Ein wenig Phonetik

Anlässlich einer Klärung der logopädischen Arbeit eines Mitglieds des Netzwerks wurde die sonographische Analyse bestimmter Phoneme von Professor Tomatis in seinem Pariser Laboratorium durchgeführt.

Die phonetischen Unterscheidungen gehören unbestreitbar zu den beruflichen Anliegen der Logopäden. Sie sind in Wahrheit nur auditive Unterscheidungen gegenüber einem Klang, und a fortiori gegenüber der Sprache. Diese ist aus einer Aufeinanderfolge von Klängen zusammengesetzt, welche die gesprochene Kette bestimmen: Verkettung von Buchstaben, Silben, Wörtern, die den Satz bilden, aus dem die globale Bedeutung hervorgeht, die ihrerseits aus den semantischen Werten jedes der verbalen Bestandteile auftaucht. Die Zusammensetzung des Kontextes verleiht endgültig den Sinn der engagierten Struktur, gestützt vom Rhythmus und von der Intonation des verbalen Stroms.

Das heißt, wie bedeutend die Teilnahme des Hörens ist.

Es scheint uns nützlich, die wesentlichen Elemente in Erinnerung zu rufen, die im Ohr spielen:

  1. Zunächst breitet es sich, wenn es so präsentiert, wie es sein sollte, nach der physiologischen Kurve (von Flechter) von den Tiefen zu den Höhen auf einem Spektrum aus, das von 16 bis 16000 Schwingungen reicht,

  2. profiliert es sich auf einer Kurve, die keine Verzerrung aufweist,

  3. kann es, wenn es sich darangibt zuzuhören, die Klänge zerlegen, die zu ihm gelangen, ebenso die der gesprochenen Kette wie die der musikalischen Phrase. Sagen wir nebenbei, dass auf diesem besonderen Punkt sich die Sprache ihrerseits auf einer spezifischen und für jedes der Idiome kennzeichnenden Musikalität aufbaut,

  4. muss die Selektivität in Rechnung gestellt werden. Sie ist eine bedeutende Qualität des Ohres, die einige ergänzende Informationen verlangt, weil sie ungewohnt ist. Sie entspricht der Möglichkeit, die das Ohr besitzt, nicht nur dahin zu gelangen, die Tonhöhen zu unterscheiden, sondern darüber hinaus den Sinn der Schwankungen von einem Klang zum anderen zu erkennen. Es ist kurzum das frequenzielle Unterscheidungsvermögen, das diese Besonderheit kennzeichnet,

  5. ist die auditive Lateralität ebenfalls zu analysieren, da sie auf das sequenzielle Unterscheidungsvermögen des Satzes spielt,

  6. ist es nötig, daran zu erinnern, dass die Sprachen, welche immer sie seien, sich den Hörmöglichkeiten der verschiedenen ethnischen Gruppen anpassen müssen.

Es käme niemandem in den Sinn zu behaupten, dass die mündliche Sprache ihren Ursprung in einer Gesellschaft aus Taubstummen finden könnte. Sie konnte nur von Hörenden, besser noch von Zuhörenden, von wahren „Phonetikern" erzeugt werden. Und man erinnert sich an die Behauptung von Daniel Jones in seinem Werk An outline of Phonetics, wo er präzisiert, dass man keineswegs beanspruchen könne, ein Phonetiker zu sein, ohne mit einem vollkommenen Ohr ausgestattet zu sein. Kurzum, mit einem Ohr, das den Merkmalen entspricht, die wir soeben angezeigt haben.

Im übrigen tun die „pertinenten" phonetischen Unterscheidungen, von der Prager Schule aufgewiesen und von Troubetzkoy in seinem Werk über die Phonologie expliziert, nichts anderes als die „sprachlichen Kanäle" zu bestimmen, die in Wirklichkeit nur „auditive Kanäle" sind.

Der offenkundigste Beweis wird durch die phonetischen Entstellungen geliefert, die bei dem Kind mit bedeutenden Hördefiziten festgestellt werden. Je nach Sitz dieser Defizite in der Skala des akustischen Spektrums ist es leicht vorherzusagen, welche Aussprachefehler vorliegen werden. Ein bedeutendes Defizit in den Höhen ist mit Sicherheit ein großer Nachteil, um die Zischlaute zu integrieren und folglich um sie spontan wiederzugeben.

Dies gesagt, ist es leicht, den Parallelismus zu visualisieren, der die phonetische Integration mit der auditiven Wahrnehmung verbindet. Das Ohr kann sehr wohl einem Filter gleichgesetzt werden, der die Integration in Funktion seiner Potentialitäten gewährleistet. Es wird so die durch die Mängel seiner Antwortkurven hervorgerufenen Wirkungen übersetzen, selbst wenn diese auf den ersten Blick geringfügig erscheinen können. So werden, selbst wenn die phonetischen Entstellungen für ein nicht gewarntes, kurzum wenig erfahrenes Ohr kaum erkennbar sind, sie sich zwingend bei der Inbetriebsetzung komplexerer Prozesse wie der des Lesens und der Rechtschreibung kundgeben.

Wir nehmen nun die eigentliche Arbeit der sonographischen Untersuchungen der Phoneme wieder auf.

Kommentare zu den Phonemen

Die Untersuchung erstreckt sich auf Phoneme der französischen Sprache. Der angenommene Analysator ist der Sonagraph.

Dieser gestattet es aufzuweisen:

  • die Entwicklungszeit des Phonems,

  • die frequenzielle Analyse dieses Phonems in Funktion des zeitlichen Ablaufs,

  • die Intensität.

  • Die Zeit schreibt sich auf der x-Achse ein,

  • die Frequenzen auf der „y"-Achse. Die Analyse geht hier bis 10 kHz (siehe Abb. 1),

  • die Intensität liest sich in Funktion der mehr oder weniger ausgeprägten Schwärze des frequenziellen Striches. So zeigt sich jede Frequenz mit ihrer relativen Intensität im Verhältnis zum Ganzen.

Verschiedene Klänge wurden als Beispiel gesammelt. Selbstverständlich kann man nach Belieben das, was wir vorstellen, auf einem weiten Maßstab anwenden, doch die ursprünglichen Elemente sind bereits mit den gewählten Zeichnungen hervorgehoben.

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(Abb. 1)

Zunächst werden die Vokale aufgezeichnet: „A", „E", „I", „O" und „U".

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(Abb. 2)

Sodann werden zu diesen Vokalen verschiedene Konsonanten hinzugefügt: „F", „Z", „S", „CH" und „V".

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(Abb. 3)

Um eine Überlastung der Dokumente zu vermeiden, werden wir uns damit begnügen, diesen Konsonanten den Vokal „E" hinzuzufügen, wie es üblich ist, dies beim Erlernen des Lesens der Buchstaben zu tun.

In einem letzten Schritt geben wir die Klänge wieder, die aus dem Hinzufügen des „N" nach „A", „O" hervorgehen.

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(Abb. 4)

Aus diesem Grund ist die Aufeinanderfolge der Konsonanten mit einem „E" zu lesen. Man bemüht sich, die mit diesem, sagen wir „neutralen", Vokal verbundenen konsonantischen (in Wahrheit „convokalischen") Klänge wahrzunehmen, um keine Interferenzen zwischen den Konsonanten und den Vokalen herbeizuführen.

Das „E" ist dort wie um die Zündvibration der so ausgesprochenen Zischlaute zu starten: „eF", „Ze", „eS", „CHe", „Ve".

Außerhalb der auf der Abszisse eingeschriebenen Zeit breiten sich die Frequenzen auf der aufsteigenden Achse aus und gestatten es, im unteren Teil jedes der Phoneme eine Zone zu sehen, die den „Formanten" entspricht, auch als „Fundamentale" bezeichnet. Sie zeugen von der laryngealen Teilnahme.

Auf den ersten Blick ist es leicht festzustellen, wie verschieden die fundamentale „Zone" ist. Sie erweist sich darin schon als kennzeichnend für jeden der verschiedenen Klänge. In den oberen Teilen unterscheiden sich die Graphiken voneinander durch „Zonen", die jedem Vokal spezifisch sind. Diese frequenziellen Zonen sind um so höher, je weiter man sich zum oberen Teil der Ausbreitung des Frequenzspektrums wagt.

Das „A" erscheint reicher auf der Höhe der Fundamentalen und der überliegenden Obertöne als das „O". Das „I" ist besonders dicht in den Höhen, jenseits der Schwelle von 2 kHz.

Das „Ou" zeigt sich als ein weniger „brillantes" „O", entsprechender Mangel in den hohen Obertönen.

Die Zischkonsonanten „eF", „Zed", „eS", „CHe", „Ve" unterscheiden sich ebenfalls voneinander durch ihre eigenen Merkmale. Indes haben sie einen gemeinsamen Nenner, den wir bereits kennen, indem wir die Graphik des „E" wiederfinden.

Hingegen erweist sich der Teil der Zischlaute als eigentümlich für jeden von ihnen durch eine mehr oder weniger dichte Zone in den Höhen, ab 2 kHz.

Diese Gesamtheit der Graphiken gestattet es, die Anforderungen bezüglich der Integration der verschiedenen Phoneme zu visualisieren.

Sei nebenbei daran erinnert, dass einen Klang zu integrieren bedeutet, zu einer Aufnahme von hoher Qualität fortzuschreiten und sich einer Wiedergabe im Identischen zu versichern, also „ad integrum". Es handelt sich kurzum darum, das Modell wiederzugeben. Um dahin zu gelangen, sind zwei Bedingungen unentbehrlich:

  • die eine, welche will, dass die Eingravierung ohne Verzerrung geschehe,

  • die andere, welche verlangt, dass die Wiedergabe von identischer Qualität sei, ohne jede Veränderung, insbesondere bei der Hervorbringung.

Es ist, wie man sieht, das Problem, mit dem all jene konfrontiert sind, die zum Ziel haben, die Klänge, die Musik, die Rede, die Geräusche, kurz die klangliche Welt zu sammeln. Sobald man auf der rein materiellen Ebene bezüglich der Aufnahme bleibt, ist die Sache offenkundig.

Doch — eigentümlicher Sachverhalt — für die Übertragung eben dieser Phänomene, die die Integration berühren und die den Spracherwerb in Anspruch nehmen, richtet sich eine Barriere gegen das Verständnis auf, als wäre plötzlich das auditive Mikrofon verdeckt, das jedoch in doppelter Hinsicht spielt:

  • einerseits bei der Aufnahme,

  • andererseits im Augenblick der Hervorbringung als Aufnehmer der Kontrollschleife.

Wir werden uns damit begnügen, einige Überblicke zu geben, die graphisch leicht zu entschlüsseln sind, betreffend die häufigsten Probleme und jene, die das schulische Leben des Kindes dramatisch komplizieren, indem sie ihm nicht gestatten, die klanglichen Signale in ihrer „Vollständigkeit" zu absorbieren oder sie in ihrer Fülle wiederzugeben.

In diesem ersten Kontakt werden wir den einfachen Fall einer Abwesenheit des Zuhörens in den Höhen, ab 2 kHz beispielsweise, nehmen.

Für jene, die gewohnt sind, den Begriff des Zuhörens anzugehen, bedeutet das:

  • entweder ein mehr oder weniger ausgeprägtes auditives Defizit vom perzeptiven Typ aufzuweisen,

  • oder eine ab dieser Ebene nicht geöffnete Selektivität zu haben, das heißt unfähig zu sein, ab 2 kHz zur frequenziellen Analyse fortzuschreiten.

Auf den folgenden Graphiken wurden die defizienten Höhen durch eine schattierte Zone dargestellt. Man kann sie sich mehr oder weniger schattiert, also mehr oder weniger ausgeprägt vorstellen.

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Die Vokale „A", „E", „I", „O" und „U" (Abb. 5) verlieren von ihrem Glanz. Ohne Zweifel wird ihre Wahrnehmung matt sein, doch ist es auf der Ebene der Hervorbringung, dass das Phänomen am bemerkenswertesten ist. In der Tat verlieren die pertinenten Unterschiede erheblich von ihren Unterscheidungsmerkmalen. Was sich durch eine mangelhafte Aussprache übersetzt.

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Bei den Zischlauten „F", „Z", „S", „CH" und „V" (Abb. 6) verschwinden ihre differentiellen Merkmale, lassen nur den nicht pertinenten Teil bestehen, derart, dass es wenn nicht unmöglich, so doch in jedem Fall heikel wird, die verschiedenen Sibilanten korrekt zu unterscheiden.

Man weiß, wie häufig diese Verwechslung ist. Man weiß auch, wie sich diese Probleme lösen, wenn die Selektivität durch eine auditive Erziehung geöffnet wird, ohne dabei auf der pädagogischen Ebene etwas anderes zu tun.

Beim Kind besteht eine weitere Klippe in der Unmöglichkeit, den Unterschied zwischen dem „A" und dem „An", dem „O" und dem „ON" wahrzunehmen.

Auch hier geben die Aufzeichnungen aussagekräftige Auskünfte, insofern sie die Unterscheidungsmerkmale zwischen jedem der beiden uns schon bekannten Vokale „A" und „O" und ihrer Resultierenden „AN" und „ON" durch Hinzufügung des „N" aufweisen.

Für ein offenes Zuhören, das ohne Verzerrung noch Schließung der Selektivität funktioniert, kein Problem. Es ist praktisch unmöglich, den Unterschied nicht wahrzunehmen.

Hingegen wird für ein noch nicht zur Öffnung der Selektivität gelangtes Hören wie im vorhergehenden Fall, mit also einer Zone der Nicht-Diskriminierung ab 2 kHz, die Verwechslung offenkundig (Abb. 7).

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  • Um zwischen „O" und „ON" zu entscheiden, ist es wirklich schwer, dahin zu gelangen.

  • Für „A" und „AN" kann die Antwort zufällig sein, dank einer noch ermöglichten Unterscheidung. In der Tat entdeckt man darin einen gewissen Dichteunterschied in den Formanten und den Frequenzen zwischen 500 Hz und 2 kHz. Ist die Selektivität bei 1 kHz blockiert, so wird die Analyse, selbst aufmerksame, sehr heikel.

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Alfred Tomatis, Paris, 2. April 1992