Interviews von Alain Gerber mit Professor Alfred Tomatis
Interviews von Alain Gerber mit Professor Alfred Tomatis — SON Magazine, 1972-1977
Reihe von fünfzehn Gesprächen, geführt vom Journalisten Alain Gerber mit Professor Alfred A. Tomatis zwischen September 1972 und Dezember 1977, monatlich veröffentlicht in der Zeitschrift SON Magazine (Paris). Dieser außergewöhnliche Textkorpus — siebenundsechzig Seiten in der von Christophe Besson im Juni 2010 erstellten Digitalisierung — umfasst das gesamte Denken Tomatis’: die Rolle des Ohrs in der menschlichen Entwicklung, die Integration der lebenden Sprachen, das intrauterine Zuhören, die Mutterstimme, die audio-psycho-phonologische Wiedererziehung, das musikalische Ohr, die gesungene Stimme (mit der spektrographischen Analyse Carusos), die gefährlichen Klänge, den Lärm, das rechte Ohr, das Körperbild, die menschliche Stimme, das Ohr als Mikrofon, Klänge und Farben sowie die klangliche Architektur. Mit lebendiger und präziser Feder vermittelt Alain Gerber dem Leser die unmittelbare Erfahrung eines Dialogs mit Tomatis in all seiner Verve und seiner klinischen Tiefe.
*Interviews von Alain Gerber
mit Professor Alfred A. Tomatis
Veröffentlicht in der Zeitschrift „SON Magazine", Paris
von 1972 bis 1977
Digitalisierung und Layout: Christophe Besson, Juni 2010*
Vorstellung der Reihe
Von September 1972 bis Dezember 1977 führte der Journalist Alain Gerber — im Übrigen Schriftsteller, Jazzkritiker und Verfasser zahlreicher Werke — in der monatlich erscheinenden Zeitschrift SON Magazine eine bemerkenswerte Reihe von eingehenden Gesprächen mit Professor Alfred A. Tomatis. Fünfzehn Ausgaben folgten aufeinander, und jede erkundete eine Facette des tomatisschen Denkens: von der grundlegenden Rolle des Ohrs in der menschlichen Entwicklung über die Wiedererziehung der Sprachstörungen bis hin zur gesungenen Stimme, dem Sprachenlernen, der Körperhaltung und der klanglichen Architektur.
Der Ton ist der eines freien Dialogs, in dem Gerber — aufmerksamer und oft widersprechender Zuhörer — Tomatis den nötigen Raum lässt, um seine Thesen zu entfalten, ohne der journalistischen Vereinfachung nachzugeben. Das Ergebnis ist außergewöhnlich: Diese Interviews bilden eine der besten lebendigen Einführungen in die Tomatis-Methode und ergänzen die systematischeren Werke (L’oreille et le langage 1963, Éducation et Dyslexie 1971, La libération d’Œdipe 1972 usw.).
Inhaltsverzeichnis der fünfzehn Gespräche
SON Magazine Nr. 30 — September 1972
Die Rolle des Ohrs in der Entwicklung des menschlichen Wesens
„WIR SPRECHEN MIT UNSEREM OHR"
Erstes Gespräch der Reihe. Alain Gerber stellt Tomatis vor: „Er beruhigt die Geängstigten, besänftigt die Nervösen, balanciert die Labilen aus, hilft Fremdsprachen aufzunehmen. Er bekämpft die Überarbeitung, das Stottern, das Pfeifen im Ohr und die Rechtschreibfehler. Er lässt richtig singen, lehrt gut zu lesen, richtet schwache Willen wieder auf und gibt jenen, die es verloren haben, das Gedächtnis zurück." Tomatis zeichnet darin die Anfänge seiner Forschungen nach, seine doppelte Herkunft als HNO-Arzt und Sängersohn, seine Entdeckung der Parallele zwischen der Schwerhörigkeit der Sänger und jener der dem Lärm ausgesetzten Arbeiter sowie die Formulierung seines Grundgesetzes: „der Kehlkopf gibt nur die Obertöne ab, die das Ohr zu hören vermag".
SON Magazine Nr. 31 — Oktober 1972
Die Integration der lebenden Sprachen
„DIE REICHSTE BANDE, DIE DER RUSSEN"
Warum scheitern manche im Übrigen brillanten Schüler im Englischen? Tomatis erklärt das Erlernen der lebenden Sprachen durch die akustische Geographie, die jedem Idiom eigen ist: Jede Sprache besitzt ihre charakteristische Durchlassbande. Das Russische nimmt die breiteste Bande ein (von 100 bis 12 000 Hz), was die Leichtigkeit der Russen erklärt, jede andere Sprache zu erlernen. Die auditive Vorbereitung unter dem Elektronischen Ohr erlaubt es, das Ohr nach dem ethnischen Profil der Zielsprache umzuformen.
SON Magazine Nr. 32 — November 1972
Das intrauterine Zuhören
„WIE DAS KIND ZU DEN KLÄNGEN GEBOREN WIRD"
Tomatis kommt auf das fötale Hören und den pharaonischen Mythos vom Ursprung der Sprache zurück. Das Kind hört schon vom viereinhalbten Monat an in utero; die durch das Fruchtwasser gefilterte Mutterstimme bildet die erste klangliche Matrix des Wesens. Dieses Interview legt die Grundlagen für die intrauterine Kur unter dem Elektronischen Ohr.
SON Magazine Nr. 33 — Dezember 1972
Die Mutterstimme
„DER URSPRUNG DER SPRACHE, DAS BEDÜRFNIS ZU KOMMUNIZIEREN"
Logische Fortsetzung des vorigen Gesprächs: Tomatis erläutert die Rolle der Mutterstimme in der Entstehung des Verlangens zu kommunizieren und legt die Technik der Filterung der Mutterstimme (MS) dar, die er bei der Wiedererziehung autistischer und sprachgestörter Kinder anwendet.
SON Magazine Nr. 34 — Januar 1973
Die audio-psycho-phonologische Erziehung
„Wie man Sprachstörungen behandelt"
Ausführliche Beschreibung der klinischen Protokolle der Audio-Psycho-Phonologie: musikalische klangliche Rückführung, intrauterine Memorierung, klangliche Geburt, Vorsprache, Sprache. Warum die auditive Erziehung wirksamer ist als rein logopädische Ansätze zur Behandlung von Legasthenie, Stottern und Sprachverzögerungen.
SON Magazine Nr. 35 — Februar 1973
Das musikalische Ohr und die psychologische Rolle der Klänge
„DAS MUSIKALISCHE OHR, EIN ZIEMLICH SELTENER TRUMPF"
Was ist das musikalische Ohr? Tomatis unterscheidet das rezeptive musikalische Ohr (Fähigkeit, Musik zu würdigen) vom expressiven musikalischen Ohr (Fähigkeit, sie wiederzugeben). Die ideale audiometrische Kurve und die Zone der Höhen (2 000-4 000 Hz) bestimmen die musikalische Befähigung und den psychischen Tonus.
SON Magazine Nr. 36 — März 1973
Gesungene Stimme
„CARUSO WURDE DURCH ZUFALL ZU CARUSO"
Tomatis erzählt seine spektrographische Untersuchung über Enrico Caruso: Aus viertausend Aufnahmen von Schallplatten zwischen 1898 und 1919 rekonstruiert er die Entwicklung des Gehörs des großen Tenors — und entdeckt, dass die außergewöhnliche Qualität der Caruso-Stimme einem glücklichen anatomischen Zufall geschuldet ist, der die Resonanz der Höhen erzwingt.
SON Magazine Nr. 37 — April 1973
Die gefährlichen Klänge
„LAWINE VON DEZIBEL: ACHTUNG, GEFAHR"
Die Schmerzschwelle, die akustischen Traumata, die Berufsschwerhörigkeit der Opernsänger (die in einem Meter Abstand 100 bis 120 dB erreichen), der dem Lärm der Flugzeugmotoren ausgesetzten Arbeiter und der jungen Hörer verstärkter Musik. Wie der fortschreitende Verlust der Höhen immer der Verschlechterung der Stimme vorausgeht.
SON Magazine Nr. 38 — Mai 1973
Der Lärm ist uns notwendig
„Der Lärm ist uns notwendig"
Paradox: Wenn manche Klänge gefährlich sind, ist die absolute Stille es nicht minder. Das Ohr muss permanent die Hirnrinde mit elektrischem Potenzial aufladen. Tomatis verweist auf die Versuche Stanley Jones’ (vollständige sensorische Deprivation, die zur Schizophrenie führt) und zeigt, dass wir drei Milliarden klangliche Informationen pro Sekunde brauchen, viereinhalb Stunden täglich.
SON Magazine Nr. 39 — Juni 1973
Das rechte Ohr: das wichtigste
„Das rechte Ohr: das wichtigste"
Warum die auditive Lateralisation von größter Bedeutung ist. Das rechte Ohr (beim Rechtshänder) steuert die Stimme, die Sprache, das Gedächtnis und die Konzentration über den kürzesten vestibulo-cochleären Kreislauf. Stottern, manche Legasthenien und mehrere Stimmungsstörungen erklären sich durch einen Lateralisationsfehler.
SON Magazine Nr. 40 — Juli-August 1973
Klang und Struktur des Körpers
„DER KLANG VERÄNDERT DIE STRUKTUR DES KÖRPERS"
Letztes Gespräch der ersten Reihe (1972-1973). Tomatis entwickelt seinen Begriff des Körperbildes: Es ist weder die Fotografie noch die taktile Empfindung, sondern der integrierte Begriff des Körperschemas, geformt durch den neuronalen Gebrauch. Wie Sport, Musik und Autofahren das Körperbild umformen, indem sie die Werkzeuge in es einbeziehen, und wie die audio-vokale Erziehung Haltung, Gang und Atmung wieder in Einklang bringt.
SON Magazine Nr. 71 — Mai 1976
Die menschliche Stimme, ein wunderbares Instrument
„Die menschliche Stimme"
Wiederaufnahme der Reihe nach mehr als zwei Jahren Unterbrechung. Tomatis vertieft die stimmliche Geste als unmittelbare Verlängerung des Zuhörens und die innige Verbindung zwischen Stimme und Körperbild: „die Gesangskunst engagiert nicht nur eine Stimme, sondern ein Wesen".
SON Magazine Nr. 72 — Juni 1976
Ist das Ohr ein natürliches Mikrofon?
„Ist das Ohr ein natürliches Mikrofon?"
Kritik der mechanistischen Auffassung des Hörens. Das Ohr ist kein passiver Empfänger, sondern ein psychisches Organ des intentionalen Zuhörens. Grundlegende Unterscheidung zwischen Hören (passive Stimulation) und Zuhören (bewusste Ausrichtung).
SON Magazine Nr. (?) — 1977
Von Klängen und Farben
„Von Klängen und Farben"
Synästhesien, Entsprechungen zwischen Klangfrequenzen und Farben, Studium der Kinderzeichnungen im Verlauf der Kur unter dem Elektronischen Ohr. Tomatis stützt sich auf die dominante Farbe der Zeichnungen als psycho-akustischen Test im Centre du Langage. Die genaue Nummer in der Digitalisierung nicht ermittelt.
SON Magazine Nr. 88 — Dezember 1977
Klänge und Architektur
„Klänge und Architektur"
Letztes Gespräch der Reihe. Tomatis behandelt die klangliche Architektur: die Resonanz der Orte (Kathedralen, Konzertsäle, Wohnhäuser) und ihren neurophysiologischen Einfluss auf die Bewohner. Warum manche Architekturen das Zuhören begünstigen und andere es erschöpfen.
Vollständiges Dokument
Die Gesamtheit der fünfzehn Interviews — also siebenundsechzig Seiten — kann in der digitalisierten PDF-Datei eingesehen werden:
Hinweis: Einzelartikel werden nach und nach auf dieser Website veröffentlicht, jeder gibt in HTML den vollständigen Text eines Gesprächs wieder. Diese Mutter-Seite wird dann mit internen Verweisen auf die jeweiligen Tochter-Artikel aktualisiert.
Quellen: Alain Gerber, Interview-Reihe mit Professor Alfred A. Tomatis, monatlich veröffentlicht in der Zeitschrift „SON Magazine" (Paris) von September 1972 bis Dezember 1977 (15 Ausgaben, insgesamt 67 Seiten). Digitalisierung und Layout: Christophe Besson, 4. Juni 2010. Dokument aus den persönlichen Archiven von Christophe Besson.