L'écoute, c'est la vie
L'écoute, c'est la vie — Einführung in die Tomatis-Methode
Durchgesehene zweite Auflage des 2007 bei Jouvence erschienenen Werkes von Patrick Dumas de la Roque — ein Klassiker der allgemein zugänglichen Einführung in die Tomatis-Methode. Diese Neuausgabe, 2014 von den Éditions Besson unter Mitwirkung der F.I.A.P.E. (Fédération Internationale d’Audio-Psycho-Phonologie et Pédagogie de l’Écoute) veröffentlicht, eröffnet mit einem Zeugnis von Léna Tomatis und einem Vorwort von Christophe Besson, in dem dieser zum ersten Mal den Weg erzählt, der ihn von der École technique de Neuchâtel zur industriellen Fertigung des Oreille Électronique Besson® geführt hat. Das Werk ist „Léna Tomatis und meinen Patienten" gewidmet.

„Das Endziel, wenn es eines gibt, ist tatsächlich, zuhören zu können."
— Alfred Tomatis, zitiert von Patrick Dumas de la Roque
Vorstellung
Das Vorhaben des Buches ist zugleich schlicht und ehrgeizig: erstmals eine zugängliche Synthese des bedeutenden Werkes Alfred Tomatis’ vorzulegen, ohne irgendetwas an Strenge preiszugeben. Patrick Dumas de la Roque, beratender Psychologe, von Tomatis selbst ausgebildet und nach mehreren Jahren, in denen er Professor Tomatis in England zur Seite stand, in Toulouse niedergelassen, besaß dazu die wissenschaftliche Autorität und die pädagogische Wärme. In seiner Einleitung erläutert er das Ziel: „Dieses Werk wendet sich an alle Personen, die durch das bedeutende Werk Dr. Alfred Tomatis’ entdecken möchten, was Zuhören ist" — Eltern, Lehrkräfte, Gesangs- und Fremdsprachenlehrer, Psychologen, Ärzte und jeden schlicht neugierigen Erwachsenen.
Die Audio-Psycho-Phonologie wird darin als die organische Verbindung dreier Disziplinen vorgestellt, die lange Zeit getrennt gehalten wurden: der Audiologie (das Ohr), der Phonologie (die Stimme) und der Psychologie. Die Stimme hängt vom Ohr ab, das Ohr hängt vom Psychischen ab, das Psychische bildet sich im Zuhören: „der Mensch ist gänzlich Ohr". Das Werk entfaltet diese Intuition über zwei große Teile — einen theoretischen Teil über das Ohr und sein Funktionieren, gefolgt von einem mit Fallstudien durchzogenen praktischen Leitfaden, in dem der Verfasser sowohl die Lernschwierigkeiten des Kindes als auch Schwindel, existentielle Depression oder Epilepsie beim Erwachsenen behandelt.
Ein Zeugnis und ein Vorwort, die einen Umweg wert sind
Die Ausgabe von 2014 eröffnet mit zwei Texten, die das Buch über seinen bloßen einführenden Wert hinaus zu einem eigenständigen Dokument machen.
Léna Tomatis zeichnet das einleitende Zeugnis und ruft darin ihren dreizehn Jahre zuvor verschiedenen Gatten mit der Scham und der Tiefe in Erinnerung, die man in all ihren Schriften wiederfindet. Sie erinnert an den Wahlspruch Alfred Tomatis’ — „Alles empfangen, um alles zu geben" — und an die Inschrift, die er 1976 für seine Autobiographie L’Oreille et la Vie gewählt hatte: „Wenn ich nur die mir anvertraute Sendung vollende…". Sie vertraut an: „Ich pflegte zu sagen, er sei immer 300 m über dem Boden, während ich mich auf unserer Erde abplagte." Der Text schließt mit dem Tod Professor Tomatis’ am Weihnachtstag 2001.
Christophe Besson zeichnet das Vorwort und erzählt darin — was selten ist — seinen eigenen Werdegang. Als junger Student an der École technique de Neuchâtel Mitte der 1980er Jahre, leidenschaftlicher Liebhaber der Akustik und der Elektronik, „leicht hyperaktives und an Dyslexie leidendes Kind, das eine schreckliche Schulzeit durchlebt hatte", wird er vom Centre de l’Écoute de Neuchâtel angestellt, um das Tomatis-Material zu reparieren und zu warten. Er entdeckt dort eine Methode, die ihm als Kind Jahre schulischer Not hätte ersparen können. Ab 1990 betreut er die Einrichtung und Wartung nahezu aller Centres de l’Écoute Tomatis in der Schweiz — „die Methode erfuhr damals in diesem Land einen kräftigen Aufschwung, da die Behandlung anerkannt und von den Krankenkassen erstattet wurde". 1991 begegnet er Alfred Tomatis: „die Begegnung war außerordentlich, erschütternd". Ab 1992 montiert er in Paris rund zwanzig elektronische Ohren, verlegt dann die Fertigung nach Neuchâtel; zwei Jahre später sieht eine ganz neue Generation des Oreille Électronique Besson® das Licht. In diesem Zusammenhang begegnet er Patrick Dumas de la Roque, an dem er „die Geistesoffenheit und die von allem Vorurteil freie Achtung" würdigt.
Inhaltsverzeichnis
Das Werk gliedert sich in zwei große, einander gegenüberstehende Teile — die Theorie, sodann die Praxis.
Erster Teil — Die Audio-Psycho-Phonologie
- Entstehung der Audio-Psycho-Phonologie — „Unnötig, sich um ihn zu kümmern: er ist tot!"; eine neue Disziplin.
- Die Tomatis-Gesetze — „Das Ohr spitzen heißt das richtige spitzen, das heißt das rechte!"
- Die großen Funktionen des Ohrs — Bewegungen, Vertikalität und Körperbild; das Ohr als Dynamo für das Gehirn; die Klänge und Bewegungen, die aufladen; kortikale Energie.
- Hören versus Zuhören.
- Das Funktionieren des Ohrs ist kein Geheimnis mehr.
- „Mir ist schwer ums Herz."
- Vom intrauterinen Zuhören zur Stimme des Vaters — am Anfang war das Ohr; Kind, was hörst du?; die Stimme des Vaters; die Erde und die Sonne.
- Die Therapie des Zuhörens — der Hörtest; das Gerät mit „Tomatis-Effekt"; Ablauf des Vorgangs; die Programmierung „vom intrauterinen Leben zum Spracherwerb".
- Warum Mozart? — vertikale Musik versus horizontale Musik; „der Gregorianische Choral heilt nicht, er rettet!"
Zweiter Teil — Praktischer Leitfaden zur Tomatis-Therapie
Im Dienst der Kinder:
- Motorische Verzögerung, Dyspraxie, Sprachentwicklungsverzögerung.
- Schulversagen ist kein Schicksal (der Fall Jean: „ebenso eine Brille nötig, um gut zu sehen, wie um zuzuhören").
- Eine neue Hoffnung für autistische Kinder (Fall Olivier).
- Epilepsie („die Sicherungen sind durchgebrannt!").
- Im Umkreis der Adoption.
Im Dienst der Erwachsenen:
- Persönliche Entwicklung.
- Sänger und Musiker: „man singt mit dem Ohr!"; „mein Instrument, das ist mein Körper".
- Die Integration der lebenden Sprachen: „wir sind alle polyglott geboren"; die Gabe der Sprachen; das Projekt Audio-lingua; „wir sind von den Klängen geformt".
- Begleitung schwangerer Frauen.
- Depression und Therapie des Zuhörens — die existentielle Depression; der Fall Pierre.
- Morbus Menière: „die Welt bricht unter meinen Füßen zusammen!"
Das Werk schließt mit einer Bibliographie der Bücher Alfred Tomatis’, einer vom Pr. Tomatis empfohlenen Musikauswahl sowie einem Verzeichnis der APP-Praktikervereinigungen.
Stellung im Werk
Während Apprends à écouter pour ton bien-être von Pierre Sollier eine methodische Abhandlung in sechs Büchern und über 340 Seiten bietet, trifft L’écoute, c’est la vie die entgegengesetzte Wahl: die lebendige Synthese, in 150 Seiten, die sich in einem Zug lesen lässt. Die beiden Werke ergänzen einander — das eine für den Leser, der sich hinsetzen und lernen möchte, das andere für den Leser, der rasch verstehen möchte. Patrick Dumas de la Roque, sowohl durch die klinische Praxis in der Sprechstunde von Tomatis als auch durch die in England an der Seite des Professors verbrachten Jahre ausgebildet, gibt das Denken des Meisters mit Feinheit wieder, ohne dessen Buchstaben festzuschreiben.
Es ist auch, dank des Vorworts von Christophe Besson, einer der seltenen Texte, in denen die Gründungserzählung von Besson of Switzerland festgehalten ist: ohne diese Begegnung des Jahres 1991 und ohne die daraus folgende Zusammenarbeit hätte die industrielle Fertigung der elektronischen Ohren zweifellos einen anderen Lauf genommen. Insofern interessiert das Buch ebenso sehr den an der Methode interessierten Leser wie den Historiker ihres Netzwerks.
Das Wesentliche
Das Buch, das in alle Hände zu legen ist, um in die Tomatis-Methode einzutreten: kurz, klar, lebendig, von Fallstudien durchzogen, die die Theorie atmen lassen. Zu empfehlen den Eltern, den Lehrkräften, den in Ausbildung befindlichen Praktikern, den Studierenden der Psychologie oder der Logopädie und jedem Erwachsenen, der sich Fragen zum Verhältnis zwischen seinem Zuhören, seiner Stimme und seinem inneren Leben stellt. Die zweite Auflage, durch die beiden Eingangstexte von Léna Tomatis und Christophe Besson erweitert, macht daraus einen wertvollen Band.
Patrick Dumas de la Roque — 2. Auflage, Éditions Besson, 2014 (ISBN 978-2-8399-1378-2). 1. Auflage: Éditions Jouvence, 2007 (ISBN 978-2-88353-567-1). Satz und Umschlag: Sandra Huguenin. Ausgabe veröffentlicht unter Mitwirkung der F.I.A.P.E. — Fédération Internationale d’Audio-Psycho-Phonologie et Pédagogie de l’Écoute.