und 2000 Hertz liegt. Der Unterschied der Klangintensität zwischen diesen beiden Niveaus beträgt ungefähr 20 Dezibel. Dieses letzte Hervortreten bei 1500 Hertz rechtfertigt durch den relativen Abfall, den es zu den Höhen hin verursacht, das Auftreten der Nasale in der französischen Sprache. Durch Rückkopplung führt das Vorhandensein dieser Nasalisierung im gesprochenen Idiom ipso facto im entsprechenden Ethnogramm das Auftreten einer charakteristischen Spitze bei 1500 Hertz herbei.

Englische Sprache

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Abb. 3 — Englische Kurve

Für die englische Sprache kann man am Profil feststellen, dass die wesentliche Eigenschaft dieses Hörtyps die große Empfindlichkeit gegenüber den hohen Klängen ist. Tatsächlich, ab 2000 Hertz, weist die Kurve einen deutlichen Fortschritt in der Größenordnung von 6 Dezibel pro Oktave auf, der sich über 10000 Hertz hinaus fortsetzt, was einem solchen Hören eine Antwortkurve verleiht, die an jene der hochwertigen Verstärkungsmontagen erinnert.

Die Folgen sind, dass die Wahrnehmung der Höhen über 2000 Hertz eine so außergewöhnliche Empfindlichkeit erreicht, dass die Modulationen auf diesem Niveau dadurch besonders verfeinert werden. Der Reichtum an Zischlauten in der englischen Sprache ist die Folge davon. Überdies, in der Sprache selbst, erklärt die Anziehung zu den Höhen des gesamten stimmlichen Schemas durch auditive Rückkopplung die systematische Diphthongierung der Vokale. Diese gleiten, obwohl im anfänglichen Spektrum vorhanden, vom Grundton in das frequenzielle Band, das jenseits von 2000 Hertz liegt.

Tatsächlich erlegt die Bandbreite der Höhen, die das englische Ohr wahrnimmt, der bukko-pharyngealen Lieferung durch audiovokale Rückkopplung eine Struktur auf, derart, dass der Grundton, der sich notwendig in den Tiefen befindet — wegen der begrenzten Möglichkeiten des Kehlkopfs (300 Hertz) —, in seiner anfänglichen Hervorbringung nicht aufrechterhalten werden kann, da das Ohr ihn nicht „selektiert". Man beobachtet so ein wahres Gleiten zu den Höhen, ein Phänomen, das am Ursprung der Diphthongierung steht (14). Wenn man im Übrigen versucht, dieses Hörband dem vorhergehenden anzunähern, das heißt, wenn man das englische Ohr mit dem französischen Ohr vergleichen will, so ist es offensichtlich, dass ihre Begegnung schwierig ist. Es ist tatsächlich kein Geheimnis, dass für das französische Ohr das Englische schwer wahrzunehmen ist.

Es ist zu bemerken, dass die amerikanische Sprache, die ein tieferes Band aufweist als das Englische mit einer Höhepunktspitze bei 1500 Hertz, vom französischen Ohr besser wahrgenommen wird als das Oxford-Englisch. Man nimmt in jeder der beiden Sprachen — Französisch und Amerikanisch — eine Nasalisierung wahr, die eine erhöhte Selektivität auf der Ebene derselben Bandbreite anzeigt.

Deutsche Sprache

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Abb. 4 — Deutsche Kurve

Abbildung 4 ist diejenige der durchschnittlichen Kurve des deutschen Hörens. Man erkennt die breite Bandbreite, die von den Tiefen ausgeht und sich bis 3000 Hertz erstreckt. Die Empfindlichkeit ist vor allem ab 250 Hertz akzentuiert und erreicht 2000 Hertz mit einer größeren Amplitude zwischen 500 und 1000 Hertz. Die Breite der deutschen Bandbreite erlaubt es ihr, mit Leichtigkeit die Phoneme zu integrieren, die anderen Sprachen angehören, sofern diese Phoneme sich in ihr Aufnahmeband einschreiben.

Zu dieser breiten Bandbreite kommt eine sehr wichtige Eigenschaft des deutschen Ohrs hinzu: eine relativ lange Latenzzeit (15). Diese beiden Parameter — Bandbreite und Latenzzeit — implizieren in der stimmlichen Hervorbringung einen pharyngealen Druck, der dem Deutschen eigen ist.

Dieser pharyngeale Druck ist im Übrigen für uns mit dem in dieser Ethnie beobachteten Haltungsreflex verbunden.

Dieser audiohaltungsbezogene Reflex ist im Übrigen nicht nur bei den Deutschen zu beobachten. Man kann sagen, dass jede Ethnie die Haltung ihrer Sprache hat, Folge, daran sei erinnert, ihrer Art zu hören.

Spanische Sprache

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Abb. 5 — Spanische Kurve

Das Diagramm der Abbildung 5 ist jenes des spanischen Hörens. Man entdeckt darin die große Empfindlichkeit dieses Hörens innerhalb eines breiten tiefen Bandes (g), das sich bis 500 Hertz erstreckt, und, auf weniger hohem Intensitätsniveau, in einem engen Band, das von 1500 bis 2500 Hertz reicht und einen Gipfel gegen 1800 Hertz anzeigt. Die Empfindlichkeit ist in den Höhen sehr reduziert. Der Gipfel bei 250 Hertz führt in die audiovokale Reaktion die „Jota" ein, während das Fehlen der Durchlässigkeit in den Höhen jenseits von 2500 Hertz die Schwere der spanischen Zischlaute begreifen lässt: das Gleiten der f in ein gehauchtes h. Die Schwierigkeiten, die ein Spanier antrifft, um gewisse Fremdsprachen zu integrieren, finden hier durch einfache Lesung dieses Diagramms ihre Rechtfertigung.

Wir haben in Kapitel I die Theorie der Hörselektivität dargelegt. Wenn man experimentell das Studium dieser verschiedenen Sprachen weitertreibt, bemerkt man, dass es auch sehr große Unterschiede gibt, was die jedem ethnischen Ohr eigene Selektivität betrifft. Manche Völker haben eine sehr beschränkte Selektivität, andere im Gegenteil eine sehr ausgedehnte Selektivität. Hier zum Beispiel, Abbildungen 6 und 6 bis, ein Vergleich des italienischen Ohrs und des französischen Ohrs auf der Ebene ihrer jeweiligen Selektivität.

Wie man feststellen kann, schreibt sich die Selektivität des italienischen Ohrs zwischen 2000 und 4000 Hertz ein. Sie ist zwischen 1000 und 2000 Hertz gleich Null, während das französische Ohr im Gegenteil zwischen 1000 und 2000 Hertz reich ist und das schon erwähnte Auftreten der Nasale in der französischen Sprache erklären kann.

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Abb. 6 — Selektivität eines italienischen Ohrs, die Bandbreite schreibt sich zwischen 2000 und 4000 Hertz ein

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Abb. 6 bis — Selektivitätsband eines typisch französischen Ohrs, begrenzt zwischen 1000 und 2000 Hertz

Die Slawen hingegen haben eine sehr ausgedehnte Selektivität mit einer größeren Affinität zu den Tiefen. Ihre Stimme ist weit und warm. Ihr sehr ausgedehnter selektiver Reichtum erlaubt ihnen, im Gegensatz zu jenem der Franzosen und Italiener, alle Konsonanzen wahrzunehmen. Um sich davon zu überzeugen, genügt es, die Abbildung zu untersuchen, die das selektive Feld eines russischen Ohrs darstellt, das sich von den tiefen zu den extrem hohen Klängen erstreckt (Abbildung 7).

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Abb. 7 — Selektives Feld eines slawischen Ohrs, das sich von den tiefen zu den extrem hohen Klängen erstreckt.

Es ist diese Fähigkeit, die den Slawen erlaubt, die ganze Skala der sprachlichen Klänge aufzunehmen. Man weiß im Übrigen, mit welcher Leichtigkeit sie Fremdsprachen lernen. Dieses Phänomen, das uns oft bewundernd und leicht enttäuscht zurücklassen kann, ist einfach auf ihre große auditive Durchlässigkeit zurückzuführen.

Um dieses Werk nicht zu belasten, beschränken wir uns absichtlich darauf, einige Beispiele zu zitieren. Es ist offensichtlich unerlässlich, auf audio-psycho-phonologischer Ebene alle vom menschlichen Wesen verwendeten Idiome zu studieren. Unsere Forschungen, die sich bisher auf Hunderte von Sprachen erstreckt haben, haben uns nur erlaubt, 12 verschiedene Hörweisen zu erkennen, wobei jede Gruppe eine unterschiedliche Kombination der beiden Parameter aufweist: Bandbreite und Latenzzeit.

So zum Beispiel kennzeichnet sich die arabische Sprache durch eine Bandbreite vom spanischen Typus und eine Latenzzeit vom deutschen Typus. Die portugiesische Sprache hat die Eigenschaften der slawischen Sprache (Bandbreite und Latenzzeit), so sehr, dass sie wie ein durch ein slawisches Ohr selbstkontrolliertes Spanisch klingt.

Experimentell ist es amüsant, diese Tatsache zu prüfen, indem man einen portugiesischen Satz durch Filter laufen lässt, deren Antwortkurve diejenige eines spanischen Ohrs ist. Für wen Spanisch versteht, wird der portugiesische Satz alsdann sehr leicht verständlich.

Diese rasche Analyse einiger Ethnogramme erlaubt es, die grundlegenden Unterschiede zu erfassen, die zwischen den verschiedenen Arten zu hören bei Subjekten bestehen, die unterschiedliche Sprachen sprechen.

Von diesen Diagrammen ausgehend wurden Techniken der auditiven Konditionierung entwickelt, die einerseits die spezifischen Kurven jeder Sprache und andererseits die mehr oder weniger schnelle und komplexe, für die studierte Sprache charakteristische Akkommodationszeit berücksichtigen. Jede Sprache besitzt tatsächlich eine durchschnittliche Zeit der Hervorbringung jeder Silbe, „Latenzzeit" genannt, die die Antwort der laryngo-resonantiellen Anpassung konditioniert, am Ursprung der Intonation.

IV - Das Elektronische Ohr nach Tomatis-Effekt

Schon 1950, als Beweis und Anwendung seiner Theorien, konzentrierte Doktor Tomatis seine Forschungsanstrengungen auf die Entwicklung eines Geräts, das geeignet wäre, die Art zu hören und folglich die Art zu sprechen eines Subjekts zu verändern.

Sein Bestreben war auch, eine wahre audiovokale Konditionierung zu schaffen, die das Ohr zwingt, einen Akkommodationsmodus zu verwenden, der eine für eine Sprache typische Art zu hören bestimmt und die entsprechende stimmliche Geste nach sich zieht.

Alfred Tomatis hat in einer Mitteilung an die Académie Nationale de Médecine (16) 1960 die grundlegenden Prinzipien der mit Hilfe dieses Geräts ausgelösten audiovokalen Konditionierung dargelegt. Wir geben hier eine Zusammenfassung dieser Mitteilung wieder.

„Es sei eine stimmliche Geste G1, die einer Hervorbringung E1 entspricht und einem globalen Hören A1 antwortet. Um die Hervorbringung E1 und somit die stimmliche Geste G1 durch eine stimmliche Geste G2 und eine Hervorbringung E2 zu ersetzen, muss das Hören auf einen neuen Akkommodationsmodus konditioniert werden, der die Art zu hören A2 bestimmt.

Um diese Konditionierung zu verwirklichen, wurde die folgende Montage realisiert (Abbildung 8).

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Abbildung 8

  • Ein Mikrofon M steuert einen Verstärker an, aus dem zwei verschiedene Kreise hervorgehen, wobei diese beiden Kreise zwei Kanäle bilden, die nicht gleichzeitig funktionieren.

  • Bei einer gegebenen, nach Belieben veränderbaren Intensität bleibt allein der Kanal C1 offen. Er ist so eingestellt, dass er das Ohr in einen Zustand vollständiger Entspannung versetzt. Das Trommelfell ist alsdann in seiner minimalen Spannung, in einem Zustand der Nicht-Akkommodation. Man kann dann, in Analogie zum Sehen, sagen, dass es in seinem „punctum remotum" ist. Es erreicht so eine Position völliger Entspannung, bevor es sich auf das durch die Einstellung des oberen Kanals bestimmte Hören spannt. Tatsächlich, sobald ein Klang vom Subjekt oder einer anderen Klangquelle, beispielsweise von einem Magnetbandgerät, ausgesandt wird, sobald zum bereits bestehenden Umgebungsgeräusch eine zusätzliche Intensität hinzukommt, schließt sich der Kanal C1 und nur der Kanal C2 öffnet sich. Dieser zweite elektronische Kanal wird das Ohr zu einem anderen Kontrollmodus zwingen, der zuvor gewählt wurde und der Hervorbringung der zu studierenden Sprache antwortet.

Die Öffnung des Kanals C2 erfolgt durch ein sogenanntes „Wippsystem", das erlaubt, automatisch von der Art zu hören A1, die der Geste G1 innewohnt, zur Art zu hören A2 überzugehen, die der gesuchten Geste G2 eigen ist.

Wenn die klangliche Hervorbringung beendet ist, lässt die entsprechend reduzierte Intensität das System in umgekehrte Richtung kippen, und C1 öffnet sich, während C2 verlischt. Dieser Zyklus beginnt jedes Mal von neuem, wenn das Subjekt sprechen will, und die Konditionierung tritt sehr schnell auf. Schon in den ersten Tagen, nach einer halbstündigen Sitzung, verbleibt eine Beständigkeit von etwa einer halben Stunde. Nach zwei Wochen ist sie permanent.

Im Übrigen kann dieses Wippspiel rasch zu einem bewussten Phänomen werden und die Möglichkeit nach Belieben bestimmen, zu hören, was man will.

Zum Zweck, sodann den Rhythmus und die Intonation der gewählten Sprache zu modifizieren, wurden Einklinkzeiten der Wippe bestimmt, die der für die Sprache charakteristischen Latenzzeit entsprechen. Jede Sprache besitzt tatsächlich, daran sei erinnert, eine durchschnittliche Zeit der Hervorbringung jeder Silbe: 0,15 Sekunden für das Französische, 0,20 für das Englische usw.

Für jene, die diese ziemlich strenge Darlegung abgestoßen hätte, kann man weniger wissenschaftlich sagen, dass das Elektronische Ohr nach Tomatis-Effekt es erlaubt, jedem Subjekt, selbst dem widerspenstigen, ein vorbestimmtes Hören aufzuerlegen und es so zu zwingen, gemäß einer gewünschten Akkommodation zu hören.

Wie verwirklicht sich diese „Erziehung"?

Das Elektronische Ohr ist im Wesentlichen ein Gerät zur auditiven Erziehung. Nun aber weiß man, dass das menschliche Hören nur das Ergebnis einer weiträumigen Verwendung des VIII. Hirnnervenpaars ist. Dieses, das auf der Ebene des sensorischen Organs des Ohrs entsteht, sitzt im Innenohr und projiziert sich auf das Telenzephalon auf der Ebene der Spracherwerbszentren.

Dieses sensorische Organ par excellence verhält sich übrigens wie ein Stück differenzierter Haut, hoch spezialisiert auf die Detektion der akustischen Druckschwankungen. Doch es ist nur das wert, was man damit zu tun weiß. Ebenso

würde eine ausgezeichnete Sicht nichts nützen, wenn die Augenlider geschlossen blieben; besser noch, eine makellose Netzhaut würde wenig nützen, wenn die entsprechende Linse die Konzentration des Bildes nicht erlaubte. Anders gesagt: der Sehnerv — in diesem Fall die Netzhaut — ist nur das wert, weil wir uns seiner zu bedienen wissen.

Ebenso verhält es sich mit dem auditiven Sensor, der sich an das ihn umgebende klangliche Milieu anpassen muss. Es ist das Mittelohr, dem diese Akkommodationsmöglichkeit zukommt, und an es wenden wir uns, indem wir das Elektronische Ohr verwenden.

Die Anpassung des Mittelohrs erfolgt durch das Spiel der Kontraktionen des Hammermuskels und des Stapediusmuskels, wobei der erste auf die dem Trommelfell auferlegte Konvexität wirkt, das sich alsdann wie eine akustische Linse verhält, eine Art auditiver Linse, der zweite, derjenige des Steigbügels, reguliert das Spiel des Innenohrs, das, in der Art eines Prismas mit einem Scheitelwinkel von 2 bis 3 Spiralwindungen, die Skala der Klänge in einem akustischen Spektrum, einem klanglichen Regenbogen auszubreiten weiß.

Diese mehr oder weniger schnelle, mehr oder weniger komplexe Akkommodation bestimmt die räumliche Position der Gehörknöchelchenkette und erlaubt, die eine oder andere auditive Bandbreite zu öffnen, das Diaphragma der Öffnung nach Bedarf zu vergrößern.

Das Elektronische Ohr erlegt dieses Spiel dem menschlichen Ohr auf. Indem man die Bandbreite nach Belieben verändert, „öffnet" man — das Wort ist nicht zu stark — das Ohr für die wahlweisen Klänge einer Sprache. Im Übrigen, handle es sich um die Assimilation einer Muttersprache oder um die Integration einer Fremdsprache, der Prozess bleibt derselbe. Sich auf die Sprache öffnen heißt vor allem, sich auf die Wellenlängen dieser Sprache einzustellen. Doch um integriert und sodann korrekt wiedergegeben zu werden, muss die mündliche Botschaft zuvor gut gehört werden, und das ist es, was das Elektronische Ohr erlaubt.

Durch ein Spiel von Filtern bietet dieses Gerät zunächst die Möglichkeit einer diaphragmatischen auditiven Öffnung auf die eine oder andere Bandbreite, eine einfache Tatsache, die bereits eine an die Verwendung der auferlegten Filter angepasste laryngo-resonantielle Antwort bestimmt. Zweitens lässt es die der gewählten Akkommodation innewohnende Latenzzeit erscheinen, die die Antwortzeit der laryngo-resonantiellen Anpassung konditioniert, am Ursprung der Intonation, wie wir bereits in Kapitel III, in fine, signalisiert haben.

Das Elektronische Ohr erlaubt also, jedem Subjekt, selbst dem widerspenstigen, diese Art zu hören aufzuerlegen, und zwingt es so, die Klänge gemäß einer gewünschten Akkommodation wahrzunehmen, in Funktion der diaphragmatischen Öffnung des Hörens auf der wahlweisen Bandbreite und der dieser Akkommodation innewohnenden Latenzzeit.

Diese Vorbereitung ist wesentlich beim Erlernen einer Fremdsprache. Sobald die Botschaft korrekt wahrgenommen wird, ist die Integration unmittelbar und die Wiedergabe vollkommen, da die Phonation eng mit dem Modus der auditiven Wahrnehmung verbunden ist und jede Veränderung des Hörens ipso facto eine Veränderung der Phonation in ihren verschiedenen Parametern nach sich zieht: Rhythmus, Timbre, Intensität, Melodie usw.

Die akustischen Strukturen dieser Parameter prägen im Ohr ihr Eindringen in Funktion der Kodierung ein, die sie zu bestimmen vermögen. Sie wecken die Konditionierungen, die die sensorischen Zellen darauf vorbereiten, wahlweise bei dieser oder jener Frequenz erregt zu werden.

Wenn man also in den Selbstkontrollkreis des Hörens ein Elektronisches Ohr einführt, das auf eine andere Art zu sprechen, auf eine Fremdsprache in diesem Fall, abgestimmt ist, so beginnt der gesamte neuromuskuläre Kreis des Subjekts auf diesem fremden Rhythmus zu arbeiten. Es ist diese Gymnastik, denn letztlich ist es eine solche, die uns geeignet macht, „auf eine bestimmte Weise" zu hören und zu sprechen.

Das nachstehende Schema zeigt, wie die Selbstkontrolle „Hören-Phonation" durch die Intervention des Elektronischen Ohrs in einer unbewussten Mimikry engagiert wird (Abb. 9).

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Abbildung 9

Wer zu diesem „auditiven Automatismus" gelangt, ist definitiv konditioniert. Sein gesamter neuromuskulärer Kreislauf, der auf einem fremden Rhythmus gearbeitet hat, wird sich nach und nach in einen Zustand der Beständigkeit einrichten, durch zerebrale Memorisierung dieser neuen Tätigkeit und durch muskuläres Training. Fortan wird das Subjekt sozusagen gezwungen sein, vollkommen zu hören und mit totaler Korrektheit und genauer Intonation die fremden Phoneme und Semanteme auszusprechen, sei es, dass man sie ihm als nachzuahmende Modelle vorlegt, sei es, dass es die Fremdsprache zu sprechen hat, ohne anderen Führer als das klangliche Bild, das ihm sein auditives Gedächtnis liefert.

Kurz gesagt, es ist, als wäre ihm das gegeben worden, was andere gern die Gabe der Sprachen nennen. Doch diese Gabe, die Sprachen zu sprechen, die die bekannte Gabe und das Privileg der Slawen ist und die wir im Klartext im Ethnogramm des russischen Ohrs gelesen haben, ist letztlich nur die Tatsache eines besonders ausgedehnten Hörens, dessen weit geöffnetes Diaphragma erlaubt, ohne Schwierigkeit die Bandbreiten der anderen Sprachen einzuschließen. Von der mit Geheimnis umkränzten Gabe der Sprachen gelangen wir zur angeborenen oder erworbenen Fähigkeit, die man die Gabe nennen kann, die Sprachen zu hören.

Fortan wird der Amerikaner aus Brooklyn oder der „Cockney" aus London, mit den Kopfhörern bedeckt und vor dem Mikrofon des Elektronischen Ohrs plaziert, schließlich das Englisch „des Königs" mit dem reinsten Oxford-Akzent sprechen, sobald das Filtersystem ihm diese Art zu hören aufgezwungen hat.

Genau das sollte sich übrigens, doch mit weit geringerer Intensität, im traditionellen Studium der Sprachen abspielen. Man weiß, wie vorteilhaft, wenn nicht immer wirksam, es ist, die Sprache im Herkunftsland zu lernen: es liegt daran, dass das Ohr alsdann in die gewollte ethnische Atmosphäre getaucht wird. Doch man sieht nur ausnahmsweise einen Franzosen, der nach London versetzt wird, unmittelbar den englischen Akzent annehmen, während dieses Phänomen durch die Verwendung des Elektronischen Ohrs rasch akzentuiert wird, und dies, während man in Frankreich bleibt.

Sobald das Subjekt spricht, sobald es die gesprochene Kette in Gang setzt, wird sein Hören derart modifiziert, dass alle Klänge notwendig durch einen wahlweisen Kanal gehen, der vorbestimmt auf die Eigenschaften der zu studierenden Sprache abgestimmt ist. Die Maschine hat zum Ziel, dem auditiven System eines Subjekts ein Hören aufzuerlegen, das demjenigen der Einheimischen des Landes entspricht, dessen Sprache es studiert, und dazu sein Ohr auf die Frequenzbänder zu öffnen, die es zuvor nicht hörte. Der Tomatis-Effekt erklärt, dass die phonetische Einweihung ebenfalls augenblicklich verwirklicht wird, und dies, ohne dass vom sprachlernenden Schüler irgendeine Anstrengung verlangt wird, um die Klänge und Klanggruppen wiederzugeben, die ihm bis dahin fremd waren. Alles geht so vor sich, als wären die Organe seines audiovokalen Systems und alle interessierten zerebralen Zonen unmittelbar angepasst, geübt und gestärkt.

Es ist eine der spektakulärsten Erfahrungen, denen beizuwohnen gegeben ist. Ein englischer Satz zum Beispiel, vom Professor durch diese Techniken hervorgebracht, wird fast unmittelbar vom Schüler mit erstaunlicher Treue wiedergegeben. Das markanteste Phänomen, das sich damit verbindet, ist die psychische Befreiung, die ein solches Verfahren erscheinen lässt.

In den alten Sprachlernsystemen bemerkte man tatsächlich bei dem in Konditionierung befindlichen Individuum eine Hemmung durch Furcht vor dem Lächerlichen, die aus seiner Unfähigkeit herrührte, die vorgeschlagenen Klänge „ad integrum" wiederzugeben. Die Verwendung des Elektronischen Ohrs erlaubt heute nicht nur, diese zusätzliche Behinderung zu vermeiden, sondern auch, den Studenten in Euphorie zu versetzen.

Diese Konditionierung, der das Ohr im Lauf der Integrationsperiode der gewählten lebenden Sprache unterworfen ist, kann sich auf zwei Weisen vollziehen:

  • Entweder wiederholt das Subjekt, mit einem Kopfhörer ausgestattet, der an ein Ensemble „Elektronisches Ohr und Unterrichtsvorrichtung" angeschlossen ist, das ein korrektes Hören sichert, das, was der Professor ihm übermittelt, wobei die auditive Integration sich parallel zum eigentlichen Studium der Sprache vollzieht.

  • Oder es arbeitet allein, um diese Konditionierung zu erwerben, wobei das Gerät ihm direkt phonische Elemente übermittelt, die von einem Magnetbandgerät kommen, und das Ohr auf das korrekte Hören der Fremdsprache öffnet.

Die Erfahrung zeigt, dass es für ein normales Subjekt genügt, fünfzig bis hundert halbe Stunden Arbeit mit dem Elektronischen Ohr, damit durch die zerebrale Memorisierung und das ausgelöste muskuläre Training sich eine definitive Beständigkeit schafft und damit man diese Fähigkeit — diese „Gabe" — fortan als permanent in Bezug auf die studierte Sprache betrachten kann.

Daraus folgen mehrere Konsequenzen:

  1. Da der mündliche Ausdruck ohne möglichen Widerspruch mit einem bestimmten körperlichen Verhalten und einer bestimmten Mimik verbunden ist, kann man zu Recht denken, dass zugleich mit der Ausdruckskraft das konditionierte Subjekt mehr oder weniger das körperliche Verhalten derer erworben hat, deren Sprache es lernt.

  2. Im Übrigen ist die intellektuelle, sensible, moralische und gesellschaftliche Bildung eines Individuums zum großen Teil das Ergebnis sprachlicher Gewohnheiten, die die Errungenschaft der vergangenen Jahrhunderte darstellen, im Bild des Nationalcharakters. Auf dieselbe Weise prädestiniert dieses körperliche Verhalten, Folge und Ausdruck einer besonderen geistigen Haltung, den sprachlernenden Schüler dazu, sich progressiv dem Verhalten der Fremden anzupassen, deren Sprache er assimiliert, in der Erwartung, dass das tiefe und reflexive Verständnis der Semanteme ihn tiefer in die Kenntnis ihrer Seele eindringen lässt und ihn dazu führt, ihre Art zu denken, zu fühlen und zu handeln intim zu verstehen.

  3. Durch die Leichtigkeit selbst, die jeder dank der Verwendung des Elektronischen Ohrs empfindet, gut auszusprechen, folgt eine Verbesserung des Hörgedächtnisses, einer wesentlichen und unerlässlichen Eigenschaft für das Studium einer Sprache. Es ist offensichtlich, dass man den Beitrag, den das Subjekt in Form persönlicher Anstrengung leisten muss, nicht herabsetzen darf. Doch da seine Motivation unbestreitbar ein Hauptelement bleibt, muss sie durch die Beseitigung der anfänglichen Hemmungen unterstützt werden. Diese Hemmungen kommen aus der Unverständlichkeit der gesprochenen, studierten Sprache und folglich aus der grundlegenden Unfähigkeit, in der sich das Subjekt befindet, sie wiederzugeben.

Ohne diese Konditionierung macht die Verständlichkeit selbst den Schüler träge vor jedem Versuch einer artikulierten Hervorbringung, die er sich unfähig weiß, korrekt zu kontrollieren. Es scheint ihm in der Tat vergeblich, sich zu erschöpfen, Klänge zu wiederholen, ohne ihre leichte Wiedergabe bestimmen und regeln zu können.

Zusammenfassend, wenn es die Verdienste des Elektronischen Ohrs in seiner Rolle als unerlässliche Prolegomena zu jedem Studium einer Fremdsprache zu resümieren gilt, würden wir die Begriffe wieder aufgreifen, die Doktor Tomatis vor dem aufgeklärten Publikum des UNESCO-Palastes 1960 (17) verwendete:

Das Elektronische Ohr erlaubt, das Umgebungsklima zu schaffen, das für die psychologische Imbibition einer Fremdsprache so unerlässlich ist. Überdies ist sein Einfluss sehr euphorisierend durch:

  • die Leichtigkeit des Sprechens, die es verschafft,

  • die automatische Auslösung, die es auf der Ebene des Mechanismus der Organe der Phonation hervorruft, die sich unmittelbar dem Gebrauch der gewählten Sprache anpassen,

  • die Schnelligkeit der Integration, die es bewirkt und die sich oft als verwirrend erweist.

Gewissermaßen, schloss Tomatis, schaffen wir die anfänglichen auditiven Integrationsbedingungen wieder, jene, die uns die Assimilation unserer Muttersprache erlaubt haben.

V - Das Elektronische Ohr und das Audiovisuelle

Auf den pädagogischen Wert der neuen audiovisuellen Techniken, die in den Dienst der Integration der lebenden Sprachen gestellt sind, kann nicht genug beharrt werden.

Wie der Begriff „audio-visuell" präzise angibt, ruft dieser Unterricht die beiden hauptsächlichen sensorischen Organe der Erkenntnis an: das Hören und das Sehen. Doch während auf visueller Ebene das Ziel erreicht wird, indem dem Schüler erlaubt wird, durch das Bild zu kontrollieren, was der zu studierende Gegenstand darstellt, verbleibt auf auditiver Ebene eine große Ungewissheit hinsichtlich der Integration der mündlichen Botschaft. Es genügt, die außerordentlichen Verzerrungen zu überprüfen, die im Mund des wiederholenden Subjekts entstehen, um zu begreifen, in welchem Maße — kraft der Gesetze, die die direkten Beziehungen Hören-Phonation regieren — die Botschaft nicht gut gehört wurde.

Genau um diesen Nachteil zu beheben, wurde die Verwendung des Elektronischen Ohrs in diese neuen Techniken eingeführt. Denn wenn es wahr ist, dass gewisse Initiativen im sprachlichen Bereich in den letzten zehn Jahren gescheitert sind und dass zahlreiche Sprachlabors verlassen wurden, so bleibt nichtsdestoweniger, dass wir heute diese Lernmethoden als aktive Mittel zum Erwerb einer gut strukturierten, gut artikulierten, gut integrierten Sprache betrachten können.

Ohne diese Techniken zur Ebene eines Allheilmittels zu erheben, denken wir, dass es nötig ist, eine Standortbestimmung vorzunehmen und die Bedingungen zu erörtern, unter denen diese sprachliche Einweihung verwirklicht werden muss. Wir werden uns bemühen, die verschiedenen Aspekte der wahren Integration ins Licht zu setzen, damit die audiovisuellen Techniken in den Augen und vor allem in den Ohren unserer Leser den günstigen Widerhall finden, den sie im Schoß der modernen Pädagogik zu erhalten berechtigt sind.

Der Erfolg eines solchen Unternehmens verlangt die detaillierte Analyse der psychophysiologischen Prozesse, die in dieser Bewegung des Erwerbs einer Fremdsprache in Frage gestellt sind.

Das Sprachlabor stellt heute eine kostbare Hilfe für den Lehrenden und den Unterrichteten dar durch die Konditionierungen, die es auf der Ebene der auditiven und visuellen Zentren hervorruft. Wir haben absichtlich das Hören vor das Sehen gestellt, denn es gefällt uns, daran zu erinnern, dass man, um eine Sprache zu lernen, sie vor allem hören muss.

Die Einführung des Elektronischen Ohrs nach Tomatis-Effekt in diese aktive Pädagogik bleibt sehr wichtig durch den beträchtlichen sensorischen Beitrag, den es im Bereich der Übermittlung der klanglichen Botschaft und ihrer integralen Wiedergabe verwirklicht. Es sichert ein vollkommenes Hören aller Elemente der gesprochenen Kette, die für die zu studierende Sprache spezifisch sind, und erlaubt dem sprachlernenden Schüler durch Rückkopplung, genau wiederzugeben, was er vollkommen gehört hat. So wird dank der Montage Magnetbandgerät-Elektronisches Ohr der Erwerb einer Sprache zu einer leichten Sache.

Wir werden nun die Bedingungen erörtern, unter denen die audiovisuellen Techniken praktiziert werden müssen, deren Ziel es ist, daran sei erinnert, dem Schüler nicht nur eine Wiederholung des Grundkurses des Meisters zu liefern, sondern auch Übungen der laufenden Sprache in Form praktischer Arbeiten.

Das sich selbst überlassene Subjekt vor der Apparatur folgt mit den Augen dem ihm projizierten Bild, während der dazugehörige Text ihm durch einen an ein Magnetbandgerät angeschlossenen Hörkopfhörer in die Ohren injiziert wird. Es ist gut, hier auf das Interesse dieses individuellen Unterrichts hinzuweisen, der dem Schüler erlaubt, über die Maschine in seinem persönlichen Rhythmus zu verfügen, ohne äußere Intervention, in einem durch seine eigene Integrationsgeschwindigkeit bestimmten Fortschritt.

So stellt sich ein Spiel willentlicher Wiederholungen her, leicht, angenehm, amüsant. Bleibt nicht jeder sprachliche Erwerb das fesselndste menschliche Spiel, sofern es gut geführt wird? Doch die Fragilität, die man beim Säugling bei der Konstitution seines audiovokalen Kreises antrifft, ist beim Erwachsenen noch erhöht. Und dies, weil die Hemmungen bei ihm größer, noch stärker sind: seine gesellschaftliche Stellung lädt ihn ein, sich zu versteifen, die Furcht vor dem Lächerlichen entfernt ihn von diesem sprachlichen Konstruktionsspiel. Die Gewohnheit, die er hat, jederzeit seine Intelligenz einzusetzen, um eine neue Sache zu assimilieren, leistet ihm nicht nur keinen Dienst, sondern behindert auch seinen Fortschritt.

Nun aber, was am Anfang wichtig ist, ist die Einrichtung dieser Schiene, dieses Netzes, das nach und nach die verschiedenen Linien und die Ablaufdiagramme der verbalen Strömungen installieren müssen. Die semantische Kristallisierung wird sich später vollziehen, ohne Verwechslung noch Eile. Es nützt nichts, alles auf den ersten Schlag verstehen zu wollen. So hat der Mensch nicht das Erlernen seiner Muttersprache begonnen. Ohne Zweifel stört das Bedürfnis, schnell voranzukommen, dieses erste Stadium, doch wozu sich beeilen? Es ist offensichtlich, dass das phonatorische System des Erwachsenen, seit langen Jahren dem Gebrauch der Muttersprache unterworfen, keine so lange Zeit mehr braucht wie der Säugling, um seine auditiven und verbalen Strukturen auszuarbeiten. Die Reife, von der der Erwachsene profitiert, wird ihm erlauben, die Etappen zu überspringen, doch wird ihn nicht davon befreien, sie zu durchschreiten.

Unter diesen Etappen bleibt jene der auditiven Integration wesentlich. Es ist unwichtig zu wissen, ob der Schüler aus dem visuellen Bild, das ihm auf der Leinwand vorgelegt wird, ein mentales Bild macht, das geringfügig von jenem seines Nachbarn verschieden ist. Die synthetische Struktur des Sehens spendet jedem einen globalen, ungefähr identischen Wert.

So ist es nicht für das Hören. Im gegenwärtigen Stand der laufenden Techniken weiß man tatsächlich nicht, wie der auditive Sensor — wesentliches Gerät des audio-phonatorischen Kreises — funktioniert und analysiert. Von seiner Regulierung, und allein von ihr, hängt das ganze Spiel des willentlichen Erwerbs der artikulatorischen Bewegungen ab, die nur sehr entfernt auf die normalen automatischen Bewegungen zurückgreifen.

Die Sprache besteht — man muss sich dessen ständig erinnern — nur aus sekundär organisierten, hoch ausgearbeiteten Bewegungen, die dem Menschen nur eigen sind, sofern dieser seine Fähigkeiten in vollem Umfang genießt.

Wenn der auditive Sensor defekt oder auch nur in einer einzigen Position erstarrt ist, ohne dass es ihm möglich wäre, unbewusst seine kinästhetische Position zu verändern, so werden alle praktischen ausgeübten Mittel ohne Wirkung sein. Alle Aufnahmen, so perfekt sie auch sein mögen, werden sich, wie so viele andere Dinge, hinten in einem Schrank stapeln und unter einer Staubschicht auf irgendeinen neuen halbherzigen Anlauf warten.

Es wird hier weniger die Methode anzuklagen sein als die Faktoren der auditiven Integration. Alle Geschicklichkeit, die in den Dienst der Pädagogik gestellt wird, nützt nichts, wenn die Eingangstür, das heißt das Ohr, der sprachlichen Botschaft verschlossen bleibt. Man muss sich zuerst vergewissern, dass die Tür vollkommen offen ist, dass das Hören bereit ist, die besonderen Klänge der zu assimilierenden Sprache zu empfangen. Andernfalls werden die Anstrengungen vergeblich sein.

Daher muss das Elektronische Ohr dem Magnetbandgerät des Sprachlabors zugesellt werden. Indem es den Faktoren der auditiven Integration erlaubt, sich mit Hilfe der elektronischen Wippe, die es enthält, zu verändern, löst das Gerät die Überlagerung einer anderen Art zu hören aus, die einen anderen Hörmodus nach sich zieht und dadurch eine Variante im Kontrollmodus bestimmt, von dem die Wiederinbetriebsetzung des anfänglichen Phänomens abhängt.

Die so erstaunlichen Ergebnisse, die uns diese neuen audio-vokalen Techniken bringen, kommen einfach daher, dass sie elektronisch das akustische Imbibitionsmilieu schaffen, das für die Wiederherstellung der Selbstkontrollvorrichtung unerlässlich ist. Der Rest, die Phonation, kann nur natürlich daraus folgen.

Es ist sicher, dass die Wirkungen der Verwendung des Elektronischen Ohrs umso wirksamer sein werden, je mehr sie mit der Anwendung einer logischen Methode des Sprachunterrichts verbunden werden, gegründet auf den progressiven und koordinierten Erwerb der sinntragenden Gruppen. Das pädagogische Problem bleibt vollständig, und man kann nicht genug auf der Notwendigkeit beharren, diesen Techniken eine Lernmethode hinzuzufügen, die die tiefen Mechanismen der Integration einer Sprache berücksichtigt.

Das Sprachlabor hat eben zum Ziel, diese Techniken in einer weiten Perspektive der sensorischen Integration zu fördern, ohne die jedes Erlernen einer Sprache sich als nutzlos erweist.

Wie oben gesagt wurde, lernt sich eine lebende Sprache, indem man ihr zuhört: die Rolle des Ohrs im phonatorischen Akt hat heute eine Beweiskraft erlangt. Das Ohr muss nicht nur den Klang erfassen, ihn kneten, ihn verwandeln, ihn wägen, ihn analysieren, es muss ihn auch verteilen auf der Ebene der Klaviatur der sensorischen Neuronen, deren Erregung durch Induktion zahlreicher Kreise das definitive Klangbild bestimmt. Das Ohr ist der Dirigent der Rede in allen ihren Aspekten: Stimmvolumen, Ton, Rhythmus des Flusses hängen von ihm ab.

Es ist also wichtig, sich des vollkommenen Verhaltens des Ohrs vor der ungewohnten Information der zu studierenden Sprache zu vergewissern, die auf eine auditive Haltung zurückgreift, die in allen Punkten verschieden ist von jener, in der die anfängliche, mütterliche Sprache es fixiert hat. Das Labor muss dem Ohr erlauben, sein Pavillon weit der sprachlichen Information zu öffnen und automatisch seine Öffnung auf das informative Hervorbringungsband zu regeln. Es muss auch die Möglichkeit geben, die Hervorbringung der vom Schüler gemachten Wiederholungen zu regeln. Jeder phonetische Akt muss tatsächlich vom auditiven Sensor kontrolliert werden, der den artikulatorischen Ablauf bis zur integralen Wiederherstellung führt.

So muss der Schüler sich seinerseits hören. Sprechen, wir haben es bereits mehrfach signalisiert, heißt sich hören, und auf eine bestimmte Weise sprechen heißt sich auf eine bestimmte Weise hören. Bei der Hervorbringung hat das Ohr die Macht, den „Piloten" zu spielen, kybernetisch die Intensität, das Timbre, die Intonation, die Inflexionen zu regeln, die semantische Kontrolle zu sichern (18).

Eine Sprache sprechen heißt, das eigene Zuhören an die akustischen Frequenzen dieser Sprache anpassen. Um dies zu erreichen, nimmt das Ohr eine spezifische Haltung für jede Sprache ein, was ihm erlaubt, nach Belieben die artikulatorischen Rückkopplungen zu verändern, die die Hervorbringung und dadurch den verbalen Fluss, Zeugnis einer neuen neuronischen Kodierung, variieren lassen.

So profiliert das Ohr sein Hören auf der spezifischen Bandbreite der zu integrierenden Sprache. Daraus ergibt sich eine Art zu hören, die sich auf die Hüllkurve dieses neuen Idioms moduliert. Die in einer Sprache hervorgebrachten Klänge enthalten tatsächlich vielfältige „Klangobjekte" mit einem Erscheinungsbild, einer Größe, einer Morphologie, die für die Sprache spezifisch sind.

Das Elektronische Ohr hat eben zum Ziel, den sprachlernenden Schüler in die klangliche Welt dessen eintreten zu lassen, dessen Sprache er übernehmen will.

Die Erfahrung hat uns einige Regeln entnehmen lassen, die zu kennen wesentlich ist, um die gewünschte Wirksamkeit zu erzielen:

  1. Das Elektronische Ohr wird während einer vorläufigen Periode vor den ersten Lektionen des Unterrichts der eigentlichen Sprache verwendet werden müssen, mit dem ausschließlichen Ziel, den auditiven und phonatorischen Apparat zu konditionieren.

  2. Hat man es mit Schülern zu tun, die bereits seit mehr oder weniger langer Zeit das Studium der Sprache begonnen haben und eine defekte Aussprache und Hörung haben, so ist die beste Methode, bei Null wieder anzufangen und das Studium der eigentlichen Sprache erst nach einer Periode der Verwendung des Elektronischen Ohrs wieder aufzunehmen, die einzig auf die Konditionierung des audio-phonatorischen Apparats abzielt.

  3. Wenn man aus irgendeinem Grund das Studium der Sprache nicht unterbrechen möchte, so sind zehn Minuten oder eine Viertelstunde jeder Lektion rein phonetischen Übungen unter dem Elektronischen Ohr zu widmen.

  4. Welche Dauer die Verwendung des Elektronischen Ohrs auch haben mag, diese Verwendung wird zum wesentlichen Ziel die progressive und methodische Integration aller Klänge, Rhythmen oder Intonationen haben müssen, die für die studierte Sprache spezifisch sind, das heißt der für einen Schüler einer anderen Nationalität am schwierigsten zu erwerbenden Elemente der gesprochenen Kette. Ihre Verwendung wird umso wirksamer sein, je mehr das Programm und der Fortschritt an die besonderen Defizite jedes Schülers angepasst sind, insbesondere mit Hilfe des vorhergehenden audiovokalen Tests, von dem weiter unten gesprochen werden wird.

  5. Wenn man Wert darauf legt, dass die mit Hilfe des Geräts durchgeführten phonetischen Übungen wirksamer das Studium der eigentlichen Sprache vorbereiten, so können die für diese Übungen gewählten Klanggruppen die wesentlichen Mechanismen des anfänglichen Lernens bilden. Selbst wenn der Schüler sie nicht versteht und in ihrer Wiederholung nur eine reine phonetische Übung sieht, befindet er sich nichtsdestoweniger in einer Lage, die identisch ist mit derjenigen des sehr jungen Kindes, das, zugleich mit dem progressiven Erwerb der Klänge und des Verhaltens seiner Muttersprache, nach und nach in seinen Reflexen den Sinn und die Verwendung der Klanggruppen, Phoneme oder Semanteme fixiert, die es um sich hört. Es wäre also nicht nutzlos, parallel zur phonetischen Übung eine synchrone Projektion von Ansichten oder festen Bildern zu verwenden, die dazu bestimmt sind, einen ersten mehr oder weniger präzisen Begriff vom Sinn zu geben.

  6. Obwohl im Allgemeinen eine einzige Wiederholung von Klanggruppen genügt, wird der Professor oder der Monitor jedoch vom Schüler verlangen müssen, sich anzustrengen, jede Gruppe zu wiederholen, gegebenenfalls mehrmals, bis er eine verständliche und nach Möglichkeit vollkommene Aussprache erreicht hat, die einer audiovokalen Konditionierung guter Qualität entspricht.

  7. Da der Schüler dank des Elektronischen Ohrs vollkommen seine eigene Stimme hört, ist die kombinierte Verwendung eines Doppelspur-Magnetbandgeräts, das die Selbstkontrolle erlaubt, besonders empfehlenswert.

  8. Schließlich kann die zwingende Notwendigkeit nicht verschwiegen werden, in den Sprachlabors Material zu verwenden, dessen Eigenschaften sehr hohen Qualitätsnormen entsprechen. Jedes defekte Element in der Montagekette des verbalen Systems riskiert, nicht nur die gute Übermittlung der zu hörenden Botschaft zu kompromittieren, sondern auch ihre Integration, die umso schwieriger gemacht werden kann, als die unterwegs aufgetretenen Veränderungen das anfängliche Erscheinungsbild völlig modifizieren.

Was sind also die zu treffenden Vorkehrungen und die hauptsächlichen zu vermeidenden Unvollkommenheiten?

Letztere können in allen Elementen der Montage angetroffen werden. Daher muss die Aufnahme von ausgezeichneter Qualität sein. Die für die Wiederholungen gelassenen Zeiten, sogenannte „klangliche Leerstellen", werden klug verteilt werden. Die Magnetbandgeräte werden treu wiedergeben, was das Band enthält, ohne jede Verzerrung. Die zu fordernde Linearität ist absolut notwendig bis 12000 Hertz, zum Beispiel für das Englische. Es ist uns mehrfach gegeben worden zu sehen, wie ganze Labors verlassen wurden, die Schüler ermüdeten, wegen der Magnetbandgeräte, deren Kurven, alle voneinander verschieden, Verzerrungen einführten, die das anfängliche akustische Signal unkenntlich machten.

Wenn vom Schüler in Hörhaltung verlangt wird, jederzeit, um den Preis großer Anstrengungen, die klangliche Botschaft, die ihm übermittelt wird, zu korrigieren oder zu erhaschen, so wird es ihm unmöglich, die gesuchte Integration zu erreichen. Der Missbrauch der billigen Magnetbandgeräte hat in diesem Bereich Anhäufungen schädlicher Spielzeuge geschaffen. Man hat ja gesehen (Kap. III) die Plastizität einer Hörkurve, die sich auf die auferlegte Kurve und die Botschaft, die man der Klangplage anvertrauen wollte, zu formen weiß; man wird also begreifen, dass ein Gerät, dessen Kurve ab 3000 oder 4000 Hertz abgeschnitten ist, eine auditive Konditionierung erzeugen kann, die der gesuchten entgegengesetzt ist.

Es ist uns sogar gegeben worden, Überprüfungen an Magnetbandgeräten durchzuführen — deren Bestimmung gleichwohl war, das Ohr zu erziehen —, bei denen alles ab 500 Hertz oder selbst 300 Hertz zu verschwinden begann. Die derzeit zugelassenen Normen, die einen Abfall ab 5000 Hertz erlauben, lassen sich nur zu kommerziellen Zwecken verteidigen; doch sie sind nicht ohne Gefahr und verbleiben im Bereich der Unwirksamkeit.

Ohne uns übermäßig zu diesen technischen Fragen auszudehnen, können wir jedoch behaupten, dass im audiovisuellen Bereich das Ungefähre in Sachen Apparatur unausweichlich zu einem totalen Misserfolg führt.

Außerdem müssen wir darauf beharren, dass der Schüler aktiv an dieser sprachlichen Einweihung teilnehmen muss, durch einen Beitrag an Willen und Anstrengung.

Wenn es nunmehr überprüft ist, dass die Leistung der aktiven Pädagogikmethoden durch die Verwendung des Elektronischen Ohrs verzehnfacht wird, so bleibt nichtsdestoweniger wahr, dass, sobald der auditive und phonatorische Apparat konditioniert ist, es bleibt, die Sprache mit ihrer Grammatik und ihrem Wortschatz zu lernen.

Man darf also die vom Studenten zu leistende Anstrengung nicht minimieren. Indes ist es auch gut zu präzisieren, dass seine Motivation, die unbestreitbar ein Hauptelement bleibt, weitgehend erleichtert wird durch die Aufhebung der anfänglichen Hemmungen, die in der Unverständlichkeit der gesprochenen, studierten Sprache und folglich in der Unmöglichkeit liegen, sie wiederzugeben.

Die audiovisuellen Techniken, deren Prinzipien wir soeben erörtert haben, müssen so — und dies wird die Schlussfolgerung dieses Kapitels sein — dem Professor weitgehende Dienste leisten können, indem sie seinen Schülern erlauben, ihre Ohren vollkommen dem Unterricht zu öffnen, der ihnen gespendet wird. Es handelt sich alsdann nicht mehr um einen „Dialog der Tauben", sondern wohl um einen fruchtbaren Austausch zwischen Individuen, die durch die Vermittlung einer gemeinsamen, korrekt übermittelten Sprache zu kommunizieren fähig sind.

Der Professor, von einer einzigartig schweren Aufgabe entlastet, ist alsdann in der Lage, seinen Schülern alle Feinheiten, alle spezifischen Elemente der Sprache integrieren zu lassen, deren „Sprachrohr" er ist. Auf einem vollkommen konditionierten Boden wird er mit Leichtigkeit die Kultur und die Psychologie übermitteln können, die der Ethnie entstammen, die er vertritt.

Wie zu Beginn dieses Kapitels signalisiert wurde, ist es nicht unsere Absicht, diese Techniken als Allheilmittel zu präsentieren. Sie müssen gewiss Mittel im Dienst der Pädagogik bleiben, doch bilden sie eine unerlässliche Hilfe für den Professor der lebenden Sprachen.

VI - Der audiovokale Test

Die grundlegenden Tomatis’schen Gesetze sowie die oben studierten Korollare zeigen die Notwendigkeit einer präzisen Kenntnis der Hörmöglichkeiten jeder Person, die eine Fremdsprache studieren möchte.

Diese Messung des Hörens kann leicht mit Hilfe einer Testbatterie erfolgen, die sich zugleich direkt auf die Hörfähigkeiten des Subjekts und indirekt — durch Rückkopplung gemäß dem Prinzip des Tomatis-Effekts — auf seine stimmlichen Möglichkeiten beruft.

Man kann zwei Arten von Untersuchungen unterscheiden:

  1. Die auditive Untersuchung

Diese erfolgt mit Hilfe eines Geräts namens „Audiometer" (19). Letzteres umfasst Klanggeneratoren, eine Art „elektronische Stimmgabeln" mit reinen, stabilen, oberlosen Frequenzen und messbarer Intensität.

Die vom Audiometer ausgesandten Klänge gehen von 125 Hz (20) bis 8000 Hz, von Oktave zu Oktave. Jede der Frequenzen weist eine variable Intensität auf, die sich von - 10 dB bis + 100 dB (21) erstrecken kann, in Schritten von 5 zu 5 dB.

Die Untersuchung erfolgt mit Hilfe eines Hörkopfhörers und eines Vibrators. Man geht vor, indem man nacheinander jede Frequenz hören lässt und für jede die Hörschwelle notiert. Man erhält so 4 Kurven, 2 für jedes Ohr (die Luftleitung und die Knochenleitung).

Der so durchgeführte Test erlaubt, eine Schwellenkurve zu erhalten, das heißt der Minimalschwellen oder besser noch der Schwellen des minimalen Hörbaren.

Wenn man so ein Diagramm erhalten hat, das die Empfindlichkeit des Ohrs des Subjekts gegenüber den reinen Frequenzen aufzeigt, geht man zu einem Studium der auditiven Selektivität über. Dieser Test hat zum Ziel, die Zonen, die Bandbreiten kennen zu lassen, in denen das Subjekt eine vollkommene Analyse der empfangenen Klänge vorzunehmen weiß. Man kann so erfahren, ob es empfindlicher für die tiefen, die mittleren oder die hohen Klänge oder für die Gesamtheit der Frequenzen ist.

Der Räumlichkeitstest folgt in dritter Linie auf die Erforschung der Selektivität. Er besteht darin festzustellen, von welcher Seite (rechts oder links) die durch Knochenleitung gesandten Klänge ankommen. Es kommt oft vor, bei Personen mit schlechter Räumlichkeit, dass gewisse links ausgesandte Frequenzen rechts gehört werden und umgekehrt. Die Fehler werden alsdann im Diagramm auf der Ebene jeder Frequenz notiert. Die erzielten Ergebnisse zeigen die „stereophonische" Fähigkeit des Untersuchten an.

Schließlich erlaubt eine Untersuchung der auditiven Lateralität, die mit Hilfe eines speziell für diese Probe konzipierten Geräts (das Audio-Laterometer) durchgeführt wird, das dominante Ohr des Subjekts zu bestimmen, jenes, das die Kontrolle des verbalen Flusses sichert.

Mit Hilfe der durch diese verschiedenen Untersuchungen des Hörens erzielten Ergebnisse kann man alsdann die Veranlagungen des Individuums gegenüber einer oder mehreren Fremdsprachen einschätzen:

    • Die stimmliche Untersuchung

Sie erlaubt es, die Messung der auditiven Fähigkeiten des Subjekts zu vervollständigen. Tatsächlich, gemäß dem Prinzip der audiovokalen Rückkopplung (Tomatis-Effekt), zeigt die Analyse der Stimme mit Präzision die entsprechende Art zu hören an.

Für ein besonders geübtes Ohr kann das Hören der gesprochenen Stimme bereits sehr kostbare Hinweise geben, die anschließend durch instrumentale Analysen bestätigt werden können. Der Untersucher kann das Timbre der Stimme, die Intensität, die Modulation, die faciale Lateralität (indem er beurteilt, ob die Person rechts oder links spricht) einschätzen, alles Elemente, die ihm die Fähigkeiten zur akustischen Analyse des in Prüfung befindlichen Subjekts anzeigen. Eine gut timbrierte Stimme zum Beispiel, mit ausreichender Intensität hervorgebracht und das rechte Gesicht mobilisierend, weist auf bedeutende Möglichkeiten der Analyse und Kontrolle der Sprache hin.

Wie oben angedeutet, können diese ersten Untersuchungen, die die Stimme betreffen, durch instrumentale Untersuchungen vertieft werden, die mit panoramischen Analysatoren, Sonographen oder mit Hilfe eines neuen Geräts namens „Phono-Integrator" durchgeführt werden. Die aufgenommene Stimme des Subjekts wird alsdann nach verschiedenen Prozessen zerlegt, die es erlauben, jedes der charakteristischen Elemente in Frequenzen, Intensität, Dauer zu individualisieren und so die spektralen Eigenschaften der Stimme zu erhalten, die, wie man sich erinnert, jenen des Hörens des Subjekts entsprechen.

Diese letzten Forschungen werden in Wirklichkeit nur im Labor durchgeführt. Einfachere Tests wurden entwickelt, wie jene, die mit Hilfe des Audiometers durchgeführt werden und die es erlauben, eine präzise Vorstellung von den auditiven Integrationsmöglichkeiten eines Individuums hinsichtlich des Erlernens einer Fremdsprache zu haben.

Es sei uns erlaubt, auf der Nützlichkeit solcher Untersuchungen zu beharren, die es erlauben, ärgerliche Orientierungsfehler und damit einen beträchtlichen Zeitverlust zu vermeiden, sowohl für das Kind als auch für den Erwachsenen.

Diese audiovokalen Tests sollten unserer Meinung nach systematisch vor jedem Erlernen einer lebenden Sprache angewandt werden. Sie würden dem künftigen sprachlernenden Kandidaten manche Missgeschicke ersparen, indem sie ihn davon entbinden, sich in das Studium einer Sprache einzulassen, die er nicht zu hören, das heißt zu integrieren, geeignet ist.

In Wahrheit, dank des Elektronischen Ohrs nach Tomatis-Effekt, ebnen sich die meisten dieser Schwierigkeiten. Tatsächlich, eine Sprache nicht hören heißt, die Bandbreite der Sprache, die man integrieren will, nicht zu besitzen. Nun aber zieht das Elektronische Ohr durch eine auditive Vorbereitung eine Veränderung der Kurve nach sich, eine Erweiterung der Bandbreite, und macht so den Schüler fähig, diese oder jene auditive Haltung einzunehmen, die ipso facto diese oder jene Haltung des gesamten bukko-pharyngealen Apparats hervorrufen muss.

Der audiovokale Test hat eben zum Ziel, kennen zu lassen, wie man das Kind konditionieren muss, damit es sodann zur gewählten Sprache Zugang erlangen kann.

Im Falle eines Defekts der Selektivität oder der Räumlichkeit oder der Lateralisierung wird eine vorgängige Behandlung unter dem Elektronischen Ohr ins Auge gefasst werden müssen, um die durch den anfänglichen Defekt gebildete Sperre aufzuheben. Die Wiederholung der Übungen führt überdies eine tiefe und dauerhafte Veränderung des Hörmodus des Subjekts herbei und befreit es von seiner anfänglichen auditiven Fehlanpassung.

Die dem Studium gegebene Leichtigkeit verdoppelt sich durch eine Wahrnehmung der geringsten phonetischen Nuancen der Sprache und verschafft eine größere Vollkommenheit des Akzents.

Aufeinanderfolgende Tests in regelmäßigen Abständen erlauben es dem Subjekt, seine Fortschritte objektiv zu messen, und dem Erzieher, die Einstellungen des Geräts zu korrigieren, bis eine Hörkurve erzielt wird, die eine vollkommene Aussprache nach sich zieht.

Der Beitrag solcher Untersuchungen zur Orientierung der Fremdsprachenstudien stellt eine der spektakulärsten und auch, man muss es wohl sagen, der am wenigsten geahnten praktischen Anwendungen des Tomatis-Effekts dar. Erst gegenwärtig erkennt man, wie sehr eine Hörmessung vor dem Studium einer Sprache notwendig ist, ebenso wie eine Sehprüfung vor dem Steuern eines Flugzeugs.

Es sei uns in dieser Hinsicht erlaubt zu wünschen, dass die Schulorientierung, deren Notwendigkeit und Wohltat heute niemand mehr zu diskutieren denkt, die Bedeutung in Betracht ziehen möge, den Schülern unserer Bildungseinrichtungen audiovokale Tests vor dem Studium jeder Fremdsprache absolvieren zu lassen.

VII – Schluss

Am Ende dieser Darlegung angelangt, oder vielmehr dieser Ausstellung von Studien, die den Tomatis-Effekt und seine Anwendungen im Bereich der sprachlichen Integration betreffen, ist es unser sehnlichster Wunsch, dass der Leser, der uns bis zum Ende zu folgen geneigt war, zutiefst überzeugt sei, „dass hören" und gut hören im Zentrum der Probleme der Sprache liegt und insbesondere des Studiums der Fremdsprachen. Wir glauben auf diesem Punkt genug beharrt zu haben, um nicht darauf zurückzukommen.

Auch wollten wir diese Seiten mit einer Note der Hoffnung beenden. Vor nicht langer Zeit konnte man noch, von der Leichtigkeit sprechend, mit der junge Kinder Fremdsprachen lernen, schreiben: „Diese wunderbare Veranlagung nimmt ziemlich schnell um das zehnte Lebensjahr herum ab, und die meisten Pädagogen oder Psychiater stimmen darin überein, dass ab dem 14. Lebensjahr eine wahre Zweisprachigkeit nicht mehr möglich ist". Diese Unmöglichkeit lässt der Tomatis-Effekt uns in ihren Grenzen zurückdrängen.

Es ist also heute für einen Erwachsenen nicht mehr ausgeschlossen, daran zu denken, eine andere Sprache als die seinige zu lernen, bis er sie wie seine Muttersprache integriert; diese Behauptung, die auf wissenschaftlich begründeten und durch eine lange Experimentierung überprüften Theorien beruht, setzt die wesentliche Rolle des Hörens im sprachlichen Studium ins Licht. Indem man das Hören eines Subjekts modifiziert, haben wir gesagt und im Lauf dieser Schrift wiederholt, und indem man ihm die typische „ethnische" Hörkurve der Sprache aufzwingt, die er zu studieren gewählt hat, sichert man ihm eben dadurch deren Integration.

Wenn man zugibt — und wer versteht das heute nicht — dass es jenseits der Wörter einer Fremdsprache einen ganzen Denkprozess gibt, ein ganzes Ensemble psycho-philosophischer Konzepte, das nur eine Beherrschung dieser anderen Sprache als der eigenen zu erwerben erlaubt, so wird man zugeben, dass es viel mehr als das banale Studium einer Sprache ist, sondern ein wahres Eintreten in ein neues klangliches und psychologisches Universum, zu dem wir unsere Leser einladen.

Léna TOMATIS, Paris 1965.

Lexikon

(1) R. Husson: „Étude expérimentale des modifications éventuelles de la fourniture vocalique sous l’influence de fournitures auditives stimulatrices concomitantes".

Note, vorgelegt von Herrn Pierre P. Grassé.

(2) Alfred Tomatis: „Incidences observées dans les lésions auriculaires constatées chez le personnel de bancs d’essai et les professionnels de la voix".

Bulletin du Centre d’Études et de Recherches médicales de SFECMAS (Nord-Aviation) septembre 1952.

(3) Alfred Tomatis: „Rôle directeur de l’oreille dans le déterminisme des qualités de la voix normale (parlée et chantée) et dans la genèse de ses troubles".

Actualités Oto-rhino-laryngologistes Masson, Paris 1954, p. 264.

(4) Note, vorgelegt von Herrn Moulonguet.

Auszüge aus dem Bulletin de l’Académie Nationale de Médecine, tome 141, n° 19 et 20.

(5) Alfred Tomatis: „L’Oreille directrice".

Bulletin du Centre d’Études et de Recherches médicales de la SFECMAS juillet 1953.

(6) Alfred Tomatis: „La dyslexie".

Éditions du Centre du Langage, pp. 46 à 49.

(7) Alfred Tomatis: „Études sur la sélectivité auditive".

Bulletin du Centre d’Études et de Recherches médicales de la SFECMAS - octobre 1954.

(8) Dieses Wort wird hier in seinem banalsten Sinne verwendet: es bedeutet keinerlei Zugehörigkeit zu dieser oder jener ethnologischen Doktrin; es bezeichnet einfach die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sprachlichen Gemeinschaft. Es ist möglich, dass das englische Ohr bei den Engländern angeboren ist wie ein bestimmter Teint oder ein bestimmtes Verhalten; es ist auch möglich, dass es unter dem Druck soziohistorischer Art „erlernt" wurde. In André Le Gall - Inspecteur général de l’Instruction publique: „Le redressement de certaines déficiences psychologiques et psycho-pédagogiques, par l’appareil à Effet Tomatis".

(9) Alfred Tomatis: „L’oreille et le langage".

Éditions du Seuil. Collection „Le Rayon de la Science", n° 17-1963.

(10) Charles Bailly: „Le langage et la vie". pp. 94-95.

(11) Pierre Fouché: „L’état actuel du phonétisme français".

Revue des Cours et Conférences. 15 avril 1937, p. 38.

(12) Wilder Penfield et Lamar Roberts: „Langage et mécanismes cérébraux". P.U.F. 1963, p. 270.

(13) Alfred Tomatis: „L’oreille et le langage".

Bibliographische Notiz

(14) Wichtige Anmerkung: die Distanz, die zwischen dem Grundton — anfangs derselbe in allen Sprachen und stets tief — und der selektiven Bandbreite einer gegebenen Sprache besteht, erklärt den mehr oder weniger großen Unterschied zwischen der schriftlichen Wiedergabe einer Sprache und ihrer Aussprache. Diese Veränderung ist umso größer, je größer der Unterschied ist: zum Beispiel das Spanische, hauptsächlich in den tiefen Klängen fixiert (wie wir weiter unten sehen werden), schreibt sich praktisch so, wie es ausgesprochen wird, während das Englische ein Maximum an Verzerrungen zwischen der gesprochenen Sprache und ihrer schriftlichen Wiedergabe aufweist.

(15) Wichtige Anmerkung: wir werden weiter unten entwickeln, was wir unter „Latenzzeit" verstehen. Wir können hier einfach sagen, dass es sich um die Zeit handelt, die ein Subjekt braucht, sich selbst zu hören.

(16) Alfred Tomatis: „Conditionnement audiovocal".

Bulletin de l’Académie de Médecine. Tome 144, n°11 et n°12. 1960, pp. 197 à 200. Présentation du Professeur A. Moulonguet.

(17) Congrès des Professeurs de Langues vivantes „L’électronique au service des langues vivantes".

Conférence donnée à l’UNESCO le 11 mars 1960 devant l’Association des Professeurs de Langues vivantes (APLV).

Erschienen im Bulletin de l’Union des Associations des Anciens Élèves des Lycées et Collèges français. März 1960.

(18) Und sogar die affektiven extralinguistischen Ladungen zu modulieren. Das Studium dieses letzten Punktes würde den Rahmen des vorliegenden Werkes überschreiten.

(19) Testgerät, normiert nach Tomatis.

(20) Hz = Hertz = Zyklus/Sekunde = Frequenzeinheit.

(21) dB = Dezibel = Intensitätseinheit.

Bibliographische Notiz

Bailly Charles

  • „Le langage et la vie". pp. 94/95

Fouché Pierre

  • „L’état actuel du phonétisme français – II" Revue des Cours et Conférences - 75 avril 1937 p.38

Husson Raoul

  • „Étude expérimentale des modifications éventuelles de la fourniture vocalique sous l’influence de fournitures auditives stimulatrices concomitantes". Note, vorgelegt von Herrn Pierre Grassé, Académie des Sciences, Sitzung vom 25. März 1957

  • „Modifications phonatoires d’origine auditive et applications physiologiques et cliniques". Mitteilung, vorgelegt von A. Moulonguet an die Académie Nationale de Médecine, Bulletin de l’Académie Nationale de Médecine, 121. Jahrgang, 3. Serie, 141, n° 19-20, Sitzung vom 28. Mai und 4. Juni 1957.

Le Gall André

  • „Le redressement de certaines déficiences psychologiques et psycho-pédagogiques par l’appareil à Effet Tomatis". März 1961

Penfield Wilder et Roberts Lamar

  • „Langage et mécanismes cérébraux". P.U.F. 1963 p.270

Alfred Tomatis

  • „Incidences observées dans les lésions articulaires constatées chez le personnel des bancs d’essai et les professionnels de la voix". Bulletin du Centre d’Études et de Recherches médicales de la SFECMAS (Nord-Aviation), September 1952.

  • „L’oreille directrice". Bulletin du Centre d’Études et de Recherches médicales de la SFECMAS (Nord-Aviation), Juli 1953.

  • „Rôle directeur de l’oreille dans le déterminisme des qualités de la voix normale (parlée ou chantée) et dans la genèse de ses troubles". Actualités Oto-rhino-laryngologiques - Masson, Paris 1954.

  • „La sélectivité auditive". Bulletin du Centre d’Études et de Recherches médicales de la SFECMAS (Nord-Aviation), Oktober 1954.

  • „Relations entre l’audition et la phonation". Annales des Télécommunications, tome I, n° 7-8, Cahiers d’Acoustique, Juli-August 1956.

  • „Audiométrie objective: résultats des contre-réactions phonation-audition". Journal français d’Oto-rhino-laryngologie, n° 3, pp. 379 à 391, Imprimerie R. Gauthier: Lyon, Mai-Juni 1957.

  • „Rééducation automatique". École Polytechnique de l’Université de Lausanne, September 1958. Annales du GALF (Groupement des Acousticiens de Langue française).

  • „L’électronique au service des langues vivantes". Vortrag, gehalten an der UNESCO am 11. März 1960. Erschienen im Bulletin de l’Union des Associations des Anciens Élèves des Lycées et Collèges français, März 1960.

  • „Conditionnement audiovocal". Bulletin de l’Académie Nationale de Médecine, tome 44, n° 11 et 12, 1960, pp. 197 à 200. Vorgelegt von Professor A. Moulonguet.

  • „La voix". Revue musicale - Sonderausgabe gewidmet „Médecine et Musique" (1962).

  • „L’oreille et le langage". Collection Microcosme - Le Rayon de la Science n°17, Éditions du Seuil (1963), 192 illustrierte Seiten.